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Veröffentlicht am 06.08.2025

Naturspektakel mit vielen Fotoaufnahmen

Im Schatten von Giganten
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Die Biologin Jasmin Schreiber erkundet gern verschiedene Lebensräume und möchte wissen, wer dort lebt. In ihrem Forschungsdrang kraucht sie durch das Unterholz und hält Entdeckungen von kleinsten Jägern, ...

Die Biologin Jasmin Schreiber erkundet gern verschiedene Lebensräume und möchte wissen, wer dort lebt. In ihrem Forschungsdrang kraucht sie durch das Unterholz und hält Entdeckungen von kleinsten Jägern, Pflanzenfressern und Zersetzern mit ihrer Kamera fest. Mit «Im Schatten von Giganten» bricht sie eine Lanze für die ungeliebten Insekten und man ist praktisch auf ihren Gassirunden dabei und darf sich wie bei einer Expedition fühlen. Die Faszination und Achtung vor den Kleinsten wächst mit jeder Seite und letztlich hatte ich große Lust, selbst niederzuknien und die Mikrolebensräume zu entdecken.

Acht Lebensräume werden genauer betrachtet und neben dem, was sich auf dem kleinsten Raum einer Blüte abspielt, fand ich die Vorstellung, durch das Leben im Baum einen anderen Planeten zu entdecken, ziemlich spannend. Denn der Parasitismus, der sich im Inneren einer einzigen Galle abspielt, ist unglaublich. Ich weiß jetzt außerdem, warum Kastanienbäume schon im Hochsommer braune Blätter haben und woran ich einen wertvollen Habitatbaum mit all seinen Mikrohabitaten erkenne.

Wenn man sich damit noch gar nicht beschäftigt hat, dann bekommt man ganz neue Einblicke in die Welt der Kleinstlebewesen, muss aber möglicherweise den ein oder anderen Fachbegriff nachschlagen, obwohl die meisten erklärt werden. Der Text ist tief in der Materie drin, aber eben auch auflockernd und humorvoll, wie ich es von Jasmin Schreiber gewohnt bin, die mit leidenschaftlicher Begeisterung und Kompetenz erzählt. Man merkt, dass sie die Themen selbst toll und spannend findet, wenn sie über die niedlichen Blattläuse oder die entscheidenden Beiträgen für das Ökosystem von Springschwänzen, Asseln, Flechten schwärmt. Bei einigen Themen blieben bei mir noch Fragen offen, die ich gern gestellt hätte. Aber der gesamten Komplexität kann man in einem Buch kaum gerecht werden und die Zusammenstellung der Schwerpunkte gibt bereits einen gelungenen Überblick.

Die Auswahl der Fotos und die schlichte Aufmachung finde ich grandios, genauso wie die eindrucksvolle Goldwespe auf dem Cover. Für mich war das der ausschlaggebende Punkt, dieses Sachbuch in meine Sammlung aufzunehmen, denn viele Fotos haben etwas Anziehendes und zeigen ganz nah Tiere, die man sonst nicht sieht. Ab und zu gab es eine Illustration, die ich sehr hilfreich fand, denn so eine akrobatische Tigerschnegelpaarung ist schon witzig anzusehen. Ich hätte mir gewünscht, dass alle Fotografien beschriftet sind (z.B. Kurzflügler) oder es Verweise gibt, wenn die passenden Aufnahmen auf einer andere Seite sind (z.B. Asseljäger), aber das kam selten vor und insgesamt hab ich die hier präsentierte Welt der Winzlinge mit Staunen genossen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 31.07.2025

Comic-Detektivgeschichte für Kinder

Detektiv Stanley und das Geheimnis im Museum
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Ein Diebstahl im Museum, bei dem nichts gestohlen wurde? Seltsam! Ein guter Grund für Stanley, das köstliche Pfannkuchenfrühstück zu unterbrechen, die Detektiv-Kappe aufzusetzen und der Sache nachzugehen.

«Detektiv ...

Ein Diebstahl im Museum, bei dem nichts gestohlen wurde? Seltsam! Ein guter Grund für Stanley, das köstliche Pfannkuchenfrühstück zu unterbrechen, die Detektiv-Kappe aufzusetzen und der Sache nachzugehen.

«Detektiv Stanley und das Geheimnis im Museum» liest sich wie eine Hommage an die Detektivgeschichten von Agatha Christie. Wie Hercule Poirot analysiert der charmante Hunde-Detektiv Stanley den Schauplatz des Verbrechens und präsentiert mit detaillierten Erklärungen seine spannende Lösung des Falls, die beinahe die Hälfte des Buches in Anspruch nimmt.

Das gelungene an dieser Detektivgeschichte ist die kinderechte Darstellungsform und die spannende Erzählweise. Der Comic ist für Kinder ab 6 Jahren empfohlen und angepasst: Tiere leben wie Menschen in der Menschenwelt, dazu großflächig bunte Cartoon-Illustrationen und große Sprechblasen. Die Bildabfolge ist eindeutig erkennbar und der Fall ist nicht zu knifflig, enthält einen spannenden Plotttwist und gibt ganz nebenbei Hintergrundwissen über den Künstler Piet Mondrian und sein Werk, was die Aspekte Literatur und bildende Kunst in dieser Bildgeschichte vereint. Am Ende gibt es nämlich eine Fallakte zum Künstler und die letze Seite hält eine Überraschung bereit.

