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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2026

Wie entgleist ein Leben?

Solange ein Streichholz brennt
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Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Buch dermaßen gepackt hat, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.
"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber hat dieses Wunder vollbracht.

Bohm ...

Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Buch dermaßen gepackt hat, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.
"Solange ein Streichholz brennt" von Christian Huber hat dieses Wunder vollbracht.

Bohm lebt seit fünf Jahren auf den Straßen Kölns, alkoholkrank und immer auf der Suche nach einem sicheren Schlafplatz. Warum bleibt lange im Dunkeln. Alina, Journalistin bei einem Fernsehsender, lebt auf der Sonnenseite des Lebens, noch. Doch ihr Job steht auf der Kippe, ihre letzte Chance ist eine Reportage über Obdachlose. So treffen die beiden Protagonisten aufeinander. Und während Alina Bohm mit der Kamera begleitet, beginnen sich bei beiden Prioritäten zu verschieben, Gewissheiten zu verschwimmen und Gefühle zu ändern.

Mit seinem leichten aber trotzdem tiefgründigen Schreibstil erzählt uns Christian Huber eine Geschichte die unter die Haut geht. Er stellt uns als Gesellschaft bloß, der es zunehmend an Empathie mangelt, in der Egoismus und Vorurteile vorherrschen, der jegliches Verständnis und Mitgefühl für Menschen fehlt, die nicht dem eigenen Weltbild entsprechen. Und es kann letztendlich jeden treffen.
Aber er macht auch Hoffnung, gibt den Anstoß genauer hinzuschauen, denn manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine Veränderung bewirken.

Für mich ist "Solange ein Streichholz brennt" ein absolutes Lesehighlight das mich tief berührt hat. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Nicht überzeugend

Bachelorette Party
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Sechs Frauen feiern auf einer einsamen Schäreninsel vor Stockholm den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese in einem neu erbauten, kurz vor der Eröffnung stehenden Wellnesshotel. Was aber nur ...

Sechs Frauen feiern auf einer einsamen Schäreninsel vor Stockholm den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese in einem neu erbauten, kurz vor der Eröffnung stehenden Wellnesshotel. Was aber nur eine von ihnen, die True Crime Podcasterin Tessa, weiß, hier verschwanden vermutlich vor genau zehn Jahren vier Frauen spurlos. Genau das ist auch der Antrieb, warum Tessa überhaupt an der Party teilnimmt. Nachdem ihr Leben und ihre Karriere durch eine unbedachte Podcastfolge in Scherben liegt, hofft sie durch die spektakuläre Aufklärung dieses Cold Case wieder erfolgreich zurückzukehren. Doch dann ist eine der Teilnehmerinnen plötzlich tot, brutal ermordert.

Der Thriller bewegt sich auf zwei Zeitebenen, dem aktuellen Junggesellinnenabschied und dem Cold Case, was an und für sich erstmal gute Spannung verspricht. Aber diverse Kapitel spielen auch in der Zeit davor und dazwischen, im Zeitablauf ungeordnet, was mehr für Verwirrung als Spannung sorgt. Der erste Teil der Geschichte fokussiert sich überwiegend auf die diversen Protagonistinnen und ihre mehr oder weniger vorhandenen Beziehungen zueinander, da bleibt aber vieles zu sehr an der Oberfläche und im Unklaren. Ausser Tessa, die als Ich-Erzählerin tief in ihre Gefühlswelt blicken lässt. Ich empfand ihr permanentes Selbstmitleid und ihre Selbstzweifel aber im Vergleich zu den schwach ausgearbeiteten anderen Charakteren zu überzogen. Zumal ich mich gefragt habe, ob ihr beruflicher Fauxpas in der heutigen Welt von Social Media wirklich so einen Absturz verursacht hätte.
In der zweiten Hälfte nimmt der Plot dann Fahrt auf, der Schreibstil der Autorin sorgt durchaus für Spannung. Leider wird die bis dato eher subtil beklemmende Stimmung dann durch extrem offene, brutale Gewalt abgelöst, die mir persönlich zuviel war.

Insgesamt für mich eher ein mittelmäßiger Thriller mit diversen Unstimmigkeiten, einiges zu konstruiert, aus der guten Grundidee hätte die Autorin mehr herausholen können.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Geliebte Lebensbegleiter

Penny, Prince und Ginny
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Brian Sewells "Penny, Prince und Ginny - Die Hunde meines Lebens" ist eine Hommage an den besten Freund des Menschen.

Insgesamt 17 Hunde begleiteten den Autor in acht Jahrzehnten durchs Leben. Jeder Einzelne ...

Brian Sewells "Penny, Prince und Ginny - Die Hunde meines Lebens" ist eine Hommage an den besten Freund des Menschen.

Insgesamt 17 Hunde begleiteten den Autor in acht Jahrzehnten durchs Leben. Jeder Einzelne von ihnen mit seiner ganz eigenen Geschichte, die Sewell uns mit viel Liebe und Respekt, aber auch offen und ehrlich ohne zu beschönigen, in wunderbaren Worten erzählt.
Denn viele der Hunde, die sich Brian Sewell ausgesucht hat oder die ihn ausgesucht haben oder sonstwie den Weg in sein Heim und Herz fanden, hatten ihr Päckchen "Vorleben" dabei. Ausgesetzt, misshandelt oder verletzt waren sie nicht immer bereit, sich in ihr neues Leben mit Mensch und anderen Artgenossen zu integrieren. Mit bewundernswerter Geduld und Empathie gelingt es Sewell aber jedesmal aufs Neue, jedem seiner Hunde das bestmögliche Leben zu bieten und ihre Eigenheiten zu tolerieren, manchmal bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus.

