Ein neuer Krimi von Lucy Clarke, für mich aber das erste Buch von ihr. Sie nimmt den Hörer mit auf eine Reise in ein Land, dessen Gepflogenheiten uns Mitteleuropäern bisweilen fremd und eigenartig erscheinen. ...
Ein neuer Krimi von Lucy Clarke, für mich aber das erste Buch von ihr. Sie nimmt den Hörer mit auf eine Reise in ein Land, dessen Gepflogenheiten uns Mitteleuropäern bisweilen fremd und eigenartig erscheinen. Aber die äußeren Bedingungen bergen auch Sonne, Meer, fantastische Wellen zum Surfen, leckeres Essen und pittoreske Städte und Dörfer. Marokko. Hier arbeitet die junge Bea als Model und müht sich nach Kräften, zur Zufriedenheit des Fotografen herumzustolzieren. Plötzlich ist ihr alles zu viel und sie beschließt, sich dem ganzen Theater zu entziehen. Und schon ist sie auf dem Weg durch Marrakeschs Altstadtgassen, verläuft sich und begegnet zwei finsteren Gestalten. Als es richtig brenzlig wird, springt ihr unerwartet aus dem Nichts eine Frau zu Hilfe, die aber von einem der beiden Angreifer brutal gewürgt wird. Bea nimmt ihr Messer und sticht auf den Mann ein, der andere ergreift mit ihrem Rucksack die Flucht. Nachdem die Frau wieder zu Atem gekommen ist, stellt sie sich als Marnie vor. Beide verlassen fluchtartig die Sackgasse und sie lädt Bea ein, erst einmal mit ihr zu fahren, sie betreibe eine Pension, wo sie vorerst unterkommen könne. Ohne ihren Pass ist Bea gezwungen, darauf einzugehen.
Bea bleibt im Surf House, wie die Pension sich nennt und lernt verschiedene Leute kennen: Pat, den Freund von Marnie, Adrian, den Nachbarn, Seth, ein Amerikaner, der nach seiner Schwester sucht. In Rückblicken erfährt man die Geschichte dieser Schwester, Savanna, alles ist mysteriös und Bea will Seth helfen, Savanna zu finden. Nicht ganz uneigennützig, denn sie braucht Geld. Nach dem recht hektischen Beginn der Story pendelt sich Beas Geschichte erst einmal ein, sie beginnt, Freude am Surfen zu finden, arbeitet für Kost und Logis im Surf House, befreundet sich mit Marnie, später auch mit Adrian an.
Hier höre ich auf, über den Fortgang des Thrillers zu schreiben, aber die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel. Der Show Down ist heftig, war für mich aber doch nicht so überraschend. Die Unterhaltung und die Spannung hielten über mehr als 400 Seiten an. Der Schreibstil gefiel mir nicht immer, wahrscheinlich liegt das aber nicht am Übersetzer. Vom Original habe ich nur die Leseprobe gelesen, musste aber feststellen, dass mir auch das englische Original nicht gut gefiel. Die Autorin hat einen recht herben Schreibstil.
Das Cover der deutschen Ausgabe bleibt hinter der Wirkung der englischen weit zurück. Das fand ich eindeutig besser und aussagekräftiger.
Fazit: ein gut gemachter Thriller, mit einigen - nicht ganz unvorhersehbaren - Wendungen. Gute drei Sterne
Bisher hatte ich noch kein Buch von Annett Gröschner gelesen, nun denke ich, das war ein Fehler. Denn „Schwebende Lasten“ hat nicht umsonst schon einige Vorschusslorbeeren bekommen, auch die großen Tageszeitungen ...
Bisher hatte ich noch kein Buch von Annett Gröschner gelesen, nun denke ich, das war ein Fehler. Denn „Schwebende Lasten“ hat nicht umsonst schon einige Vorschusslorbeeren bekommen, auch die großen Tageszeitungen (WELT, FAZ) ließen es sich nicht nehmen, schon zum Erscheinen sehr umfangreiche und positive Rezensionen zu veröffentlichen. Dass dabei auch jede Menge Spoiler das Licht der Welt erblickten, ließ mich schlagartig zu diesem Buch greifen, das ich nach mehreren Anläufen seit Wochen als Rezensionsexemplar „vor mir hergeschoben“ habe. Und ich wurde nicht enttäuscht. Meine Vorliebe für Familiengeschichte, historische Romane und Geschichte im Allgemeinen, deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ganz besonders, wird von diesem Buch tatsächlich voll erfüllt.
