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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2017

Er will doch nur spielen

Ich bin die Nacht
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Die Polizisten Jim und Tom werden zu einer Tankstelle gerufen. Dort liegt eine blutüberströmte, männliche Leiche, der die Augen ausgestochen wurden. Der Mörder ist Francis Ackerman junior, ein Serienkiller. ...

Die Polizisten Jim und Tom werden zu einer Tankstelle gerufen. Dort liegt eine blutüberströmte, männliche Leiche, der die Augen ausgestochen wurden. Der Mörder ist Francis Ackerman junior, ein Serienkiller. Er ist auch noch in der Tankstelle anwesend und fordert Jim zu einem Spiel heraus. Bei diesem Spiel geht es um das Leben von Jims Familie. Hat Jim eine Möglichkeit gegen Ackerman jun. zu gewinnen?

Um diese „Ich bin …“-Bücher herrscht ja ein regelrechter Hype. Leider konnte ich diesen Hype nicht nachvollziehen. Der Schreibstil von Ethan Cross ist zwar gut. Da er leicht zu lesen ist und die Handlung sehr rasant abläuft, wodurch auch eine gewisse Spannung entsteht. Allerdings fehlte mir der Leseanreiz. Ich hätte dieses Buch ohne Probleme weglegen können und es hätte mich nicht interessiert, wie es weitergeht. Dies liegt wohl vor allem daran, dass es über die Hälfte des Buches immer um dasselbe geht. Ackerman junior möchte „spielen“. Dazu sucht er sich ein Opfer, welchem er eine Aufgabe stellt, verliert sein Opfer stirbt ein von ihm geliebter Mensch. Gewinnt er, bleiben alle am Leben. Allerdings ist schnell klar, dass Ackerman junior am längeren Hebel sitzt. Aber der zweiten Buchhälfte entsteht ein neuer Handlungsstrang. Gegen Ende durchschaut man das Ganze etwas. Es gibt noch weitere Bände zu diesem Buch, somit scheint dies nur der Vorspann gewesen zu sein.
Ein ganz großes Manko an diesem Buch war für mich, dass mir Personen fehlten, in die man sich hineinversetzen und mit denen man mitfiebern/-leiden konnte. Sämtlichen vorkommenden Personen fehlt es an Tiefe. Man kann sich von ihnen überhaupt kein Bild machen. Auch die von ihnen geführten Dialoge sind sehr flach und ohne Inhalt. Sie wirken sehr amerikanisch, ebenso wie die ganze Handlung. Die außerdem noch sehr konstruiert wirkt. Außerdem hat mich gestört, dass einige Fakten, Aussagen immer wieder wiederholt wurden, teilweise sogar wortwörtlich.
Von richtigem Nervenkitzel habe ich nichts verspürt. Die Handlung war für mich nichts Besonderes und wird mir nicht im Gedächtnis bleiben, zumindest nicht im positiven Sinne.
Alles in allem bin ich sehr enttäuscht von diesem Thriller. Ich hätte mir sehr viel mehr Spannung, Nervenkitzel und Tiefe vom ihm versprochen. Leider war es ein ziemlicher Flop. Deshalb erhält der erste Teil der Shepherd-Rheine von mir nur zwei von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 01.05.2017

Leider keine Unterhaltung

Sweetbitter
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New York, 2006. Die 22-jährige Tess zieht aus der Provinz nach New York. Sie hat nur 146 Dollar in der Tasche, mit denen sie ein neues Leben beginnen möchte. Tess ergattert einen Job als Kellnerin in einem ...

New York, 2006. Die 22-jährige Tess zieht aus der Provinz nach New York. Sie hat nur 146 Dollar in der Tasche, mit denen sie ein neues Leben beginnen möchte. Tess ergattert einen Job als Kellnerin in einem der nobelsten Restaurants in New York. In diesem Roman wird berichtet, wie es ihr in ihrem ersten Jahr in New York ergeht.

