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Veröffentlicht am 18.06.2025

Spannendes und witziges Gruselabenteuer für Erstleser

Nightmore - Das gruseligste Internat der Welt (Band 1) - Plötzlich Werwolf
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Inhaltsangabe Verlag:
Willkommen in Nightmore! Hier lernst du das Fürchten!
Gerade war Fynn noch ein ganz normaler Junge mit Freunden, guten Noten und einem nervigen großen Bruder. Dann hat ihn so ein ...

Inhaltsangabe Verlag:
Willkommen in Nightmore! Hier lernst du das Fürchten!
Gerade war Fynn noch ein ganz normaler Junge mit Freunden, guten Noten und einem nervigen großen Bruder. Dann hat ihn so ein blöder Hund gebissen und beim nächsten Vollmond war ganz und gar nichts mehr normal. Jetzt muss er auf ein schreckliches Internat in den nebeligen Hochmooren: die Nightmore Academy.
Die Schule liegt neben einem Friedhof! Die Direktorin ist eine Todesfee und das Monster von Loch Ness unterrichtet Geschichte! Im Burggraben lauern Krokodile und der beliebteste Sport heißt nicht ohne Grund Blutball …
Für Fynn steht fest: Hier bleibt er nicht! Ein Glück, dass er sich mit der Dämonin Sinista anfreundet. Die ist nämlich 1622 von genau diesem Internat geflogen und verspricht, dem jungen Werwolf zu einem Rauswurf zu verhelfen. Doch mitten in ihrem wahnwitzigen Plan stellt Fynn fest, dass er eben doch kein ganz normaler Junge mehr ist. Kann es sein, dass er genau da ist, wo er hingehört? Ein haarsträubendes Abenteuer für starke Nerven. Traust du dich?

Meine Inhaltsangabe:
Fynn wurde gebissen und ist jetzt kein normaler Junge mehr, sondern ein Werwolf. Daher kann er nicht auf seiner bisherigen Schule bleiben, sondern muss auf die Nightmore Academy, ein Internat für die Kreaturen der Nacht, kurz Nocties. Fynn hat Heimweh und will nur noch weg. Sein Fluchtversuch missglückt und bringt ihn statt nach Hause ins Büro der Direktorin, einer Banshee (Todesfee), die ihm prompt eine Bestrafung aufdrückt: die Höhle des Beithir, einem drachenähnlichen Mythenwesen, säubern. Hilfe bekommt er von der Dämonin Sinista Satania Dämonia, die ebenfalls eine Strafe absitzen muss. Die schließt mit Fynn einen Pakt: sie hilft ihm, von der Schule zu fliegen, im Gegenzug darf sie sich was von ihm wünschen. Gesagt, getan. Doch dann erkennt Fynn, dass es gar nicht so schlecht ist, ein Werwolf zu sein und vielleicht ist Nightmore ja doch gar nicht so schlimm.

Erster Satz: »Fynn spricht man genauso aus wie Finn.«

Mein Eindruck:
Eine Gruselgeschichte für Erstleser? Ist das schlau? Ja! Wenn man sie so schreibt, wie Vanessa Walder, dann auf jeden Fall! Es ist gruselig, aber niemals zu düster. Dafür sorgt zum einen der herrlich frische und freche Schreibstil, die unglaublich skurrilen und so liebenswerten Figuren, die vielen witzigen Szenen und natürlich die tollen s/w-Illustrationen. Überhaupt ist das Buch so schön gestaltet! Das Cover macht sofort Lust auf das Buch. Im Buchvorsatz ist eine Karte zu sehen, mit der man sich orientieren kann und im Buchnachsatz finden sich 4 Schülerausweise und ein Aufnahmeantrag für Nightmore. Beides unglaublich witzig, also unbedingt lesen! Die Schrift ist angenehm groß, auf jeder (!) Doppelseite ist mindestens (!) eine Illustration, der Text wird zudem durch wechselnde Schriftarten aufgelockert. Die Story spielt in Schottland, daher gibt es einige englische Ausdrücke. Die werden im Text phonetisch beschrieben, so dass die Aussprache klar wird. Wie genial ist das bitte? Für ein Erstleserbuch gibt es viel Text, was jedoch nicht überfordert, weil das Konzept einfach so stimmig ist: spannende Story mit viel Witz und ganz viele begleitende und teils auch miterzählende Illustrationen. Es geht aber nicht nur um Grusel und Spaß, sondern um Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz, zu sich selbst und seinen „Fehlern“ zu stehen und seinen Weg zu finden. Ich bin ganz begeistert und freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung (Frühjahr 2026). 5/5 Sterne, ich mags wirklich sehr!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2025

