Hommage an Arthur Schnitzler
Reigen in TriestIch kenne alle Bücher der Reihe um Inspector Bruno Zabini , die in Triest spielen. Was jedes Mal zu meiner Lesefreude beigetragen hat, waren die interessanten und gut recherchierten Informationen zu Gesellschaft ...
Ich kenne alle Bücher der Reihe um Inspector Bruno Zabini , die in Triest spielen. Was jedes Mal zu meiner Lesefreude beigetragen hat, waren die interessanten und gut recherchierten Informationen zu Gesellschaft und politischen Verwicklungen, die ein lebendiges Bild der Vielvölkerstadt Triest ergeben. Parallel dazu gibt es einen spannenden Kriminalfall, der die Handlung aber nicht dominiert.
Mit diesem Hintergrundwissen begann ich meine Lektüre und war dennoch überrascht. Der Autor orientiert sich stark an Schnitzlers "Reigen", was sowohl Handlung als auch Personen anbetrifft. Hier agieren drei Paare aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die sich in einer abgelegenen Villa treffen, um über Moral, kulturelle Entwicklungen und Ereignisse diskutieren und sehr offen mit ihrer Sexualität umgehen. Dies nimmt einen breiten Raum ein und es dauert einige Seiten, bis das Krimielement ins Spiel kommt. Eine Person aus dem vorangegangenen Band tritt erneut ins Rampenlicht und spielt am Ende eine entscheidende Rolle. Was man über sie wissen muss, erfährt man durch die Gespräche innerhalb der Gruppe. Hinzu kommt eine brutale und skrupellose Verbrecherbande, die die Villa ausrauben will. Hier wird die Handlung sehr dramatisch und die Teilnehmer schweben in Lebensgefahr.
Der Sprachduktus entspricht in etwa dem damaligen Sprachgebrauch und wirkt teilweise sehr gestelzt, gibt aber ein sehr gutes Bild der damaligen Umgangsformen. Da der Autor zwischen der Gruppe um Zabini und den beiden anderen Erzählsträngen wechselt, ergibt sich ein guter Spannungsbogen - hier die heitere Clique voller erotischer Abenteuer, dort die drohende Gefahr durch die kriminellen Elemente.. Nach anfänglicher Irritation hat mir der Roman sehr gut gefallen. Man muss sich auf die Handlung einlassen. Der Schwerpunkt liegt für mich eindeutig bei der besseren Gesellschaft und ihren Moralvorstellungen und war für mich spannend und unterhaltsam zu lesen. Der eingefleischte Krimifan wird dagegen vermutlich enttäuscht sein.