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Veröffentlicht am 28.03.2020

True Crime von Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner Michael Tsokos

Abgefackelt
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Bereits "Abgeschlagen", das mich letztes Jahr nicht zu 100% überzeugen konnte, hat mir gezeigt, dass Tsokos ein Händchen für das Thriller schreiben mitbringt, umso gespannter war ich nun auf "Abgefackelt".

Sein ...

Bereits "Abgeschlagen", das mich letztes Jahr nicht zu 100% überzeugen konnte, hat mir gezeigt, dass Tsokos ein Händchen für das Thriller schreiben mitbringt, umso gespannter war ich nun auf "Abgefackelt".

Sein Schreibstil ist unglaublich flüssig, locker-leicht zu lesen und die Seiten sind sehr schnell verflogen. Das Gefühl des schnellen Durchkommens wird durch die sehr kurzen Kapitel unterstützt, die nie länger als ca. 10 Seiten sind. Die Meisten sind deutlich kürzer, aber trotzdem wirkt die Geschichte auf gar keinen Fall abgehackt.

Gekonnt springt der Autor zwischen Perspektiven hin und her, baut Spannung durch kleine Andeutungen auf, sodass der Leser an passenden Stellen mehr weiß, als beispielsweise Herzfeld selbst. An manchen Stellen schießt der Autor evtl. über sein Ziel hinaus, weil der Leser sehr schnell weiß, wer als Täter hinter dem "Hauptfall" steckt, dennoch ist diesem nicht klar, welche Intention der Täter verfolgt. Dieser kommt der Leser erst nach und nach mit Herzfeld auf die Schliche.

Ebenfalls das Setting und die Atmosphäre finde ich sehr gut gestaltet. Alles wirkt sehr authentisch und der Autor schafft es, eine teils beklemmende Stimmung aufkommen zu lassen, sodass sich förmlich die Nackenhaare aufstellen.

Zu Herzfeld muss ich wahrscheinlich gar nicht viel schreiben. Er ist ein sehr großer Sympathieträger: freundlich, höflich, zuvorkommend, akribisch, ehrgeizig, aber trotzdem möchte er keinem zur Last fallen und gut zu seiner Tochter und seiner Verlobten sein.

Es ist einfach erfrischend, dass er kein verkorkster Rechtsmediziner ist, der sich zu Tode trinkt, sondern eine kleine Tochter und Familie hat, die nicht zerbrochen ist. Auch an dieser Stelle zeigt der Autor, dass sich Verhältnisse in einer Beziehung verbessern oder verschlechtern können, als Reaktion auf besondere Ausnahmesituationen. An dieser Stelle brilliert er erneut mit seinen Ideen und seinem Gespür für die menschliche Psyche.

Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass ich der größte Fan von seiner Verlobten Petra bin, aber auch die genannten Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet, facettenreich und keine Person ist zu viel oder unnötig. Alle haben unterschwellig eine Aufgabe oder erfüllen einen Zweck ohne dass der Autor, diese Tatsache dem Leser zu sehr unter die Nase reibt.

Die Handlung liest sich weg wie ein toller Page Turner. Es wird nie langweilig oder weniger spannend. Ich bin sehr erleichtert, dass ich dieses Mal nicht sofort nach zwei Kapitel wusste, wer und was genau hinter allem steckt, sondern für die Beweggründe bis zum Ende miträtseln konnte.

Insgesamt hat Tsokos eine sehr spannende, fesselnde Geschichte verfasst, die mit einem Sympathieträger als Hauptprotagonist punkten konnte. Des Weiteren stellt er sehr authentisch den Alltag als Rechtsmediziner dar, der aus mehr besteht als nur einer Leiche. Die Aktualität mancher Themen bringt er ebenfalls zur Sprache und verbindet sie gekonnt mit den restlichen Fällen. Der Epilog weist den Leser direkt die Richtung, in die der dritte Band gehen wird, den ich schon sehnsüchtig erwarte.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Kurzweilig, leider ist die Umsetzung sehr unrund...

