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Veröffentlicht am 19.02.2017

Wenn Zerbrochenes langsam wieder heil wird ...

Liebe ist wie Drachensteigen
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Worum geht's?

Ich kann nicht einfach zurück an diesen Ort. Wenn etwas einmal zerbricht, kann man es nie mehr wieder so zusammensetzen, wie es war. Es wird immer Risse geben und Klebstoffspuren und raue ...

Worum geht's?

Ich kann nicht einfach zurück an diesen Ort. Wenn etwas einmal zerbricht, kann man es nie mehr wieder so zusammensetzen, wie es war. Es wird immer Risse geben und Klebstoffspuren und raue Oberflächen. (S. 96)

Hadley ist immer noch wütend. Die Affäre ihres Vaters hat ihre Familie entzweit, die Stimmung zu Hause ist unerträglich und Hadley flüchtet sich in jede jungstechnische Ablenkung, die sich ihr bietet.
Sams Verhältnis zu seinen Eltern ist auf Grade unter Null heruntergekühlt. Neu in der Stadt und an der Schule bekommt er ausgerechnet Hadley als Partnerin für ein Shakespeare-Projekt zugeteilt.
Zwischen den beiden knüpft sich sofort ein zartes Band - doch wird es reißfest genug sein, um den Ärger und die Probleme in ihren Familien zu überstehen?

Was mich neugierig gemacht hat:

Ich hatte bisher noch gar kein Buch aus dem Magellan Verlag gelesen, obwohl einige auf meiner Wunschliste stehen. Als zu dieser Neuerscheinung eine Leserunde angeboten wurde, musste ich mich gleich bewerben, weil "Liebe ist wie Drachensteigen" eine emotionale Geschichte versprach und mich der Perspektivwechsel zwischen Hadley und Sam schon in der Leseprobe sofort überzeugt hat.
Mir gefällt das Cover, weil es dezent, aber trotzdem stark, süß, hell, verspielt und einfach hübsch ist - das Herz mit den Rissen wirkt empfindlich und zerbrechlich. Es passt sehr gut zum Buch.

Wie es mir gefallen hat:

Die Geschichte steigt mitten im Geschehen ein, und schon nach den ersten Seiten haben Hadley und Sam mich für sich einnehmen können. Der Erzählton ist sehr gelungen - beide Perspektiven sind sehr authentisch geschrieben, vermitteln die Gefühle der Figuren auf lebhafte Weise und haben genau die richtige Mischung aus Drama und Humor. Das Buch ist sehr dialoglastig, aber mir persönlich hat das gut gefallen, weil es dadurch sehr flüssig zu lesen ist und in den Gesprächen viel zum Ausdruck kommt.

Bis auf eine Enthüllung, die mich gegen Ende überraschen konnte, hält die Autorin die Spannung um die Geheimnisse, die sie aufbaut, nicht sehr lange. An der einen oder anderen Stelle hätte sie die Leser vielleicht noch eiskälter erwischen können, wenn sie die Auflösung noch etwas hinausgezögert hätte.

Die Liebesgeschichte ist sehr gut umgesetzt, auch wenn das gemeinsame Schulprojekt zu Beginn ein wenig klischeehaft daherkommt. Es wird nichts überstürzt, aber die Chemie zwischen den Charakteren stimmt, und das spürt man.
Es gibt viele schöne Begegnungen, in denen sich die Gefühle langsam entfalten, während die Schatten im Hintergrund lauern. Man erlebt mit, wie Hadley und Sam einander in einer schwierigen Zeit ihres Lebens Halt geben und sich dabei beide weiterentwickeln. Nur die kleine Essensschlacht zwischendurch fand ich überzogen - so etwas hat für mich nichts Witziges oder gar Romantisches.

Eine weitere Stärke des Buches sind die Nebencharaktere. Sowohl Hadleys beste Freundin Kat als auch Sams Schwester Livy und sein bester Freund Ajay bringen Schwung in die Geschichte und wachsen einem schnell ans Herz.
Nur die Hadleys und Sams Eltern habe ich nicht in allen Punkten verstehen können, und ihr Verhalten hat mich manchmal stutzig gemacht.

