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Veröffentlicht am 09.10.2025

Gedanken zwischen Stille und Schneeflocken

Drei Tage im Schnee
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Ich bin hin- und hergerissen. Schon die Leseprobe hat meine Neugier geweckt: auf Hannah, die gestresst vom Alltag für drei Tage in eine einsame Hütte inmitten verschneiter Natur flieht, und auf Sophie, ...

Ich bin hin- und hergerissen. Schon die Leseprobe hat meine Neugier geweckt: auf Hannah, die gestresst vom Alltag für drei Tage in eine einsame Hütte inmitten verschneiter Natur flieht, und auf Sophie, das Mädchen, das sie dort immer wieder besucht. Ich freute mich auf Begegnungen, Gespräche und kleine, feine Erlebnisse. Und ja, das eine oder andere davon gab es. Es war nett zu lesen, ruhig und sanft.

Und doch fühlte es sich für mich an manchen Stellen so an, als würde mich jemand ununterbrochen vollreden. Hannah reflektiert viel: über ihr Leben, ihren Alltag, über das, was war und was noch kommen könnte. Sophie stellt Fragen, die zum Nachdenken anregen, Fragen, die wunderbar ins Journaling passen würden. Manche davon habe ich mir sogar notiert.

Aber abseits der Gedankenflüsse passierte nicht allzu viel. Ich hatte keine große Action erwartet, das braucht so ein Buch auch gar nicht. Doch ein, zwei greifbare Momente mehr zwischen Hannah und Sophie hätten der Geschichte gutgetan.

Und trotzdem: Ich weiß, dass Bücher manchmal einfach den richtigen Moment brauchen. Vielleicht war jetzt nicht meine Zeit für „Drei Tage im Schnee“. Deshalb bekommt das Buch einen besonderen Platz in meinem Bücherregal, griffbereit für später. Irgendwann, vielleicht an einem stillen Wintertag, wenn draußen Schneeflocken tanzen, werde ich es noch einmal zur Hand nehmen. Mit einem weißen Kakao und ein paar Haferkeksen.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Meine Mutter – ein bewegendes Familienporträt

Meine Mutter
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Bettina Flitner erzählt in ihrem Buch „Meine Mutter“ vom Leben ihrer Mutter, mit all seinen Höhen und Tiefen. Mir war bewusst, dass es keine leichte Lektüre sein würde, denn schon vor dem Lesen wusste ...

Bettina Flitner erzählt in ihrem Buch „Meine Mutter“ vom Leben ihrer Mutter, mit all seinen Höhen und Tiefen. Mir war bewusst, dass es keine leichte Lektüre sein würde, denn schon vor dem Lesen wusste ich, dass sich ihre Mutter das Leben genommen hat.

An was ich nicht gedacht habe: dass man beim Lesen in die Kriegszeit eintaucht. Die Familie lebt damals im letzten Eck des Deutschen Reiches, im heutigen Polen. Lange Zeit führt sie dort ein gutes Leben, auch noch während der ersten Kriegsjahre. Doch schließlich ändert sich alles. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zu spoilern.

Bettina Flitner ist an die Orte gereist, an denen ihre Mutter lebte, und tief in die Familiengeschichte eingetaucht. Sie erzählt klar, anschaulich und nimmt mich als Leserin vollkommen mit hinein. Ich konnte die Orte, Häuser und Menschen lebhaft vor meinen Augen sehen. Besonders die Kindheit der Mutter hat mich sehr berührt und zum Nachdenken gebracht.

Die Passagen über die junge Erwachsene hingegen haben mich manchmal die Haare raufen lassen, vielleicht auch deshalb, weil ich eigene Gedankenkarusselle und graue Tage kenne. Und wieder brachte mich Bettina Flitner zum Nachdenken: Wie lebt man ein Leben, das nicht den eigenen Vorstellungen entspricht? Wie kann man weitergehen, ohne daran zu zerbrechen?

