Profilbild von Lesereien

Lesereien

Lesejury Star
offline

Lesereien ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesereien über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2025

Liebe, Verlust und Tiermetamorphosen

Shark Heart
0

Nach ihrer Hochzeit hält das Glück von Wren und Lewis nur kurz an. Denn Lewis ist krank. Er leidet unter einer Mutation, wie die Ärzte ihm mitteilen. Er wird zu einem Weißen Hai.

Wren bleibt während der ...

Nach ihrer Hochzeit hält das Glück von Wren und Lewis nur kurz an. Denn Lewis ist krank. Er leidet unter einer Mutation, wie die Ärzte ihm mitteilen. Er wird zu einem Weißen Hai.

Wren bleibt während der Transformation bei ihm, sogar, als es für sie gefährlich wird.

In Rückblenden erfahren wir, dass es für Wren nicht der erste Verlust dieser Art ist. Denn auch ihre Mutter verlor sie schon durch eine Tiermetamorphose.

Emily Habeck erzählt in "Shark Heart" vom Menschsein. Für mich zeigt der Roman, wie großartig das Menschsein ist und wie sehr Beziehungen zu anderen Menschen und Teil der menschlichen Gemeinschaft zu sein, unser Sein ausmacht.

Gleichzeitig porträtiert die Geschichte Liebe und vor allem Verlust. Was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren, für ihn zu sorgen, wenn er krank ist und Zeuge davon zu werden, wie er sich verändert, wie er die Eigenschaften verliert, für die man ihn geliebt hat.

Menschen, die zu Pflanzen oder Tieren werden, ist besonders in letzter Zeit ein Thema in der Literatur, das en vogue zu sein scheint. Habeck setzt es aber so um, dass es nicht repetitiv oder abgeschrieben wirkt, sondern originell und lesenswert.

Und wie schön ist bitte dieses Cover?

Übersetzt von Edith Beleites.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2025

Gesellschaftskritik und Feminismus aus Korea

Hello Baby
0

In einer Kinderwunschklinik treffen Frauenschicksale aufeinander. Manche von ihnen versuchen erst seit kurzer Zeit, durch eine IVF-Abhandlung schwanger zu werden. Manche haben trotz über zehnjähriger Behandlung ...

In einer Kinderwunschklinik treffen Frauenschicksale aufeinander. Manche von ihnen versuchen erst seit kurzer Zeit, durch eine IVF-Abhandlung schwanger zu werden. Manche haben trotz über zehnjähriger Behandlung die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sie ertragen Eingriffe, Schmerzen und nehmen Medikamente. Und das alles, weil sie Mutter werden möchten, weil sie auf den „echten“ Embryo warten, auf den, der bleibt.

Kim Eui-kyung zeichnet in "Hello Baby"in einer klaren und deutlichen Sprache Porträts von Frauen in der koreanischen Gesellschaft, die nicht schwanger werden können. Karrieren, organische Gründe, eine schlechte Samenqualität… die Gründe sind mannigfaltig. Doch die Verzweiflung, die sich irgendwann einsetzt, ist allen zueigen.

Der Roman gewährt einen Einblick in ein Land und seine Kultur, in der ein starker Druck auf Frauen lastet, einerseits erfolgreich zu sein und andererseits ab einem gewissen Alter auch Mutter zu werden.

Besonders als Leserin fühlt man mit diesen Frauen mit und kann ihren Schmerz nachvollziehen. Gleichzeitig will man ihnen zurufen, dass sie sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien sollen, dass sie ihren Wert außerhalb von Kinderkriegen und Muttersein erkennen sollen.

Ein Roman, der mit Nachdruck, Sensibilität und Empathie erzählt und dessen Erfolg in Korea absolut nachvollziehbar ist.

Übersetzung von Inwon Park.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.05.2025

Keine literarischen Italien- und 60er Jahre-Feelings

Teddy
0

Emily Dunlays Debütroman „Teddy“ spielt in den 60er Jahren in Rom. Teddy ist die Protagonistin, die sich, das erfahren wir gleich zu Beginn, einem Verhör unterziehen muss. In Rückblenden erzählt Teddy ...

Emily Dunlays Debütroman „Teddy“ spielt in den 60er Jahren in Rom. Teddy ist die Protagonistin, die sich, das erfahren wir gleich zu Beginn, einem Verhör unterziehen muss. In Rückblenden erzählt Teddy davon, wie sie nach der Heirat mit David, einem amerikanischen Botschaftsangestellten, nach Rom gezogen ist. Sie hat sich dadurch einen Neuanfang erhofft, wollte ihrer Rolle als Haus- und Ehefrau gerecht werden. Doch die Ehe und der Alltag mit David bekommen schnell Risse. Und als Teddy dann allmählich Zugang zur High Society Roms erlangt, droht ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit sie einzuholen.