Das Ende ist sehr gelungen, nicht unglaubwürdig kitschig, aber auch nicht viel zu offen oder abrupt.
Es wäre schön gewesen, wenn die Drachenthematik noch einmal etwas stärker aufgegriffen worden wäre, aber auch so habe ich das Buch zufrieden zuschlagen können.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wer schöne, einfühlsam erzählte Liebesgeschichten über Jugendliche mag, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Die ernste Thematik um das Fremdgehen von Hadleys Vater zieht sich durch die ganze Geschichte und sorgt für viel Familiendrama. Hadleys Art, damit umzugehen, entspricht sicher nicht jedem Typ Mensch, ist aber gut umgesetzt.

In einem Satz:

"Liebe ist wie Drachensteigen" ist eine in zwei authentischen Perspektiven erzählte Liebes- und Familiengeschichte, die mehr auf Gespräche als auf Spannung setzt und herzerwärmend zeigt, wie Zerbrochenes langsam von der Hoffnung auf Neubeginn zusammengefügt wird.


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Magellan Verlag!

Veröffentlicht am 18.08.2017

Eine Heldin mit einer starken Erzählstimme und Jahrhunderten von Geheimnissen

Ein Kuss aus Sternenstaub
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Worum geht's?

Sie ist eine uralte Dschinny, die seit Ewigkeiten in ihrer Flasche gefangen in einem lange vergessenenen Juwelengarten wartet.
Er ist ein junger Dieb mit Namen Aladdin, den ein magischer ...

Worum geht's?

Sie ist eine uralte Dschinny, die seit Ewigkeiten in ihrer Flasche gefangen in einem lange vergessenenen Juwelengarten wartet.
Er ist ein junger Dieb mit Namen Aladdin, den ein magischer Ring zu ihr führt. Er wird ihr Gebieter und sie versucht, seine Wünsche zu nutzen, um einen Auftrag des mächtigsten Dschinn zu erfüllen und sich damit ihre Freiheit zu erkaufen. Dass ihr Gefühle für diesen jungen Mann dazwischen kommen, hätte sie nie für möglich gehalten - und doch passiert genau das ...

Was mich neugierig gemacht hat:

Das Buch hatte ich schon lange auf meiner Hoffentlich-wird-es-übersetzt-Liste. Orientalisch angehauchte 1001-Nacht-Geschichten sind ja gerade wieder im Trend, und so hat dann auch "The Forbidden Wish" endlich seinen Platz im deutschen Buchmarkt gefunden.
Da der Klappentext inhaltlich nicht viel verrät, war ich sehr gespannt, welches Abenteuer die Dschinny und Aladdin gemeinsam zu bestehen haben würden.

Wie es mir gefallen hat:

Das Besondere an diesem Buch ist die Erzählstimme der Dschinny - Zahra, wie sie sich von Aladdin nennen lässt, obwohl ihr wahrer Name in der Sprache der Dschinn Krümmung-des-Tigerschwanzes, Rauch-im-Wind, Mädchen-das-die-Sterne-verschenkt bedeutet.
Sie hat schon viele Zeitalter erlebt, und nach und nach erfährt man, wie es dazu kam, dass ihr eigenes Volk sie in ihre Flasche verbannte. Wer sie war, bevor sie zur Dschinny wurde, bleibt lange ein Geheimnis. Diese Elemente um die Vorgeschichte der Protagonistin sind wunderbar umgesetzt, ihr Drang nach Freiheit wird sehr greifbar. Der Autorin ist es gelungen, sich wirklich konsequent in das Wesen ihrer Figur einzufühlen und dasselbe auch ihren Lesern zu ermöglichen.
Zusätzlich zur Ich-Erzählerin gibt es im Buch drei Ausschnitte aus einem Lied, das nach und nach mehr über Zahras Vergangenheit und ihre letzte Gebieterin enthüllt.

