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Kobina

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2025

Zeitschleife der Gefühle

Gestern waren wir unendlich
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Wer anhand des Klappentextes eine harmonische, romantische Beziehung erwartet, wird überrascht: Henry und Louis starten mit einem handfesten Streit ins Buch. Das Thema dieses Streits wirkt zwar zunächst ...

Wer anhand des Klappentextes eine harmonische, romantische Beziehung erwartet, wird überrascht: Henry und Louis starten mit einem handfesten Streit ins Buch. Das Thema dieses Streits wirkt zwar zunächst fast banal, aber die Darstellung macht deutlich, wie subjektiv Verletzlichkeit und emotionale Trigger sind – und das finde ich sehr gelungen. Beide Hauptfiguren sind realistisch gezeichnet, mit Ecken, Kanten und nachvollziehbaren Gefühlslagen. Man liest nicht über „Figuren“, sondern über Menschen.

Leider habe ich selten einen Protagonisten so konsequent unsympathisch gefunden wie Henry. Seine Art war für mich ein echter Dämpfer beim Lesen – selbst in den emotionalen Momenten blieb er für mich unzugänglich. Adam, eine Nebenfigur, war dafür ein absolutes Highlight; sowie auch Dylan, dem wir im zweiten Band wohl noch begegnen werden.

Ein zentrales Motiv ist Louis’ "Zeitschleife" – und die wird auch formal konsequent durchgezogen. Ganze Dialoge wiederholen sich wortwörtlich, was durchaus zwiespältig ist. Einerseits wirkt es etwas bequem, andererseits erzeugt es genau den gewünschten Effekt: Man wird genauso mürbe wie Louis. Lesende und Figur teilen das Gefühl der Frustration und Ohnmacht. Ein kluger, wenn auch mutiger Kniff.

Die Auflösung teilt sich in zwei Hälften – die eine lässt sich früh erahnen, die andere überrascht und ergänzt das Bild stimmig. Insgesamt bleibt ein schönes, nachdenkliches Gesamtbild zurück. Was mir allerdings gefehlt hat, war die emotionale Wucht, die ich mir von der Thematik erhofft hatte. Kein Tränchen, keine Gänsehaut – vielleicht, weil Louis mehr mit Wut als mit Trauer auf seine Lage reagiert. Das ist zwar mehr als nachvollziehbar, aber für mich persönlich allerdings weniger berührend.

Der Ausblick auf die beiden Protagonisten im zweiten Band hat mir dafür sehr gefallen und macht Lust auf mehr.

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Erfrischend, kraftvoll und mutig

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und auf Deutsch gehört – und war positiv überrascht, wie gut die Übersetzung gelungen ist! Besonders, da viele Romantasy-Bücher oft einfach die englischen Begriffe ...

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und auf Deutsch gehört – und war positiv überrascht, wie gut die Übersetzung gelungen ist! Besonders, da viele Romantasy-Bücher oft einfach die englischen Begriffe übernehmen, war ich froh, dass hier eine echte Übersetzung gemacht wurde. Über die Wahl von "roter Nachtfalter" kann man diskutieren (eine "Motte" hätte als abwertende Fremdbezeichnung besser gepasst), aber letztlich hat das den Lesespaß kaum geschmälert. Großes Lob auch dafür, wie kreativ und passend Begriffe wie zum Beispiel "witch’s whore" zu "Hexenbock" übertragen wurden – für deutsche Ohren trotzdem flüssig und stimmig, aber trotzdem mit der beabsichtigten Derbheit. Warum allerdings die Zaubersprüche auf Englisch geblieben sind, war mir nicht ganz klar.

Das deutsche Hörbuch hat ebenfalls einen guten Eindruck hinterlassen: Beide Sprechenden waren zwar recht langsam, dafür aber im gleichen Tempo, was die Nutzung der Beschleunigungsfunktion extrem angenehm machte. Die Sprecherin der Protagonistin hat zwar eine gewöhnungsbedürftige Stimme für die Figur, gleicht das aber mit einer großartigen stimmlichen Variation aus, sodass Nebencharaktere sehr lebendig wirkten.

Zur Geschichte selbst: Sie hat unglaublich viel Spaß gemacht! Besonders erfrischend fand ich, wie klassische Geschlechterrollen hier bewusst gebrochen wurden – Dinge, die sonst fast immer der weiblichen Figur passieren, sind hier dem männlichen Protagonisten widerfahren. Auch das "Rich Girl, Poor Boy"-Setting war eine schöne Abwechslung zu den typischen Dynamiken. Ein echtes feministisches Highlight war zudem, dass die Protagonistin ihre Magie mit Periodenblut wirkt – mutig und stark!

Obwohl die Story viele klassische Fantasy-Elemente enthält, fühlt sie sich nie altbacken oder langweilig an. Nur der Miscommunication-Trope hat mich etwas genervt – der wirkte unnötig und hätte abgelöst werden können.

Fazit: Insgesamt eine spannende, erfrischende Geschichte mit tollen Ideen, starken feministischen Momenten und einer richtig guten Übersetzung. Ich freue mich sehr auf Band zwei!

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Zeitlose Liebe

Our Infinite Fates
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First things first: Das UK-Cover? Ein absoluter Traum. Das US- und deutsche Cover dagegen... eher so meh. Zum Glück gab’s die Special Edition von Owlcrate – danke an die Covergötter, dass mein Bücherregal ...