Der Plot, das kann man, denke ich, behaupten, klingt durchaus vielversprechend. Und eigentlich hätte der Roman auch der Zeug dazu gehabt, zu fesseln. Denn so vieles stimmt auf dem Papier: der historische Hintergrund (Kalter Krieg), das Setting (Rom in den 60ern), die Kritik an patriarchalen Strukturen und am Frauenbild der Zeit und eine Protagonistin, die genau damit zu kämpfen hat…

Doch leider ist der Funke nicht übergesprungen. Denn trotz dieser interessanten Elemente, hat es an vielem gemangelt. Der Erzählstil war fast durchgängig ausufernd und dadurch viel zu zäh. Hinzu kam, dass die Persönlichkeit der Protagonistin bis zum Ende relativ eindimensional geblieben ist. Auch ihre Unzuverlässigkeit als Erzählerin hat das nicht ändern können. Das ist vor allem deshalb schade, weil Teddy die Figur sein soll, durch die die Kritik am Patriarchat und an den weiblichen Rollenbildern gespiegelt wird. Aber weil sie keine Bezugsfigur ist, wird es den Leser:innen schwer gemacht, in die erzählte Welt hineinzufinden.

Leider ist „Teddy“ kein Roman, der das liefert, was er verspricht. Literarische Italienfeelings ebenso wie eine packende Story sollte man sich daher lieber woanders suchen.

Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2025

Zeitreise mit William Somerset Maugham

Das Haus der Türen
0

"'Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen', sagte ich. Ja, sagte ich mir, erzähl ihm deine Geschichte. Soll er sie schreiben. Soll es die ganze Welt wissen."



Inspiriert von der Erzählung „Der Brief“ ...

"'Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen', sagte ich. Ja, sagte ich mir, erzähl ihm deine Geschichte. Soll er sie schreiben. Soll es die ganze Welt wissen."



Inspiriert von der Erzählung „Der Brief“ des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham, begibt sich Tan Twang Eng mit seinem Roman „Das Haus der Türen“ ins Malaysia der 1910er und 20er Jahre.



Dort lebt Lesley Hamlyn mit ihren zwei Söhnen und ihrem Mann Robert, einem Freund Maughams.
Als Maugham sie in Penang mit seinem Sekretär und Liebhaber Gerald besucht, öffnet sie sich ihm und erzählt ihm aus ihrem Leben. Sie berichtet von dem Gerichtsprozess ihrer Freundin, die des Mordes angeklagt wurde und gesteht ihm außerdem eine Liebschaft zu einem Chinesen. Auch ihre Faszination und Unterstützung des chinesischen Revolutionärs Sun Yat-sen lässt sie nicht aus.
Ihre Schilderungen dienen Somerset Maugham als Grundlage für seine Erzählung „Der Brief“ (aus der Sammlung „The Casuarina Tree“).



Tan Twang Eng kann technisch gut erzählen. Er verwebt seine Fäden gekonnt. So sind beispielsweise Übergänge innerhalb der Geschichte fließend und werden kaum als solche wahrgenommen. Alles wirkt in stilistischer Hinsicht stringent und am richtigen Platz.



Und trotzdem: Irgendwie hat mich „Das Haus der Türen“ nicht zu packen vermocht. Manchmal, besonders in der zweiten Hälfte, fand ich die Geschichte selbst sogar so wenig interessant, dass ich Abschnitte überflogen habe. Woran das lag? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich verstehe schon, warum der Roman vor allem im Feuilleton in den höchsten Tönen gelobt wird, er hat das Machwerk eines Preisträgerbuches. Und es war auch nicht so, dass ich ihn durchgehend langweilig fand. Aber konnte er mich begeistern? Nein. Könnte er euch begeistern? Vielleicht. Findet es am besten selbst heraus.



Übersetzt von Michaela Grabinger.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2025

Mütter und Töchter

Halbinsel
0

"Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert."

Als Linn, die Tochter der Protagonistin Annett, bei einer Tagung in Ohnmacht ...

"Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert."

Als Linn, die Tochter der Protagonistin Annett, bei einer Tagung in Ohnmacht fällt, fährt diese voller Angst sofort zu ihr. Die nächsten Wochen und Monate verbringen Mutter und Tochter gemeinsam. Aber die Angst hat etwas in Annett ausgelöst und sie denkt an die letzten Jahre zurück: An ihre Ehe, die mit dem unerwarteten Tod des Ehemanns abrupt endete, an das Großziehen der Tochter, an Geldsorgen und Beziehungen... Gleichzeitig nähern sich Mutter und Tochter an und versuchen, zu einem neuen Miteinander im Alltag zu finden.

"Halbinsel" ist ein Roman über eine Mutter-Tochter-Beziehung und darüber, was es bedeutet, Mutter zu sein, nicht nur in den ersten Jahren, sondern auch, wenn die Kinder schon erwachsen sind. Aber der Roman ist noch viel mehr als das: Er erzählt von Verlust und von Einsamkeit, von den Höhen und Tiefen, die das Leben ausmachen und wie nebenbei auch von den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit.

Was mich so fasziniert hat, ist die Zerbrechlichkeit, die Kristine Bilkau einzufangen weiß, ohne, dass es gewollt oder künstlich herbeigeschrieben wirkt. Deshalb habe ich auch der inneren Stimme der Protagonistin so gerne gelauscht, weil sie klar wiederhallt und weil das, was Annett fühlt, ihre Ängste, Sorgen und Selbstzweifel, aber auch ihre Liebe und ihre Fürsorge, so nah und greifbar sind.

"Halbinsel" ist ein wunderbares Buch, das die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse also absolut verdient hat und ich drücke Donnerstag ganz fest die Daumen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere