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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2026

Über die Herausforderung, sich selbst zu sehen

Mit anderen Augen
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Tilda wird unsichtbar! Mit Entsetzen stellt sie fest, dass Teile ihres Körpers nicht mehr sichtbar sind. „Unsichtbarkeit“ heißt die Diagnose ihrer Ärztin. Trifft meistens Frauen, üblicherweise ab 50 und ...

Tilda wird unsichtbar! Mit Entsetzen stellt sie fest, dass Teile ihres Körpers nicht mehr sichtbar sind. „Unsichtbarkeit“ heißt die Diagnose ihrer Ärztin. Trifft meistens Frauen, üblicherweise ab 50 und ist nicht wirklich gut erforscht. Was für eine brillante Idee der Autorin Jane Tara, dieses Gefühl der Unsichtbarkeit Realität werden zu lassen. Wie gekonnt sie gleichzeitig das dringliche Thema gender health gap anspricht! Der Einstieg ins Buch ist begeisternd. Die Charaktere sind toll gezeichnet und ich fühle Tildas Verzweiflung.

Auf Anraten einer Therapeutin setzt sich Tilda mit PAULA auseinander, ihrem Programm aller unhinterfragten Langzeitmechanismen. Dies ist schmerzhaft, aber auch klärend und zu Beginn hervorragend beschrieben. Leider entwickelt sich das Buch in dieser Phase zunehmend zu einem Selbsthilferatgeber. Es wird immer plakativer, wellbeing-Sprüche werden auf fast jeder Seite eingestreut.

Nie hätte ich zu Beginn des Buchs gedacht, dass ich am Ende dann froh bin, es ausgelesen zu haben. Wie kann sich eine Geschichte so wandeln? Was so eindrücklich beginnt, was mir eine großartige PAULA zum Nachdenken mitgab, wird nun eine einzige Werbebroschüre für Meditation (nichts spricht dagegen, dass die Autorin ihre Leidenschaft teilt, aber doch bitte nicht so einseitig und wunderheilend). So schade! Die am Anfang stark besetzten Charaktere der Freundinnen sind nur noch stille Bewunderer. Was hätte ich mir gewünscht, dass das Wiederfinden der eigenen Werte und Identität Tildas in einer realistischen Welt stattfindet. In der sie nachhaltig spüren kann, dass ihre Wertschätzung für sich selbst auch in schwierigen Situationen hält.

Trotz aller Kritik ist es ein lesenswertes Buch, dessen Idee ich einfach großartig finde.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Spannender Einblick in politische Intrigen

Die Stockholm-Protokolle
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Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen ...

Oh ja, hier schreiben definitiv zwei Politik- Insider ein Buch. Durch kleine Episoden und große Verschwörungen werden Machtspielchen, Intrigen, Seilschaften, Aufstieg und schneller Abstieg im politischen Alltag beschrieben. Das ist ganz großartig zu verfolgen, wenn zum Beispiel ein Minister nach einem eigentlich unverzeihlichen Fehltritt wieder aufgebaut wird als politische Person. Von diesem Streben um Macht und Einfluss hätte ich ein ganzes Buch lesen können.
Doch hier geht es um mehr (und manchmal ist das vielleicht sogar ein bisschen zu viel). Julia ist Investigativjournalistin und entdeckt Anzeichen, dass im Umfeld des Ministerpräsidenten etwas Ungutes vor sich geht. Mit allen Mitteln versucht sie dem auf die Spur zu kommen. Die Figur ist gut gezeichnet, denn auch sie kommt nur durch Skrupellosigkeit und ohne Rücksichtnahme auf ihre Informanten an ihre Geschichten.

Parallel dazu ernennt die Regierung ihren Lebensgefährten Alfred als Pressesprecher des Ministerpräsidenten. Nicht nur, weil er brillant argumentieren kann, sondern vor allem, um Julia am Recherchieren zu hindern. Durch Alfreds Rolle bekommt man diese wunderbaren Einblicke in die Machtspielchen des politischen Alltags. Ob der künstliche Spannungsbogen zum „Ruhigstellen“ von Julia nötig war, sei dahingestellt.

Das Buch besticht lange durch eine ruhige Erzählweise. Die Dramatik im letzten Teil ändert dann die Dynamik der Geschichte, aber leider auch deren Glaubwürdigkeit.
Mir gefällt das Cover sehr gut. Da das Buch der Auftakt einer Reihe ist, würde ich mir wünschen, dass weitere Buchtitel ähnlich gestaltet sind.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Widersprüchliches Lesegefühl

Träume aus Salz
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Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung ...

Im Urlaub mit ihrem Freund lernt Flo die spirituelle Sofia kennen. Zwischen beiden Frauen scheint eine Anziehungskraft zu bestehen, die durchaus unterschiedliche Motive hat. Ausgelöst durch die Begegnung arbeitet Flo ihr Familienleben auf.

