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Veröffentlicht am 12.11.2025

Nett, aber mit Längen

Die Sonne und die Mond
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DIE SONNE UND DIE MOND
Chris Kraus
ET: 20.8.25

Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. ...

DIE SONNE UND DIE MOND
Chris Kraus
ET: 20.8.25

Sonja „Sonne“ und Jana – von allen nur „Mond“ genannt – kennen sich seit Kindertagen. Als Jana nach Deggendorf zog, wurden die Mädchen schnell unzertrennlich. Sie teilten nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch die schmerzliche Erfahrung, früh ein Elternteil verloren zu haben: Sonne ihren Vater durch Selbstmord, Jana ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall. Doch ein Ereignis führte zu einem Bruch, der sie für viele Jahre trennte.

Zehn Jahre später steht Mond, inzwischen eine erfolgreiche Kabarettistin, plötzlich wieder vor Sonne, die heute ein Bestattungsinstitut führt. Sie bittet sie, die Beerdigung ihres Mannes und seiner schwangeren Geliebten zu übernehmen. Sonne weigert sich zunächst, gibt ihrer ehemaligen Freundin schließlich aber nach. Schon bald nimmt Mond wieder einen immer größeren Platz in Sonnens Leben ein – und überschreitet Grenzen, die schon damals zur Entzweihung geführt haben.

Ein Buch, das weit über die Freundschaft von Sonne und Mond hinausgeht.

Der Schreibstil hat mich sehr angesprochen – ruhig, klar und zugleich poetisch, mit feinem schwarzen Humor gespickt. Chris Kraus zeichnet die beiden Frauen mit großem Gespür für ihre Widersprüche und Verletzlichkeiten. Themen wie Verlust, Freundschaft, Loyalität und die Frage nach dem Sinn des Lebens ziehen sich durch die Geschichte, stets begleitet vom Tod, der hier erstaunlich sachlich und unaufgeregt beschrieben wird.

Trotz einiger Längen ist es insgesamt eine kluge und fein erzählte Geschichte über Nähe, Distanz und das, was bleibt.
3,5/5

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2025

Ein berührendes und einzigartiges Buch!

Maris Märchen
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MARIs MÄRCHEN
Shari & André Dietz
ET: 30.10.25

„Hi, ich bin Mari und ich erzähle euch jetzt mal ein paar Geschichten. Das Besondere daran ist, ich habe sie bisher noch niemandem erzählt, weil ich gar ...

MARIs MÄRCHEN
Shari & André Dietz
ET: 30.10.25

„Hi, ich bin Mari und ich erzähle euch jetzt mal ein paar Geschichten. Das Besondere daran ist, ich habe sie bisher noch niemandem erzählt, weil ich gar nicht sprechen kann.“

Mari kann nicht sprechen – und doch schenkt sie uns mit diesem Buch ihre Geschichten. Sie hat das Angelman-Syndrom, einen seltenen Gendefekt, aber ihre Eltern verstehen sie und haben ihre Gedanken und Erlebnisse aufgeschrieben.

Doch das Buch enthält nicht nur Maris eigene Geschichte, sondern auch ein paar Märchen, die ein wenig anders sind, als du sie vielleicht kennst. Die Namen der Märchen sind vertraut – DOWNRÖSCHEN, HÄNDIKÄPPCHEN und HUMPELSTILZCHEN – doch die Helden und Menschen darin haben eine Behinderung. Sie sehen anders aus, sind aber keineswegs weniger liebenswert. So erfahren wir etwa, dass Prinzessin Rosi in Downröschen von ihren Untertanen gehänselt wird, nur weil sie anders spricht und manchmal ein Speicheltropfen beim Reden aus dem Mund fällt. Ob die Feen Rosi bei diesem Problem helfen können und was es mit den anderen Märchen auf sich hat, müsst ihr natürlich selbst lesen – es lohnt sich!

Was für ein liebes, einzigartiges und berührendes Buch. Es ist ideal, um schon den Kleinsten zu zeigen, dass Kinder mit Behinderungen genauso wertvoll sind wie alle anderen. Die Sprache der Märchen ist modern, offen und humorvoll – perfekt, um darüber ins Gespräch zu kommen. Saskia Gaymanns liebevolle und witzige Illustrationen runden das Buch wunderbar ab.

Fazit:
Ein Buch mit einer wichtigen Botschaft zum Vorlesen ab 6 Jahren. Ganz große Leseempfehlung!
5/5

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Ein starkes Debüt

Lázár
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LÁZÁR
Nelio Biedermann
ET: 1.9.2025

In seinem Debütroman verbindet Nelio Biedermann die Geschichte seiner ungarischen Familie väterlicherseits mit einer fiktiven Erzählung und schafft so ein eindrucksvolles ...

LÁZÁR
Nelio Biedermann
ET: 1.9.2025

In seinem Debütroman verbindet Nelio Biedermann die Geschichte seiner ungarischen Familie väterlicherseits mit einer fiktiven Erzählung und schafft so ein eindrucksvolles Porträt zwischen persönlichem Schicksal und europäischer Geschichte.