Phönixe, Wolpertinger, eine Fledermaus mit Eichhörnchenschwanz und jede Menge Spannung im Bayerischen Wald

Die Gesellschaft der geheimen Tiere - Der geraubte Phönix
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Inhaltsangabe Verlag:
Die Weihnachtsferien sind da! Edith ist voller Vorfreude, ihren Onkel wiederzusehen, den Tierarzt für magische und mythische Wesen. Diesmal wartet ein noch viel gewaltigeres Abenteuer ...

Inhaltsangabe Verlag:
Die Weihnachtsferien sind da! Edith ist voller Vorfreude, ihren Onkel wiederzusehen, den Tierarzt für magische und mythische Wesen. Diesmal wartet ein noch viel gewaltigeres Abenteuer auf sie, denn der seltene Phönix des Nordens, einer von weltweit sechs Phönixen, scheint in größter Gefahr. Hält man ihn gefangen? Wird er gequält? Warum finden die anderen Tiere eine goldene Schwanzfeder, aber keine Spur von ihm? Edith, der Doktor, Francis und Hund Arnold machen sich auf den Weg in den Bayerischen Wald, um Licht in das Dunkel zu bringen. Dabei gewinnt Edith die Freundschaft eines mutigen Jungen. Gemeinsam mit ihm trifft sie auf einen eigentümlichen Mann in Mönchskutte und deckt ein Geheimnis auf, das jede Vorstellungskraft sprengt.
- Tier-Fantasy voller origineller und witziger Einfälle mit unvergesslichen Charakteren
- Für Fans von ›Animox‹ und ›Woodwalkers‹

Meine Inhaltsangabe:
Edith kann die Ferien kaum erwarten, die sie wieder bei ihrem Onkel in dessen Tierarztpraxis verbringen wird. Doch statt die Tiere der Praxis zu pflegen, müssen sie sofort abreisen. Der Phönix des Nordens, der tief im Bayerischen Wald lebt, ist in großer Gefahr. Edith reist mit ihrem Onkel, Francis und Hund Arnold sofort ab. Sie gehen im Wald auf Spurensuche, unterstützt werden sie von Ji-Ji, dem Sohn des Gasthauses, in dem sie übernachten. Auch der Graf, der vor Ort in einer alten Kirche lebt, in der er sich um verletzte Waldtiere kümmert, bietet ihnen seine Hilfe an. Eines Tages wird Francis von einem Wolpertinger (einem gruseligen Wesen, teils Wolf, teils Bär, teils Giftschlange) gebissen und droht zu sterben, wenn nicht schnell ein Antidot, ein Gegenmittel gefunden wird. Zudem ist Hund Arnold verschwunden und befindet sich offenbar in großer Gefahr. Ein Kampf gegen die Zeit sowie gegen die grausamen Mitglieder des Syndikats entbrennt und Edith ist nicht mehr klar, wem sie noch trauen kann.