Das Buch ist unglaublich fantasievoll geschrieben und man verfolgt mit Spannung mit, wie Zahra Aladdins Wünsche zu erfüllen versucht und die beiden sich bei Hofe immer mehr in Schwierigkeiten bringen.
Mit Zahra kann Aladdin als Charakter allerdings nicht ganz mithalten und bleibt im Vergleich ein wenig austauschbar. Dafür gibt es mit der Prinzessin Caspida und ihren loyalen Gesellschafterinnen noch einige starke Nebenfiguren.

Die Liebesgeschichte hat mich nicht vollkommen überzeugen können; da die Geschichte aber nicht nur davon lebt, ist das nicht so tragisch. Grund dafür, dass ich hier nicht richtig mitfiebern konnte, war neben dem schon erwähnten eher oberflächlich gezeichneten Charakter Aladdins, dass die Gefühle sich über einen Zeitraum entwickeln, der gestrafft erzählt wird, sodass man als Leser nicht viele Szenen miterlebt, die die beiden als passendes Paar zeigen.

Schön ist die Abgeschlossenheit der Geschichte. Nach dem etwas chaotischen, halsbrecherischen Showdown klingt das Buch sehr rund und stimmig mit einem Wohlfühlende ab.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wer schon Bücher wie "Zorn & Morgenröte" für ihre Stimmung geliebt hat oder allgemein die Atmospähre aus 1001-Nacht mit einer Prise Romantik und einem Hauch Action reizvoll findet, sollte "Ein Kuss aus Sternenstaub" lesen.
Für Mädchen ab 14 ist es ideal, auch mit Anfang 20 kann man noch wunderbar in der Welt des Buches versinken.

In einem Satz:

"Ein Kuss aus Sternenstaub" erzählt eine märchenhafte Geschichte voll Tragik, Magie und Liebe und lässt die faszinierende Welt einer Dschinny lebendig werden, die trotz jeglicher Verbote ein Herz für Menschen hat.

Veröffentlicht am 09.08.2017

Was es bedeutet, zu sich selbst zu stehen

Among the Stars
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Worum geht's?

"(...) Die Welt war für immer still, und ich konnte es kaum ertragen. Aber wenn ich schrieb, hörte ich all diese Stimmen in meinem Kopf, die mir Geschichten erzählten. Ich habe das Gefühl, ...

Worum geht's?

"(...) Die Welt war für immer still, und ich konnte es kaum ertragen. Aber wenn ich schrieb, hörte ich all diese Stimmen in meinem Kopf, die mir Geschichten erzählten. Ich habe das Gefühl, ich bin nur dann in der Lage, die Welt deutlich zu hören, wenn ich eine neue erschaffe." (S. 165)

Elise Jameson ist Bestsellerautorin - doch das weiß niemand außer ihren Eltern und ihrem besten Freund. Seit Elise durch einen schlimmen Unfall taub geworden ist und eine Narbe im Gesicht trägt, versteckt sie sich vor der Welt, und hat das Bild einer fremden Frau als Autorenfoto benutzt. Als ihre Bücher verfilmt werden sollen - sogar mit ihrem absoluten Lieblingsschauspieler Gavin Hartley -, taucht plötzlich die Frau von dem Bild auf und nimmt Elises Rolle ein. Elise ist schockiert, doch dann wittert sie ihre Chance: Denn sie hat eine Einladung, beim Dreh dabei zu sein, und als vermeintliche Assistentin könnte sie sich das gleich viel besser vorstellen ...

Was mich neugierig gemacht hat:

Titel und Cover schreien hier eigentlich schon so sehr nach einer typischen Liebesschnulze, dass ich unter Umständen die Finger von dem Buch gelassen hätte - wäre da nicht der originelle Grundkonflikt gewesen: eine junge Autorin, die ihre Identität verbirgt und ein tragisches Geheimnis mit sich herumschleppt, soll plötzlich im Rampenlicht stehen, und engagiert eine andere Frau, sie zu sein. Damit hat das Buch mich dann doch gewinnen können und mir bewiesen, dass seine Gestaltung ihm in gewisser Weise unrecht tut.

