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Krissi

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2025

Unfassbar wichtig!

Unsichtbare Frauen
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Für dieses Buch habe ich mir wirklich einige Monate Zeit genommen, vor allem wegen der hohen Informationsdichte, aber auch, um nicht in Resignation und unproduktive Wut abzudriften; dieses Buch sollte ...

Für dieses Buch habe ich mir wirklich einige Monate Zeit genommen, vor allem wegen der hohen Informationsdichte, aber auch, um nicht in Resignation und unproduktive Wut abzudriften; dieses Buch sollte wirklich jeder lesen, weil es einfach anhand von fundierten Fakten zeigt, wie tief sitzend Ungleichheit ist.
"in a world designed for men" heißt es im Untertitel, und so reißerisch das klingt, so unemotional faktisch zeigt Caroline Criado Perez auf, dass unsere Welt in jeglichen Bereichen "den Mann" als default, als status quo sieht, während alle anderen Personen als quasi von der Norm abweichende Menschen angesehen werden. Das beginnt bei in der Öffentlichkeit einigermaßen bewussten Bereichen wie der Gefahr, von Gewalt betroffen zu sein oder in finanzielle Notlage zu geraten, reicht jedoch bis in ganz tiefe strukturelle Themen wie dem Design von Smartphones, Autos, ja ganzen Städten.
Es ist unfassbar schwer, dieses geballte Wissen hier zusammenzufassen, gleichzeitig würde ich gerne jeden einzelnen dieser Punkte deutlich machen, weil wir dadurch ganz ohne Schuldzuweisungen, ohne die Feminist
innen gerne vorgeworfene Emotionalität (die trotzdem wichtig und richtig ist!) verstehen lernen, wo überall Benachteiligung herrscht und dass es noch viele, viele Schritte braucht, bis Frauen* in dieser Welt gleichgestellt sind.
Für mich kommt dieses Buch einer Feminismus-Grundlagen-Bibel gleich, gleichzeitig sehe ich aber auch (und das ist vielleicht mein einziger Kritikpunkt), dass die sehr wissenschaftliche Art mit vielen vielen Quellen und side-notes nicht für alle zugänglich ist. Trotzdem ist das hier eine uneingeschränkte Empfehlung; wenn ihr die Frage "Warum brauchen wir Feminismus überhaupt noch?" stellt und ernsthaft eine Antwort darauf wollt, lest dieses Buch. Wenn ihr euch regelmäßig denkt "Frauen stellen sich wirklich an, sie haben doch schon so viel mehr Rechte als noch vor garnicht allzu langer Zeit", lest dieses Buch. Wenn ihr das Gefühl habt, bisher nur an der Oberfläche der Ungleichheit gekratzt zu haben und wirklich verstehen wollt, lest dieses Buch, und vor allem, wenn ihr Fakten an der Hand haben wollt, die ihr in der nächsten (provokativen) Diskussion raushauen wollt, dann lest dieses Buch. Seid nur gefasst darauf, stellenweise sehr wütend zu werden, und vergesst nicht, dass Wur produktiv sein kann, wenn man sie richtig nutzt.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Wichtiges Stück Geschichte

Wohin du auch gehst
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Wow - an dieses Buch hatte ich keine bestimmten Erwartungen, fand einfach, dass der Klappentext sehr spannend klang und außerdem das Cover ansprechend. Ich habe bisher noch wirklich wenig über Einwanderungsgeschichte ...