Erster Satz: »Die hohen Bäume des Waldes ragten wie eine Reihe von Reißzähnen in den Nachthimmel hinauf.«

Mein Eindruck:
Band 1 spielte im Himalaya, jetzt befinden wir uns also im Bayerischen Wald. Die Story rund um die Fabelwesen Phönix und Wolpertinger ist enorm fesselnd, super spannend und gleichzeitig auch sehr lustig. Dafür sorgen schon Flitz, die Wolpertinger-Fledermaus und Terry, die Rotbauchunke. Es wird aber auch ein bisschen gruselig mit dem dunklen Wald und dem, was darin passiert und die Sorge um Francis und Arnold war auch immer greifbar. Zwischendurch wusste ich nicht, wem ich eigentlich noch trauen sollte, wurde auf falsche Fährten gelockt und fühlte mich wahrscheinlich so, wie Edith. Das hat mir sehr gut gefallen. Genauso wie das Thema Tierschutz, das nie belehrend rüberkommt und dennoch viel Gewicht hat. Man merkt einfach, dass der Autor ein Tierarzt ist, der für die Tiere lebt. Der Schreibstil ist total fesselnd und sehr flüssig zu lesen, so dass ich im Nu durch das Buch gerauscht bin. So wie das Buch endet und auch die Tatsache, dass das Rätsel um Ediths Eltern noch nicht gelöst ist, lässt mich erwarten, dass die Reihe weitergeht und hoffentlich bald ein 3. Band erscheint. Illustrationen gibt es im Buch keine außer immer zum Kapitelanfang die vier Fabelwesen Drache, Phönix, Pegasus und Einhorn. Dafür ist das Cover wunderschön und farbenprächtig. Neben Edith, Ji-Ji- und dem Phönix ist auch der Wald und die Kirche vom Grafen zu erkennen. Die glänzende Goldprägung ist ein toller Blickfang. Für Fans spannender Fantasy-Abenteuer ein Must-Read und von mir daher 5/5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2025

Humor- und fantasievolles Tierabenteuer zum Wegträumen

Die Gesellschaft der geheimen Tiere
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Inhaltsangabe Verlag:
Das werden die aufregendsten Sommerferien, die Edith je erlebt hat! Denn sie verbringt sie bei ihrem geheimnisvollen Onkel, einem Tierarzt für magische und mythische Tiere. Ein fantastisches ...

Inhaltsangabe Verlag:
Das werden die aufregendsten Sommerferien, die Edith je erlebt hat! Denn sie verbringt sie bei ihrem geheimnisvollen Onkel, einem Tierarzt für magische und mythische Tiere. Ein fantastisches Abenteuer auf den Gipfeln des Himalaya mit Yetis, einer Pegasus-Herde und Bergziegen.
Als Edies Eltern sie für die Ferien nicht vom Internat abholen, schickt man sie zu ihrem seltsamen Onkel. Der ist Tierarzt und betreibt seine Praxis in einem abgelegenen Teil eines großen Waldes. Schnell wird Edie klar, dass die Tiere, die ihr Onkel behandelt, außergewöhnlich sind: Es sind nämlich mythische Tiere. Zu seinen Patienten gehören unter anderem ein Pegasus und Einhörner.
Und das ist nicht die einzige Überraschung: Edie stellt fest, dass sie mit Tieren telepathisch kommunizieren kann. Mit dieser seltenen Gabe ist sie für ihren Onkel von unschätzbarem Wert. Als ein Hilferuf aus dem Himalaya sie erreicht – wo eine Yeti-Familie an einer mysteriösen Krankheit leidet –, machen sich die beiden auf eine abenteuerliche Rettungsaktion.
- Tier-Fantasy voller origineller und witziger Einfälle mit unvergesslichen Charakteren
- Für Fans von ›Animox‹ und ›Woodwalkers‹

Meine Inhaltsangabe:
Die 11-jährige Edith wird von ihren Eltern zum Beginn der Sommerferien nicht vom Internat abgeholt. Der Grund ist ein schrecklicher: die werden auf einer ihrer Forschungsreisen im Urwald des Amazonas vermisst. So kommt es, dass Edith zu ihrem Onkel muss, den sie gar nicht kennt. Der lebt weit abgelegen in einem unzugänglichen Wald und betreibt eine Tierarztpraxis. Bald muss Edith feststellen, dass das keine normale Tierarztpraxis ist. Es gibt zwar auch Kaninchen, die versorgt werden müssen und Igel und Hühner, aber auch einen Pegasus und andere mythische Tiere. Als sie dann auch noch herausfindet, dass sie eine vererbte Gabe hat, die es ihr ermöglicht, mit allen Tieren sprechen zu können ist ihr schnell klar: das werden aufregende Ferien! Als ein Hilferuf ihren Onkel in den Himalaya ruft und er sie wegen ihrer besonderen Gabe mitnimmt, beginnt für Edith erst das richtige Abenteuer voller Gefahren, Entdeckungen, neuer Freunde und alter Feinde.

