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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.12.2023

Unterhaltsam, aber nach einer Zeit etwas repetitiv und anstrengend

Kleine Probleme
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Immer wieder verschiebt Lars, die Dinge die er zu erledigen hat. Eigentlich wollte er einen brillianten Roman schreiben, sein Lebenswerk, aber dann lebt er sein Leben nur so vor sich hin. Als es auch Johanna ...

Immer wieder verschiebt Lars, die Dinge die er zu erledigen hat. Eigentlich wollte er einen brillianten Roman schreiben, sein Lebenswerk, aber dann lebt er sein Leben nur so vor sich hin. Als es auch Johanna mit Lars zu anstrengend wird, nimmt Lars sich 13 Dinge vor, die er sich auf einer To-do-Liste festhält. Am Ende steht die Frage, ob er sich ändern kann und so weiterhin eine Beziehung mit Johanna möglich ist.

Aus Lars Ich-Perspektive erfahren wir auf überspitzte Weise, wieso es Lars so schwer fällt, alltägliche Dinge zu erledigen, sei es das Bett aufzubauen, putzen, die Steuererklärung zu machen, kochen, die Kinder rechtzeitig abzuholen usw., wovon er abgelenkt wird und welche Probleme sich ihm in den Weg stellen. Dabei war es einerseits sehr unterhaltsam geschrieben, wie Lars immer wieder nicht weiterkommt mit seinen Aufgaben, andererseits empfand ich es auf Dauer dann doch sehr anstrengend zu lesen, wie überfordert Lars mit seinem Leben ist.

Insgesamt empfehle ich das Buch deswegen Personen, die gerne überspitzten Humor mögen, ein Buch für zwischendurch suchen oder einfach mal Motivation brauchen, um nicht so zu enden wie Lars.

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Veröffentlicht am 21.11.2023

Jil Sander - eine beeindruckende Persönlichkeit, die ihrem Leitbild immer treu blieb

Jil Sander. Eine Annäherung
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„Ich bin dafür eingetreten, dass Frauen als sie selbst wahrgenommen werden, nicht als rückständigen Traditionen verhaftetes Phantasma“

Gut recherchiert wagt sich Maria Wiesner, Journalistin bei der FAZ, ...

„Ich bin dafür eingetreten, dass Frauen als sie selbst wahrgenommen werden, nicht als rückständigen Traditionen verhaftetes Phantasma“

Gut recherchiert wagt sich Maria Wiesner, Journalistin bei der FAZ, an Jil Sanders Person heran. Dass es nicht leicht sein wird, viel Privates über sie herauszufinden, wird gleich im ersten Kapitel klar, denn Sander war es wichtig „die Tür ins Private immer nur einen Spalt zu öffnen“. Wiesner konzentriert sich deswegen auf die Aspekte, die sicher sind, sodass der Hauptfokus auf Jil Sanders Weg zur Modedesignerin liegt. Mich persönlich hat dies nicht gestört, möchte ich keine möglicherweise falschen Vermutungen lesen. Dennoch erfährt man auch manches Privates, z.B. über ihre Herkunft und Ausbildung, Sanders Jahre in den USA, ihren Kunstgeschmack, die eher extravagante Inneneinrichtung ihres Hauses, der Gestaltung ihres Gartens und über ihre Lebenspartnerin Angelica Mommsen.

Nicht zu knapp widmet sich Wiesner den Anfängen der Marke Jil Sander. Sie arbeitet gut heraus, was Sanders Haute Couture und Pret-a-Porter von denen anderer Modemarken unterschied. So wird deutlich, dass auch in den eher schlichter gehaltenen Stücken, viel Handwerkskunst lag, war es Sander doch wichtig, dass sie nur die besten Stoffe nutzte und diese auf die bestmögliche Weise verarbeitet wurden. Ihre Stücke waren zeitlos, liesen sich beliebig miteinander kombinieren. Deswegen gilt Sander als Erfinderin des Zwiebellooks.

