Profilbild von Kindra

Kindra

Lesejury Star
offline

Kindra ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Kindra über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2019

Insgesamt ein Buch mit einer bewegenden Geschichte, die für mich allerdings – teilweise bedingt durch die Erzählweise – ein paar Längen und Schwächen aufweist.

Wunder
0

Das Buch „Wunder“ von Raquel J. Palacio handelt von einem 12-jährigen Jungen, der aufgrund einer Kombination verschiedener Gen-Defekte mit einem entstellten Gesicht geboren wurde. Er musste sich zahlreichen ...

Das Buch „Wunder“ von Raquel J. Palacio handelt von einem 12-jährigen Jungen, der aufgrund einer Kombination verschiedener Gen-Defekte mit einem entstellten Gesicht geboren wurde. Er musste sich zahlreichen OPs unterziehen, aber dennoch ist er weit davon entfernt den gesellschaftlichen Vorstellungen eines „normalen Aussehens“ zu entsprechen.

Dementsprechend ist er den ängstlichen, mitleidigen oder sogar angeekelten Blicken seiner Mitmenschen und seit Neuestem seiner Mitschüler ausgesetzt.
Augusts Start und Erlebnisse an seiner neuen Schule werden anschaulich geschildert. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven (August, seine Schwester und ein paar Mitschüler) erzählt. Durch die wechselnden Perspektiven erhält der Leser auch ein paar Einblicke in die Gefühle und Gedanken der anderen Charaktere. Was mich daran allerdings gestört hat, ist, dass man dadurch manche Szenen mehrfach gelesen hat. Das brachte eine gewisse Länge in das Buch.

Des Weiteren ist der Schreibstil, bedingt durch die Perspektive von größtenteils 12-jährigen, sehr simpel und schlicht, aber dennoch flüssig zu lesen. Ausnahme bildet die Perspektive von einem Jungen, bei der auf jegliche Großschreibung verzichtet worden ist. Diese Passage empfand ich als sehr anstrengend und nervig.

Der Wechsel der Sichtweisen wird jeweils mit einem kleinen Spruch oder Zitat eingeleitet. Das Cover ist sehr bunt und damit auffällig, allerdings hätte es mein Interesse dadurch nicht wecken können (ich habe das Buch geschenkt bekommen).

Das Buch setzt sich mit verschiedenen Punkten des Themas Behinderungen auseinander:
- Was empfindet der Betroffene selbst?
- Wie geht es den Angehörigen / Geschwistern in der Situation?
- Wie wird man von Außenstehenden gesehen und was ändert sich bei denen evtl. im Laufe der Zeit?

Allerdings ist die gesamte Darstellung doch größtenteils sehr positiv. Im Kapitel der Schwester kann man kurzzeitig erkennen, dass sie es als ältere Schwester nicht leicht hat und immer ihre eigenen Bedürfnisse zurückstecken muss. Allerdings wird das gleich wieder überspielt und alles ist wieder gut. Die Probleme, die ein Geschwisterkind hat, werden hier zu sehr verharmlost. Ich hätte mir etwas mehr Tiefe gewünscht.

Gleichzeitig ist es natürlich schön zu lesen, wie August langsam Freunde findet und einen Platz im Leben. Aber auch hier wird nur recht oberflächlich gezeigt, wie grausam und gemein Kinder, aber auch Erwachsene regieren können, wenn man nicht der „Norm“ entspricht. Dieses Buch zeichnet ein sehr positives Bild – zum Mut machen sicher gut, aber nicht unbedingt realistisch.

Fazit:
Insgesamt ein Buch mit einer bewegenden Geschichte, die für mich allerdings – teilweise bedingt durch die Erzählweise – ein paar Längen und Schwächen aufweist.

Veröffentlicht am 15.05.2019

Sehr originelle Buchaufmachung und eine interessante Geschichte

Ein Schatz aus Papier und Magie (Das Buch von Kelanna 2)
0

„Ein Schatz aus Papier und Magie“ ist der zweite Teil der Trilogie „Das Buch von Kelanna“ von Traci Chee. Es ist im Juni 2018 erschienen.

Auch dieses Buch ist wieder wunderschön aufgemacht. Der silberne ...

„Ein Schatz aus Papier und Magie“ ist der zweite Teil der Trilogie „Das Buch von Kelanna“ von Traci Chee. Es ist im Juni 2018 erschienen.

Auch dieses Buch ist wieder wunderschön aufgemacht. Der silberne Einband mit der verschnörkelten Schrift, dem offenen Buch, einer Reiterin und einer Burg ist ein echter Hingucker. Und auch im Inneren ist das Buch sehr schön und originell aufgemacht. Die Geschichten, die Sefia aus dem magischen Buch vorliest, sind auf alt gemacht. Es gibt wieder einzelne Wörter neben den Seitenzahlen, die zusammen genommen einen Spruch ergeben. Und auch in den Geschichten sind kleinere Botschaften versteckt. Das alles zusammen macht das Buch zu etwas Besonderem.