Erster Satz: »Die Säle der St.-Montefiore-Mädchenschule hätten jedem Mädchen Schrecken eingejagt.«

Mein Eindruck:
Ich gebe es zu: die Fähigkeit, mit Tieren sprechen zu können ist die Gabe, die ich mir tatsächlich am allermeisten wünsche! Daher hat mich das Buch auch sofort gepackt. Mir gefällt, dass es kein langes Vorgeplänkel gibt, sondern ich beinahe unmittelbar zusammen mit Edith in ihr riesengroßes Abenteuer hineinschliddere. Das ist angereichert mit dermaßen liebenswerten Figuren (Haushälterin Betty, ihr hünenhafter Sohn Francis, Hund Arnold, Tukan Gerry, Blauschaf Rakshek,…), dass einem das Herz aufgeht! Ich habe mich einfach sofort wohl gefühlt. Was zunächst wie eine nette, magische Geschichte rund um die Tierarztpraxis beginnt, entwickelt sich spätestens im Himalaya zu einem spannenden Abenteuer, bei dem ich das eine oder andere Mal die Luft anhalten musste. Und ja, auch ein Tränchen ist geflossen, was sehr für den bildhaften Schreibstil spricht, der mir die Charaktere direkt ins Herz geschrieben hat und mich mitleiden lässt. Zumal es hier um den Tier- und Naturschutz geht und um die Ausrottung von Arten durch den Menschen aus reiner Geldgier, was der Autor wirklich perfekt in die Story gepackt hat. Aber auch der Humor kommt beileibe nicht zu kurz und ich musste viel lachen. Für mich kam aus jeder Zeile deutlich die Liebe des Autors, der selbst Veterinär ist, zu allen Tieren heraus, was mir unglaublich gut gefallen hat. Ich bin begeistert und freue mich, dass Band 2 auch schon bei mir bereit liegt zum Lesen. 5/5 Sterne und eine Empfehlung an alle, die Tiere und Fantasy bzw. Mythen lieben. Erwähnen möchte ich auf jeden Fall das Nachwort, in dem sich Luke Gamble an seine jungen Lesenden wendet mit einer mutmachenden Nachricht zum Thema Berufswunsch mit Tieren. Einfach total sympathisch und so wertvoll!

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Unglaublich fesselnd, tief beeindruckend und berührend

Die Akte Schneeweiß
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Inhaltsangabe Verlag:
Zwei Frauen, vier Jahrzehnte, und der Kampf für ihre Rechte
Bielefeld, 1963. Katja Schilling wächst im Wirtschaftswunder in einfachen Verhältnissen auf, in denen für ihren Traum, ...

Inhaltsangabe Verlag:
Zwei Frauen, vier Jahrzehnte, und der Kampf für ihre Rechte
Bielefeld, 1963. Katja Schilling wächst im Wirtschaftswunder in einfachen Verhältnissen auf, in denen für ihren Traum, Ärztin zu werden, kein Platz ist. Nur ihr Großvater glaubt an sie – bis er eines Tages spurlos verschwindet. Sein Name wird in der Familie zum Tabu, und Katja bleibt mit ihren unbeantworteten Fragen allein. Jahre später stößt sie auf eine Wahrheit, die alles, was sie über ihre Familie zu wissen glaubte, erschüttert.
Bielefeld, 1936. Mathilde Schneeweiß beginnt ihre Arbeit als Sprechstundenhilfe bei Dr. Bönisch. Sie verliebt sich in den engagierten Arzt und wird in ein gefährliches Unterfangen hineingezogen. Gemeinsam helfen sie heimlich Frauen in Not, aber ihr Mut bleibt nicht unbemerkt. Als sie ins Visier der Gestapo geraten, muss Mathilde eine Entscheidung treffen, auch wenn diese sie das Leben kosten könnte. Der Kampf für die Rechte der Frauen muss schließlich weitergehen ...
Ein bewegender Roman über Mut und Verrat, Schuld und Gerechtigkeit – und die Spuren, die Geschichte in unseren Leben hinterlässt.

