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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.07.2018

Zusammenfassung der letzten 100 Jahre

Ein österreichisches Jahrhundert
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Um es gleich vorweg zu nehmen: Wer sich ein bisschen für (österreichische) Geschichte interessiert und regelmäßig Zeitung liest, wird hier nichts wirklich Neues erfahren.
Außerdem neigt der Autor etwas ...

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wer sich ein bisschen für (österreichische) Geschichte interessiert und regelmäßig Zeitung liest, wird hier nichts wirklich Neues erfahren.
Außerdem neigt der Autor etwas dazu, den Inhalt durch allgemeine weltanschauliche Ergüsse auszuschmücken, wie man sie ohnehin oft genug in diversen Leitartikeln finden kann.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch lesenswert, bietet es doch einen guten Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungslinien, welche Österreichs Politik und Gesellschaft während der letzten 100 Jahre (und teilweise noch länger) prägten. Es berichtet sowohl davon, wie sich Institutionen wie die Verfassung, der Föderalismus oder die Rechte der Frauen im Laufe der Zeit gewandelt haben, als auch von den sich ändernden Ansichten und Einstellungen innerhalb der Bevölkerung.
Der Schwerpunkt liegt auf der ersten Hälfte des Jahrhunderts, was sich natürlich daraus erklärt, dass in diesen Zeitraum die dramatischeren Episoden fielen. Ich hätte mir allerdings an einigen Stellen doch ausführlichere Inforationen zu aktuelleren Geschehnissen gewünscht.

Die Ausführungen sind aber jedenfalls interessant und leicht verständlich, sodass sie die Vergangenheit zum Leben erwecken können.

Veröffentlicht am 18.07.2018

Was hat Maja getan?

Im Traum kannst du nicht lügen
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Berichte über Amokläufe von Jugendlichen finden sich mit trauriger Regelmäßigkeit in den Medien. So hat die Autorin, die selbst als Juristin tätig ist, für ihr Buch ein (leider sehr) aktuelles Thema gewählt:
Die ...

Berichte über Amokläufe von Jugendlichen finden sich mit trauriger Regelmäßigkeit in den Medien. So hat die Autorin, die selbst als Juristin tätig ist, für ihr Buch ein (leider sehr) aktuelles Thema gewählt:
Die 18jährige Maja steht in Stockholm vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, gemeinsam mit ihrem Freund Sebastian ein Attentat an der ihrer Schule geplant und durchgeführt zu haben. Sebastian, mehrere Schüler und ein Lehrer sind tot und Maja sieht sich als meistgehasste Person Schwedens. Nichtsdestotrotz plädiert ihr Anwalt auf nicht schuldig.

Dieser Roman wird von Maja in Ich-Form erzählt. Sie berichtet sowohl über die Entwicklung ihrer Beziehung mit Sebastian einschließlich all der Probleme, denen sie sich in dieser Zeit gegenübersah, als auch davon, was nach dem Anschlag mit ihr geschehen ist. Etwas störend fand ich dabei, dass vor allem am Anfang die Kapitel, die sich dem Prozess widmen (sollen), hauptsächlich aus Rückblenden bestehen. Überhaupt werden die Vorgänge vor Gericht eher diffus geschildert, erst gegen Ende kann man beim Verfahren richtig mitfiebern.
Die Geschichte ist aber jedenfalls flott geschrieben und vielfach mitreißend. Zu Beginn weiß man noch wenig darüber, was eigentlich geschehen ist, die diversen Hintergründe und Zusammenhänge werden erst nach und nach enthüllt. So wird hier einige Spannung erzeugt, die sich sowohl aus der Frage ergibt, wie das Urteil des Gerichts lauten wird, als auch aus der Frage, was Maja tatsächlich getan oder nicht getan hat.
Die Auflösung ist allerdings, trotz ein paar Überraschungen, eher vorhersehbar, einen richtigen Knalleffekt gibt es nicht.
Außerdem bin ich mit den Protagonisten nie richtig warm geworden. Maja wirkt ziemlich überheblich, sieht bei allen Menschen, denen sie begegnet (einschließlich beispielsweise ihrer besten Freundin) primär deren negative Eigenschaften und neigt zum Selbstmitleid. Teilweise ist das Alles sicher verständlich, dennoch fiel es mir dadurch schwer, mich in sie hineinzuversetzen und echtes Mitgefühl für sie aufzubringen. Die einzige sympathische Person ist Majas Anwalt Sander, was vielleicht gerade daran liegt, dass seine Persönlichkeit relativ ungenau beschrieben wird.

