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Kathi1984

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2023

Über Freundschaft zwischen Männern

Roxy
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Johann von Bülow legt mit Roxy einen soliden Debütroman vor, der von einer Männerfreundschaft erzählt, in der jeder Einzelne unterschiedlicher nicht sein könnte.
Auf der einen Seite ist da Marc, der aus ...

Johann von Bülow legt mit Roxy einen soliden Debütroman vor, der von einer Männerfreundschaft erzählt, in der jeder Einzelne unterschiedlicher nicht sein könnte.
Auf der einen Seite ist da Marc, der aus einfachen Verhältnissen stammt und auf der anderen Seite Roy, der aus einer reichen Familie stammt und in seinem Leben nichts missen musste. Gemeinsam erleben Marc und Roy in ihrer Kindheit, Jugend und im frühen Erwachsenenalter die Abenteuer ihres Lebens. Nicht immer findet diese Freundschaft auf Augenhöhe statt, sondern beide reiben sich an ihrem unterschiedlich sein. Als eine junge Frau namens Carolin in das Leben der beiden tritt, wird die Freundschaft auf eine Probe gestellt.
Als Roy plötzlich stirbt, beginnt Marc auf der Beerdigung auf sein Leben mit all den verpassten Chancen und Gelegenheiten zurückzuschauen. Hier überwiegen oft die traurig-schönen Momente, die den Leser nachdenklich machen. Marc stellt sich die Frage, wie sein Leben an manch einer Stelle weitergelaufen wäre, wenn er anders entschieden hätte. Den gesamten Roman über ist Marc auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Die Charaktere sind authentisch beschrieben, allerdings bleibt Marc sehr blass. Er konnte mich emotional nicht allzu sehr berühren. Die Figur, die am Ende noch großes Potential gehabt hätte, Carolin, konnte von Johann von Bülow nicht mehr präsent ausgearbeitet werden. Hier wäre noch mehr drin gewesen!
Der Roman wird größtenteils in Rückblenden von Marc erzählt, wenn er sich an die prägenden Erlebnisse mit Roy erinnert. Der Schreibstil von Johann von Bülow ist ruhig, gemäßigt und trotzdem präzise. Traurige Stimmungen werden gut eingefangen und regen zum Nachdenken an. Alles in allem ein solider Roman, den ich gerne gelesen habe. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 06.03.2023

Eine Frau sucht sich selbst

Wovon wir leben
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Birgit Birnbacher erzählt in ihrem Roman „Wovon wir leben“ von Julia, die nach einem schweren Fehler bei ihrer Arbeit als Krankenschwester von jetzt auf gleich keine Arbeit mehr hat. Als Konsequenz zieht ...

Birgit Birnbacher erzählt in ihrem Roman „Wovon wir leben“ von Julia, die nach einem schweren Fehler bei ihrer Arbeit als Krankenschwester von jetzt auf gleich keine Arbeit mehr hat. Als Konsequenz zieht sich aus der Stadt zurück aufs Dorf in ihre alte Heimat zu ihren Eltern. Dort angekommen, trifft sie auf all das, von dem sie glaubte, dass sie es in der Stadt hinter sich gelassen hat: alte Rollenbilder, festgefahrene Strukturen und die Fragestellung, was man selbst wert ist ohne Arbeit. Sie kämpft mit sich selbst um ihren Platz in der neuen Gesellschaft auf dem Dorf und mit den Gegebenheiten vor Ort. Plötzlich wird ihre Mutter für Julia zum Vorbild, die es geschafft hat, sich aus den gesellschaftlichen Erwartungen frei zu machen und losgelöst von allem ein neues Leben angefangen hat.
Als Julia „den Städter“ Oskar kennenlernt, der ein bedingungsloses Grundeinkommen für einen gewissen Zeitraum bekommen hat und sie die Zeit im Dorf vertreibt, beginnt Julia erneut zu grübeln. Dabei ist sie zu jeder Zeit ein starker weiblicher Charakter, bei dem es Spaß macht, die Entwicklung in der Persönlichkeit zu sehen und zu verfolgen. Julia ist auf der Suche nach ihrer eigenen Zukunft und sie kämpft gemeinsam mit Oskar für einen positiven Blick in diese.
Birgit Birnbacher erzählt leise und ohne Schnörkel, aber wortgewaltig von einer starken Frau, die in der Mitte ihres Lebens noch einmal neu anfangen darf und mit der der Leser zu jeder Zeit mitfühlen kann.

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Veröffentlicht am 21.02.2023

Leider nicht überzeugend

Malvenflug
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Ursula Wiegele erzählt in ihrem Roman „Malvenflug“ von einer Familie in der Nachkriegszeit. In Rückblicken wird die Familiengeschichte aufgearbeitet und neu gedacht und hinterfragt. Im Mittelpunkt stehen ...