Der dunkle Vampir
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Ich habe beide Bände sehr schnell hintereinander weggehört und auch der2. Band hätte (wie der 1. Band auch) durchaus Potential gehabt. Die Grundidee mag ich immer noch gerne, obwohl sie leider sehr kurz ...

Ich habe beide Bände sehr schnell hintereinander weggehört und auch der2. Band hätte (wie der 1. Band auch) durchaus Potential gehabt. Die Grundidee mag ich immer noch gerne, obwohl sie leider sehr kurz gedacht ist. Tanja Neise hatte quasi das ganze Spektrum für den Handlungsverlauf offen, von einer Vampirinvasion hin zu einer Rebellion wäre alles möglich gewesen. Doch sie fokussiert sich zu sehr auf die Liebesgeschichte, der zwei Liebespärchen.

Auch an dieser Stelle kann ich wieder betonen, dass ich Liv und Robert immer noch sehr unrund finde. Liv ist nicht unbedingt stärker geworden, immer noch das Fräulein in Nöten, das gerettet werden muss, das unschuldige Bauernopfer und Robert ist und bleibt der kleine Lustmolch, dessen Gedankenwelt sich ununterbrochen um Liv dreht...

Einzig Anne und Dark finde ich eigentlich ziemlich cool. Beide sind stark, stur, loyal und irgendwie mag ich die feurige und hitzige Kombination der Beiden in gemeinsamen Szenen. Dennoch wirken auch die Zwei sehr unrund.

Vergleichsweise mit Band 1 ist Band 2 auf jeden Fall nicht mehr so erotisch geprägt. Gott sei Dank, sind die erotischen Monologe (gefühlt seitenweise!) weggefallen und der Geschichte wurde der Weg für mehr Action, Spannung und Entwicklungen gegeben. Der Leser lernt mehr Vampire und Personen kennen und eine neue Gefahr wird auf den Plan gerufen. Leider kann ich nur meine Worte vom Anfang wiederholen: die Umsetzung bleibt blass, monoton und zu wenig ausgearbeitet.

Besonders das Ende, Ende hat mich ein wenig enttäuscht zurückgelassen. Es ist zu kitschig, zu schnell vorbei und leider erwartet den Leser auf keine zukünftige Zukunftsvorstellung bzw. ein Ausblick auf das Danach. Besonders die Zukunftsvisionen finde ich immer besonders interessant, da sie sehr unterschiedlich sein können.

Insgesamt kann die Autorin zwar mit einem angenehmen Schreibstil, süßen Pärchen und mit der allgemeinen Grundidee punkten, leider ist die Umsetzung eher mäßig. Zu wenige Entwicklungen der Handlung und der Charaktere, zu klischeehaft, nichts Neues und auch das Ende wurde zu kurz gedacht...

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 27.03.2020

Eine kurzweilige Vampirgeschichte für Zwischendurch...

Der letzte Vampir
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Spontan habe ich nach einer locker leichten fantastischen Geschichte gesucht, die nicht allzu lang sein sollte, so bin ich ganz zufällig auf "Der letzte Vampir" von Tanja Neise gestoßen. Weder von dem ...