Gleichzeitig gelingt es Wiesner, einem die Modebranche eingehend näher zu bringen. Sie erklärt, warum Sander Rückschläge, wie die in der Modeschau in Paris erleiden musste. Dass Sander es zu der Zeit nicht immer einfach hatte, zeigt sich auch daran, dass zu der Zeit extravagante Kleidungsstücke die Haute Couture dominierten. Doch Sander, die erste Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens, war eine gute Unternehmerin und hat ihre Marke deswegen bereits früh um Parfüm und Beautyprodukte und später um eine Herrenkollektion erweitert. Was bleibt ist ihre Ideen, dass auch schlichte Teile, schön sein können.

Wiesners journalistischer Schreibstil lässt sich auch beim Wechsel zwischen verschiedenen Themen extrem flüssig lesen.

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Veröffentlicht am 19.11.2023

Unterhaltsam und mit viel Detailliebe erzählt

Der Glanz der Zukunft. Loulou de la Falaise und Yves Saint Laurent
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LouLou de la Falaise wächst unter strenger Obhut bei ihrer Großmutter Rhoda auf, bis sie sich davon zu lösen sucht, indem sie sehr jung mit Desmond FitzGerald heiratet. Desmond legt viel Wert auf irische ...

LouLou de la Falaise wächst unter strenger Obhut bei ihrer Großmutter Rhoda auf, bis sie sich davon zu lösen sucht, indem sie sehr jung mit Desmond FitzGerald heiratet. Desmond legt viel Wert auf irische Werte und einen konservativeren Kleidungsstil. LouLou dagegen zieht sich gerne sehr farbenfroh und ausgefallen an, am liebsten mit Klamotten vom Flohmarkt. Schnell wird klar, dass die Ehe nicht für die Ewigkeit ist. Und so löst sie sich von ihm und geht eigene Wege, bis sie eines Nachmittags zur Teatime eingeladen wird, wo sie Yves Saint Laurent kennenlernt…

Ohne große Erwartungen habe ich „Der Glanz der Zukunft“ begonnen, wurde dann aber durch die Detailliebe und den tollen Schreibstil von Michelle Merly überzeugt. Mit LouLou de la Falaise hat Merly eine Protagonistin gewählt, die wenig bekannt ist, deren Einfluss auf Yves Saint Laurent deswegen aber nicht zu unterschätzen ist.

Zwischen Irland, London, Marokko, New York und Paris lernen wir LouLou besser kennen. Besonders gut gefallen hat mir, dass wir die Entwicklung von LouLou de la Falaise von Beginn an miterleben können. So erleben wir, wie LouLou zu Beginn ihres Lebens insbesondere durch den Einfluss ihrer Mutter und ihres ersten Mannes ihren Modegeschmack und ihre Persönlichkeit nicht so ausleben konnte, wie sie wollte. Deswegen war ich umso beeindruckter von ihrer Entwicklung zu einer von Yves wichtigsten Unterstützern, die am Ende sogar eigenständig für die Pret-a-Porter Kollektion verantwortlich war.

Yves Saint Laurent wiederum war mir zwar vom Name ein Begriff, aber besondere Kenntnisse zu seiner Person hatte ich vor dem Lesen dieses Romans nicht. Beim Kennenlernen von LouLou und Yves wurden viele Details auch zu seiner Person eingearbeitet und seine Entwicklung spielte ab dann durchwegs auch im Roman eine wichtige Rolle. Dadurch konnte ich auch Yves als Persönlichkeit gut kennen und verstehen lernen. Yves Saint Laurent, zunächst schüchternen Designer, entwickelte einzigartige Designs, entsetzte in seiner Einzigartigkeit aber manchmal auch die in der Modebranche wichtigen Personen. Doch auch wenn er einige Rückschlage, auch im privaten Bereich durchleben muss, kam er nach einer Zeit wieder gestärkt daraus zurück.

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Veröffentlicht am 17.11.2023

Schwierige Themen unterhaltsam aufgearbeitet

Heartbreak
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Marie und Tom treffen eher zufällig aufeinander: beide machen eine schwere Zeit in ihrem Leben durch: Marie, weil sich ihr Freund nicht mehr meldet und Tom weil ihm der tragische Unfall bei einem Filmdreh ...