Meine Inhaltsangabe:
Anfang der 60er Jahre in Bielefeld: die 14jährige Katja weiß früh, was sie will. Nämlich studieren und Ärztin werden und nicht den ihr vorgezeigten Weg hin zu Ehefrau und Mutter beschreiten. Alle halten sie für übergeschnappt, nur ihr Opa Dom steht zu ihr. Doch der verschwindet von jetzt auf nachher spurlos und sein Name darf zu Hause nicht mehr genannt werden. Katja geht ihren Weg und stößt dabei auf Spuren von Opa Dom, dessen Schicksal fest mit der Familienvergangenheit zusammenhängt, deren tiefgreifende Spuren bis in die Gegenwart reichen.
Ebenfalls in Bielefeld, allerdings 1936, verliert Mathilde ihre Anstellung als Fotolaborantin und damit ihre Existenz und Unterkunft. Ihr ehemaliger Arbeitgeber muss in die USA flüchten, als jüdischer Kaufmann ist er in Deutschland nicht mehr gerne gesehen. Doch vorher verschafft der Mathilde Lohn und Unterkunft bei einem Freund, dem Frauenarzt Bönisch. Beide widersetzen sich dem Naziregime so gut es geht und helfen in Not geratenen Frauen, verbotenerweise auch Jüdinnen. Mit der Zeit verlieben sich Mathilde und Bönisch unsterblich ineinander. Jedoch wird ihre Zukunft von tragischen Schicksalsschlägen und der ewigen Angst vor Denunzierung und der Gestapo gefährdet. Mathilde deckt unsagbare Grausamkeiten auf, die sie nicht für sich behalten kann, auch wenn sie sich damit in Lebensgefahr bringt.

Erster Satz: »Was für ein Haus!«

Mein Eindruck:
Das ist so ein Roman, den ich nahezu in einem Rutsch weggesuchtet habe. Ich habe von der Autorin bereits die „Minna-Trilogie“ gelesen, bei der es mir genauso ging. Auch jetzt werde ich wieder mit einem so stimmigen, greifbaren Bild der deutschen Geschichte konfrontiert, das mich einfach nur begeistert zurücklässt. Selber Ort (Bielefeld), andere Zeit (1936 – 1946 und 1963 – 1977) und ein Unterschied wie Tag und Nacht. Nur eins ist gleichgeblieben: die Stellung der Frau in der Gesellschaft, deren extrem beschnittenen Rechte und ihre Unterdrückung. Mitzuerleben, wie Katja in den 60er/70er Jahren ihren Willen durchsetzt und dafür so viele Widrigkeiten in Kauf nimmt, ist äußerst imponierend. Zumal diese Zeit auch für mich nicht allzu weit weg ist (ich bin Bj. 1973) und ich weiß, dass meine Mutter z.B. ohne die Erlaubnis meines Vaters keine Arbeit aufnehmen konnte. Nicht zu fassen heutzutage, oder? Unfassbar berührend war für mich Mathildes Geschichte. Ich war zeitweise richtig sauer auf die Autorin, wie konnte sie das nur so schreiben? Geht doch nicht, was da passiert! Aber ja, natürlich ist mir klar, dass es eben doch so geht (die Geschichte beruht übrigens auf einer wahren Begebenheit). Das machte es nicht minder „halskloßig“, dafür aber so authentisch und real. Gänsehaut pur. Über das, was im damaligen Deutschland Grauenhaftes passierte, brauche ich hier nicht näher eingehen. Das wird im Buch thematisiert, was teils schwer zu ertragen ist, was wir aber aushalten müssen. Diese Erinnerungen dürfen nie verlorengehen. Punkt.
Ich habe dieses Buch wirklich geliebt, genossen, gehasst, gefeiert. Ein Stück Zeitgeschichte, ein bewegendes Plädoyer für die Rechte der Frauen, unfassbar fesselnd und berührend und so sehr in Erinnerung bleibend. Kopfkino pur und so eindringlich! 5/5 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Familiendrama in 5 Akten

Der Stich der Biene
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Inhaltsangabe Verlag:
Familie Barnes steckt in Schwierigkeiten. Dickie Barnes’ lukratives Autogeschäft läuft nicht mehr. Aber anstatt sich dem Problem zu stellen, beginnt er in den Wäldern einen Bunker ...