Wow - an dieses Buch hatte ich keine bestimmten Erwartungen, fand einfach, dass der Klappentext sehr spannend klang und außerdem das Cover ansprechend. Ich habe bisher noch wirklich wenig über Einwanderungsgeschichte gelesen, weshalb ich ziemlich nichtsahnend an "Wohin du auch gehst" herangegangen bin. Spoiler: wurde ziemlich umgehauen, auf die positive Weise, aber direkt vorab, schaut euch die content notes an, das hier ist keine leichte Kost.
Wir verfolgen die Geschichte zweier Frauen in zwei Zeitebenen: Bijoux, die Anfang der 2000er in London nach ihrer Identität sucht, und Mira, ihre Tante, deren Weg wir von ihrer Heimat Zaïre (heute die Demokratische Republik Kongo) als junges Mädchen bis nach London zum Bijoux-Zeitstrang begleiten. Nach und nach kommt so ans Licht, was die beiden Frauen verbindet, es wird aber auch sehr deutlich, wodurch sie gespalten werden, und Themen wie Glaube, Sexualität und Familie sind hierbei zentral. Mich hat vor allem Mira sehr gefesselt und wie wir nach und nach verstehen lernen, wie ihre beiden alter Egos zu Beginn der Geschichte am Ende zusammenpassen. Aber auch Bijoux, die repräsentativ für junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte stehen, die selbst noch hautnah Unruhen, Krieg, instabile politische Verhältnisse und Angst um zurückgebliebene Familie erleben, hat mir einige Gedankenanstöße gegeben und ist eine wichtige literarische Stimme.
Trotz der insgesamt eher drohenden, düsteren Stimmung eröffnet die Geschichte durchaus auch sehr hoffnungsvolle, farbenfrohe und humorvolle Momente.
Wen das jetzt überzeugt hat, der sollte "Wohin du auch gehst" unbedingt lesen - beachtet dabei aber bitte folgende content notes:
Krieg, Queerfeindlichkeit, (religiöser) Fanatismus, sexuelle Gewalt, Krankheit, Tod

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Pflichtlektüre

Der Tätowierer von Auschwitz
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Die Rezi für dieses Buch fällt mir fast genauso schwer, wie es endlich zu lesen, obwohl es schon so lange auf meiner Leseliste stand. Zum einen ist es thematisch natürlich keine leichte Kost, zum anderen ...

Die Rezi für dieses Buch fällt mir fast genauso schwer, wie es endlich zu lesen, obwohl es schon so lange auf meiner Leseliste stand. Zum einen ist es thematisch natürlich keine leichte Kost, zum anderen umso mehr, weil es sich hier um den Lebensabschnitt eines realen Menschen, Lale Sokolov, einem Holocaustüberlebenden, handelt. Die Autorin hat einige Zeit mit Lale verbracht und es meiner Meinung nach sehr gut geschafft, den schmalen Grat zwischen Roman und Tatsachenbericht zu balancieren. Was herauskommt ist eine Geschichte, bei der man sich immer und immer wieder vergegenwärtigen muss, dass das wirklich passiert ist, dass nicht nur dieser Mensch, sondern so viele, viel zu viele andere Menschen Unvorstellbares ausgehalten haben. Und, dass es letztendlich einfach nur pure Willkür, pures Glück war, wer von ihnen wie Lale dem Tod entkommen konnte und wer durch die Nazis brutal ermordet wurde. Mit diesem Thema, diese Vergangenheit, sollte sich meiner Ansicht nach jede*r auseinandersetzen; was diese Geschichte für mich dafür besonders macht, ist vor allem Protagonist Lale, der eine unglaubliche Menschenkenntnis besaß und ihm sowohl während seiner Haft in Auschwitz und Birkenau als auch danach sicher dazu beigetragen hat, dass ihm die Flucht gelingen konnte. Die Liebesgeschichte zu seiner späteren Frau und ebenfalls überlebender Gita ist dabei wie eine stetige Hoffnung und gleichzeitig kann man sich kaum vorstellen, wie viel zusätzliche Ängste sie ausgelöst haben muss.
Ein intensives Leseerlebnis, das weder die Haft in Auschwitz, noch die Taten der Nazis insgesamt beschönigt, aber dennoch einen Fokus auf Lales Innenwelt und Weltsicht hat, der auch für helle Momente sorgt.
Auch angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage: Lesen bildet, nutzt das, auch wenn es manchmal weniger spaßig ist, hört Menschen zu, die Dinge erleben, die ihr euch nicht vorstellen könnt, nie wieder war genau genommen nämlich schon gestern.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Ultimative Cozy Fantasy

The Honey Witch
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Ein Buch, das mich komplett mit Cover und Thema gecatched hat: Eine Hexe, die auf einer Insel in einem Cottage lebt, Honigmagie wirken kann und aber dazu verflucht ist, niemals geliebt werden zu können? ...