Wie es mir gefallen hat:

Kurzweilig, witzig, romantisch, lebensklug - das wären einige Schlagworte, die ich in Bezug auf "Among the Stars" in jedem Fall nennen würde.

Die Protagonistin Elise ist stark (viel stärker, als sie denkt), und auch wenn sie an der einen oder anderen Stelle ein wenig naiv agiert, kann sie den Leser ingesamt erfolgreich an ihre Geschichte fesseln. Ihre Taubheit ist sehr gut in die Handlung eingebunden, und es gelingt, sich in ihre Situation einzufühlen. Ihre Entwicklung und das Ende sind authentisch und mit viel Gefühl gestaltet.

Gavin Hartley, der berühmte Schauspieler, der es Elise so angetan hat, konnte mich nicht zu hundert Prozent überzeugen. Sein tragisches Geheimnis, und dass er in Wahrheit überhaupt nicht abgehoben, eingebildet und außerdem praktischerweise nicht in einer Beziehung ist, waren für mich ein bisschen viel des Guten. Doch da das Genre solche Figuren ja eigentlich schon voraussetzt, darf dieses Buch sich das durchaus erlauben.

Die Nebencharaktere haben zwar mitunter große Bedeutung für Elise, sind aber teils nicht wirklich originell (z.B. Elises schwuler bester Freund Jin) oder werden in nicht unbedingt notwendige Handlungsstränge verwickelt (z.B. Clint, ein Typ, den Elise an der Uni kennenlernt). Da man als Leser aber ohnehin am meisten an dem Verlauf von Elises Misere interessiert ist, tut das dem Lesevergnügen nicht viel Abbruch.
Veronica, die Frau, die Elises Rolle einnimmt, finde ich interessant - im Englischen gibt es noch ein Companion, das ihre Geschichte behandelt, und ich bin gespannt, ob dieses es vielleicht auch auf den deutschen Markt schaffen wird. Da sie sich Elise gegenüber eher verschlossen zeigt, gäbe es noch viel über ihre Hinter- und Beweggründe zu erfahren.

Was noch etwas besser hätte umgesetzt werden können, ist das Geheimnis um Elises Unfall. Lange Zeit ist man gespannt, was denn nun wirklich passiert ist, und dann kommt die Wahrheit durch einen recht konstruierten Zufall ans Licht und wird dann etwas zu schnell abgehandelt.

(Für wen) Lohnt es sich?

Jeder, den ein paar unvermeidliche Klischees - wie der perfekte, einfühlsame Star, der in Wahrheit nur missverstanden wird - am Rande nicht abschrecken, und der grundsätzlich für romantische Geschichten zu haben ist, kann bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.
"Among the Stars" kann auf jeden Fall aus dem Einheitsbrei hervorstechen und bringt ein paar unverbrauchte Themen und Ideen mit.

In einem Satz:

"Among the Stars" ist eine erfrischende, humorvolle und doch tiefergehende Liebesgeschichte mit dem großen Thema, was es bedeutet, zu sich selbst zu stehen.


Herzlichen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Verlag!

Veröffentlicht am 28.07.2017

Sei vorsichtig, was du schreibst - es könnte alles wahr werden!

Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen
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Worum geht's?

"All diese Welten können wir erreichen, indem wir ein Buch aufschlagen, aber diese eine, in der wir selbst nur eine Geschichte sind, nicht."
"Ja", sagte er leise. "Ja, vielleicht." (S. 304) ...

Worum geht's?

