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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2025

Regt zum Nachdenken an

Vorsehung
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Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Flugzeug, schon etwas genervt weil der Flug Verspätung hat, und kurz vor der Landung beginnt plötzlich eine unscheinbare alte Dame von Reihe zu Reihe zu gehen ...

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Flugzeug, schon etwas genervt weil der Flug Verspätung hat, und kurz vor der Landung beginnt plötzlich eine unscheinbare alte Dame von Reihe zu Reihe zu gehen und jedem einzelnen Passagier mitzuteilen, wie er zu Tode kommen und in welchem Alter dies geschehen wird.

So beginnt der Roman "Vorsehung" von Liane Moriarty und man stellt sich sofort die Frage, wie würde ich selbst mit dieser Information umgehen.
Die Autorin pickt sich sechs ganz unterschiedliche Personen heraus anhand derer sie aufzeigt, wie diese Prophezeiung deren Leben und auch das ihres Umfeldes zu beeinflussen beginnt, gleichgültig ob sie der Aussage der vermeintlichen Wahrsagerin glauben oder nicht.
Parallel dazu erzählt die alte Dame ihre eigene Lebensgeschichte, die die Begründung liefern soll, warum sie tat was sie getan hat.

Letztendlich beschäftigt sich der Roman mit der essentiellen Frage, ob der Lebensweg vorherbestimmt also unabwendbares Schicksal ist, oder ob man  aufgrund bewusster Entscheidungen, und seien sie auch noch so klein, Ereignisse steuern kann,  und somit den Verlauf  seines Lebens in die eigene Hand nehmen kann. Dieser sog. Schmetterlingseffekt wird durch das Coverfoto sehr schön veranschaulicht.

Der Schreibstil der Autorin hat mir recht gut gefallen, auch wenn ich manchmal durch die Vielzahl der involvierten Personen und die für meinen Geschmack etwas zu langatmige, mit zu vielen uninteressanten Details gespickte Lebensgeschichte der "Todesdame" den Überblick und auch die Spannung verloren habe.
Unterm Strich kann ich das Buch aber durchaus empfehlen, da es zumindest mich persönlich zum Nachdenken angeregt hat und auch nach dem Beenden in mir nachhallt.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Blutiges Neapel

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Ausgerechnet am Festtag von San Gennaro, seines Zeichens Heiliger und Stadtpatron von Neapel, taucht ein Mann namens Ianus Capuano in der Questura auf, der sich seit geraumer Zeit bedroht fühlt. Er landet ...

Ausgerechnet am Festtag von San Gennaro, seines Zeichens Heiliger und Stadtpatron von Neapel, taucht ein Mann namens Ianus Capuano in der Questura auf, der sich seit geraumer Zeit bedroht fühlt. Er landet im Büro von Commissario Gaetano und schildert diesem eine sehr krude und unglaubwürdige Story. Trotz des zu erwartenden Chaos wegen des anstehenden "Blutwunders" und dass es sich bei dem Mann um einen extrem unsympathischen Norditaliener aus Turin handelt, erklärt sich Gaetano widerwillig bereit am Abend kurz bei dessen Wohnung vorbeizugehen und nach dem Rechten zu schauen. Der Commissario beauftragt dann jedoch einen Kollegen, dies für ihn zu übernehmen. Als dieser in der Wohnung eintrifft findet er Capuano tot auf, geköpft wie sein Namensvetter San Gennaro.

Der Neapel-Krimi "Commissario Gaetano und der lügende Fisch" startet sehr fulminant. Schon das Cover mit Blick über Neapels Dächer zum Vesuv als auch die blumigen Beschreibungen der Stadt lassen schnell ein Gefühl für den Schauplatz entstehen. Geschuldet ist dies sicherlich auch dem Fakt, dass der Autor Fabio Nola, ein deutscher Historiker, einige Jahre in Neapel gelebt hat.

Leider nehmen diese blumigen Beschreibungen im Laufe der Geschichte viel Platz ein. Besonders die olfaktorischen Ergüsse, die gefühlt auf jeder zweiten Seite zu finden sind, nerven und suggerieren, das Neapel ein stinkendes Dreckloch ist. Auch die Neapolitaner kommen da nicht besonders gut weg.
Mit der Figur des Commissario Gaetano wurde ich zu keiner Zeit warm, von Feinfühligkeit, wie im Klappentext beschrieben, keine Spur.
Ganz im Gegenteil poltert der Hauptprotagonist sowohl dienstlich als auch privat halbherzig, unkonzentriert, oftmals unbeholfen aber auch immer wieder sexistisch durch das Geschehen. Entscheidungen trifft er situativ nach eigenem Gusto, Recht und Gesetz sind da eher hinderlich. Die weiteren Charaktere bleiben entweder sehr blaß oder sind komplett überzeichnet, allen voran der hinzugezogene Psychologe/Profiler. Dessen Geschwafel über Menstruation hätte sich der Autor sparen können.
Der Plot an sich ist eigentlich recht spannend und hat mich, trotz der vielen langatmigen Ausflüge auf Nebenschauplätze und der manchmal sehr seltsamen Dialoge (so abgehoben spricht doch kein Mensch), bis zum Ende durchhalten lassen, welches dann auch irgendwie zum Charakter des Commissario passt.