Sefia und Archer sind weiterhin auf der Flucht vor der Wache. Dabei treffen sie auf Impressorenbanden und befreien die gefangenen Jungs. Gemeinsam und mit Hilfe des Buches kämpfen sie für ihre Freiheit. Doch Sefia stellt langsam aber sicher fest, dass das Buch nicht immer eine Hilfe ist, sondern sie manipuliert.

Wie bereits im ersten Teil wird die Geschichte von einem allwissenden Erzähler berichtet. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und sehr schön geschrieben. Die Charaktere und Handlungen werden bildlich dargestellt, doch auch in diesem Buch sind mir zu viele brutale Szenen.

Der Handlungsstrang ist in diesem Buch eindeutiger als im ersten Teil. Die Kapitel aus der Vergangenheit sind durch die farbliche Kennzeichnung der Geschichten aus dem Buch markiert und somit gut von der Gegenwart zu unterscheiden.

Dieses Buch endet ebenso wie „Ein Meer aus Tinte und Gold“ mit einem offenen Ende. Ein paar Fragen konnten zwar schon geklärt werden, aber vieles ist auch noch unklar und somit werde ich mir schleunigst den dritten Band holen müssen, damit ich weiß, wie Sefias und Archers Reise ausgehen wird.

Fazit:
Sehr originelle Buchaufmachung und eine interessante Geschichte

Veröffentlicht am 01.05.2019

Ein schönes Buch, um mal wieder lauthals loszulachen

Flirtgewitter oder Wie wir beim ersten Date aus Versehen ein Kind entführten
0

„Flirtgewitter oder wie wir beim ersten Date aus Versehen ein Kind entführten“ von Vanessa Mansini ist im Oktober 2018 erschienen.

Ariane fährt beruflich nach Berlin und trifft beim Aussteigen aus dem ...

„Flirtgewitter oder wie wir beim ersten Date aus Versehen ein Kind entführten“ von Vanessa Mansini ist im Oktober 2018 erschienen.

Ariane fährt beruflich nach Berlin und trifft beim Aussteigen aus dem Zug einen attraktiven Mann. Sie hilft ihm den Buggy, der neben ihm stand, mit einem schlafenden Kind rauszutragen. Nachdem die beiden auf dem Bahnsteig ihre Nummern ausgetauscht haben und sich zu einem Date am Abend verabredet haben, stellen sie fest, dass keinem von beiden der Junge im Buggy gehört – ein ziemlich blödes Missverständnis.

Und so beginnt eine irrwitzige Geschichte darum, wie zwei Erwachsene, die nie Kinder wollten, sich mit einem 5-jährigen herumschlagen müssen. Auf dem Weg das Kind wieder bei der Mutter abzugeben passiert alles, was man sich mit einem kleinen Kind nur vorstellen kann. Von der schwierigen Fahrt auf der Rolltreppe bepackt mit Koffern und Buggy, über die Suche nach einem Taxi mit Kindersitz, bis hin zu neunmalklugen Fragen, peinlichen Äußerungen und vielem mehr wird eigentlich so ziemlich jedes Klischee bedient - aber auf eine sehr lustige Art und Weise.

Ariane und Ben stellen bald fest, wie schwierig und doch schön es mit einem Kind sein kann. Der Respekt vor den Leistungen, die Eltern jeden Tag erbringen, steigt mit jeder Minute, die sie mit dem Kind verbringen. Und als Leser musste ich so manches Mal schmunzeln, wenn mir Situationen bekannt vorkamen.

Auch wenn hier vieles sicherlich überzogen dargestellt wird, so ist das Buch wirklich gut geschrieben, sprüht vor Humor, ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Eine Hommage an alle Alleinerziehenden, Eltern, Kindern, aber auch an Kinderlosen.

Ich habe das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Es ist flüssig geschrieben, sicherlich eher leichte Kost, aber ein schönes Buch, um mal wieder lauthals loszulachen.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.

Gargoyle
0

„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit ...

„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit auch vielen Frauen) verbracht hat. Dies ändert sich schlagartig durch einen Autounfall, bei dem er schwerste Verbrennungen erleidet. Die Ärzte können sein Leben retten, allerdings ist er restlos entstellt und muss eine lange, schmerzvolle Therapie über sich ergehen lassen. Mit der Tatsache konfrontiert, dass sein bisheriges Leben vorbei ist und sich seine „Freunde“ von ihm abgewandt haben, schmiedet er den Plan, sich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus das Leben zu nehmen. Noch im Krankenhaus lernt er dann allerdings eine andere Patientin aus der psychiatrischen Abteilung kennen – Marianne Engel. Sie erzählt ihm, dass die beiden vor 700 Jahren ein Liebespaar waren und sie ihn die ganzen Jahre gesucht hat. Auf der einen Seite hält er Marianne für schizophren, aber auf der anderen Seite ist er auch fasziniert von ihr und fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie besucht ihn immer wieder, auch als sie bereits entlassen worden ist. Und mit der Zeit entwickelt sich eine gewisse Zuneigung zu ihr, auch wenn er es nicht wirklich wahrhaben will.

