Dieses wunderbare Hörbuch kann ich jedem empfehlen, der Familiengeschichten liebt! Alena Schröders Roman, den ich vor ein paar Wochen las, hat mir so gut gefallen, dass ich mit dem Hörbuch noch einmal ...
Dieses wunderbare Hörbuch kann ich jedem empfehlen, der Familiengeschichten liebt! Alena Schröders Roman, den ich vor ein paar Wochen las, hat mir so gut gefallen, dass ich mit dem Hörbuch noch einmal den Roman nacherlebte, zauberhaft und empathisch gelesen von Julia Nachtmann.
Meine Lieblingsprotagonistin in diesem Buch wie auch im Hörbuch ist Marlen, sie ist der Ausgangspunkt dieser Geschichte und ihre Lebenserzählung hält das Ganze zusammen. Marlen, die Kriegswaise, dem Selbstmordchaos in Demmin am Ende des Zweiten Weltkriegs entkommen, wird auf ihrer Flucht von Wilma, einer Malersgattin in Güstrow, vor den anrückenden und Frauen vergewaltigenden Rotarmisten gerettet. Ihr zufälliges Zusammentreffen wird zu einer bleibenden Symbiose, die erst nach Wilmas Tod und dem Mauerfall 1989 endet. Marlen wird erst die linke, dann die rechte Hand von Wilma, die selbst endlich Malerin sein kann, am Ende wird sie auch ihre Augen ersetzen. Dass Marlens Malkunst so auf der Strecke bleibt, ist traurig, aber die Wege des Schicksals sind eben manchmal auch traurig.
Der zweite Erzählstrang widmet sich Hannah und ihrer Familie und ihren Familienproblemen, mit jeder Menge Klischees ist sie konfrontiert, Alena Schröder baut diese augenzwinkernd und gekonnt in die Handlung ein.
Unter dem Titel "Dieser ganze Familienkram" habe ich das Buch rezensiert, hier will ich mich kürzer fassen.
Ich habe auch die zwei anderen Bücher, die zu dieser Trilogie gehören, gelesen und gehört. Alena Schröder schreibt einfach das Herz und die Seele an, "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" und "Bei euch ist es immer so unheimlich still" erzählen quasi die Vorgeschichte zu "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel", aber man kann das dritte Buch auch ohne die anderen beiden hören. Ich jedenfalls werde wohl die ersten beiden nun auch noch einmal hören, einfach, weil es Freude macht. Und weil das Ende so rührend schön ist.
Fazit: 100-prozentige Hör- und Leseempfehlung, genau das richtige für Herz und Seele
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Die Autorin dieses autobiografischen Romans wurde 1910 in Freiburg im Breisgau geboren. Nur durch Zufall fand ich dieses Buch, von Lotte Paepcke hatte ich noch nie etwas gehört oder gar gelesen. Umso eindrücklicher ...
Die Autorin dieses autobiografischen Romans wurde 1910 in Freiburg im Breisgau geboren. Nur durch Zufall fand ich dieses Buch, von Lotte Paepcke hatte ich noch nie etwas gehört oder gar gelesen. Umso eindrücklicher war die Lektüre dieses schmalen Büchleins, das jetzt bereits zum dritten Mal neu aufgelegt wurde. Der 8 grad verlag macht sich in meinen Augen sehr verdient um dieses Buch, das 1952, noch unter dem fast unmittelbaren Eindruck des Untergangs des Dritten Reichs, der (noch unvollständigen) Erkenntnisse über den Holocaust und eines Versuchs der „Wiedergutmachung“ stand.