Sehr eindrucksvoll wechselt die Autorin zwischen Vergangenheit und Gegenwart, indem sie von ihren eigenen Recherchereisen und Gedanken berichtet. So verwebt sie Familiengeschichte, Zeitgeschichte und persönliche Reflexion miteinander.

Ein intensives, bewegendes Buch, das mich noch lange begleiten wird.
Eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Zwischen Dunkel und Hell: ein Buch, das berührt.

feeling lost (and other weird feelings)
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Vanessa Ihmann nimmt uns in ihren Texten mit auf ihre Reise durch die Depression: mit all den Gedankenkarussellen, Stimmungen und Zweifeln, die dazugehören. Sie zeigt, wie Beziehungen sich verändern können, ...

Vanessa Ihmann nimmt uns in ihren Texten mit auf ihre Reise durch die Depression: mit all den Gedankenkarussellen, Stimmungen und Zweifeln, die dazugehören. Sie zeigt, wie Beziehungen sich verändern können, wie schwer Loslassen ist, und doch, wie wichtig es für die mentale Gesundheit sein kann. In ihren poetischen Texten setzt sie sich intensiv mit sich selbst, ihrem Umfeld, der Gesellschaft und den Erwartungen auseinander.

Schon beim ersten Aufschlagen hat mich dieses Buch beeindruckt. Der Bucheinband ist hochwertig gestaltet: zarte Pflanzenmotive, das Spiel von Dunkel und Hell. Es passt einfach gut zum Inhalt. Auf manchen Seiten sind nur drei, vier Zeilen gedruckt. Wie es bei poetischen Texten oft der Fall ist. Und doch reichen diese wenigen Zeilen völlig aus. Das macht diese Art von Text so besonders. Anfangs war ich unsicher, wie ich die fast leeren Seiten mit nur wenigen Zeilen finden sollte. Platzverschwendung? Doch bald habe ich gemerkt, dass gerade dieser Raum den Texten und Gedanken Tiefe verleiht. Es sind oft die Leerzeichen und Zwischenräume, die etwas mit einem machen – die berühren.

„feeling lost“ ist kein Buch, das man in einem Zug durchliest. Es ist ein Buch, das Zeit und Raum braucht. Für mich ist es keines, das im Bücherregal verschwindet, sondern griffbereit bleibt, auf dem Wohnzimmertisch oder am Nachtkästchen. Immer wieder möchte ich es aufschlagen, einen Text lesen und wirken lassen.

Die poetischen Texte von Vanessa Ihmann sprechen mich sehr an. Sie beschönigt nichts, sondern teilt ihre Gedanken ehrlich und authentisch. Im Laufe des Lesens wird spürbar, dass sie auch die schlechten Tage akzeptiert, auch wenn die guten nach und nach mehr Raum gewinnen. Diese Haltung, Akzeptanz und Selbstakzeptanz, hat sie mir als Leserin mitgegeben.

Oft habe ich mich in einzelnen Zeilen wiedergefunden, habe mir Sätze herausgeschrieben, die sich ganz nach mir anfühlen, obwohl sie aus einer anderen Feder stammen. Manche Texte haben mich sogar dazu angeregt, selbst zum Stift zu greifen und meine eigenen Gedanken aufzuschreiben.

„feeling lost“ ist für mich ein sehr persönliches, berührendes und wertvolles Buch. Ich kann es mir sehr gut als Geschenk vorstellen. Für Menschen, die diese Worte gerade brauchen. Schön finde ich zudem, dass es wahrscheinlich auch Jugendliche anspricht. Das ist sicher sehr wertvoll und wichtig.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn ein Buch nach Sommer, Fluss und Freundschaft schmeckt …

Ja, nein, vielleicht
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Oh, dieses Buch! Das Lesen war wie ein paar Tage Urlaub bei einer sehr guten Freundin: ausschlafen, gemütlich vor dem Haus unter dem Sonnenschirm frühstücken, gemeinsam am Fluss chillen und dabei ganz ...