Trotzdem ist dieses Buch alles in allem lesenswert und kann vor allem auch zum Nachdenken anregen.

Veröffentlicht am 01.03.2018

Amüsanter Krimi mit Logikfehlern

Schampus, Küsschen, Räuberjagd
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In ihrem neusten Abenteuer hat Opernsängerin Pauline Miller diesmal ein Engagement in Bayreuth - als Isolde in Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Doch anstatt sich auf die Proben konzentrieren zu können, ...

In ihrem neusten Abenteuer hat Opernsängerin Pauline Miller diesmal ein Engagement in Bayreuth - als Isolde in Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Doch anstatt sich auf die Proben konzentrieren zu können, muss sie eine Reihe von Dramen bewältigen. Schlimm genug, dass ihre Erzfeindin „Herrmännchen“ ebenfalls zum Ensemble gehört und ihr isländischer Freund Arnaldur sie mit einer unerfreulichen Neuigkeit überrascht. Es treibt auch noch ein gewalttätiger Juwelendieb sein Unwesen und Pauline sieht sich gezwungen, sich in seine „Geschäfte“ einzumischen, wodurch sie ihm gefährlich nahe kommt.

Wie bei den übrigen Bänden dieser Reihe steht auch hier der Humor im Vordergrund. Paulys Leben mit all seinen Turbulenzen wird sehr amüsant geschildert. Sämtliche Protagonisten sind interessant ge- bzw häufig auch überzeichnet, was zusammen mit so manchen absurd-komischen Situationen für großen Lesespaß sorgt.
Doch auch das kriminalistische Element kommt nicht ganz zu kurz. Es wird viel Spannung erzeugt und die Entlarvung des Täters geht mit einigen Überraschungen einher.

Die Geschichte enthält allerdings zahlreiche Ungereimtheiten und Logikfehler. Bis zu einem gewissen Grad muss man bei einem solchen Buch natürlich mit Derartigem rechnen. Angesichts eines besonders eklatanten Widerspruchs in der Handlung habe ich mich aber schon gefragt, warum da die Lektorin nicht eingegriffen hat.

Weil sich die Lektüre nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam gestaltet hat, gebe ich dennoch vier Sterne.

Veröffentlicht am 11.01.2018

Der Ursprung unserer Sprachen

Auf den Spuren der Indoeuropäer
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Zwei Drittel der Weltbevölkerung sprechen heute eine indoeuropäische Sprache und viele der bedeutendsten Sprachen der Menschheitsgeschichte gehören dieser Sprachfamilie an – wie beispielsweise Griechisch ...

Zwei Drittel der Weltbevölkerung sprechen heute eine indoeuropäische Sprache und viele der bedeutendsten Sprachen der Menschheitsgeschichte gehören dieser Sprachfamilie an – wie beispielsweise Griechisch oder Latein, Sanskrit oder Hindi, Englisch oder Deutsch.
Doch wo die Ursprünge des Indoeuropäischen liegen, war lange Zeit heftig umstritten.

Harald Haarmann verortet die Sprecher des Protoindoeuropäischen als Hirtennomaden in der südrussischen Steppe. In mehreren Migrationswellen, welche sich über die Jahrtausende erstreckten, verbreiteten sie ihre Sprachen in weiten Teilen Eurasiens. Aber dabei wurden die jeweils zuvor existierenden Kulturen nicht etwa ausgelöscht, sondern verschiedene Lebensweisen und Glaubensvorstellungen verschmolzen, um etwas Neues hervorzubringen. So haben etwa die alteuropäischen (vorindoeuropäischen) Zivilisationen die griechische Antike weit mehr beeinflusst als es auf den ersten Blick scheint.
Der Autor begleitet die Indoeuropäer hier durch die verschiedenen Weltgegenden und Entwicklungsstadien. Ursprung und Ausdifferenzierung der diversen Sprachzweige werden beschrieben.