Wer Krimis mit viel Lokalkolorit und verschrobenen Figuren mag, dem sei dieses Buch empfohlen. Wer mehr Krimi im Krimi haben möchte, sollte eher nicht zugreifen.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Verschenktes Potenzial

The Stars are Dying
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Das absolute Highlight des Buches ist definitiv seine Gestaltung.
Sowohl der Bucheinband als auch der Schutzumschlag und der farbige Buchschnitt sind eine Augenweide. Im Inneren des Buches setzt sich dies ...

Das absolute Highlight des Buches ist definitiv seine Gestaltung.
Sowohl der Bucheinband als auch der Schutzumschlag und der farbige Buchschnitt sind eine Augenweide. Im Inneren des Buches setzt sich dies durch die wunderschönen Zeichnungen fort.

Die Geschichte spielt im Reich Solanis, bestehend aus den fünf Reichen der Menschen und dem Königreich Vesitire das über sie herrscht.
Neben den Menschen leben dort verschiedene magische Völker, u.a. auch bösartige Vampire die sich vom Blut oder den Seelen der Menschen ernähren.
Alle 100 Jahre veranstaltet der König von Vesitire einen Wettkampf zu dem jedes der fünf Menschenreiche eine/n Auserwählte/n entsendet. Das Reich, welches den Sieg in diversen Prüfungen davonträgt erhält für die nächsten 100 Jahre Schutz vor den gefährlichen Vampiren.
Für das Reich Alisus stellt sich ungeplant Astraea den Prüfungen, eine junge Frau, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt und die spürt, dass die Prüfungen ihr Aufschluss über ihre Herkunft geben könnten. Unterstützung erhält sie von Nyte, einem geheimnisvollen Vampir, der sich immer massiver in ihre Gedanken einnistet.

Meine Meinung:
Das Buch beginnt spannend und die ersten Kapitel lesen sich gut weg.
Leider verliert die Geschichte im Verlauf zunehmend an Fahrt, man verliert immer wieder den Faden, es bleibt oft unklar ob gerade nur ein paar Minuten, Stunden oder gar Tage zwischen den Handlungen vergangen sind. Die Handlungsstränge wirken oft abgehackt und nicht richtig auserzählt.
Auch die Charaktere bleiben weitestgehend blass und an der Oberfläche, im Besonderen Astraea, die sich kaum weiterentwickelt und deren Naivität immer nerviger wird. Ebenso wie die seichten Dialoge zwischen Astraea und Nyte, die sich in epischer Breite immer wieder in fast identischer Aussage über viele Seiten erstrecken. Da hätte sich die Autorin besser auf ein intensiveres Worldbuilding konzentriert. Auch der Plot ist schon früh voraussehbar und bleibt letztendlich enttäuschend.
Ob das Lust auf den zweiten Teil machen soll? Bei mir wohl eher nicht.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Das Glück ist eine Katze

Die Magnolienkatzen
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"Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita ist sowohl vom Äußeren, mit den tollen Tuschezeichnungen, als auch vom Inhalt her ein wunderschönes kleines Buch.

Als sich die Autorin mit Anfang fünfzig sowohl ...

"Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita ist sowohl vom Äußeren, mit den tollen Tuschezeichnungen, als auch vom Inhalt her ein wunderschönes kleines Buch.

Als sich die Autorin mit Anfang fünfzig sowohl beruflich als auch privat in einer Sinnkrise befindet bittet sie in einem Shinto-Schrein um Glück.
Auf welchem Weg sich die Erfüllung dieses Wunsches allerdings in ihr Leben schleicht, damit hätte sie nicht gerechnet.

Gemeinsam mit ihrer Mutter rettet Noriko fünf frisch geborene Katzenbabys einer Streunerkatze aus einer sehr misslichen Lage. Obwohl beide Frauen bis dato die vielen Streunerkatzen rund um ihr Haus als großes Ärgernis empfinden, beschließen sie die kleine Familie auf Bitten des nahen aber überfüllten Tierheims für die nächsten zwei Monate, bis sie vermittelt werden können, zu betreuen.
Im Laufe der folgenden Tage und Wochen wandern die Kätzchen nicht nur vom Schuppen ins Wohnzimmer, sondern auch in die Herzen der beiden Damen.

Noriko Morishita erzählt auf leichte und kurzweilige Art ihre Beobachtungen und Erlebnisse in dieser Zeit und nicht nur sie lernt viel über Katzen, deren Bedürfnisse und die besonderen Beziehungen, die zwischen Mensch und Tier entstehen können.

Für Katzenliebhaber ist dieses Kleinod definitiv ein Muss, aber auch wer kleine, feine Geschichten mag wird sicher nicht enttäuscht.

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