Neben den vielen kleinen und großen Anekdoten wie die Hunde zu Sewell gekommen sind und was er mit ihnen erlebt hat, ist ein großer Teil des Buches aber den Abschieden gewidmet. Sewell schildert auch hier sehr emotional die schweren Wege die er gemeinsam mit seinen Hunden gegangen ist, den Schmerz der mit jedem neuen Abschied größer wurde, bleibt dabei aber selbstkritisch, dass ihm das nicht immer hundertprozentig gelungen ist.

Ein weiteres Highlight des Buches sind die wunderbaren Zeichnungen von Sally Ann Lasson, die die Geschichten passend illustrieren.

Absolute Leseempfehlung, nicht nur für Hundemenschen.

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Koch und Hexe in Personalunion

The House Witch 1
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"The House Witch" von Delemhach aka Emilia Nikota war meine erste Lektüre aus dem Subgenre Cosy Fantasy und ich muss sagen, es hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen.

Hauptfigur ist Fin Ashowan, seines ...

"The House Witch" von Delemhach aka Emilia Nikota war meine erste Lektüre aus dem Subgenre Cosy Fantasy und ich muss sagen, es hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen.

Hauptfigur ist Fin Ashowan, seines Zeichens Koch, ein begnadeter Koch. In dieser Funktion tritt er seine neue Stelle als Küchenchef im königlichen Schloss von Daxaria an. Das er darüber hinaus noch eine männliche Hexe ist, versucht er tunlichst zu verbergen und hält seine Mitmenschen mit seinem ruppigen Verhalten auf Abstand. Doch wie das Leben nun mal so spielt, zwingen in diverse Ereignisse sein Geheimnis Zug um Zug preiszugeben. Nicht nur das seiner Magie, sondern auch seinen wahren Charakter, denn hinter seiner abweisenden Fassade steckt letztendlich ein gerechtigkeitsliebender, warmherziger Typ, dem das Wohlergehen seiner Mitmenschen wichtig ist.

Die Geschichte baut sich sehr langsam auf, man hat Zeit und Muße sich in ein mittelalterliches Setting auf einem Schloss, mit all seinen dazugehörigen Personen und damit verbundenen Intrigen und Verwicklungen, einzustimmen. In vielen kleinen Episoden wird man durch diese märchenhafte Welt geführt. Auch den Charakteren wird Zeit gegeben sich zu entwickeln, teilweise auf überraschend moderne Weise, was ihnen eine gewisse Tiefe verleiht.
Für mich ist das aber auch der Knackpunkt der Geschichte, es plätschert alles so dahin, wirkliche Spannung kommt selten auf, es gibt keinen typischen Helden oder Heldin, kein Kampfgetümmel zur Rettung der Welt, glücklicherweise auch keine ausufernden spicy Szenen.
Dafür gibt es witzige Dialoge, unkonventionelle Protagonisten, einen niedlichen Hexenkater namens Kraken, auch ein paar Verwicklungen, gefährliche Situationen und eine zarte Liebesgeschichte. Die bösen Buben sind selbstverständlich auch vertreten und ein Krieg ist im Anzug und somit genug Stoff für eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Spannende Mörderjagd auf Island

Schlafende Vulkane
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Mit "Schlafende Vulkane" haben der schwedische Autor Michael Hjorth und sein isländischer Kollege Bjarni Thorsson in ihrer ersten Zusammenarbeit eine echte Punktlandung hingelegt.

Als eine nackte Tote ...

Mit "Schlafende Vulkane" haben der schwedische Autor Michael Hjorth und sein isländischer Kollege Bjarni Thorsson in ihrer ersten Zusammenarbeit eine echte Punktlandung hingelegt.

Als eine nackte Tote in einem Pferdestall aufgefunden wird, muss aufgrund von Personalmangel die unerfahrene Ermittlerin Helga Jónsdóttir den Fall übernehmen. Schnell wird klar, dass die alleinerziehende Mutter einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen ist und ihr zehnjähriger Sohn vor dem mutmaßlichen Mörder in die Lavafelder geflüchtet ist. Gemeinsam mit dem Verkehrspolizisten Bjarki und dessen Suchhündin Salka macht sich Helga auf die Suche nach dem Jungen. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord und es zeichnet sich ab, dass hier ein Serientäter am Werk ist.

Bedingt durch den permanenten Perspektivwechsel zwischen den einzelnen Protagonisten, neben Helga und Bjarki fand ich besonders die Kriminaltechnikerin Yvette sehr spannend, und den kurz gehaltenen Kapiteln bleibt die Spannung immer hoch. Dazwischen bekommen wir in einzelnen, kursiv geschriebenen Kapiteln einen tiefen Einblick in die kranke Gedankenwelt des Mörders und die menschlichen Abgründe im Darknet. Ich empfand die Charaktere allesamt gut ausgearbeitet, mit Ecken und Kanten, mit spannenden Lebensläufen und Lebenssituationen, die ihre Handlungen oftmals bestimmen, wenn auch nicht immer im positiven Sinne. Die raue und karge Landschaft Islands sorgt natürlich auch für eine packende Atmosphäre.

Definitiv ein sehr gelungener Reihenauftakt, spannend bis zum Ende, auch wenn dieses keine wirklich überraschenden Wendungen aufzubieten hatte, die es aber auch nicht gebraucht hat. Ich freue mich schon auf Band 2 und bin gespannt, wie es mit Helga, Bjarki und Yvette weitergeht, der kleine Cliffhanger im Epilog verspricht da ja interessante Verwicklungen.

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