Hanna, geboren 1913, aufgewachsen ohne Eltern, aber mit ganzen und halben Schwestern, wird Blumenbinderin, sie bevorzugt auch später noch diese Bezeichnung, Floristin will ihr nicht über die Lippen. Sie wird für einige Zeit nach Berlin vermittelt, wird Haushaltshilfe bei ihrer „halben“ Schwester Margarete und schnuppert dort in den frühen 1930er Jahren die Großstadtluft. Wieder zurück in Magdeburg, heiratet sie und hat einen kleinen Blumenladen in der ärmsten Gegend der Stadt, gleich an der Johanniskirche. So wird dann auch ihr Erstgeborener Johannes heißen, Johannis war für den Standesbeamten nichts.
Das erste bisschen Wärme und Zuneigung, die sie in ihrem Leben erfährt, kommt tatsächlich von ihrer Schwiegermutter Sibylle, der eigene Mann ist da wesentlich zurückhaltender. Was aber nicht verhindert, dass Hanna insgesamt sechs Kinder bekommen wird. Sie quält sich mit dem täglichen Leben und Überleben ab, Karl, ihr Ehemann hilft, mehr oder weniger begeistert, besorgt Blumen, fährt Blumen aus. Nur mit der Kindererziehung hat er es nicht so. Beim Großen hat er den Verdacht, dass der von den Großeltern zu sehr „verpimpelt“ wird. Diesen herrlichen Ausdruck habe ich schon ewig nicht gehört, kenne ihn aber aus meiner Kindheit noch gut.
Hanna ist eine Frau mit starkem Willen, mit Humor und Durchsetzungskraft, was ihr nicht nur in den langen Kriegsjahren hilft, auch später wird sie sich nie unterbuttern lassen. Wer, wie ich die erste Hälfte des Lebens in der DDR gelebt hat, wird vieles wiedererkennen oder entdecken, woran er lange nicht gedacht hat. Zum Beispiel der Tag des Lehrers, 12. Juni, den hätte ich fast vergessen. Nun sehe ich aus Blumenhändlersicht, der Tag war wirklich günstiger für einen hübschen Blumenstrauß als der 8. März. Da gab es, wenn überhaupt, eigentlich nur Tulpen.
Die Geschichte der Tochter Judith hat mir persönlich besonders gut gefallen, mich sehr bewegt, ich heiße auch so, bin aber fünf Jahre jünger. Mit einem Republikgeburtstag kann ich nicht mithalten, aber ich kann mir das Leben dieser Judith sehr gut vorstellen. Hier wird die DDR geschildert, wie sie von normalen Leuten eben wahrgenommen wurde. Und das war oftmals sehr ambivalent. Annett Gröschner bietet dem Leser hier die DDR pur und live an. Hanna hat ihr Kreuz damit.
Fast alle Kapitel hat Annett Gröschner mit einem Blumennamen versehen und die Beschreibung mitgeliefert. Erst im Laufe des Lesens kam ich hinter das Geheimnis dieses Blumenarrangements, und da ich nicht glaube, dass alle schon die oben erwähnten Spoiler gelesen haben, will ich das Geheimnis um die Blumenvielfalt hier nicht lüften. Ich fand es wunderschön und sehr poetisch, so wie sich im Buch immer wieder auch Poesie einschleicht in den lakonischen, teilweise auch ironischen Ton der Tatsachenbeschreibungen.
Fazit: Annett Gröschner hat ein Buch geschrieben, das ohne Zweifel auf das oberste Treppchen eines Literaturpreises gehört. Mir hat dieser Roman außergewöhnlich gut gefallen, Hanna bleibt mir gewiss lange in Erinnerung. Unbedingt 5 Sterne!