Es ist dabei immer wieder faszinierend, wie viel man aus der genauen Betrachtung sowohl heute existierender als auch historisch überlieferter Sprachen ableiten kann. Dazu kommen natürlich noch weitere Erkenntnisse, etwa aus archäologischen Funden oder Genanalysen.

Insgesamt bietet dieses Buch eine spannende Reise durch die Jahrtausende. Es ist allerdings doch in einem sehr trockenen Stil geschrieben. Auch hätte ich mir an manchen Stellen etwas ausführlichere Informationen über die historischen Gegebenheiten gewünscht, während linguistische Erklärungen bisweilen fast etwas zu detailliert ausfallen.

Veröffentlicht am 10.12.2017

Das geheimnisvolle Reisetagebuch

Das Sündenbuch
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Prag 1618: Am Vorabend des 30jährigen Kriegs verstärken sich die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten, die Stimmung in der Stadt wird immer angespannter.
Jana hat inzwischen noch ganz andere ...

Prag 1618: Am Vorabend des 30jährigen Kriegs verstärken sich die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten, die Stimmung in der Stadt wird immer angespannter.
Jana hat inzwischen noch ganz andere Sorgen: Sie lebt bei ihrem Onkel, wo sie eine Ausbildung zur Apothekerin macht, und soll bald Tomek, den Sohn ihrer Tante aus erster Ehe, heiraten – eine Eheschließung, die sie noch zu verhindern hofft.
Dann erhält sie auch noch die Nachricht, dass ihr Vater Marek, der in Heidelberg als Wissenschaftler tätig war, überraschend gestorben ist. Sie vermutet, dass sein Tod in Zusammenhang mit einem seltsamen Buch (einem Teil eines Reiseberichts) steht, das er ihr kurz zuvor geschickt hatte, und entschließt sich, sich heimlich davonzumachen, um selbst Nachforschungen anzustellen. Begleitet wird sie dabei von dem Arzt Conrad Pfeifer, der mit Hilfe des Buches auf große wissenschaftliche Erkenntnisse hofft, aber auch noch einen anderen Grund hat, Prag schnell verlassen zu müssen.

Diese Ausgangssituation wirkt vielversprechend, vor allem in der ersten Hälfte kann das Buch die darin gesetzten Erwartungen allerdings nicht ganz erfüllen. Die Reise von Jana und Conrad quer durch Europa (auf der sie teilweise auch von Janas Jugendfreund Bedrich begleitet werden) wird in zu vielen Einzelheiten geschildert, die mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben.
Auch aus der Ansiedlung der Handlung am Beginn des 30jährigen Krieges hätte man mehr machen können, die Auseinandersetzungen werden nur sporadisch erwähnt und sind für die Protagonisten trotz ihrer heiklen Konstellation (Jana ist Protestantin, Conrad Katholik) kaum ein Thema.
Dazu kommt noch das in Büchern dieses Genres oft verwendete Klischee der starken Frau, die mit ihren emanzipierten Einstellungen ihrer Zeit weit voraus ist.
Außerdem verlaufen die Beziehungen zwischen den Protagonisten ziemlich vorhersehbar und es wird viel Schwarz-Weiß-Malerei betrieben – die Figuren sind entweder gut oder böse, es gibt diesbezüglich keine Überraschungen.

Diese Schwächen können aber zumindest teilweise durch den Schlussteil wieder wettgemacht werden. Ab etwa der Hälfte des Buches steht endlich die Entschlüsselung des geheimnisvollen Manuskripts im Mittelpunkt, die Handlung nimmt deutlich an Fahrt auf und es kommt zu einer rasanten Jagd durch diverse Jesuiten-Klöster, wobei unsere Helden von mächtigen und gefährlichen Feinden verfolgt werden.
Die Geschichte bleibt dabei bis zuletzt spannend und steuert auf ein dramatisches Finale zu.

Auch wenn am Ende vieles offen und einige Fragen unbeantwortet bleiben, ist dies doch ein interessant komponierter und flott geschriebener historischer Roman – kein großer Wurf, aber für Fans dieses Genres sicher lesenswert.