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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2023

Mitreißend, erschütternd und unvorhersehbar

Cleopatra und Frankenstein
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"Cleopatra und Frankenstein“ ist ein mitreißender Roman, der von Liebe erzählt, von Vielfalt, Selbstfindung, Erwachsenwerden und Schuld. Cleopatra, der Inbegriff der Schönheit und Verführungskunst, begabte ...

"Cleopatra und Frankenstein“ ist ein mitreißender Roman, der von Liebe erzählt, von Vielfalt, Selbstfindung, Erwachsenwerden und Schuld. Cleopatra, der Inbegriff der Schönheit und Verführungskunst, begabte Künstlerin aus England, zarte fünfundzwanzig Jahre alt, sensibel und klug. Frankenstein, der Erschaffer von Monstern ist in der Werbebrache tätig und ein wohlhabender Amerikaner Mitte Vierzig. Im ersten Kapitel lernen sie sich kennen. Man spürt sofort die Funken sprühen. Coco Mellors kreiert eine berauschende Stimmung, die den Zauber des Anfangs erhascht und durch aufgeschlossene, originelle und humorvolle Dialoge überzeugt, während man ahnungslos bleibt, wo die Reise hingehen soll. Dann verliert sich die anfänglich Leichtigkeit, das gewohnte Leseverhalten wird herausgefordert und Coco Mellors überrascht mit Unvorhersehbarkeit in Schreibstil und Handlung, mit unterschiedlichsten Nebencharakteren aus dem Umfeld des Paares, die näher beleuchtet werden. Mich hat besonders begeistert, dass die Figuren stets authentisch ist ihrer Skurrilität bleiben. Sie alle haben ihre Probleme, die näher beleuchtet werden, womit eine breite Themenpalette aufgegriffen wird.

Dabei ist der Erzählstil angenehm locker, die Dialoge mitunter oberflächlich und etwas reflektierend. Aber vor allem unterhaltsam. Man möchte einfach weiterlesen, fühlt sich gut unterhalten. Lässt sich von jedem Kapitel aufs neue überraschen. Wieviel Zeit ist vergangen? Wenn lernt man nun kennen? Wie geht es mit Cleo und Frank weiter? Es ist eine emotionale Achterbahn der Gefühle, aufbauend auf verschiedenen Episoden, des Paares und ihrem Umfelds.

Coco Mellors hat viele Jahre an diesem Debüt gearbeitet und ich mag ihren Mut und ihre Experimentierfreude. Dies ist keine klassische Romanze zum Dahinschmelzen, kein tiefgründiger Roman, aber in vielen Aspekten originell, wenn man sich darauf einlässt, erschütternd und vielleicht viel realistischer als es gut wäre, mit Blick auf die Figuren und ihre Dialoge, die in einer wichtigen Botschaft gipfeln.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 02.09.2023

Ein Jahr voller Wunder und Freundschaft

Dachs Naseweiß Phantastische Geschichten aus dem Wunderlichen Wald
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Acht phantastische Geschichten erzählen von Dachs Naseweiß und seinen Freunden, Glühwürmchen Glüh, einem ängstlichen Igel, einem verliebten Wildschwein, einer ungeschickten Biberin, einem kleinen Hasenmädchen, ...

Acht phantastische Geschichten erzählen von Dachs Naseweiß und seinen Freunden, Glühwürmchen Glüh, einem ängstlichen Igel, einem verliebten Wildschwein, einer ungeschickten Biberin, einem kleinen Hasenmädchen, einem kurzsichtigen Maulwurf und seiner allerbesten Dachsfreundin Dachsima und ihren Erlebnissen im magischen Wunderlichen Wald. Es sind Geschichten über das Anfangen, das Träumen, das Gewinnen, das Lachen, das Bleiben, das Fürchten, das Spielen und das Weinen. Sie erzählen fantasievoll von Freundschaft und Mut, und halten tugendhafte Botschaften und eine waldig, magische Atmosphäre bereit. Dazu gesellt sich ein humorvoller Wortwitz und ein angenehm bildhafter Schreibstil. Im Mittelpunkt stehen Dachs Naseweiß und seine Freunde, die Entdecken, Bestehen und Dazulernen. Die liebenswerten Charaktere sind sehr vielfältig und gegensätzlich, wie Francois, ein Wildschwein, das von einer Karriere als Ballerina träumt. Die leicht verwaschenen Illustrationen von Verena Körting passen perfekt in die träumerische Waldkulisse. Jede der Geschichten steht für sich allein, insgesamt ergibt sich jedoch ein roter Faden, wie beispielsweise die Vergänglichkeit der Jahreszeiten. Da vorwiegend Herbst und Winter vertreten sind, eignet sich das Buch toll zum Einkuscheln und Vorlesen, wenn es draußen immer kühler wird. Da eine ganz wichtige Frage ungeklärt bleibt, wird die Fortsetzung, die für 2024 angekündigt ist, sehnlichst erwartet. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 29.08.2023