Die Autorin Valerie Jakob hat offenbar am Thema Familie und Trauma großen Gefallen gefunden. Schon mit „Mauersegler“ hatte sie tief in der Familiengeschichte ihrer Protagonisten und in der Zeitgeschichte ...
Die Autorin Valerie Jakob hat offenbar am Thema Familie und Trauma großen Gefallen gefunden. Schon mit „Mauersegler“ hatte sie tief in der Familiengeschichte ihrer Protagonisten und in der Zeitgeschichte ihren Roman zu einer fulminanten Entwicklung getrieben. Auch in „Frag nicht nach Agnes“ verbindet sie das Hier und Heute mit der tragischen Lebensgeschichte der Familien Steiner und Kleefeld.
Zuerst lernt der Leser Lilo Kleefeld kennen, Goldschmiedin von Beruf, lebt sie in Baden-Baden, und besucht ihre Mutter Monika zum Geburtstag. Es ist nicht klar, ob es der 60. ist, aber es könnte so sein. Es kommt bei diesem Zusammentreffen zu einem kleinen Eklat, Lilo lässt ihre frisch in Trennung lebende Mutter zum Feiern mit ihren Freundinnen zurück und nimmt einen Brief mit. Eigentlich soll dieser in den Briefkasten, aber Lilo zieht er magisch an. Der Name Frank Steiner deutet auf einen Verwandten ihrer Mutter hin und nur zu gern möchte sie endlich das wohl gehütete Familiengeheimnis lüften. Lilos Großmutter war eine verheiratete Steiner, soviel weiß Lilo. Aber sie kennt nicht einmal ihren Vornamen, auch vom Großvater weiß sie nichts. Lilos Mutter Monika war noch als Kleinkind in Pflege gegeben worden und hatte nie Kontakte zur leiblichen Familie. Das Schweigen darüber belastet das Verhältnis der Familie Kleefeld, die Spannungen haben auch zur Trennung der Mutter von Lilos Vater beigetragen. Nun versucht sie mit allen Mitteln, jenen Frank Steiner zum Reden zu bringen, um endlich Klarheit über ihre Vorfahren und die Familiengeschichte zu erlangen. Ganz so einfach geht es jedoch nicht.
Der zweite Erzählstrang führt zurück ins Jahr 1943, Agnes (so heißt Lilos Großmutter also) landet ausgebombt, ohne jede Familie und vollkommen mittellos in Rotweier bei Familie Steiner, die für Ausgebombte eine Unterkunft angeboten hatten. Der aus dem Ersten Weltkrieg kriegsversehrte Carl ist nicht das Familienoberhaupt, diese Stelle hat Frieda, seine Frau eingenommen. Der älteste Sohn ist gefallen, der jüngste Sohn Ernst, lebt mit im Haus. Dann ist da noch Walter, der „steht im Felde“. Agnes wird nach kurzer Eingewöhnungszeit zu einer Art preisgünstiger Hausangestellter. Sehr angenehm ist das nicht und bequem auch nicht, aber sie hat ein Dach überm Kopf und zu essen. Als sie bei einem Fronturlaub Walter kennenlernt, fleht dieser sie an, im Haus wohnen zu bleiben und sich um die Eltern zu kümmern, auch um Ernst. Kurze Zeit später wird sie per Brief einen Heiratsantrag bekommen. Ihr Leben und ihre weitere Entwicklung werden nach der schnell folgenden Hochzeit nie mehr frei und ungebunden sein.
Zwischen den Schilderungen aus Rotweier erfährt der Leser mehr und mehr von Lilos Leben, ihren Wünschen, Hoffnungen und ihrer Arbeitsstelle beim Goldschmied Falkner. Zeichnet sich zuerst eine hoffnungsvolle Karriere ab, muss sie nach und nach feststellen, dass ein neuer Mitarbeiter alles auf den Kopf stellen kann. Küster, ein Mann des Marketings, der schlangengleichen Anpassung und des inhaltsleeren Redens nimmt ihr binnen Kurzem jede Chance. Enttäuscht muss sie feststellen, dass ihre über Jahre erarbeitete Stellung in der kleinen Firma wohl dem Ende zugeht.