"All diese Welten können wir erreichen, indem wir ein Buch aufschlagen, aber diese eine, in der wir selbst nur eine Geschichte sind, nicht."
"Ja", sagte er leise. "Ja, vielleicht." (S. 304)

Mila ist siebzehn und hat genug davon, bemuttert zu werden. Sie weiß ja nicht einmal, was damals geschehen ist, als ihr Vater und ihr Bruder ums Leben kamen, und ihre Mutter Helena spricht nicht darüber. Um Abstand zu gewinnen, flieht sie zu einer Freundin nach Paris. Doch kaum hat ihr Zug den Bahnhof erreicht, setzen sich Dinge in Bewegung, von denen sie nichts geahnt hat: Die Geschichten, die sie schreibt, beginnen Wirklichkeit zu werden. Plötzlich steht ihr Nicholas gegenüber, den sie schon seit Jahren von den Abenteuern in ihrem Notizbuch kennt. Und wie es scheint, ist Mila nicht die Einzige, die über ihn und sich geschrieben hat ...

Was mich neugierig gemacht hat:

Hier war es vor allem das Thema, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Wenn man selbst Geschichten schreibt, stellt man sich natürlich gern mal vor, wie es wäre, wenn Dinge und Figuren aus der fiktiven auf einmal in die reale Welt, mitten ins eigene Leben gelangen würden.
Die Idee, dass es Fabelmächtige gibt, die die Gabe besitzen, Geschichten wahr werden zu lassen, hat mir gut gefallen. Dazu eine Liebesgeschichte und viele Geheimnisse - sehr vielversprechend!
Das Cover ist sehr liebevoll auf die Geschichte abgestimmt. Man merkt, dass es bei der Gestaltung wirklich darum ging, dem Inhalt gerecht zu werden.


Wie es mir gefallen hat:

Von der ersten Seite an ist man mittendrin: Man begleitet Mila auf dem Weg nach Paris und ist schon dort angekommen. Man muss aufmerksam lesen und erst mal viele Personen und Hinweise einordnen. Was dabei ein bisschen zu kurz kommt, ist Milas bisheriges Leben. Ich hätte mir gewünscht, sie ein bisschen besser kennenzulernen, um dann mitzuerleben, was die Geschehnisse für sie bedeuten und wie das Ganze sie beeinflusst.

Mit Nicholas ist es mir ähnlich ergangen. Ich finde es toll, dass die Perspektive sich manchmal auf ihn richtet (und ihm übrigen auch auf einige weitere Charaktere), weil das noch mehr Abwechslung und Spannung in die Geschichte bringt. Doch er bleibt etwas zu sehr auf den perfekten Jungen mit dem tragischen Hintergrund beschränkt, der Mila schützen will, indem er ihr nicht sagt, wo sie da eigentlich reingeraten ist. Die Liebesgeschichte konnte so noch nicht ganz überzeugen, zumal beide Figuren mir zu fremd geblieben sind und die gemeinsame Basis nicht deutlich genug vermittelt werden konnte.
Gut ist aber, dass Mila sich nicht so ohne weiteres beschützen lassen will - davon hat sie dank ihrer Mutter definitiv genug.

Ein besonderes Händchen hat die Autorin für Nebencharaktere - der wagemutige und irgendwie doch sensible Eric, die kreative, lebenssprühende Isabelle oder der hilfsbereite Buchhändler Maréchal haben es mir besonders angetan und für viele wunderbare Szenen gesorgt. Oft habe ich hier weniger Distanz zu den Figuren gespürt als bei den eigentlichen Protagonisten.

Was mich immer mal wieder ein wenig aufgeregt bis verärgert hat, sind Milas Reaktionen. Sie wirkt häufig sehr gefasst angesichts des Chaos' um sie herum, hinterfragt kaum etwas und stellt selten die richtigen Fragen (oder es kommen Ausreden wie "Jetzt war nicht der richtige Moment" oder "Sie war gerade zu müde, um weiter darüber nachzudenken"). So werden Dinge, die den Leser brennend interessieren, aufgeschoben, ohne dass ein wirklicher Grund dafür besteht.