Ein Buch, das mich komplett mit Cover und Thema gecatched hat: Eine Hexe, die auf einer Insel in einem Cottage lebt, Honigmagie wirken kann und aber dazu verflucht ist, niemals geliebt werden zu können? Das klingt maximal gemütlich, schön und auch mal wie was anderes als die üblichen Hexengeschichten. Letztendlich weiß ich leider nicht so recht, warum, aber vollends begeistert bin ich irgendwie nicht, auch wenn "The Honey Witch" wirklich ein tolles Leseerlebnis war!
Protagonistin Marigold hat genug davon, dass ihr einziges Lebensziel sein soll, verheiratet zu sein, vor allem, nachdem sie schon einmal enttäuscht wurde. Als ihre Großmutter ihr offenbart, dass sie magische Kräfte hat und ihre Nachfolge als die Honey Witch antreten soll, klingt das für Marigold wie alles, was sie immer wollte; inklusive dem damit einhergehenden Fluch, der es ihr verbietet, geliebt zu werden. Doch dann geschehen Dinge, sie begegnet interessanten Menschen und eine alte Antagonistin wird offenbart...
Sowohl die Grundidee, als auch vor allem die erste Hälfte, in der sich Marigold in ihrem neuen Leben einfindet, haben mir richtig gut gefallen. Sydney Shields hat eine besondere Art, zu erzählen und Charaktere zu kreieren, die die von mir erhoffte gemütliche Atmosphäre schafft und gleichzeitig nicht erahnen lässt, wie genau es weitergeht. Für mich gab es dann irgendwann einen Kipppunkt; vielleicht, weil plötzlich alles sehr schnell ging und teilweise auch düsterer wurde und dadurch irgendwie fast zu intensiv. Es war alles stimmig, aber meiner Meinung nach hätte man hier gut und gerne auch ein längeres Buch oder sogar zwei Teile daraus machen können.
Schlussendlich aber ein Buch, das "cozy fantasy" wohl perfekt trifft und für mich zumindest auch was Neues war, das mich in seinen Bann gezogen hat!

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Perfekte Sommer-Fantasy-Lektüre

Das Mädchen, das dem Meer gehört
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Diesen zweiten Teil der Westworgh-Reihe von Carolin Herrmann habe ich mir extra für den Sommerurlaub aufgehoben, und das war wirklich perfekt! Ich fand den Vorgänger schon ganz toll, "Das Mädchen, das ...

Diesen zweiten Teil der Westworgh-Reihe von Carolin Herrmann habe ich mir extra für den Sommerurlaub aufgehoben, und das war wirklich perfekt! Ich fand den Vorgänger schon ganz toll, "Das Mädchen, das dem Meer gehört", hat mir aber tatsächlich noch besser gefallen.
Protagonistin Lani ist ein Wassergeist und lebt von Menschen unerkannt unter Wasser. Nach ihrer Ausbildung wird sie an Land geschickt und geht damit nicht nur auf eine Mission ihrer Akademie, sondern auch, um herauszufinden, was mit ihrer Mutter passiert ist, die vor einigen Jahren auf einer ähnlichen Mission verschwunden ist...
Die Story basiert zwar ganz klar auf dieser Fantasy-Ebene und bringt hier auch einige spannende Details und Ideen ins Spiel, was meiner Meinung nach aber im Fokus steht und wirklich toll geschrieben wurde, ist, wie Lani Menschen kennen und lieben lernt. Vor allem die Lovestory hat mich komplett überzeugt, weil die Charaktere sich auf so ehrliche und behutsame Art näher gekommen sind. Aber auch die Freundschaften, die Lani schließt, sind echt und ungeschönt und deshalb so authentisch. Das war alles begleitet von einer Leichtigkeit, die dieses Buch für mich zur perfekten Sommerlektüre gemacht hat.
Die Auflösung und das Ende sind teilweise dagegen nochmal etwas darker und deeper, aber auch hier fand ich es super schön, wie Emotionen, Kommunikation und Reflektion der Charaktere beschrieben wurden.
Ich freue mich sehr auf die nächste Geschichte der Reihe und kann Carolin Herrmanns Bücher vor allem light-Fantasy-fans sehr ans Herz legen!

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