First things first: Das UK-Cover? Ein absoluter Traum. Das US- und deutsche Cover dagegen... eher so meh. Zum Glück gab’s die Special Edition von Owlcrate – danke an die Covergötter, dass mein Bücherregal jetzt glänzen darf.

Ich bin schon öfter über Laura Steven gestolpert (ihr sapphisches Dorian Gray-Retelling steht z. B. auch schon auf meiner Liste), habe aber bisher nie ein Buch von ihr gelesen. Mit Our Infinite Fates hat sich das endlich geändert – und ich bereue nichts.

Was mich anfangs etwas nervös gemacht hat, war die Sorge, dass das Buch queerbaitig sein könnte. Immerhin können die beiden Hauptcharaktere theoretisch jedes Geschlecht annehmen, befinden sich aber in der Hauptzeitlinie in einer klassisch männlich-weiblichen Konstellation. Aber: Völlig unbegründete Sorge! Die Rückblicke in vergangene Leben zeigen beide in verschiedensten Geschlechtern, wobei ihr Gender nie im Mittelpunkt steht – und es gibt sogar eine richtig schöne, ehrliche Unterhaltung genau darüber. Wirklich gelungene Repräsentation!

Die beiden Protagonist*innen selbst... na ja. Etwas eindimensional für Hauptfiguren – als Nebenfiguren wären sie absolut on point gewesen. Es bleibt ein bisschen die Frage im Raum: Wie schafft man es, in tausend Jahren so wenig Characterdevelopment hinzulegen? Aber hey, sie waren sympathisch genug, dass man gerne an ihrer Seite bleibt.

Was mich besonders überzeugt hat, war das Ende – nicht das, was ich erwartet habe, aber ein gelungener Bruch mit der bisherigen Erzählung. Und überhaupt: Dieses Buch ist eine regelrechte Liebeserklärung an die Liebe – manchmal fast zu kitschig, aber nie so sehr, dass es kippt.

Und der Schreibstil? Chef’s Kiss. Zumindest in der englischen Version ein Genuss: bildreich, klug, mit einem Vokabular, das mich begeistert hat. Zwar wird dessen Vorkommen durch den Plot erklärt – trotzdem hoffe ich sehr, dass dieser Stil typisch für Steven ist, damit ich ihn in weiteren Werken wiederfinden kann.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Unverbrauchtes Thema

Seven Ways to Tell a Lie
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Colin Hadlers Seven Ways To Tell A Lie hat mich sofort mit seinem auffälligen, modernen Cover gecatcht – und auch inhaltlich hat der Roman einen aktuellen Nerv getroffen. Der Umgang mit Deepfakes und digitaler ...

Colin Hadlers Seven Ways To Tell A Lie hat mich sofort mit seinem auffälligen, modernen Cover gecatcht – und auch inhaltlich hat der Roman einen aktuellen Nerv getroffen. Der Umgang mit Deepfakes und digitaler Manipulation ist spannend, relevant und wurde hier auf eine frische, zeitgemäße Weise erzählt. Auch, dass es dabei nicht zu abgedreht war, tat in dem aktuellen Stadium der Realität sehr gut daran, sich einfinden zu können.

Der Schreibstil ist angenehm locker, das Tempo hoch – man fliegt förmlich durch die Seiten und hat definitiv Spaß dabei. Gerade für Leser*innen, die auf kurzweilige Spannung stehen, ist das Buch ideal.

Allerdings: So sehr mich das Konzept begeistert hat, hätte die Geschichte von mehr Tiefe profitiert. Viele der angedeuteten Geheimnisse wirkten nur oberflächlich angerissen, fast wie Skizzen, die nie richtig ausgemalt wurden. Hier hätte ein paar zusätzliche Kapitel oder sogar ein zweiter Band gutgetan, um den Figuren und ihrer Vergangenheit/Gegenwart mehr Raum zu geben.

Auch die Auflösung konnte das starke Setup leider nicht ganz einlösen. Besonders das letzte Video, das den Protagonisten selbst betraf, wirkte eher enttäuschend und konnte den emotionalen Impact nicht liefern, den ich mir erhofft hatte.

Trotzdem mochte ich den Ausgang der Geschichte – der Mix aus Happy und Sad End war genau richtig gewählt: nicht zu kitschig, aber auch nicht gnadenlos düster.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Ein Snack für Zwischendurch

Elian und Lira – Das wilde Herz der See
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Es hat mich zwar nicht aus den Socken gehauen, war aber ganz nett zu lesen. Dabei handelt es sich quasi um ein Enemies-to-Lovers zwischen einer Sirene, die sich "Prince' Bane" nennt, und einem Prinzen, ...

Es hat mich zwar nicht aus den Socken gehauen, war aber ganz nett zu lesen. Dabei handelt es sich quasi um ein Enemies-to-Lovers zwischen einer Sirene, die sich "Prince' Bane" nennt, und einem Prinzen, der sich als "Siren Slayer" tituliert.
Sehr viel kreativer wird es im Laufe des Buches leider auch nicht. Die Geschichte ist nach dem Prinzip dreier Akte aufgebaut und um der Romanze Willen etwas vorhersehbar.
Potential trägt das Universum auf jeden Fall. Es werden verschiedene Königreiche angerissen und grob etwas von ihnen erzählt. Auch ist die Lore der übernatürlichen Wesen sehr spannend. Über mehr als nur einen Band hätte ich mich sehr gefreut.
Fazit: Man verpasst nichts, wenn man es nicht liest. Wenn man aber wie ich ein Freund von Meerjungfrauen, Sirenen und generell allem Aquatischen hat, kann man durchaus mal reinschnuppern.

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