Lilo hat einen Freund, Felix, sie kennen sich schon seit der Schulzeit, dieser hilft ihr zumindest moralisch wieder auf die Beine und er unterstützt ihre frisch begonnene Spurensuche nach der Wahrheit in der alten Familiengeschichte. Denn der Ausspruch „Frag nicht nach Agnes“ hängt über allem, was geschieht. Diese Agnes so schuld sein an einer ganzen Familientragödie, natürlich auch am zerstörten Leben ihrer Mutter, und Lilo will endlich die Hintergründe dafür wissen.
Als Anfang der 1950er Jahre Walter aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen wird, hat Agnes längst Arbeit gefunden. Ausgerechnet bei den französischen Besatzern. Die Bedingungen, unter denen verheiratete Frauen zu jener Zeit noch zu leiden hatten, zumindest im Westteil Deutschlands, spotten heute jeder Beschreibung. Der Ehemann war der absolute Herr und Herrscher. Wie sich die Geschichte zwischen Walter und Agnes weiterentwickelt, was zum Zerwürfnis führt und zu Monikas Entfernen aus der Familie, das muss jeder selbst lesen. Ich fand es einerseits interessant, über diese Zeit mehr zu erfahren, andererseits aber machte es mich auch traurig, welche Auswirkungen nicht nur der Krieg, sondern auch der Nachkrieg auf die „ganz normalen“ Leute hatte.
Die Arbeitsprobleme von Lilo haben mich hingegen nicht so sonderlich bewegt, kenne ich doch aus meinem früheren Berufsleben ausreichend Beispiele für solche wortgewaltigen und hohlen „Führungspersönlichkeiten“. Ich habe nicht nur einen davon schnell wieder gehen sehen, leider immer mit großen Abfindungen, damit man sie schnell wieder loswurde. Auch Lilos hehre Ansichten bezüglich der Herkunft von Gold und Edelsteinen und der Ausnutzung von Ressourcen wurden etwas überstrapaziert, mit der eigentlichen Geschichte hat das nur am Rande zu tun.
Die Auflösung der Rätsel um Agnes und Walter wurde etwas vereinfacht dargestellt, die Suche in den Bundes- und Landesarchiven ist wesentlich langwieriger und schwieriger als es im Buch dargestellt wird. Dass es teilweise aber auch schon beim Lesen der Dokumente eines sehr guten Spürsinns bedarf, das weiß ich aus Erfahrung. Alte Dokumente haben ihren besonderen Reiz, wenn man sie entschlüsselt hat. So auch in diesem Roman.
Mir hat der Roman trotz einiger Lägen gut gefallen, die Charakteristik der Protagonisten erschien mir manchmal etwas zu flach oder klischeehaft. Wirklich gefallen hat mir die Figur der Agnes, für sie konnte ich echte Sympathie und auch Empathie aufbringen. Lilo ist aus meiner Sicht zu eifrig dargestellt, Monika bleibt recht farblos, Frieda wünscht sich niemand als Schwiegermutter und Frank Steiner möchte man auch nicht unbedingt in der Familie wissen. Bleibt noch Ernst, der an der Tragödie offenbar zerbricht. Über Walter ist am Ende alles zu lesen. Dem greife ich nicht vor.
Das Cover passt gut zu Agnes! Die großzügige, klassische Typografie ist sehr angenehm.
Fazit: Leseempfehlung für alle, die sich für die deutsche Geschichte im Allgemeinen und für Traumabewältigung im Besonderen interessieren. Eine gute Idee, lebensnah umgesetzt. Gute 4 Sterne.
Karen Inge Nielsen hat es geschafft, dieser Verlagsankündigung (gedruckte Version von Piper) gerecht zu werden: "Wer Jens Hendrik Jensen, Stieg Larsson und Ethan Cross mag, wird Karen Inge Nielsen lieben!".
Ich ...
Karen Inge Nielsen hat es geschafft, dieser Verlagsankündigung (gedruckte Version von Piper) gerecht zu werden: "Wer Jens Hendrik Jensen, Stieg Larsson und Ethan Cross mag, wird Karen Inge Nielsen lieben!".