Außergewöhnliche Leseerfahrung

Weil da war etwas im Wasser
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Der Roman "Weil da war etwas im Wasser" ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sei es die ungewöhnliche Erzählweise, der Romanaufbau oder die unterschiedlichsten Protagonisten und Erzählungen. Es geht ...

Der Roman "Weil da war etwas im Wasser" ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Sei es die ungewöhnliche Erzählweise, der Romanaufbau oder die unterschiedlichsten Protagonisten und Erzählungen. Es geht um einen Riesenkalmar, der von einem Krillfänger gefangen wird und Sanja, die auf dem Schiff als Praktikantin arbeitet und sich um sie kümmert.

Gern hätte ich mehr aus der einzigartigen Sichtweise eines Tintenfisches gelesen, dessen acht benannte Arme, um die Aufmerksamkeit des Lesers konkurrieren. Die Erzählweise ist nicht nur faszinierend, sondern auch (heraus)fordernd und abschweifend bis unangenehm überraschend. Die Erzählungen verlieren sich, landen in Rückblenden, Mythen, vom „Weißen Hai“ bis Walt Disney und ergründen, woher die Angst kommt. Hier schließt sich der Kreis zum Buchtitel, hier wird die sprachliche Kraft deutlich, die sich in vielen Ansätzen präsentiert. Ganz vielfältig ist der Versuch einer Erklärung, das Vermitteln ganz unterschiedlicher Botschaften: Aufgeschlossenheit, Schamgefühle und eine neue Betrachtungsweise. Sehr gut hat mir auch die aktive Möglichkeit des Lesens gefallen und die einnehmende Erzählweise, die Tagebucheinträge, eine Familienstammbaum, Anmerkungen und Verweise. Lediglich mehr Tiefe hätte ich mir gewünscht, statt zahlreicher Andeutungen. Wenn man sich darauf einlassen kann, ist "Weil da war etwas im Wasser“ unheimlich gut und lädt zum erneuten lesen ein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2023

Zum Nachtisch Liebesgeschichten

Heldenhörnchen und Drachenfreund
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Für das junge Eichhörnchen ist es der erste Herbst, der sich ankündigt. Die Blätter fallen vom Baum und die Tiere auf der Lichtung haben alle zutun. Also macht sich auch das Eichhörnchen an die Wintervorbereitung. ...

Für das junge Eichhörnchen ist es der erste Herbst, der sich ankündigt. Die Blätter fallen vom Baum und die Tiere auf der Lichtung haben alle zutun. Also macht sich auch das Eichhörnchen an die Wintervorbereitung. Als es seine Nuss sicher in einer Höhle verstecken will, lernt es einen Drachen kennen, der dort jahrhundertelang geschlafen hat. Vor dem Drachen stellt es sich ein bisschen anders dar, als es eigentlich ist, denn es möchte ein Held sein und Anerkennung von den anderen Tieren erhalten. Die haben Angst vor dem Drachen und beauftragen das Eichhörnchen kurzerhand, den Drachen ganz weit weg zu bringen. Also brechen Eichhörnchen und Drache zum Ende der Welt auf, um nach anderen Drachen zu suchen, während das Eichhörnchen seine wahren Absichten verschweigt.


Warum dies eines der schönsten Kinderbücher ist, die ich in letzter Zeit gelesen habe? Weil "Heldenhörnchen und Drachenfreund" mit kindlicher Beobachtungsgabe eine Identifikationsfigur schafft, die ganz unbefangen eine Menge über die Welt lernt und lehrt. Das kleine Eichhörnchen begegnet auf dieser Heldenreise nicht nur anderen, sondern auch sich selbst.