Lotte Paepcke war Jüdin, aus gutem Hause, mit hoher Bildung, nach ihrem Jurastudium 1933 mit einem nicht mehr nutzbaren Staatsexamen in der Tasche. Noch vor 1935, als die Nürnberger Gesetze den Juden eine Ehe mit einem Deutschen verwehren, heiratet sie den Geisteswissenschaftler Ernst Paepcke. Eine sogenannte privilegierte Mischehe entsteht, denn sie bekommen einen Sohn, Peter. Dieser ist nach nationalsozialistischem Sprachgebrauch ein Mischling ersten Grades. Für mich sind diese Termini nichts Neues, der Vater meiner Mutter war Jude. Auch sie erlebte ihre gesamte Schulzeit, Kindheit und Jugend von der Einschulung 1933 bis zur Befreiung 1945 unter Repressalien, ihre „arische“ Mutter beschützte sie so gut es ging. Am Ende ihres Lebens wird sie ähnliche Worte wie die Autorin finden für das Leben danach: »Es wurde nicht wieder gut« (Zitat, Nachwort, S. 117).
Der Roman schildert auf teilweise sehr poetische Weise das Leben der Lotte Paepcke unter dem Hakenkreuz, als heutiger Leser muss man sich erst an den Schreibstil gewöhnen, der viel Gefühl, viele bildhafte Beschreibungen und philosophische Betrachtungen und Zitate enthält. Aber je länger ich las, umso mehr fühlte ich mich in die Autorin ein, immer wieder dabei an meine Mutter, meinen ermordeten Großvater, die vielen Holocaustopfer unter meinen Verwandten denkend.
Zuerst zieht sie mit ihrem Mann vom Rheinland nach Leipzig, ein Unterschied der Mentalitäten, der nicht größer sein könnte. Dort sind beide bedacht darauf, ihre jüdische Identität zu verschleiern und zu verheimlichen, erst als sie eine Meldeadresse nachweisen können, holen sie auch den kleinen Peter, der da schon in die dritte Klasse geht, zu sich. In der Volksschule ist er nur gelitten, eine höhere Bildung wird ihm während der Nazizeit verwehrt sein, so wie es auch meiner Mutter widerfuhr. Peter wird dann aber doch wieder in die Obhut anderer kommen, weil seine Mutter schwer erkrankt. Ihr Ehemann, der immer zu ihr hält, bringt sie nach Freiburg, wo sie sich halblegal aufhält, aber zumindest der Sohn ist bei ihr. Ein Krankenhausaufenthalt endet nach einem Bombenangriff der Alliierten im Chaos, gerettet wird sie durch die wundersame Aufnahme in ein Kloster, in dem auch Peter im Kinderheim leben kann. Diese Klosterzeit bringt ihr nicht nur Erholung, sie erfährt auch Güte und Herzlichkeit, aber kaum einer weiß, dass sie Jüdin ist.
Dass das Leben einer Jüdin in einer Mischehe auch ganz anders enden kann, das erzählt sie am Beispiel ihrer Cousine und Freundin Lilli. Trotzdem sie mit einem „Arier“ verheiratet war und sie gemeinsam fünf Kinder hatten, ließ ihr Mann sich scheiden. Das bedeutete für Lilli den sicheren Tod. Das gleiche Schicksal wird ihre Großmutter erleiden, die sie vor ihrem Abtransport in die Gaskammern nicht noch einmal sehen kann. Diese irreale Schuld, ihre Vorfahrin im Stich gelassen zu haben in jener Zeit, wird sie nie verlieren.
Unabhängig von den persönlichen Umständen, die die Autorin so einprägsam schildert, beschreibt sie auch die Umgebung, die äußeren Umstände, die sie erlebt. Interessant sind die Schilderungen über den Leipziger Brühl, das Pelzhändler- und Kürschnerviertel, das vor 1933 hauptsächlich jüdischen Kaufleute und Kürschner beherbergte. Auch die Zwangsarbeit, die die Autorin leisten muss, wird durch Bombenangriffe nachhaltig verändert. Zuerst ist es eine abgeschlossene Abteilung für jüdische Frauen aus Mischehen, nach den Bombenangriffen besteht die Arbeit aus sinnlosem Aufhäufen von Schuttbergen. Da wirkt ihre spätere Arbeit in der Klostergärtnerei beinahe erfreulich.
