Viel versprochen, etwas zu zahm, aber nicht ohne Reiz
I Am FuryIch hatte große Hoffnungen für I Am Fury, und wurde leider etwas enttäuscht. Das Setting klang wie für mich gemacht: weibliche Wut, Djinn-Magie, eine moralisch fragwürdige Heldin, die sich an ihrem Ex ...
Ich hatte große Hoffnungen für I Am Fury, und wurde leider etwas enttäuscht. Das Setting klang wie für mich gemacht: weibliche Wut, Djinn-Magie, eine moralisch fragwürdige Heldin, die sich an ihrem Ex rächen will? Ja bitte. Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr habe ich gemerkt: Diese Geschichte wollte mutiger sein, als sie am Ende wirklich war.
Dania startet als wütende, gebrochene Figur, eine Frau, die für ein Verbrechen verurteilt wurde, das sie nicht begangen hat, und deren einziger Halt die Vorstellung von Rache ist. Doch kaum begegnet sie demjenigen wieder, der sie verraten hat, zerfließt ihre Entschlossenheit fast vollständig. Statt Kälte, Konfrontation oder wenigstens einem inneren Konflikt, der mich mitreißt, bekommen wir eine ziemlich zahme Romanze. Ihre Wut ist zwar ein zentraler Punkt der Geschichte, aber sie bleibt eher Behauptung als echtes Gefühl. Das fand ich schade, besonders bei einem Titel wie diesem.
Die Liebesgeschichte, enemies-to-lovers, mit Second Chance, hätte funktionieren können, wenn der Verrat nicht so extrem gewesen wäre. Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen, warum sie ihn überhaupt wieder in ihr Herz lässt. Es fühlte sich für mich nicht verdient an. Die Option, einen neuen Love Interest einzuführen, hätte der Geschichte vielleicht mehr Tiefe und Spannung gegeben.
Was gut funktioniert hat: die Atmosphäre und das kulturell inspirierte Worldbuilding. Auch wenn ich mir gerade da etwas mehr Hintergrundwissen und Tiefe gewünscht hätte, war das Flair der Welt definitiv spürbar. Freundschaften (vor allem mit Noor) und der Umgang mit Identität und Schuld waren weitere interessante Aspekte, allerdings hat auch da das Gleichgewicht manchmal gefehlt. Noor fühlte sich oft wie ein Begleit-Tool statt wie ein echter Charakter.
Insgesamt: solide geschrieben, mit schönen Ansätzen, aber nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Für Leser*innen, die Revenge-Stories mit Romantik und einem Schuss Magie mögen, könnte es dennoch funktionieren. Es war einfach nicht ganz mein Buch.