Die Handlung beginnt um 1900. Sándor von Lázár lebt auf seinem Waldschloss in Südungarn und wird endlich Vater eines langersehnten Stammhalters. Doch Sohn Lajos sieht mit seinen blonden Haaren, der fast durchscheinenden Haut und den wasserblauen Augen so gar nicht nach ihm aus – und die Distanz zwischen Vater und Sohn wird auch nach dem tragischen Suizid der Mutter nicht kleiner.
Doch dieser Verlust bleibt nicht die einzige Prüfung für die Familie.
„Der Wald hat den Vater verschluckt, die Mutter getötet und den Bruder verrückt gemacht.“

Vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche – vom Zerfall der Habsburger Monarchie über die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis zur anschließenden sowjetischen Herrschaft – entfaltet sich die Geschichte einer Familie, die mit sich, der Schuld und den Veränderungen ihrer Zeit ringt.

Biedermann schreibt mit einer bildreichen, präzisen Sprache, die immer wieder von einem feinen, trockenen Humor durchzogen ist. Das macht das Lesen kurzweilig und zugleich atmosphärisch dicht. Lediglich das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen – es wirkte im Vergleich zum Rest des Romans etwas dünn und unausgewogen.

Fazit: Ein sprachlich starkes, eindrucksvoll erzähltes Debüt eines jungen Autors, das mit Tiefe, Atmosphäre und einem Hauch Melancholie überzeugt – ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.
4/5

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Ein wunderbar atmosphärisches Buch!

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES A.J. FIKRY
Gabrielle Zevin
ET: 29.8.25
Originalausgabe ET: 1.4.14

A.J. Fikry führt gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Buchhandlung auf Alice Island – ein Lebenstraum, der ...

DAS ERSTAUNLICHE LEBEN DES A.J. FIKRY
Gabrielle Zevin
ET: 29.8.25
Originalausgabe ET: 1.4.14

A.J. Fikry führt gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Buchhandlung auf Alice Island – ein Lebenstraum, der jedoch jäh zerbricht, als sie viel zu früh an Krebs stirbt. Zurück bleibt ein Mann, der nichts mehr vom Leben erwartet und sich bewusst in den Alkohol flüchtet.

Doch zwei Ereignisse verändern alles.
Zuerst verschwindet mitten in der Nacht seine seltene Erstausgabe von Edgar Allan Poe – einst als Altersvorsorge gedacht, nun Symbol seiner letzten Hoffnung. Und dann geschieht etwas, das sein Leben völlig auf den Kopf stellt.
Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten – nur so viel: Dieses zweite Ereignis zwingt A.J., über den Sinn seines Lebens, über Liebe, Verlust und Neuanfang nachzudenken.

Gabrielle Zevin erzählt eine berührende Geschichte über zweite Chancen, über Bücher, Buchhandlungen und die Menschen, die ohne Geschichten nicht leben können. Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry ist eine leise, kluge Hommage an das Lesen und an die Magie, mit der Geschichten unsere Welt verändern können.

Fazit:
Ein ruhiges, atmosphärisches und tiefsinniges Buch, das lange nachklingt. Eine Liebeserklärung an das Lesen selbst.
4½ /5

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ein besonderes Buch!

Treppe aus Papier
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TREPPE AUS PAPIER
Henrik Szántó
ET: 20.8.25

Was wäre, wenn ein Haus eine Geschichte erzählen könnte – was hätte es wohl alles zu berichten? Henrik Szántó gibt diesem Haus eine Stimme, aber nicht nur ihm, ...

TREPPE AUS PAPIER
Henrik Szántó
ET: 20.8.25

Was wäre, wenn ein Haus eine Geschichte erzählen könnte – was hätte es wohl alles zu berichten? Henrik Szántó gibt diesem Haus eine Stimme, aber nicht nur ihm, sondern auch den Wasserrohren, der Treppe, den Fenstern und all den Dingen, die in so einem Haus zu finden sind.
Und es gibt viel zu erzählen. Das Haus ist über 100 Jahre alt und hat schon viele Mieter kommen und gehen sehen.

Da war zum Beispiel die Familie Thon. Josef Thon war eigentlich Briefträger, aber als die Braunen an die Macht kamen, blühte er auf – über Nacht wurde er wichtig. Seine Tochter Irma freundete sich, eher aus Mangel an Spielgefährten, mit dem jüdischen Mädchen Ruth aus der vierten Etage an. Ruth hatte auf dem Dachboden ein Geheimversteck, und Irma war die Einzige, die davon wusste. Sie hatte versprochen, es niemals zu verraten.

Auch wenn das Haus gern in Erinnerungen schwelgt, gibt es auch in der Gegenwart einiges zu berichten. Nele wohnt heute in Ruths damaliger Wohnung und hat ihre ganz eigenen Sorgen. Das schlimmste aller Probleme: Sie weiß, dass sie ihr Gymnasium wohl nicht schaffen wird. Zum Glück lebt in der ersten Etage die 90-jährige Irma – und die kann ihr für die nächste Geschichtsklausur so einiges erzählen …

Was für eine tolle Idee, ein Haus eine Geschichte erzählen zu lassen! Schon allein das verdient fünf Sterne. Auch die Geschichten zwischen Nele und Irma oder Irma und Ruth konnten mich unglaublich fesseln. Zwischendurch gab es jedoch Passagen, die etwas langatmig oder überladen wirkten.
Ein ungewöhnliches Buch, das ständig zwischen den Zeiten wechselt – manchmal sperrig, dann wieder genial und berührend ist.

Fazit:
Das Buch konnte mich nicht durchgängig überzeugen, ist aber besonders und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Eine Leseempfehlung für alle, die Geschichten mögen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben – ungewöhnlich, leise und trotzdem voller Wirkung.
3½/5

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