Marie und Tom treffen eher zufällig aufeinander: beide machen eine schwere Zeit in ihrem Leben durch: Marie, weil sich ihr Freund nicht mehr meldet und Tom weil ihm der tragische Unfall bei einem Filmdreh mediale Abwertungen en masse einbringen. Im Urlaub in der Toskana begegnen sie sich zufällig und merken, dass ihr Leben eine bestimmte Überschneidung hat.

In Heartbreak setzt sich Bagci intensiv mit psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Angstzuständen und Kontrollzwang auseinander. Darüber hinaus beschäftigt er sich z.B. auch mit dem Influencer Dasein; wie man es schafft, langsam mehr für sich einzustehen und wie man sich auch gegenüber den Eltern lösen kann, wenn diese eigene Entscheidungen nicht akzeptieren und damit über das Leben des Kindes bestimmen wollen.

Besonders gut hat mir gefallen, wie nah wir an Maries Gedankengängen waren und wie authentisch diese im Hinblick auf ihre Erkrankung waren. Dabei wurde deutlich, wie gut es Bagci gelingt, schonungslos ehrlich zu schreiben und gleichzeitig gesellschaftlich relevante Themen anzusprechen, die zwischen den Zeilen Gesellschaftskritik enthält.

Der Roman wird abwechselnd aus Maries und Toms Sichtweise erzählt. Hierbei verwendet der Autor die personale Erzählperspektive (er/sie), die aber sehr geeignet war, um die angesprochenen tiefgründigen Themen aufzuarbeiten.

Besonders gut gefallen hat mir, wie viel Handlung dennoch in Heartbreak gesteckt hat und dazu geführt hat, dass sich das Buch sehr leicht lesen lies.

Empfehlenswert für alle die auch gerne Bücher über ernstere Themen lesen und dennoch gerne unterhalten werden wollen.

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Veröffentlicht am 15.11.2023

Sehr persönliche und berührende Geschichte

Simone
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Anja Reich begibt sich in „Simone“ mit uns in ihre eigene Vergangenheit, die eng verknüpft ist mit der von ihrer ehemaligen Freundin Simone. Ehemalig, weil Simone sich das Leben genommen hat. Anja Reich ...

Anja Reich begibt sich in „Simone“ mit uns in ihre eigene Vergangenheit, die eng verknüpft ist mit der von ihrer ehemaligen Freundin Simone. Ehemalig, weil Simone sich das Leben genommen hat. Anja Reich begibt sich nun mit uns auf die Suche nach dem Warum.

Besonders gut gefallen hat mir, wie viel Geschichte in „Simone“ enthalten war. Weil Anja und Simone in Ost-Berlin aufwachsen, ist deren eigene Geschichte auch eng mit der deutschen Geschichte verknüpft und so wird durch das Buch hindurch immer wieder thematisiert, wie das Leben in Ost-Berlin war und welche Auswirkungen die Wende hatte.

Im Zusammenhang mit der Geschichte der Eltern und Großeltern erfahren wir aber auch etwas über das Leben in der Tschechoslowakei und die Auswirkungen des 2. Weltkriegs, insbesondere das Thema Vertreibung von Deutschen wird aufgegriffen. Reich gelingt es, das Thema Vertreibung sehr berührend von den verschieden Seiten zu beleuchten, weswegen es mich länger zum Nachdenken gebracht hat.

Im Zusammenhang mit den Gründen für den Suizid schreckt Reich nicht davor zurück, auch schwierige Fragen zu stellen und führt für die Beantwortung dieser Fragen Gespräche mit Experten. So wird z.B. das Thema Borderline behandelt, aber auch danach gefragt, ob die Wende und deren Auswirkungen auf Simones Leben im Zusammenhang mit ihrem Suizid stehen könnten. Die Umsetzung dessen hat mir gut gefallen, durch die vielen Themen blieb das Buch spannend. Gleichzeitig ist es Reich gelungen, das Thema einerseits mit den Experten auf einer sachlichen Ebene anzugehen, andererseits mit den Gesprächen mit Freunden und Fragen nach der persönlichen Schuld sehr berührend zu erzählen.

Insgesamt ist das Buch durch die vielen Themen, die es aufgreift sehr bereichernd und durch das emotionale Thema gleichzeitig sehr berührend.

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