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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2026

Einfach schön

Summer Tides
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Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von ...

Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von Anfang an, wie es ausgeht. Gut so für einen Wohlfühlroman! Noch besser aber gefällt mir, dass die Umwege der beiden nachvollziehbar sind und man spürt, wie sie um ihre Beziehung kämpfen. Scarlett muss lernen, an sich selbst zu glauben. Und man geht die Schritte gern mit ihr gemeinsam. Auch wenn die Kapitel mal aus Jonahs, mal aus Scarletts Sicht geschrieben sind, bleibt mir Jonah etwas fremder. Aber auch sein Bedürfnis, die eigenen Wünsche und Ziele besser zu verstehen, kann ich gut nachvollziehen.

Die Autorin zeichnet ein schönes Bild von St. Ives, seinen Bewohnern und ihrem Zusammenhalt. Die Charaktere sind einfach, aber liebevoll gezeichnet. Man könnte sich vorstellen, direkt Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Beim Lesen ist man jedenfalls mittendrin im Geschehen und mag eigentlich gar nicht raus aus dieser Welt.

Ich mag die Sprache, auch wenn mir manchmal etwas zu viele Schmetterlinge durch die Luft fliegen.

Vor allem aber freue ich mich, dass es noch drei weitere Jahreszeiten gibt, in denen man in die Welt von St. Ives eintauchen kann.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Spannender Einblick in politische Intrigen

Die Stockholm-Protokolle
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Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen ...

Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen Alltag beschrieben. Das ist ganz großartig zu verfolgen, wenn zum Beispiel ein Minister nach einem eigentlich unverzeihlichen Fehltritt wieder aufgebaut wird als politische Person. Von diesem Streben um Macht und Einfluss hätte ich ein ganzes Buch lesen können.
Doch hier geht es um mehr (und manchmal ist das vielleicht sogar ein bisschen zu viel). Julia ist Investigativjournalistin und entdeckt Anzeichen, dass im Umfeld des Ministerpräsidenten etwas Ungutes vor sich geht. Mit allen Mitteln versucht sie dem auf die Spur zu kommen. Die Figur ist gut gezeichnet, denn auch sie kommt nur durch Skrupellosigkeit und ohne Rücksichtnahme auf ihre Informanten an ihre Geschichten.
Parallel dazu ernennt die Regierung ihren Lebensgefährten Alfred als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Nicht nur, weil er brillant argumentieren kann, sondern vor allem, um Julia am Recherchieren zu hindern. Durch Alfreds Rolle bekommt man diese wunderbaren Einblicke in die Machtspielchen des politischen Alltags. Ob der künstliche Spannungsbogen zum „Ruhigstellen“ von Julia nötig war, sei dahingestellt.
Das Buch besticht lange durch eine ruhige Erzählweise. Die Dramatik im letzten Teil ändert dann die Dynamik der Geschichte, aber leider auch deren Glaubwürdigkeit.
Mir gefällt das Cover sehr gut. Da das Buch der Auftakt einer Reihe ist, würde ich mir wünschen, dass weitere Buchtitel ähnlich gestaltet sind.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Schweden in den späten 80ern

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte ...

Mattias Edvardsson führt in „Tatort Trelleborg“ seine neue Hauptfigur Gunni mit viel Liebe zu Details ein. Sie ist den Zeugen Jehovas entflohen, ihre Schwester steckt noch im System und diese Geschichte bekommt doch sehr viel Raum im Buch. Es hat fast aufklärerische Züge, wie der Autor die Lebensumstände beschreibt.

Diese Details täten der Ermittlung bisweilen gut. Ein kleiner Junge wird ermordet und irgendwie ist jeder in der kleinen südschwedischen Siedlung verdächtig. Diesen Spuren wird jedoch nur mäßig gründlich nachgegangen und alle sind froh, als das Verbrechen unter seltsamen Rahmenbedingungen aufgeklärt wird. Fast alle, denn Gunni behält Restzweifel und fordert vehement eine Überprüfung, als sich ein ähnlicher Fall ergibt.

Besonders gelungen finde ich die Momente, in denen beschrieben wird, wie es Menschen ergeht, die zu Unrecht (vor-)verurteilt werden. Und das gerade in kleinen Gemeinschaften, wo sie fast keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.

Matthias Edvardsson zeichnet ein interessantes Bild über Schweden in den späten 80ern. Man fühlt sich durch Kleinigkeiten wie das permanente Rauchen oder den Begriff Teletext sofort in diese Zeit zurückversetzt.