Eine Stadt wie Paris für ein Jugendbuch in Szene zu setzen, ist nicht ganz einfach - es ist einfach ein sehr beliebter Schauplatz, mit dem auch viele Klischees verbunden sind.
Kathrin Lange gelingt es hier aber, die Stadt wirklich lebendig werden zu lassen.
Zusammen mit der sich dort entfaltenden Fabelmacht und ihren ganz eigenen Gesetzen ergibt sich ein schillerndes Gesamtbild, das sich sehen lassen kann.

Das Ende ist großartig und einfühlsam geschrieben und macht Lust auf mehr. Obwohl eine Geschichte (scheinbar?!) endet, bleiben noch viele Rätsel zu lösen.

(Für wen) Lohnt es sich?

"Die Fabelmacht-Chroniken - Flammende Zeichen" ist ein unterhaltsames, fantasievolles Jugendbuch für die Kernzielgruppe ab 14. Auch die älteren Leser des Genres kommen auf ihre Kosten.
Wer Geschichten liebt, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen, denn die Liebe zum geschriebenen Wort sprüht hier förmlich aus den Zeilen.

In einem Satz:

Der Auftakt der "Fabelmacht-Chroniken" punktet mit einer zauberhaften, gut entfalteten Grundidee, liebevoll beschriebenen Schauplätzen und sympathischen Nebenfiguren - nur was die Gestaltung der Protagonisten und der Liebesgeschichte angeht, erscheint einiges noch steigerbar.


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar für die Leserunde an den Verlag!

Veröffentlicht am 08.07.2017

Starker Anfang, starkes Ende und etwas zu viel Drama dazwischen

Nothing Like Us
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Worum geht's?

Lena (20) hofft sich ihrem großen Berufstraum einen Schritt näher: Ihr Praktikum in der Küche des WEST Hotel & Residences in New York soll ihr die ersten Türen öffnen.
Dass sie dann erst ...

Worum geht's?

Lena (20) hofft sich ihrem großen Berufstraum einen Schritt näher: Ihr Praktikum in der Küche des WEST Hotel & Residences in New York soll ihr die ersten Türen öffnen.
Dass sie dann erst mal gar nicht in der Küche eingesetzt wird, sondern fegen und Wäschekammern aufräumen soll, passt ihr gar nicht. Kein Wunder, dass sie keinen Nerv für den allem Anschein nach ziemlich faulen, wenn auch attraktiven Praktikanten hat, mit dem sie zusammenarbeiten soll.
Was sie nicht weiß: In Wahrheit ist es niemand anderes als Sander Nicolas West, der Sohn des Hotelbesitzers, den sie da herumkommandiert. Und der findet das so amüsant und erfrischend, dass er sie nicht über die Verwechslung aufklärt. Schon bald kommen die beiden sich näher. Doch wird sie ihm jemals verzeihen können, wenn sie es herausfindet? Und wie könnten ihre Träume jemals zu seiner Zukunft passen?

Was mich neugierig gemacht hat:

Meine Neugier hat hier zuerst das Setting mit dem Luxushotel geweckt, zu dem auch das Cover mit dem edlen Türschild sehr gut passt. Obwohl es eigentlich sehr schlicht und thematisch naheliegend ist, fand ich es gleich sehr ansprechend und wollte wissen, worum es hier wohl gehen würde.
Der Titel lässt zwar darauf schließen, dass es sich um eine Liebesgeschichte handelt, hebt sich aber davon abgesehen nicht wirklich von der breiten Masse ab und kommt damit ein bisschen willkürlich und fast schon nichtssagend daher. Über den Hinweis auf das Genre hinaus vermittelt er nicht das Besondere an der Geschichte.

Wie es mir gefallen hat:

"Nothing Like Us" lässt mich ein wenig zwiespältig zurück. In einigen Punkten ist es sehr gut umgesetzt, in anderen dagegen ausbaufähig. Die positiven und negativen Aspekte halten sich die Waage und führen insgesamt zu einem Gesamtbild aus verschiedenen, einander entgegenstehenden Eindrücken.