„Das Eichhörnchen mag den Gedanken, sich ganz unbemerkt selbst
begegnet zu sein und sich von nun an immer dabeizuhaben.“

Der Drache hingegen hat eine ganze Menge mehr Lebenserfahrung und wirkt sehr ausgleichend und vorbildlich auf das quirlige Eichhörnchen ein, das sich auch immer viele Gedanken um alles macht. Auch Angst und andere Gefühle, mit den entsprechenden Körperwahrnehmungen, werden geradeheraus und aufschlussreich benannt. Die Charaktere sind sehr liebenswert und es gibt viele schöne Details. Generell ist dies keine actionreiche Geschichte, sondern ein sehr themenvielfältiges Buch, beinahe poetisch geschrieben, mit einer authentische Heldenentwicklung und vielen „zum ersten Mal“-Momenten aus der Sicht von Tieren.
Hier stehen Freundschaft, Selbstfindung und Zugehörigkeit im Mittelpunkt. Es geht um die Kraftentfaltung von Geschichten, Vertrauen, Verständnis füreinander, aber auch um Vorverurteilung, Ausgrenzung und Anderssein. Dazu die stimmige Atmosphäre des Waldes und die funkelnden Sterne in der Nacht. Die Dialogdichte ist sehr ausgeglichen. Oft taucht man auch nur mit dem Eichhörnchen ins Geschehen ein.

Die farbigen Illustrationen ergänzen den Text, wenn auch nicht so detailliert, wie auf dem Cover - nur manchmal mit Hintergrund. Auffällig ist, dass auch hier das kleine Eichhörnchen in den Fokus gerückt wird und Gefühle und Gedanken (auf kreative Weise) eingefangen werden.

Dieses besondere Kinderbuch ist viel tiefsinniger, als es den Anschein macht und bietet viel Gesprächsstoff, ohne zu anspruchsvoll zu sein. Wer unterschwellige schöne Botschaften, kleine Weisheiten und kluge Sätze liebt, wird es mögen. Es ist aber auch einfach eine schöne und unterhaltsame Geschichte, deshalb eignet sie sich auch zum abendlichen Vorlesen vor dem Einschlafen.

Wenn ich könnte, würde ich mehr als fünf Sterne geben, denn dieses Buch hat mich sehr begeistert und ich bin überzeugt, hier werden Kinder und Erwachsene gleichermaßen das großartige Potenzial erkennen, das diese Geschichte auszeichnet.

Veröffentlicht am 15.08.2023

Ein aufregender Tag

Plötzlich wach! 1: Mit der Queen ne Kutsche kapern
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An irgendeinem Samstag im August lernen sich die 14-jährige Annemie und Leo kennen. Ich-Erzählerin Annemie ist gerade erst in die Stadt gezogen, hat großes Heimweh und langweilt sich schrecklich. Sie wohnt ...

An irgendeinem Samstag im August lernen sich die 14-jährige Annemie und Leo kennen. Ich-Erzählerin Annemie ist gerade erst in die Stadt gezogen, hat großes Heimweh und langweilt sich schrecklich. Sie wohnt jetzt mit ihren Eltern bei ihrer Oma Fritz in einem Wachsfigurenkabinett. Als die Wachsfigur der Queen verschwunden ist, gehen Annemie und Leo von einem Raub aus und suchen nach Hinweisen. Wie bei einer Schnitzeljagd kommen sie der Queen näher, die sich offenbar unters Volk mischen wollte.

Das Cover mit dem ausgestanztem Loch, durch das freudig die Queen winkt, ist schon ein Hingucker. Der Inhalt ist aber mindestens genauso toll. Die vereinzelten ganzseitigen Illustrationen fangen genau die richtigen Momenten ein, von denen ich mir auch gewünscht hätte, sie einmal sehen zu können.
Das Buch umfasst genau einen Tag, von morgens bis abends und begleitet Annemie dabei, wie sie Leo kennenlernt und ein Geheimnis aufdeckt. Die Charaktere sind eigen, haben ihre Stärken und Schwächen, in Leos Fall sind das einige Phobien, die der Geschichte guttun. Es macht Spaß, weil der Schreibstil so lebendig ist, auch (köstliche) Details mit aufnimmt und es auch humorvoll und locker zugeht. Man kann der Handlung sehr gut folgen, die großer Schrift erleichtert das Lesen, genauso wie die Kapiteleinteilung, es gibt nicht zu vielen Figuren und ganz viel Potenzial für weitere Bände. Achtung, Suchtgefahr! Die Queen und die königliche Atmosphäre war ein toller Einsteig in die Reihe und ich hoffe, irgendwann wird Harry Potter lebendig. Die kleine Botschaft dahinter und die vielen Fakten rund um die Queen runden das Ganze ab. Ich bin jedenfalls ziemlich begeistert und wurde bestens unterhalten. Absolute Empfehlung!