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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2025

gute Zeiten

Beste Zeiten
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Beste Zeiten habe ich gelesen, weil mir der Vorgänger Okaye Tage sehr gut gefallen hat – und auch dieses Buch konnte mich überzeugen. Jenny Mustard bleibt ihrem ruhigen, beobachtenden Erzählstil treu und ...

Beste Zeiten habe ich gelesen, weil mir der Vorgänger Okaye Tage sehr gut gefallen hat – und auch dieses Buch konnte mich überzeugen. Jenny Mustard bleibt ihrem ruhigen, beobachtenden Erzählstil treu und fängt erneut sehr feinfühlig eine Lebensphase ein, in der alles möglich scheint und gleichzeitig nichts wirklich sicher ist.

Im Mittelpunkt steht Sickan, Anfang zwanzig, die ihr altes Leben in der schwedischen Provinz hinter sich lässt und voller Erwartungen nach Stockholm zieht. Endlich weg von Enge, Ausgrenzung und lieblosen Beziehungen, endlich hinein in ein Leben, das nach Freiheit, Freundschaften, Partys und neuen Versionen ihrer selbst klingt. Doch schnell wird klar, dass ein Ortswechsel allein nicht alle Unsicherheiten verschwinden lässt. Die Frage, wie „Leben“ eigentlich funktioniert und wie man wirklich dazugehört, zieht sich leise, aber konstant durch die Geschichte.

Besonders mochte ich, wie ehrlich und unaufgeregt Mustard Sickans innere Gedanken und Zweifel schildert. Vieles fühlt sich sehr nahbar an, gerade wenn man selbst ähnliche Übergangsphasen erlebt hat oder kennt. Gleichzeitig passiert nach außen hin nicht allzu viel – wer eine stark plotgetriebene Geschichte erwartet, könnte das Buch als langsam empfinden.

Insgesamt ist Beste Zeiten ein stimmiger, atmosphärischer Roman über Selbstfindung, Erwartungen und das Erwachsenwerden. Für mich eine gelungene Fortsetzung im Geiste von Okaye Tage – ruhig, nachdenklich und absolut lesenswert, auch wenn es kein 5-Sterne-Highlight war.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

tolle Grundidee

Hustle
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Die Grundidee von Hustle hat mich sofort angesprochen: Eine Protagonistin, die ihre eigene Moral lebt, Regeln biegt und sich in einer teuren Stadt mit Kreativität und Chuzpe durchschlägt. Leonie ist jemand, ...

Die Grundidee von Hustle hat mich sofort angesprochen: Eine Protagonistin, die ihre eigene Moral lebt, Regeln biegt und sich in einer teuren Stadt mit Kreativität und Chuzpe durchschlägt. Leonie ist jemand, der aneckt, Grenzen überschreitet und dabei überzeugt ist, im Recht zu sein. Besonders das Konzept der „Rache-Dienstleistung“ für frisch gebrochene Herzen ist originell und bietet viel Stoff für gesellschaftliche Fragen rund um Geld, Moral und Selbstverwirklichung im Kapitalismus.

Leider konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen. Viele Themen werden nur angerissen und bleiben mir zu oberflächlich. Weder Leonies innere Konflikte noch die Dynamik innerhalb der Gruppe der Frauen werden wirklich vertieft. Auch die moralischen Fragen, die der Roman aufwirft – wie viel man wirklich zum guten Leben braucht und welches Risiko man dafür eingehen sollte – bleiben eher Behauptungen als echte Auseinandersetzungen.

Der Roman liest sich zwar flott und hat durchaus witzige, pointierte Momente, doch insgesamt fehlte mir die Tiefe, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Eine starke Idee, die meiner Meinung nach mehr erzählerischen Mut und Komplexität verdient hätte.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Teil 1 gefiel mir besser

Memories So Golden Like Us (Blue Eternity 2)
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Teil 1 der Blue Eternity Reihe von Gabriella Santos de Lima hat mir besser gefallen, als der Nachfolger "Memories so golden like us". Trotzdem konnte auch Teil 2 mich überzeugen.

In "Memories so golden ...

Teil 1 der Blue Eternity Reihe von Gabriella Santos de Lima hat mir besser gefallen, als der Nachfolger "Memories so golden like us". Trotzdem konnte auch Teil 2 mich überzeugen.

In "Memories so golden like us" geht es um Blair, die in Teil 1 ihren Bruder verloren hat. Als Bewältigungsstrategie ist sie Partygirl und schläft mit einem Mann nach dem nächsten. Auch ihre Eltern sehen sie nicht als die Künstlerin, die sie gerne sein möchte. Im Grunde ist Blair ein echtes Skandal-Mädchen, was ihr aber herzlich egal ist, bis ihre Eltern ihr kein Geld mehr zur Verfügung stellen. Also muss sie nun selbst Geld verdienen und begegnet dabei Connor wieder, der der beste Freund ihres Bruders war. Dumm nur, dass Connor ihr damals schon das Herz gebrochen hat...