Oh, dieses Buch! Das Lesen war wie ein paar Tage Urlaub bei einer sehr guten Freundin: ausschlafen, gemütlich vor dem Haus unter dem Sonnenschirm frühstücken, gemeinsam am Fluss chillen und dabei ganz viel quatschen.

Ob mir das Buch gefallen hat? Ja, nein, vielleicht … Eindeutig: Jaaaa!

Die Protagonistin lebt teils in einem gemütlichen, schon etwas in die Jahre gekommenen Haus am Land, teils in einer Single-Wohnung in Wien. Die Zwillinge sind aus dem Haus, und auch der Mann hat sich in Luft aufgelöst. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben, es fehlt ihr an nichts.

Doch dann beginnt alles mit einem wackeligen, schmerzenden Zahn, und das Gedankenkarussell fängt an, sich zu drehen: Gedanken übers Älterwerden, Sorgen um eine Schwester, die plötzlich ihre Wohnung in Beschlag nimmt, Überlegungen, ob sie mit ihrem nach Jahren wiedergetroffenen Jugendgspusi eine Beziehung eingehen sollte, und nebenbei die Hochzeitsplanung ihrer besten Freundin.

Doris Knecht erzählt all das in einem sehr unterhaltsamen Ton. Es fühlte sich an, als würde ich mit der Protagonistin Sommertage verbringen, während sie mir von all ihren Gedankengängen erzählt. Viele davon konnte ich gut nachvollziehen, nicht zuletzt, weil auch in meinem Kopf immer wieder Gedankenkarusselle am Werk sind.

Ich habe das Schwimmen im Stausee, das Chillen am Fluss und die Hunderunden im Wald genossen. Gegen Ende des Buches habe ich sehr mit ihr mitgefiebert. Verraten, worum es ging, werde ich allerdings nicht.
Ach ja, und dann gab es auch noch einen kurzen gedanklichen Ausflug zu Ingeborg Bachmann, das habe ich besonders geliebt.

Also, ihr seht schon: ganz große Leseempfehlung!
Eine richtig schöne Sommerlektüre.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Erinnern, loslassen, weitergehen

Man müsste versuchen, glücklich zu sein
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Flora und ihre „jüngere, blöde Schwester“ sollen das Elternhaus ausräumen, nachdem es fast ein Jahr leer stand. Die Schwestern haben sich seit Jahren weder gesehen noch gehört. Gemeinsam tauchen sie nun ...

Flora und ihre „jüngere, blöde Schwester“ sollen das Elternhaus ausräumen, nachdem es fast ein Jahr leer stand. Die Schwestern haben sich seit Jahren weder gesehen noch gehört. Gemeinsam tauchen sie nun in ihre Vergangenheit ein.

Es geht um Erinnerungen – Erinnerungen, die verdrängt wurden, und solche, die ganz unterschiedlich im Gedächtnis geblieben sind. Die Schwestern stellen sich die Frage, was sie überhaupt von all den Sachen behalten möchten. Dabei suchen sie noch einmal die Verbindung zu ihren Eltern: sei es an bestimmten Orten oder durch Begegnungen mit vertrauten Personen.

Ich habe das Buch sehr genossen und fand es unterhaltsam geschrieben. Immer wieder musste ich mit den Schwestern lachen, oder sie brachten mich mit ihren Fragen zum Nachdenken.

„Man müsste versuchen glücklich zu sein“ ist ein ruhiges, feinfühliges Buch über Familie, Vergangenes und das, was bleibt. Julia Holbe erzählt mit viel Wärme und Humor – nie kitschig, aber immer berührend. Wer gerne in zwischenmenschliche Geschichten eintaucht und sich für die kleinen, leisen Momente interessiert, wird dieses Buch sehr schätzen.

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