Dieser Roman hat mich leider nicht angesprochen. Ich lese Bücher um unterhalten zu werden. Hier wurde ich leider nur gelangweilt. Wie dieses Buch einen so großen Hype in Hollywood auslösen konnte, kann ich nicht nachvollziehen! Der Roman ist in Ich-Form geschrieben. Aus der Perspektive von Tess. Sie erzählt in kurzen Abschnitten von ihrem Alltag und den Gesprächen im Restaurant. Ein Leben außerhalb des Restaurants scheint Tess nicht zu haben. Somit beschränken sich die Handlungsorte fast ausschließlich auf das Restaurant selbst und eine Bar, in die die Angestellten nach Feierabend gern gehen, um sich zu betrinken und Drogen zu nehmen. Eine richtige Handlung mit Spannungsbogen war in diesem Roman nicht vorhanden. Es folgt eine Szene auf die andere und so wirkt der gesamte Roman sehr konfus. Für den Leser ist es schwer den Gedankensprüngen der Autorin zu folgen und den Zusammenhang der einzelnen Abschnitte zu erkennen. Auch die einzelnen Szenen ähneln sich sehr stark, da es hauptsächlich um die Arbeit, Alkohol/Drogen und Sex geht.
Der Schreibstil ist locker und einfach zu lesen. Die Szenen, in denen es um den Genuss von Lebensmitteln ging (vor allem zu Beginn), wurden bildlich beschrieben, so dass der Leser das Essen oder Getränk vor sich sieht. Zum Beispiel die unterschiedlichen Austern. Als sehr negativ habe ich empfunden, dass sich bei den Dialogen häufig das Problem ergab, dass der Leser nicht erkennen kann, wer gerade mit wem redet beziehungsweise, wer was sagt. Außerdem sind die Dialoge eher flach und trivial. Sie erinnern an den Stil von amerikanischen Serien. Die Charaktere waren, meiner Meinung nach, nicht beziehungsweise kaum ausgearbeitet. Für mich waren es einfach nur Namen. Ich konnte mir kein wirkliches Bild von ihnen machen und sie haben keine Form angenommen.
Vielleicht habe ich den tieferen Sinn dieses Romans einfach nicht verstanden. Aber für mich war es vergeudete Lesezeit. Im letzten Teil wurde es besser, aber das konnte es auch nicht mehr rausreißen. Deshalb erhält „Sweetbitter“ von mir nur eineinhalb von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 20.01.2018

Sehr schöner, berührender Roman – klare Leseempfehlung

Karolinas Töchter
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Lena Woodward ist Ende achtzig und lebt mittlerweile in Chicago. Sie will endlich ihr Versprechen einlösen, dass sie 1943 ihrer besten Freundin Karolina in einem Zug in Polen auf dem Weg zum Lager Groß-Rosen ...

Lena Woodward ist Ende achtzig und lebt mittlerweile in Chicago. Sie will endlich ihr Versprechen einlösen, dass sie 1943 ihrer besten Freundin Karolina in einem Zug in Polen auf dem Weg zum Lager Groß-Rosen gab. Sie muss ihre beiden Töchter finden. Dazu engagiert sie nun, siebzig Jahre später einen Privatdetektiv, der die Mädchen finden soll. Doch auf dem Weg dahin gibt es einige Hürden. So zum Beispiel Lenas Sohn, der seine Mutter vor Gericht zieht und meint, sie würde sich die Existenz der Kinder und Karolinas nur einbilden. Doch was ist nun die Wahrheit? Das möchte die Anwältin Catherine Lockhart herausfinden und lässt sich von Lena ihre Geschichte erzählen. Wie sie als jüdisches Mädchen in Chrzanów aufwuchs. Wie ihre Familie deportiert wurde und Lena sich auf dem Dachboden versteckte. Sie ging in den Widerstand und verlor nie den Glauben, dass alles wieder gut werden wird.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Die Kombination aus dem aktuellen Prozess und Lena Geschichte ist sehr gelungen. Vor allem Lenas Vergangenheit wurde sehr bildlich und lebendig geschildert. Man hatte das Gefühl von „Kino im Kopf“ und fühlte sich versetzt ins Polen der vierziger Jahre. Mir war Lena sehr sympathisch und ich habe mit ihr mitgelitten.
Wie Lena da auf dem Dachboden lebt, das erinnerte schon stark an Anne Frank oder auch ein anderes Buch das ich mal gelesen habe (Anita Lobel: Das Versteck auf dem Dachboden). Als sie endlich zu den Nachbarn flieht, denkt man gut, geschafft, jetzt wird es besser. Und dann geht sie freiwillig zurück. Bewundernswert, wie stark Lena mit ihren noch nicht einmal 20 Jahren war. Nach dem Lesen des Nachworts weiß man, dass die gesamte Handlung zwar so wie sie aufgeschrieben ist Fiktion ist, dennoch sind die einzelnen Geschichten wirklich passiert. Zwar nicht dieser Lena Woodward, aber einer anderen jungen Frau. Das macht das Ganze noch authentischer.
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er ist leicht zu lesen. Und wie oben schon geschrieben, sehr bildlich. Noch dazu wirkt die gesamte Geschichte sehr schlüssig.
Sehr geschickt fand ich, dass sich der Bericht über die aktuelle Suche nach Karolinas Töchtern immer wieder mit Lenas Berichten abwechselt. Lena berichtet über ihre Wege und Liam, der Privatdetektiv, beschreitet selbst gerade diese Wege.
Schön fand ich auch, dass nicht alle Deutschen als schlecht dargestellt wurden. Es gab durchaus auch „nette“, die selbst gegen die Vernichtung von Menschen waren und endlich das Ende des Krieges herbeigesehnt haben, hier zum Beispiel Oberst Müller. Oder die netten polnischen Nachbarn, die Lena bei sich versteckten. Natürlich gab es auch genug andere, die Juden und ihre Helfer verraten haben.