Ich habe das Hörbuch gehört und bin tatsächlich hin- und hergerissen zwischen begeistert und schockiert, zwischen grausigen Ereignissen und wirklich spannender Ermittlungsstory. "Niemand hört dich" ist der Auftakt zur Grenzland-Thriller-Trilogie. Wenn die folgenden zwei Thriller ebenso hart und unterhaltsam sind, dann werde ich gratulieren.
Im ersten Teil lernt man den mitten aus seiner Urlaubsvorfreude gerissenen Kommissar Mads Lindstrøm aus Dänemark und wenig später seinen Kollegen aus Deutschland, Thomas Beckmann kennen. Beide sind Mordermittler aus der Grenzregion und es ergibt sich eine rege, aber unheimliche Zusammenarbeit. Nach dem Fund der ersten Leiche an der deutschen Küste vor Nieby beginnt die fieberhafte Suche nach einem Mörder, der bald noch mehr Unheil anrichten wird. Über 7 Stunden habe ich fast atemlos und nur von dringenden Arbeiten unterbrochen, diesem Thriller zugehört. Der renommierte Sprecher Mark Bremer (ich kenne ihn schon von den Peter-Lundt-Hörspielen) liest souverän, aber manchmal etwas zu unaufgeregt. Die Übersetzung von Günther Frauenlob ist wie immer gut gelungen, er bringt in den Krimi den "skandinavischen" Stil hervorragend ein.
Fazit: Einige Stellen verursachen Gänsehaut, die Pathologie hat einen hohen Stellenwert in diesem Thriller. Wer sich davon nicht abhalten lässt, erlebt einen überraschend guten und spannenden Fall mit.
Die Autorin Katharina Fuchs ist mir seit Jahren durch ihre, immer mit historischen Ereignissen verbundenen Romane bekannt. Der Ausgangspunkt dieses Romans ist die Entrümpelung einer Wohnung. Anjas Mutter ...
Die Autorin Katharina Fuchs ist mir seit Jahren durch ihre, immer mit historischen Ereignissen verbundenen Romane bekannt. Der Ausgangspunkt dieses Romans ist die Entrümpelung einer Wohnung. Anjas Mutter ist in einem Pflegeheim gelandet und hat erkannt, dass es von dort keinen Weg zurück in die eigene Wohnung mehr gibt. So gibt sie grünes Licht für diese Aufräumaktion, einiges soll auch noch bei ihr im Zimmer seinen Dienst tun, damit sie sich mehr zu Hause fühlt, der alte Sessel zum Beispiel ist dafür auserkoren. Anja sinniert bei jedem Stück, das sie in die Hand nimmt, als ihre Tochter Lena eintrifft, verdoppelt sich gefühlt die Zeit für jedes einzelne Teil. Dass Anja auch noch einen Hund anschleppt, den sie verweist im Tiergarten gefunden hat, macht das Unternehmen nicht leichter. Ich musste bei der Beschreibung dieses Romanbeginns an meine eigenen Mutter und die Entrümpelungsaktion in ihrer Wohnung denken. Es ist wahrlich makaber, wenn die Mutter oder Großmutter noch lebt, aber alles betrachtet wird als wäre sie längst tot und bräuchte nichts mehr.
Aus dieser Anfangssituation, aus den Hinterlassenschaften der Mutter und Großmutter und aus Stücken, die an die Großtante bzw. Urgroßtante Clara erinnern, entwickelt die Autorin einen Roman, der an Ereignissen reich ist, an Rückblicken auf die Zeit vor hundert Sommern. Wie in vielen Familien gibt es Geheimnisse, aus Schuldgefühlen, Scham oder Angst wird oftmals Schweigen, das auf den nachfolgenden Generationen lastet, bis sich endlich jemand an die Lösung heranwagt.
Es ist spannend, das alles zu lesen, aber die Autorin hat es mir mit ihrem Schreibstil auch nicht leicht gemacht.
Fazit: eine interessante Familiengeschichte mit vielen Überraschungen. Empfehlenswert.