Dies könnte eine richtig mitreißende Geschichte werden. Doch leider verliert sich die Autorin in Nebengeschichten und Stilmitteln. Ich werde mit keiner der Figuren so richtig warm und wenngleich die Familiengeschichte eigentlich sehr intensiv ist, weckt sie keine Gefühle in mir.

Das Insel-Urlaubsgefühl kommt dagegen am Beginn der Geschichte gut rüber. Dieses Treiben lassen, mal hierhin, mal dahin schauen, ist schön beschrieben. Auch der gleitende Wechsel zwischen diesem Urlaubsgefühl und dem immer dringlicher werdenden Aufarbeiten der eigenen Geschichte kann ich gut nachvollziehen.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung – geschürt durch den Klappentext – einfach sehr hoch. Ich hätte die Figuren wahrscheinlich ein bisschen tiefgründiger erwartet, die story ein weinig flirrender und geheimnisvoller.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Schonungslos offen

Pause
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Nach einem Zusammenbruch möchte Hanna niemandem zur Last fallen, so bleiben nur die Eltern in einer beschaulichen Kleinstadt, denen sie sich zumuten möchte. Dabei hat sie doch so ein szenetypisches Leben ...

Nach einem Zusammenbruch möchte Hanna niemandem zur Last fallen, so bleiben nur die Eltern in einer beschaulichen Kleinstadt, denen sie sich zumuten möchte. Dabei hat sie doch so ein szenetypisches Leben in Berlin: coole Freunde, einen Partner, freies Arbeiten als Künstlerin, Instagram als Lebenselixier. Doch was davon hat wirklich Bestand, wenn man am Boden liegt?

Schonungslos beschreibt Lena Kupke die Verzweiflung und Traurigkeit von Hanna. Hinter ihrer (ehemals) strahlenden Fassade verbergen sich Schicksalsschläge, glücklich ist sie schon lange nicht mehr. Sich das einzugestehen, herauszufinden, was wirklich zählt, ist ein Teil des Buchs.
Der andere beschäftigt sich mit der Angst, sich zuzumuten und Zumutung auszuhalten. Was mache ich, wenn jemand trauert? Schweigen und mich zurückziehen? Oder offen fragen und wirklich für jemanden da sein? Hanna erlebt beides. Wobei sie zunächst nur das Schweigen hat. Auch in ihrem Elternhaus wird viel geschwiegen. Aus Angst zu verletzen oder Gefühlen ausgesetzt zu sein, geht man lieber zum Alltag über. Und das durchaus mit viel Liebe, aber eben auch Hilflosigkeit. Das Zugewandte erlebt Hanna eher bei Fremden, die zu Freunden werden.

Selten habe ich Gefühle so gut beschrieben gelesen. Ich kann mitfühlen und auch wenn Hanna mir im Handeln komplett fremd ist, verstehe ich doch ihre innere Welt. Das ist der Autorin wirklich großartig gelungen.

Mir gefällt sehr, dass Lena Kupke sowohl die Schweigenden als auch die Fragenden wohlwollend zeichnet. Es kann einfach nicht jeder Gefühle aushalten und zeigen. Manchmal sind es auch die kleinen Gesten, die zählen.

„Pause“ ist ein Roman, der nachhallt und der anregt, sich selbst zu fragen, wo man gerade steht. Großartig!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Einfach schön

Summer Tides
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Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von ...

Was für ein ausgesprochen hübsches Cover, dazu ein wunderbarer Farbschnitt - da fühle ich mich direkt zu Lesen eingeladen.

Und sie macht Spaß, diese Geschichte rund um Scarlett und Jonah. Man ahnt von Anfang an, wie es ausgeht. Gut so für einen Wohlfühlroman! Noch besser aber gefällt mir, dass die Umwege der beiden nachvollziehbar sind und man spürt, wie sie um ihre Beziehung kämpfen. Scarlett muss lernen, an sich selbst zu glauben. Und man geht die Schritte gern mit ihr gemeinsam. Auch wenn die Kapitel mal aus Jonahs, mal aus Scarletts Sicht geschrieben sind, bleibt mir Jonah etwas fremder. Aber auch sein Bedürfnis, die eigenen Wünsche und Ziele besser zu verstehen, kann ich gut nachvollziehen.

Die Autorin zeichnet ein schönes Bild von St. Ives, seinen Bewohnern und ihrem Zusammenhalt. Die Charaktere sind einfach, aber liebevoll gezeichnet. Man könnte sich vorstellen, direkt Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Beim Lesen ist man jedenfalls mittendrin im Geschehen und mag eigentlich gar nicht raus aus dieser Welt.

Ich mag die Sprache, auch wenn mir manchmal etwas zu viele Schmetterlinge durch die Luft fliegen.

Vor allem aber freue ich mich, dass es noch drei weitere Jahreszeiten gibt, in denen man in die Welt von St. Ives eintauchen kann.

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