Wer einen witzigen Tier-Krimi mit einem charmanten Pfannkuchen-Liebhaber-Hunde-Detektiv zum Miträtseln sucht, findet hier eine tolle Beschäftigung mit Liebe zum künstlerischen Detail, bei der es viel zu entdecken gibt.
Absolut empfehlenswert, auch wenn sonst selten zum Buch gegriffen wird: Hier ist für jeden was dabei.

Veröffentlicht am 31.07.2025

So darf es nicht enden?!

Gestern waren wir unendlich
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Die Liebesgeschichte von Louis und Henry ist eine queere New-Adult-Romance mit großer emotionaler Wucht und tiefgreifenden Existenzfragen.

Louis und Henry sind seit über drei Jahren ein glückliches Paar, ...

Die Liebesgeschichte von Louis und Henry ist eine queere New-Adult-Romance mit großer emotionaler Wucht und tiefgreifenden Existenzfragen.

Louis und Henry sind seit über drei Jahren ein glückliches Paar, das gerade einen Streit hat. Trotzdem begleitet Louis seinen Freund auf dessen Familienfeier. Doch es gibt keine Versöhnung, denn auf dem Heimweg kommt es zu einem Autounfall, bei dem Henry vor Louis Augen stirbt. Louis erwacht und erlebt diesen schicksalshaften Tag immer wieder, während Henry sich an nichts erinnert.

Jedes dramatische Sterben ist aufwühlend beschrieben - man leidet mit und wünscht sich ein gutes Ende für die beiden. Denn Louis kann nicht akzeptieren, dass es so enden soll und ergreift jede Chance, seinen Freund zu retten. Er ist zutiefst erleichtert, ihn wiederzusehen, nachdem er vor seinen Augen gestorben ist, später enttäuscht, frustriert, traurig und verzweifelt - es ist eine wilde Achterbahn der Gefühle, der man sich beim Lesen nicht entziehen kann. Zudem ist es sehr nachvollziehbar, was Louis durchlebt und wie er sich verhält. Die Rückblicke in die Anfänge der Beziehung geben der Romance noch mehr Tiefe und man verliert sein Herz an Louis und Henry, die aus verschiedenen Sichtweisen erzählen.
Sehr bedeutsam ist das Gespräch zwischen Louis und Henrys Großmutter Grandma Leanne. Meine liebste Stelle, denn sie greift alles auf, wofür die Geschichte steht und regt zum Nachdenken an.
Dem Genre ist es wohlmöglich geschuldet, dass einige Wiederholungen und Klischees vertreten sind, obwohl die Botschaft bereits klar ist. Das war ermüdend, aber verzeihbar, weil das Gesamtkonzept mich so mitgerissen und berührt hat.

Ich würde „Gestern waren wir unendlich“ allen empfehlen, die schreckliche Angst davor haben, Menschen zu verlieren, die sie lieben. In meinen Augen ist es eine tröstliche Geschichte, die nicht zwingend Taschentücher braucht, und ich gehöre zu denen, die das Ende mögen.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Bücher retten Leben und was sie sonst noch machen

Die geheime Sehnsucht der Bücher
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Monsieur Perdu verkauft auf dem Bücherschiff in seiner „Literarischen Apotheke“ nur die Bücher, die man braucht, nicht die, nach denen man verlangt. Die Siebzehnjährige Pauline hält seinen Metapherstreubomben
stand ...

Monsieur Perdu verkauft auf dem Bücherschiff in seiner „Literarischen Apotheke“ nur die Bücher, die man braucht, nicht die, nach denen man verlangt. Die Siebzehnjährige Pauline hält seinen Metapherstreubomben
stand und hilft Perdu auf dem Bücherschiff, wobei ihre ereignisreichen Mittwochsrunden besonders unterhaltsam und für sie lehrreich sind. „Bücher können viel, Pauline. Aber sie können nicht dein Leben ersetzen.

Françoise ist zwar erst zwölf Jahre alt, aber belesen, klug, benutzt gern schwierige Wörter und mag es nicht geduzt zu werden. Allzu gern wäre sie einfach Kind, aber es lastet zu viel Verantwortung auf ihren Schultern. Um den Zustand ihrer Mutter zu verschleiern lügt sie, oder wachträumt wie sie es nennt, damit niemand merkt, wie ihr Leben wirklich ist. Françoise wünscht sich literaturmedizinische Beratung - allerdings für ihre Mutter, die dringend Rettung braucht - und so lernen sich Françoise, Monsieur Perdu und Pauline kennen.

Auf Françoise Kapitel begann ich mich besonders zu freuen, denn sie ist so schlagfertig und ironisch, gleichzeitig ist sie verzweifelt und verletzlich, findet Zuflucht in Büchern. Für sie wünschte ich mir ein glückliches Ende. Die wilden Büchermädchen haben mein Herz gewärmt und bescheren der Geschichte entzückende Momente über die Macht der Freundschaft, die unvergesslich bleiben.