Ursula Wiegele erzählt in ihrem Roman „Malvenflug“ von einer Familie in der Nachkriegszeit. In Rückblicken wird die Familiengeschichte aufgearbeitet und neu gedacht und hinterfragt. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Figuren, aus deren Perspektive die Geschichte rückblickend betrachtet wird.
Die Geschichte ist in mehrere Teile gegliedert. Zunächst betrachtet Ursula Wiegele das Leben der Protagonisten während des Krieges und später wird aus der Perspektive von Helga erzählt.
Schreckliche Themen, die durch die Nazi-Diktatur immer wieder an der Tagesordnung waren, werden hier angerissen, aber schlussendlich nicht genügend ausgeleuchtet. Auch die Resultate dessen in Bezug auf die einzelnen Familienmitglieder bleiben hier meiner Meinung nach sehr oberflächlich und ohne jeglichen Tiefgang.
Ich bin mit diesem Roman leider an keiner Stelle warm geworden und konnte nicht richtig in die Story reinfinden. Die Charaktere und der Schreibstil waren für mich weder fesselnd, noch interessant. Schade! Von meiner Seite gibt es seit Langem keine Kauf- und Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Familiengeschichte mit Tiefgang

Saubere Zeiten
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Andreas Wunn erzählt in seinem Buch „Saubere Zeiten“ die Geschichte vom jungen Jakob Auber, der nach dem Tod seines Vaters beginnt, seine eigene Familiengeschichte zu erforschen. Durch verschiedene Zeitdokumente, ...

Andreas Wunn erzählt in seinem Buch „Saubere Zeiten“ die Geschichte vom jungen Jakob Auber, der nach dem Tod seines Vaters beginnt, seine eigene Familiengeschichte zu erforschen. Durch verschiedene Zeitdokumente, unter anderem alte Tonbandaufnahmen, kann Jakob mehr und mehr über sich und seine Vorfahren erfahren. Vor allem Jakobs Großvater war zu Lebzeiten ein erfolgreicher Unternehmer, der ein Waschpulver erfunden hat.
Jakob stellt fest, dass er in seinem Leben ein viel zu distanziertes Verhältnis zu den Generationen vor seiner eigenen hatte und dass er noch viele Dinge gerne gefragt oder erfahren hätte. Erst als er in Brasilien auf Bella trifft, versteht er die Gesamtzusammenhänge. Diese möchte ich hier aber nicht verraten. Besonders gut sind die historischen Einflechtungen in dem Roman, bei denen vor allem die deutsche Geschichte betrachtet wird. Jakobs Großvater lädt für den Rest seines Lebens große Schuld auf sich und dieser Umstand ist letztlich auch Schuld am Schweigen der Generationen untereinander.
Parallel zu den Geschichten aus der Vergangenheit reiht sich zudem ein Handlungsstrang aus Jakobs Gegenwart. Von seiner Frau lebt Jakob getrennt und für den gemeinsamen Sohn Oskar muss Jakob versuchen, die Dinge besser zu machen als sein eigener Vater.
Das Buch kommt sprachlich leise daher und hat auch eine eigene Erzählweise, die für mich jedoch die Charaktere umso authentischer wirken lassen. Andreas Wunn hat eine beeindruckende Familiengeschichte zu Papier gebracht, in der man viele schöne Lesestunden verbringen kann.

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Veröffentlicht am 13.01.2023

Probleme der Arbeitswelt

Die Welt geht unter, und ich muss trotzdem arbeiten?
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Sara Webers Sachbuch zum Thema Arbeitswelt im Jahr 2022 betrachtet schonungslos den Ist-Zustand nach Corona, während des Klimawandels und des Kriegs in der Ukraine.
Wir alle müssen uns gesellschaftlich ...

Sara Webers Sachbuch zum Thema Arbeitswelt im Jahr 2022 betrachtet schonungslos den Ist-Zustand nach Corona, während des Klimawandels und des Kriegs in der Ukraine.
Wir alle müssen uns gesellschaftlich mit den oben genannten Problemen auseinandersetzen und werden mehr oder weniger mit den einzelnen Themen konfrontiert. Sara Weber zeigt in ihrem Buch eindringlich, wie sehr wir alle unter den Problemen der heutigen Arbeitswelt leiden.

Gerade das Thema Frauen in der Arbeitswelt war für mich eine besondere Lektüre. Auch hier zeigt sie schonungslos die Fehler im System auf. Die moderne Arbeitswelt ist nach wie vor durch ein Patriarchat gekennzeichnet, in der es Frauen schwer gemacht wird. Das Zusammenspiel von Erwerbs- und Carearbeit funktioniert auch in einer modernen Welt nicht, sondern hat vielmehr durch Corona wieder Rückschritte gemacht.

Nach der Bestandsaufnahme versucht Sara Weber, Lösungsansätze für die Probleme in der Arbeitswelt aufzuzeigen. Am Ende wird sich herauskristallisieren, ob Homeoffice-Regelungen – seien sie einheitlich oder individuell – zumindest in der Arbeitswelt die Heilung bringen können.

Sara Webers Buch ist sehr informativ, gut recherchiert und immer wieder mit wissenschaftlichen Studien belegt. Dabei versteht sie es jederzeit, den Leser in ihrer Argumentation mitzunehmen. Das Sachbuch spricht aufgrund der nicht allzu sehr wissenschaftlichen Sprache auch die Leser an, die sich mit den Themen bislang nicht auseinandergesetzt haben.