Spontan habe ich nach einer locker leichten fantastischen Geschichte gesucht, die nicht allzu lang sein sollte, so bin ich ganz zufällig auf "Der letzte Vampir" von Tanja Neise gestoßen. Weder von dem Buch, noch von der Autorin habe ich bis zu diesem Moment etwas gesehen/gehört.
Zunächst gefällt mir der Schreibstil ganz gut. Es lässt sich leicht und schnell hören, aber mehr auch nicht.
Besondere Kritikpunkte muss ich leider bei den Charakteren äußern, die mir eine Kaskade aus Augenrollern und Fremdschäm Momenten beschert haben.
Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt. Auf der einen Seite Olivia "Liv" und Robert, die sich langsam kennenlernen und auf der anderen Seite Anne.
Liv wirkt auf den ersten Blick sehr sympathisch, intelligent und ihre Art und Weise irgendwie niedlich...Wenn sie nur nicht so naiv, unerfahren und das typische Fräulein in Nöten wäre! Sie ist hochemotional, teils fast schon hysterisch und ihre Minderwertigkeitskomplexe! Meine Güte!
Dann Robert, der nur an das Eine denkt, Liv in Gedanken durchgehend auszieht, sich überlegt, wie er sie zu seinen Zwecken manipulieren kann und sie soo unglaublich attraktiv findet! An dieser Stelle muss ich schon wieder die Augen rollen. Annes Perspektive hat mich an sich einfach nicht interessiert. Erst zum Ende hin wurde ihre arrogante und unsympathische Art ein wenig erträglicher.
Wer definitiv mein Interesse geweckt hat, ist Dark! Er ist undurchschaubar, mysteriös und ich liebe solche Charaktere! Er ist hart im Nehmen, überlegen und unglaublich selbstbewusst ohne sich in den Vordergrund so drängen.
Die Handlung habe ich schon duzente Male gelesen, trotzdem hat die Autorin geschafft, dass ich dran bleibe und wissen wollte wie es weitergeht. Ebenfalls spielt es in der Zukunft nach den Vampirkriegen. Mit Zukunftsvisionen bekommt man mich eigentlich auch immer.
Zum Ende hin wurde die Geschichte immer besser und ganz besonders der Cliffhänger am Ende hat meinen Puls nach oben getrieben. Manche Passagen waren evtl. ein wenig unbeholfen in die Länge gezogen und auch der Cliffhänger ist zwar spannend, aber an dieser Stelle hätte man noch ein bisschen tiefer in die Trickkiste greifen können, damit es geschmeidiger uns homogener wirkt, wenn ihr wisst, was ich meine.
Insgesamt eine nette Geschichte für Zwischendurch, die Autorin erzählt nichts Neues, aber es lässt sich schnell weg hören. Ich vergebe 3,5/5 Sterne und bin neugierig auf Band 2, den ich eigentlich nicht mehr hören wollte...

  • Cover
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Veröffentlicht am 23.03.2020

Der Tag, an dem der erste Vortex über unsere Welt zog, veränderte alles...

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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"Vortex" ist ein etwas anderes Jugendbuch, das ich in dieser Form bisher noch nie gelesen habe. Futuristisch und dystopisch angehaucht, vereint es genial ausgearbeitete Charaktere und eine actionreiche, ...

"Vortex" ist ein etwas anderes Jugendbuch, das ich in dieser Form bisher noch nie gelesen habe. Futuristisch und dystopisch angehaucht, vereint es genial ausgearbeitete Charaktere und eine actionreiche, aber auch fesselnde Handlung, die mich ab einem gewissen Grad nicht mehr loslassen konnte.

Bereits im ersten Kapitel wirft die Autorin den Leser ohne große Erklärungen und Umwege ins spannende Geschehen, in das Vortexrennen, hinein.

Genau die Vortexe, die im Zentrum der Geschichte stehen, üben eine unglaubliche Faszination auf mich aus. Was sich die Anna Benning ausgedacht hat, ist vielschichtig, klug und authentisch wissenschaftlich erdacht. Sie geht nicht nur auf die Gegenwart ein, sondern unterstützt die Entwicklung der Welt, der Vortexe und der Vermengten mit mehreren Flashbacks und Erzählungen, sodass sich ein rundes Gesamtbild formen kann. Viele Fragen werden aufgegriffen und geklärt. Sie hat nicht alles erklärt, sondern dem Leser genug Freiraum gegeben, um mit Ellie und Bale auf ihre Reise zu gehen.

Ellie und Bale habe ich als Charaktere sofort in mein Herz geschlossen. Besonders Ellie macht eine tolle Entwicklung durch. Anfangs noch sehr naiv und leichtgläubig, quasi die perfekte Marionette für das Kuratorium, wandelt sie sich zu einer starken, unabhängigen, loyalen jungen Frau, die ihren eigenen Welt nach ihren moralischen Vorstellungen gehen kann. Ich mag es, dass sie so loyal gegenüber ihren Freunden und auch ihren Feinden ist. Sie verurteilt anfangs sehr schnell, lässt sich, jedoch auch vom Gegenteil überzeugen.