Wenn man «Die geheime Sehnsucht der Bücher » liest, dann hat man ein Buch, welches selbst in der Buchapotheke stehen könnte. Für die Menschen, die den Glauben an die Menschlichkeit und Freundschaft verloren haben. Bibliophile fühlen sich verstanden, saugen die zahlreichen Buchempfehlungen auf und schätzen Perdus feinere Gespür für Menschen.

Inhaltlich geht es um Freundschaft, darum, neue Gedanken in die Köpfe zu lassen und besorgte Eltern, die das nicht wollen. Es geht natürlich um Liebe, um Vergebung und ein Online-Missgeschick, das Folgen hat. Der Schreibstil ist poetisch, geschickt, ausdrucksstark und hat einen authentischen französischen Flair.

Ein sommerlicher Schmöker mit Herz für alle, die gedanklich nach Paris reisen möchten und bibliophile Weisheiten schätzen, die inspirieren.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Kinderbuch-Lesehighlight

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen
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Maggie wird zukünftig das Midwatch-Institut besuchen, eine Schule für Waisen, Ausreißerinnen und unerwünschte Mädchen. Deren Ruf ist berüchtigt, denn dort soll es sehr streng und trostlos zugehen. Gemeinsam ...

Maggie wird zukünftig das Midwatch-Institut besuchen, eine Schule für Waisen, Ausreißerinnen und unerwünschte Mädchen. Deren Ruf ist berüchtigt, denn dort soll es sehr streng und trostlos zugehen. Gemeinsam mit der schweigsamen Sofie, die vom Zirkus kommt und sich an der Hand verletzt hat, und der klugen Nell und ihrem kleinen Begleiter Spike, wird Maggie von der Leiterin Miss Mandelay aufgenommen, die sich - zur Überraschung aller - als warmherzige Frau entpuppt, die das Bild eines strengen Instituts zum Schutz aufrechterhalten muss. Hier werden die Mädchen in die Anfangsklasse aufgenommen und erhalten ein Bett, Kleidung, genussvolle Mahlzeiten und vielseitigen Unterricht, um nützliche Dinge zu lernen.

Diese Geschichte ist ein Reise in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts, die von einer geheimen Organisation erzählt, die ihre Fälle auf altmodische Art löst. Eine verschwundene Person, unerklärliche nächtliche Angriffe und eine Stadt in Angst, rufen die Mädchen der „Midwatch“ auf den Plan. Die Themen sind breit gefächert und das Aufbrechen der Gesellschaftsschicht macht es klugen Mädchen, die nicht angepasst, brav und gehorsam sind, möglich, ihr Potenzial zu entfalten und anspruchsvolle Rätsel zu lösen. Sie erfahren zum ersten Mal in ihrem Leben Zuversicht und Unterstützung. Dabei lernen sie „nützliche Dinge, die jedes Mädchen wissen sollte“, die darauf vorbereiten, knifflige Rätsel zu lösen, Gutes zu tun und Bösewichte zu bekämpfen.

Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt. Die Atmosphäre war so eindringlich geschildert, dass ich sehr mit Maggie mitfiebern konnte. Als sich zeigt, welche Chance wirklich vor ihr liegt, ist man ebenso aufgeregt und neugierig. Eine wichtige Rolle spielt, neben der Aufklärung des Falles, auch der Zusammenhalt der neun Mädchen, die sich als Anfängerinnen beweisen wollen und über sich hinauswachsen. Judith Rossel schreibt geistreich, mit anschaulicher Vorstellungskraft und einem guten Händchen für Charaktere. Bettina Obrecht hat mit viel Wärme und Leidenschaft ihre Worte zugänglich gemacht. Das machte den Schreibstil flüssig und wunderbar lesbar. Darüber hinaus ist es spannend, wendungsreich, humorvoll und sehr unterhaltsam geschrieben. Das Finale setzt nochmal einen obendrauf.
Ich freute mich begierig auf jedes Umblättern und das Entdecken dieser spektakulären Illustrationen, oder der Seiten mit den nützlichen Dingen. Es macht einfach Spaß, Praktisches mit kindlicher Neugier zu entdecken, weil sie sich perfekt in die Geschichte einfügen und zum Ausprobieren inspirieren. Davon abgesehen besticht das Buch mit vielen besonderen Details - in der Ausgabe und in der Handlung. Durchgehend blaue Textfarbe, jede zweite Seite ist illustriert, teilweise aufwendige Doppelseiten, die Stimmung und Atmosphäre erzeugen, und Einblicke in die Handlung und geschichtliche Einordnung bieten. Bilder und Text fügen sich nahtlos zusammen und helfen dabei, sich alles vorzustellen (Personen, Orte, Gegenstände). Dazu finden sich auch Hinweise in den Illustrationen und so fügt sich alles zusammen. Ein großartiges Lesevergnügen für Groß und Klein, das mich total begeistern konnte. Es wirkt, als wäre die Geschichte abgeschlossen, aber ich würde mich sehr über eine Fortsetzung freuen.