Ich habe an diesem Buch nichts Großes auszusetzen und es wird mir sicherlich noch etwas im Gedächtnis bleiben. Ich kann eine klare Leseempfehlung aussprechen. Ich vergebe volle fünf von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 16.01.2018

Lustig, aber teilweise zu aufgesetzt und zu vorhersehbar

Hauptsache, es knallt!
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Wie meist in den Büchern von Matthias Sachau geht es ums Heiraten. In diesem Roman geht es um die Hochzeit von Janina und Markus. Erzählt wird die Handlung von Tim, dem besten Freund der Braut. Der Hochzeitstag ...

Wie meist in den Büchern von Matthias Sachau geht es ums Heiraten. In diesem Roman geht es um die Hochzeit von Janina und Markus. Erzählt wird die Handlung von Tim, dem besten Freund der Braut. Der Hochzeitstag soll ja bekanntlich der schönste Tag im Leben sein. Bei der Hochzeit von Janina und Markus scheint aber alles schief zu gehen, was nur schief gehen kann. Eine Katastrophe folgt auf die nächste. Ihre Clique versucht dies natürlich zu verhindern. Scheint es aber teilweise noch schlimmer zu machen.
Der Roman ist in der Ich-Perspektive erzählt. So erfährt man alles aus Sicht von Tim. Die Grundidee ist ja ganz nett, allerdings ist die Umsetzung hier, wie die Hochzeit, schief gegangen. Die Handlung ist sehr vorhersehbar. Eigentlich weiß man nach zehn Seiten wie es enden wird. Die Pannen waren für meinen Geschmack sehr übertrieben. Es wirkte nicht echt. Und sehr unrealistisch. Es waren viele witzige Stellen dabei. Ich musste auch immer wieder lachen. Aber teilweise wurde es dann auch hier sehr aufgesetzt und die Witze wirkten erzwungen. Die Charaktere waren eher schwammig. So wirklich von Charakter kann man da nicht sprechen. Der Schreibstil ist sehr leicht, so dass man diesen Roman locker an einem Nachmittag durchlesen kann. Aber ob sich das lohnt ist die Frage.
Wer einfach mal abschalten möchte, an nichts Denken und lachen möchte, der ist hier gut aufgehoben. Wer aber einen unterhaltenden Roman erwartet wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Ich vergebe zweieinhalb von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 14.01.2018

Spannender und ermittlungsreicher Krimi

In weißer Stille
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Der pensionierte Kinderarzt Wolfram Eberhard Heckeroth wird tot in seinem Wochenendhaus aufgefunden. Er wurde an den Heizkörper gefesselt und scheint dort nach Tagen verdurstet zu sein. Doch wer hat dies, ...

Der pensionierte Kinderarzt Wolfram Eberhard Heckeroth wird tot in seinem Wochenendhaus aufgefunden. Er wurde an den Heizkörper gefesselt und scheint dort nach Tagen verdurstet zu sein. Doch wer hat dies, dem von allen als lieben und netten Menschen dargestellten Herrn angetan? Da Wertsachen fehlen, sieht auf den ersten Blick alles nach einem Raubmord aus. Doch Dühnfort hat da so ein Gefühl. Und dieses sagt ihm, da steckt etwas anderes dahinter. Dann findet Dühnfort auch noch ein Beweisstück, das den lieben und netten Herrn Heckeroth gar nicht mehr so lieb und nett aussehen lässt.

Sehr gefallen hat mir, dass hier, im Gegensatz zum ersten Band, der Fall im Vordergrund stand und man nur nebenbei etwas über die Ermittler erfahren hat. Dennoch wirkten die Ermittler weiterhin menschlich. Die Ermittlungen zu diesem Fall waren intensiv und als Leser konnte man die einzelnen Schritte nachverfolgen. Leider hatte ich sehr schnell einen Verdacht bezüglich des Täters und so blieb der große Überraschungseffekt am Ende aus. Dennoch war es die ganze Zeit über spannend. Schön fand ich auch die Konzeption mit dem Prolog. Hier wurde eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt und aufgrund dessen wusste man in welche Richtung es gehen wird. Wieder einmal ein Krimi der die Abgründe einer Familie aufzeigt, die nach außen hin perfekt aussieht.
Mir hat dieser Kriminalroman gefallen. Die Handlungen waren schlüssig, die Dialoge rasant und auch informativ. Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Charaktere der Ermittler sind mir sympathisch. Auch wenn Dühnfort noch etwas nordisch ist. Von mir erhält dieser Krimi drei von fünf Sternen. Für vier Sterne hätte es spannender sein müssen.