Das Nachwort der Autorin (aus dem Jahr 1979) lässt nur einen Schluss zu, vieles würde sie noch heute genauso schreiben. Und sie würde mit dem Wissen um den heutigen Antisemitismus, der besonders nach dem Hamas-Massaker vom 23. Oktober 2023 wieder sehr deutlich und laut auftritt, wahrscheinlich große Angst bekommen vor der Zukunft. Auch ihre Nachkommen melden sich zu Wort, erinnern mit Stolz an ihre Mutter und Großmutter. Dass sie explizit erwähnen müssen, dass der Text nicht nach heutigen Maßstäben lektoriert oder verändert wurde, sondern im Original erhalten bleibt, das scheint dem Zeitgeist geschuldet. Für mich ist das Buch genau richtig, auch wenn es an manchen Stellen etwas pathetisch und langatmig geschrieben ist, fand ich doch auch Stellen, die fast wie eigenständige Lyrik klingen: „Aber die Schritte zum Berg – waren sie nicht noch immer die meinen? Sie hatten mich nicht verlassen: denn aus ihnen wurde der Weg. Die Gedanken und Träume, die ich getragen hatte durch die Straßen meiner Stadt: Sie waren nicht zurückgeblieben zwischen den engen Mauern. Sie hatten sich erhoben und gewölbt zum Raum, so groß wie die Welt, durch die zu gehen mein Schicksal war.“ (Zitat, S. 82)
Fazit: Dieses Buch reiht sich ein in die großen Werke der Holocaust-Literatur. Ich empfehle es aus ganzem Herzen.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Ich kannte den Namen Judith Hoersch bisher nicht, logisch, denn sie hat mit diesem Roman ihr Debüt als Schriftstellerin. Schon dafür gebührt ihr meine Anerkennung, denn in heutiger Zeit einen Roman so ...
Ich kannte den Namen Judith Hoersch bisher nicht, logisch, denn sie hat mit diesem Roman ihr Debüt als Schriftstellerin. Schon dafür gebührt ihr meine Anerkennung, denn in heutiger Zeit einen Roman so prominent bei einem großen Verlag zu veröffentlichen, dazu gehört schon eine große Portion Selbstbewusstsein und auch ein langer Atem. Ich hatte, bevor ich das Hörbuch begann, einige Rezensionen zu "Niemands Töchter" gelesen, einige auf Instagram, einige bei Amazon oder LovelyBooks. Aus Zeitmangel entschied ich mich dann fürs Hörbuch, das die Autorin selbst liest. Und hier begann mein Problem, ich kannte die Leseprobe (immerhin bis zur Seite 36), die mir gut gefallen hat, aber der gleiche Text – vorgelesen von der Autorin – kam mir sehr langatmig und langgezogen vor, die Stimme so langsam und ruhig, ja fast emotionslos. Das hat mich doch sehr enttäuscht.
Die Geschichte um die vier Frauen Marie, Gabriele, Alma und Isabell hat mich trotzdem sehr bewegt, schließlich bin auch ich eine Tochter und ich habe selbst zwei Töchter plus eine Patchworktochter, weiß um Beziehungstragödien und liebevolles An- und Abstoßen. Judith Hoersch bringt die Konflikte, die nicht nur in den Altersunterschieden lauern, sehr einfühlsam in ihrem Roman unter. Und sie löst die Geheimnisse, die unter der Oberfläche lauern, mit gekonnten Wendungen auf.
Judith Hoersch sagt selbst, dass sie "versucht, die tiefe Prägung zu ergründen, die Mütter an ihre Kinder weitergeben." Ja, das ist ihr gelungen und ich kann es aus vollem Herzen bestätigen, ohne meine Mutter würde ich heute auch keine Rezensionen schreiben. Das hat sie mir bereits als Kind in die Wiege gelegt.
Das Cover ist nicht ganz mein Geschmack, aber das liegt vielleicht daran, dass momentan unendlich viele Frauen- und Familienromane ähnlich gestaltet werden.
Fazit: wer gern Familienromane liest bzw. hört, ist hier genau richtig.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Romy Hausmann hat einen so spannenden und verzwickten Krimi geschrieben, da konnte einem beim Hören schon mal der Atem stocken. 2003 - Julie Novak ist verschwunden, offensichtlich entführt, nach der sehr ...