Mir gefällt der Schreibstil der Autorin wie immer super. Gabriella Santos de Lima schreibt sehr gefühlvoll und poetisch. In Band 1 hat sie mir das Herz gebrochen! Das konnte Band 2 leider nicht so ganz wieder heilen. Zwar mochte ich Blair, aber ihre Geschichte konnte mich leider nicht so sehr überzeugen wie die starke Liebe aus Band 1. Nichtsdestotrotz ist "Memories so golden like us" sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 13.10.2025

sprachlich brilliant, aber emotional etwas distanziert

No Way Home
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Ich liebe T.C. Boyle und freue mich immer auf seine neuen Romane – kaum ein Autor beobachtet menschliche Schwächen so scharf und schreibt dabei so lebendig und bildgewaltig. No Way Home bildet da keine ...

Ich liebe T.C. Boyle und freue mich immer auf seine neuen Romane – kaum ein Autor beobachtet menschliche Schwächen so scharf und schreibt dabei so lebendig und bildgewaltig. No Way Home bildet da keine Ausnahme: sprachlich ist das Buch wieder meisterhaft, mit dieser typischen Mischung aus Witz, Abgründigkeit und präziser Gesellschaftsbeobachtung, die Boyles Stil so unverwechselbar macht.

Die Geschichte um Terry, den Arzt aus Los Angeles, der nach dem Tod seiner Mutter in die Einsamkeit der Wüste zieht und dort der rätselhaften Bethany begegnet, ist zunächst voller Spannung. Schnell entwickelt sich ein unheilvolles Dreiecksverhältnis zwischen Terry, Bethany und ihrem Ex Jesse – ein düsteres Kammerspiel in der glühenden Hitze Nevadas. Boyle gelingt es, die klaustrophobische Atmosphäre und das brodelnde Begehren, das unter der Oberfläche lodert, eindrucksvoll einzufangen.

Trotzdem muss ich sagen: No Way Home hat mich weniger gepackt als seine letzten Werke. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinen der Protagonisten wirklich sympathisch fand. Alle drei Figuren sind auf ihre Weise getrieben, egoistisch und oft schwer greifbar. Das ist sicher gewollt – Boyle interessiert sich nun mal mehr für menschliche Abgründe als für Identifikationsfiguren – aber es hat mir das Mitfühlen ein wenig erschwert.

Unterm Strich ist No Way Home dennoch ein starkes Buch: atmosphärisch dicht, klug konstruiert und sprachlich brillant. Nur emotional bleibt es für mich etwas kühler als Boyles frühere Romane – deshalb „nur“ vier Sterne, aber immer noch auf hohem Niveau.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Spannend, aber die Gefühle fehlen ein wenig

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Lost Girls hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte von Darcy, die nach außen hin das perfekte Leben führt – ein luxuriöses Strandhaus, ein erfolgreicher Footballstar als Ehemann – und ...

Lost Girls hat mich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte von Darcy, die nach außen hin das perfekte Leben führt – ein luxuriöses Strandhaus, ein erfolgreicher Footballstar als Ehemann – und doch innerlich gefangen ist, war unglaublich intensiv zu lesen. Hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich ein Albtraum aus Kontrolle, Angst und Manipulation. Besonders die Darstellung ihrer inneren Zerrissenheit und der Mut, den sie aufbringt, um sich aus dieser toxischen Beziehung zu befreien, haben mich sehr beeindruckt.

Auch Ellis, der Engländer, der plötzlich in ihr Leben tritt und sofort erkennt, was Darcy zu verbergen versucht, bringt eine neue, hoffnungsvolle Dynamik in die Geschichte. Die Spannung zwischen Flucht, Gefahr und Neubeginn ist wirklich stark umgesetzt, und der Schreibstil ist atmosphärisch und mitreißend.

Was mir allerdings ein bisschen gefehlt hat, war der „Vibe“ zwischen den Protagonisten. Die Chemie zwischen Darcy und Ellis hätte für mich noch etwas greifbarer, emotionaler sein dürfen. Gerade bei einer so intensiven Geschichte hätte ich mir mehr spürbare Verbindung und Tiefe in ihrer Beziehung gewünscht.

Trotzdem: Lost Girls ist ein bewegender, spannender und emotional aufwühlender Roman über Freiheit, Selbstbestimmung und die Kraft, sich selbst wiederzufinden. Eine klare Leseempfehlung – auch wenn nicht jede Emotion bei mir voll angekommen ist.

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