Die Geschichte wird aus der Perspektive des jungen Mannes (sein Name wird nie erwähnt) erzählt. Zwischendurch spricht er den Leser direkt an – ich muss zugeben, dass ich diese Variante der Erzählperspektive nicht mag, aber das ist Geschmackssache. Marianne Engel erzählt ihm immer mal wieder Geschichten aus der Vergangenheit oder tragische Erzählungen von anderen Liebespaaren, die dann aus Mariannes Sicht bzw. personaler Perspektive erzählt werden.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und absolut schonungslos werden die entsetzlichen Ausmaße seiner Verbrennungen und der anschließenden Therapie erzählt. Es ist faszinierend, wie intensiv sich der Autor mit diesen Themen befasst haben muss, allerdings war es mir so manches Mal zu viel. Auch die Themen Schizophrenie und manische Depression werden recht ausführlich geschildert.

Die Handlung ist recht unspektakulär (von dem Unfall mal abgesehen). Es wird hauptsächlich sein Krankenhausaufenthalt und später sein Alltag mit Marianne Engel geschildert. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam und man darf hier auch keinerlei Gefühlsausbrüche oder sonstiges Liebesgedöns erwarten. Mal von Mariannes Erzählungen abgesehen, die etwas Abwechslung und auch mal Spannung in die Handlung reingebracht haben, hatte die Geschichte für mich so einige Längen.

Ob Marianne und der Erzähler sich wirklich schon von früher kannten oder ob das alles Mariannes Wahnvorstellungen entsprang, bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Er nimmt es irgendwann einfach als gegeben hin, so wie er alles an Marianne hinnimmt – ihre Eigenarten, ihren Beruf. Das Ende der Geschichte ist dann etwas schräg und sein Verhalten regt zum Nachdenken an – wie hätte man sich selber verhalten?

Fazit:
Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.

Veröffentlicht am 19.04.2019

Kurzweiliges Lesevergnügen mit geringen Abstrichen

Zeilen ans Meer
0

„Zeilen ans Meer“ von Sarah Fischer ist mal eine besondere Form von Liebesroman. Er ist ausschließlich in Briefform geschrieben.

Lena war nach dem Abi in Australien. Zum Abschied wirft sie eine Flaschenpost ...

„Zeilen ans Meer“ von Sarah Fischer ist mal eine besondere Form von Liebesroman. Er ist ausschließlich in Briefform geschrieben.

Lena war nach dem Abi in Australien. Zum Abschied wirft sie eine Flaschenpost ins Meer. Ca 15 Jahre später erreicht sie ein Brief aus Australien von Sam. Er hat beim Joggen die Flaschenpost gefunden und ihr geantwortet. Was zuerst als einfacher Briefwechsel beginnt, wird schnell auf beiden Seiten intensiver. Sie vertrauen sich gegenseitig Dinge an, die sie sonst so nicht erzählen. Und mit der Zeit werden die Gefühle für einander immer stärker – wäre da nicht die unglaubliche Entfernung und die Hürden des Alltags, die die beiden am jeweiligen Ort festbinden.

Ein Buch in Briefform – ausschließlich in Briefform (und ein paar E-Mails und WhatsApps) – ist doch etwas Besonderes. Zunächst war ich skeptisch, ob sich Gefühle und eine Handlung ergeben können. Aber die Leseprobe hat mir so gut gefallen, dass ich allen Zweifeln zum Trotz weiterlesen wollte.

Der Schreibstil ist sehr schön, die Briefe sind gefühlvoll geschrieben und die Charaktere mit ihren Emotionen können trotz – oder vielleicht auch gerade durch die Briefform – gut vorgestellt und nachempfunden werden. In den Briefen legen die beiden ihre Gedanken und Gefühle offener nieder als in so manch anderem Roman in den Dialogen.

Solange sie beide sich nur schreiben und auch immer wieder auf den Brief des anderen eingehen, ist das Geschehen klar. Später, als dann noch Telefonate und Besuche dazukommen, die nur in den folgenden Briefen angerissen werden, hatte ich manchmal das Gefühl, als würde mir was an Handlung fehlen. Das Leben spielt sich halt nicht nur in Briefen ab.

Die Beschreibungen der Landschaft, der Charaktere sowie der Gefühle ist sehr bildlich und durchaus gelungen. Dennoch kamen bei mir die Gefühle nicht allzu intensiv rüber. Lenas manchmal etwas übertriebenen Reaktionen konnte ich nicht immer nachvollziehen und manchmal hat sie auch etwas genervt. Sam war mir dagegen sehr sympathisch.

Das Cover ist recht schlicht, aber trotzdem sehr ansprechend. Das Meer spielt eine entscheidende Rolle in dem Buch, so haben sich die beiden doch erst dadurch gefunden, und Sam liebt das Surfen. Aber genau deshalb hätte ich auf dem Cover eher eine Flaschenpost oder ein Surfbrett sehen wollen als Schiffe, die mit dem Inhalt des Buches nichts zu tun haben.

Fazit:
Kurzweiliges Lesevergnügen mit geringen Abstrichen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Stimmung
  • Figuren