Romy Hausmann hat einen so spannenden und verzwickten Krimi geschrieben, da konnte einem beim Hören schon mal der Atem stocken. 2003 - Julie Novak ist verschwunden, offensichtlich entführt, nach der sehr niedrigen Lösegeldforderung bleibt jedes weitere Zeichen von den Entführern und von ihr aus. Zwanzig Jahre später versucht ein True-Crime-Podcastteam, diesen unerklärlichen Fall neu aufzurollen. Wechselnde Protagonisten und die jeweiligen Sprecher lassen keine Langeweile aufkommen. Ich habe dem Hörbuch gebannt bis zum Schluss zugehört, eigentlich ist es fast ein Hörspiel. Dass es zum Ende hin immer undurchsichtiger, aber bisweilen eben auch vorhersehbarer wird, störte mich ein wenig. Zur Handlung und Lösung dieses Falls möchte ich mich aber nicht äußern, niemanden den Spaß und die Spannung verderben.
Die Sprecher sind allesamt ein tolles Gespann! Allen voran der Vater des Opfers, den Felix Manteuffel als dementer Chirurg mit Bravour liest. Uve Teschner, einer meiner liebsten Hörbuchsprecher, gibt dem Verdächtigen Daniel Profil.
Interessant ist das "Innenleben" eines True-Crime-Podcasts, mir hat das gut gefallen, mit welchen Ideen und Methoden da vorgegangen wird.
Fazit: spannend, aber etwas in die Länge gezogen, gute Hörempfehlung.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Der Versuch, Simon Dubnow zu gedenken
Es gibt in Leipzig ein Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur, das den Namen Simon Dubnow trägt. Gabriel Bronstein versucht, diesen bedeutenden Wissenschaftler ...
Der Versuch, Simon Dubnow zu gedenken
Es gibt in Leipzig ein Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur, das den Namen Simon Dubnow trägt. Gabriel Bronstein versucht, diesen bedeutenden Wissenschaftler noch einmal zum Leben zu erwecken, aber tatsächlich ist er in Riga, genauer am 8. Dezember beim Massaker im Wald von Rumbula von den Deutschen umgebracht worden. Sein Werk aber, vor allem die zehnbändige Geschichte des jüdischen Volkes, hat sich der Nachwelt erhalten.
Die Geschichte, die der Autor um Simon Dubnow bzw. um den jungen Israeli David Dubnow, der wähnt, er könnte mit Simon verwandt sein, fabuliert, fühlt sich ein bisschen übertrieben an. "Gefunden" hat sie der Journalist Rafael Shapiro, der sie versehentlich ausdruckt und sich in ihr verstrickt.
Immer wieder las ich bewegende Szenen, die in Riga spielen, Anfang der 1970er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges, trotzdem konnte mich dieses Buch nicht vollkommen überzeugen. David Dubnow, der da durch Riga geisterte, blieb für mich immer eine Kunstfigur. Mit Judica, Davids Angebeteter, oder mit Opa Samuel, "vor dem Krieg war er Rabbiner und Kantor. Leute aus ganz Lettland kamen nach Riga, um Rabbiner Samuel Melamed singen zu hören", ging es mir ähnlich.
Trotzdem, was mir sehr gefiel, waren die ausführlichen Anmerkungen im Glossar, die mir das Buch und die jüdische Geschichte von Riga dann doch sehr nahebrachten.
Ich habe bei Recherchen nach der eigenen Familiengeschichte auch Riga betrachtet, der Ehemann meiner Großtante wurde im Wald von Biķernieki, auch ein Wald in Riga, ermordet. Das war auch der ursprüngliche Anlass, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe.
Wer sich für die Geschichte interessiert, dem empfehle ich das Buch, auch wenn es sich nicht sofort erschließt, berührt es doch, wenn man weiß, dass nur ein Prozent der Rigaer Juden den Holocaust überlebt hat. Wie es den wenigen Überlebenden, die in der Sowjetunion blieben, ergangen ist, ist dann schon wieder eine neue Geschichte.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.