Bale ist ein gut gehütetes Geheimnis, das ich mir gerne auf der Zunge zergehen gelassen habe. Er bleibt lange Zeit sehr mysteriös, aber trotzdem mochte ich ihn unglaublich gerne.

Auch die Nebencharaktere sind unglaublich gut ausgearbeitet. Besonders mag ich es, dass auch die Hintergründe ihrer Taten erklärt werden. Die Charaktere handeln nicht nur so, wie sie handeln, sonst es steckt eine tiefere Intention bzw. eine Geschichte dahinter.

Die Handlung hat mich förmlich eingezogen! Anfangs hatte ich ein paar Probleme mit Anna Bennings Schreibstil, aber ab einem bestimmten Punkt habe ich die Geschichte förmlich inhaliert und konnte bzw. wollte nicht mehr aufhören zu lesen! Sie findet die perfekte Balance zwischen Action, schönen Szenen, Geheimnissen, Freundschaft, Feindschaft und Liebe.

Insgesamt hat die Autorin ein tolles Buch erschaffen mit sehr unterhaltsamen und faszinierenden Charakteren, einer actionreichen, fesselnden Handlung und einem tollen Setting sowie einer sehr einprägsamen Atmosphäre, die teils fast schon magisch anmutete.

Ich habe jetzt auf jeden Fall unglaublich Lust den 2. Band zu lesen und kann diesen kaum erwarten!

  • Cover
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Veröffentlicht am 23.03.2020

Julius Fischer hasst Menschen...

Ich hasse Menschen. Eine Abschweifung
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Nach "Die Känguru Chroniken" und "Das Känguru Manifest" habe ich eine humoristische Geschichte gesucht, die ich nebenbei hören kann. Mein aktuelles Currently Reading, welches ich immer noch abgöttisch ...

Nach "Die Känguru Chroniken" und "Das Känguru Manifest" habe ich eine humoristische Geschichte gesucht, die ich nebenbei hören kann. Mein aktuelles Currently Reading, welches ich immer noch abgöttisch liebe, nehme ich momentan eher nicht zur Hand. Für High Fantasy kann ich leider einfach keine Nerven aufbringen. Aufgrund dessen musste etwas Leichtes her.
Zum Glück habe ich dieses Hörbuch gefunden. Julius Fischer verkörpert mit seinem Schreibstil viele Eigenschaften, die ich liebe. Er schreibt ironisch, sarkastisch, manchmal böse und überspitzt, aber trotzdem konnte er mich durch die Bank weg mitreißen.
Die Handlung an sich, der rote Faden, klingt auf den ersten Blick langweilig. Ein erwachsender Mann sitzt im Zug und philosophiert über sein Leben, die Buchmesse und seine Mitreisenden..., aber was er daraus macht, war zum kaputt lachen.
Er zieht viele Querverweise zu seinen Freunden, "Feinden", seiner Frau, Alltagssituationen und auch aktuellen Geschehnissen, die er parodiert, auseinandernimmt und teils gesellschaftskritisch wieder zusammensetzt. Es ist auf gar keinen Fall 0815 und die 160 Seiten sind sehr schnell verflogen.
Ich hatte sehr viel Spaß beim Hören und habe seine leicht böse Art lieb gewonnen. Marc Uwe Kling und das Känguru werden auch ganz kurz auf die Schippe genommen, nur so am Rande.
Insgesamt hat Julius Fischer sehr sarkastische Novellen geschrieben, deren roter Faden die Bahnfahrt ist, die dennoch ein Gefüge errichten. Wer etwas Lustiges und leicht gesellschaftskritisches für Zwischendurch sucht, dann kann ich euch " Ich hasse Menschen: Eine Abschweifung" empfehlen. Ich finde den Titel immer noch genial und vergebe 4/5 Sterne.

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