Würde ich mein Gefühl beim Lesen in einem Kurvendiagramm darstellen, würde die Linie weit oben starten, dann mit einer leichten Abwärtstendenz verlaufen, im letzten Drittel ihren Tiefpunkt erreichen und zum Ende hin wieder stark ansteigen.
Der Anfangsteil mit dem Praktikumsbeginn und Lenas und Sanders Kennenlernen ist besonders gut gelungen und das zuckersüß arrangierte Ende hat mich wieder ein wenig mit den kleinen Schwächen und Längen auf dem Weg dahin versöhnen können.

In gewisser Weise ist die Grundsituation, dass Lena nicht über Sanders Identität Bescheid weiß, der Leser sich aber darüber im Klaren ist, ein Problem der Geschichte.
Zwar besteht ein bestimmtes Maß an Spannung darin, mitzuverfolgen, wie Sander die Enthüllung hinauszögert und man doch weiß, dass Lena irgendwann dahinterkommen wird. Doch dies wird zu sehr ausgereizt. Es dauert lang, bis es endlich zur Konfrontation kommt. Im Verhältnis verdaut Lena das Ganze dann unerwartet schnell.
Auch weitere Konflikte im Verlauf ziehen sich etwas zu sehr in die Länge, sodass der doch recht große Umfang des Buches ruhig ein bisschen hätte gestrafft werden dürfen.

Der Perspektivwechsel zwischen Ich-Erzählerin Lena und Ich-Erzähler Sander ist gut umgesetzt, wobei der Part Letzterens gerne noch ein bisschen stärker hätte ausfallen können.
Die Art des Erzählens ist sehr nah an den Figuren und selbst in dramatischen Situationen noch humorvoll und selbstironisch.
Besonders über Lena hätte ich gerne noch das eine oder andere aus ihrem Leben vor New York erfahren - es kommt schon fast so rüber, als hätte sie alle Zelte abgebrochen und bis auf Pflichttelefonate mit ihrer Mutter keinen Kontakt mehr nach Deutschland.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich im Großen und Ganzen gut; nur einzelne Elemente haben mich gestört (wie z.B. Sätze à la "Ich glaube, ich verliebe mich gerade", nachdem die beiden schon zusammen waren - sollte das nicht passieren, bevor man etwas miteinander anfängt?)

Manchmal entstehen kleine Irritationen durch die Sprache - zumal die Dialoge natürlich Deutsch sind, in Wirklichkeit aber auf Englisch stattfinden. So habe ich mich z.B. darüber gewundert, dass manchmal von der "Sie"-Anrede die Rede war, die es im Amerikanischen ja gar nicht gibt. Was mir sprachlich wiederholt aufgefallen ist, ist außerdem, dass Verben falsch kombiniert worden sind (z.B. "in mein Zimmer gestürmt und mich (...) gezwungen hatte", "meine Taschen abgestellt und verschwunden war", "an dem Sander im Club aufgetaucht und mich ins Hotel gebracht hatte") - das aber nur am Rande.

Insgesamt gab es also sowohl Momente, in denen ich das Buch toll fand, als auch solche, in denen ich ein wenig genervt war.
Ich bin jedenfalls gespannt, worum es wohl in der Fortsetzung gehen wird, und werde die Upper-East-Side-Reihe mal im Auge behalten.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wer Liebesgeschichten mit viel Gefühlswirrwarr und Hin und her mag und die altbewährte Problematik von Schichtunterschieden, bekommt hier eine kurzweilige Geschichte geboten.
Man sollte aber auf viel Hin und Her vorbereitet sein und auch ein bisschen Geduld dafür aufbringen können, wenn Konflikte nicht unbedingt begründet ein wenig in die Länge gezogen werden.

In einem Satz:

"Nothing Like Us" ist gut geschrieben, sehr unterhaltsam und trotz ein paar Klischees und Längen ein empfehlenswerter Liebesroman.


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag und an Vorablesen!