Kurze Kapitel, eine sympathische Hauptfigur und die bisweilen doch sehr berührende story lassen einen schönen Lesefluss entstehen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Einfühlsam und sprachlich schön

Sie wollen uns erzählen
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„Autobahnen nennt Rottensteiner das. Ann bildet einfach keine Autobahnen. Jeder noch so kleine Gedanke, jede noch so winzige Irritation führt auf Seitenstraßen, Abwege, Verzweigungen“. Und genau das sind ...

„Autobahnen nennt Rottensteiner das. Ann bildet einfach keine Autobahnen. Jeder noch so kleine Gedanke, jede noch so winzige Irritation führt auf Seitenstraßen, Abwege, Verzweigungen“. Und genau das sind die Herausforderungen für Ann und ihren Sohn Oz. Ob das nun als ADHS oder neurotypisch oder wie auch immer diagnostiziert wird, es macht beiden den Alltag schwer.
Und so umkreisen sie sich den ganzen Tag. Beobachten, versuchen zu auszugleichen und gegenzusteuern. Sehr
feinfühlig sind sie beide und haben stets ihre Antennen ausgefahren. Oz möchte die Wut- und Schreiausbrüche der Mutter verhindern („Oz betrachtet seine Mutter, wie sie hinauf zum Leipziger schaut und ihre Ader bekommt. …. Seine Mama weiß, dass man Fremde nicht anschreit, …, besinnt Ozzy sich und hofft, dass auch sie selbst das im Augenblick nicht vergisst“). Ann ist bemüht, ihrem Sohn Stabilität und das Gefühl des „Normalen“ zu geben. Diese Anstrengung beschreibt Birgit Birnbacher mit tollen Worten, und Gedanken. Wie sich Oz flüchtet in eine hochkomplexe Phantasiewelt, wie Ann versucht, allem gerecht zu werden.

Erst als auch noch Anns Mutter verschwindet und die Situation fast unbewältigbar erscheint, lernen beide, etwas loszulassen. Anzunehmen, was ist und sich wirklich zu stützen.

Das Buch geht unter die Haut. Birgit Birnbacher beschreibt aus neutraler Position beide Rollen, Mutter und Sohn. Und so ist man als Leser auch beiden gleichermaßen verbunden, möchte unterstützen beim Kampf um Zufriedenheit und sie selbst sein.
Bei den wunderbaren Sprachbildern bedient sich die Autorin ihrer österreichischen Sprache. Das bringt wirklich Abwechslung, sind manche Begriffe doch für mich nicht im alttäglichen Sprachgebrauch üblich.

Toll ist auch das Cover. Es erinnert in den Farben an „Wovon wir leben“.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Nicht ganz rund

Nordwindworte
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Mila kehrt nach einer enttäuschenden Beziehung zurück nach Ostfriesland, wo sie aufgewachsen ist und ihre Familie immer noch lebt. Sie übernimmt kurzerhand den Buchladen ihres Vaters und wird direkt ins ...

Mila kehrt nach einer enttäuschenden Beziehung zurück nach Ostfriesland, wo sie aufgewachsen ist und ihre Familie immer noch lebt. Sie übernimmt kurzerhand den Buchladen ihres Vaters und wird direkt ins heimische Leben integriert. Ein Buchsommer ist geplant, der ihre Mitwirkung erfordert und dann ist da noch dieser ominöse Filmdreh, von dem sie sich als Buchliebhaberin irgendwie bedroht fühlt.
Diese Bedrohung nimmt unglaublich viel Raum ein und wirkt für mich irgendwie künstlich erhöht.

Ja, Mila wird von der Hauptdarstellerin des Films gedemütigt und ja, es droht die kurze Sperrung der Straße vor ihrem Laden. Aber das ist dann doch zu wenig Geschichte für ein ganzes Buch. Zumal Mila irgendwie überhaupt nichts unternimmt, um die Bedrohungen zu relativieren, sondern nur abwartet, wie das Kaninchen vor der Schlange. Gleichzeitig wuppt sie alles: Freunde, Buchladen, Laientheater, Buchsommer, schließlich sogar die Unterstützung der Filmcrew und ihre Liebesgeschichte. Da schlägt bei mir ein Realitätsradar an, dass ich leider beim Lesen nicht mehr abschalten kann.

Schade, denn die Figuren sind einfach richtig nett. Und die Liebesgeschichte ist feinfühlig geschrieben. Auch die Szenerie rund um Emden macht Lust, sofort den Norden zu besuchen und vor allem im schön skizzierten Buchladen zu schmökern. Dieser ist so einladend, wie ich es mir von der ganzen Geschichte gewünscht hätte.

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