Cosy Crime mit sympathischer Hauptfigur, abwechslungsreich dicht am Geschehen erzählt
Vinzent und die Tote in der VillaMir hat dieser Cosy Crime-Roman sehr gut gefallen. Mit ihrer Art zu erzählen, hat die Autorin mich sofort gefangen. Es war mein erster Roman von ihr. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive und fast immer ...
Mir hat dieser Cosy Crime-Roman sehr gut gefallen. Mit ihrer Art zu erzählen, hat die Autorin mich sofort gefangen. Es war mein erster Roman von ihr. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive und fast immer ganz dicht am Geschehen. Es gab nur drei oder vier Stellen, an denen ich dachte, dass ich gerade nicht wissen muss oder will, was eine Person anhat oder wie die Landschaft aussieht. Solche Beschreibungen fügen sich bei Coco Eberhardt sonst sehr geschmeidig ein. Mir hat gefallen, dass sie nicht unbedingt sofort, wenn eine neue Figur auftaucht, mit dem Beschreiben beginnt. Sondern sie gibt solche Info meist dann, wenn es in die Story passt. Ein oder zweimal hat das dazu geführt, dass mich ein Detail überraschte, weil ich mir die Figur bis dahin anders vorgestellt hatte. Aber die Figuren und die Handlung wirkten auf mich trotzdem sehr harmonisch. Der Roman war flüssig zu lesen und ich verfolgte mit Interesse die Handlung, die für mich keine Längen und Redundanzen aufwies. Zu "bemängeln" in diesem Zusammenhang wäre lediglich die Vorliebe der Autorin für eng anliegende Kleidung (wenn es um Kleidung geht, dann trägt man körperbetont), während die verschiedenen Handlungsstränge (der Krimi und das Private) sehr gut aufeinander abgestimmt waren. Dass die Handlung eher einfach aufgebaut ist, bemerkt man erst im Rückblick, wenn der Mord aufgeklärt wird; das Ende habe ich nicht kommen sehen. Die Figuren mochte ich auch. Besonders die Hauptfigur Vinzent war mir sympathisch. Ein Anti-Held, der gar kein Ermittler sein will. Er wird mitgezogen. Ich fand es außerdem gut, dass Vinzent ein recht normaler Kerl ist und nichts Besonderes (noch 29 Jahre, gutaussehend, Fotograf, lebt wieder bei den Eltern, etwas unorganisiert). Diese Idee, wenn auch nicht vollkommen neu, fand ich eine angenehme Abwechslung zur üblichen Rollengestaltung in Krimis. Die Atmosphäre des Romans mochte ich. Etwas Spannung, ein bißchen Drama, aber kein Splatter. Das Konzept von Cosy Crime wurde sehr gut umgesetzt. Die schwäbische Note muss man allerdings fast suchen. An drei bis vier Stellen schwäbelt mal jemand. Aber sonst weiß man nur, wenn eine Ortsbezeichnung fallengelassen wird, dass man in Schwaben ist. Nicht gefallen hat mir an dem lektorierten Roman, dass dem Lektorat viel durchgegangen ist. Das waren einerseits Fehler (Rechtschreibung, mal ein fehlendes Komma oder ein fehlendes Wort). Andererseits fand ich die Wortwahl teils etwas ältlich (z.B. "entfleucht"), etwas unangemessen (es wird so viel "gehockt" beispielsweise) und sich wiederholend; die Bildsprache fand ich etwas arg konventionell (obwohl teils auch überraschend). Mit diesen Abstrichen komme ich insgesamt zu einer Bewertung von 4 Sternen.