Inhaltsangabe Verlag:
Familie Barnes steckt in Schwierigkeiten. Dickie Barnes’ lukratives Autogeschäft läuft nicht mehr. Aber anstatt sich dem Problem zu stellen, beginnt er in den Wäldern einen Bunker zu bauen. Seiner Frau Imelda, die ihren Schmuck auf eBay verkauft, erscheinen die Avancen von Big Mike, dem reichen Rinderzüchter, immer attraktiver. Die achtzehnjährige Cass, die immer die Klassenbeste war, reagiert auf den Niedergang, indem sie beschließt sich bis zu ihrem Abschluss jeden Tag zu betrinken, während der zwölfjährige PJ einen Plan schmiedet, um von zu Hause abzuhauen.
Wenn das Leben und die Welt auseinanderfallen, stellen sich die großen Fragen: Wann und warum begann der Untergang? Was hätte man tun können und wie weit müsste man zurückgehen, wenn man die Geschichte ändern könnte? Bis zu dem Tag als Dickie Barnes zehnjährig zitternd vor seinem Vater stand und lernte, wie man ein richtiger Mann wird? Bis zu dem Autounfall zwölf Monate vor Cass’ Geburt? Oder bis zu dem verheerenden Stich der Biene, der Imeldas Hochzeitstag ruinierte?

Meine Inhaltsangabe:
Dickie Barnes, Ehemann von Imelda und Vater von Cass und P.J., leitet das Familienunternehmen (Autohaus), das sein Vater Maurice zu einem erfolgreichen Unternehmen aufgebaut hat. Doch es läuft nicht mehr so gut und die Finanzen drücken. Imelda ist deswegen stinksauer, hat sie, die sie aus schwierigen Familienverhältnissen kommt, sich doch so an den Luxus eines reichen Lebens gewöhnt. Daher geht sie auf die Avancen des reichen Rinderzüchters Big Mike ein. Der finanzielle Engpass sowie die kriselnde Ehe ihrer Eltern machen auch den Kindern Cass und P.J. zu schaffen. Cass fängt an, ihre Sorgen mit Alkohol zu ertränken und P.J. schmiedet Ausreißerpläne. Allein Dickie scheint ganz zufrieden zu sein und hält sich fast nur noch im Wald auf, wo er mit einem Kumpel einen Bunker baut. Doch letztlich kämpfen alle mit ihren inneren Dämonen, mit verpassten Chancen und mit einer Vergangenheit, die ihre Finger bis in die Zukunft ausgestreckt hat.

Erster Satz: »Im Nachbarort hatte ein Mann seine Familie umgebracht.«

Mein Eindruck:
Mir gefällt der Aufbau des Buches gut, in dem es quasi vier Akte plus einen Zusatz-Akt gibt, der Reihe nach erzählt von Tochter Cass, Sohn P.J., Mutter Imelda, Vater Dickie. Der letzte Akt ist dann von allen zusammen, immer wechselweise. Das bringt mich in die Lage, die Story aus mehreren Blickwinkeln zu erfassen. Bei Cass, P. J. und Dickie fehlen komplett die Anführungszeichen der wörtlichen Rede, bei Imelda zusätzlich alle anderen Satzzeichen außer ? und !. Das machte das Lesen ein wenig gewöhnungsbedürftig und es hat sich mir auch nicht erschlossen, warum man das so gemacht hat. Um den Figuren eine eigene, besondere Stimme zu geben, wäre das nicht notwendig gewesen, dafür hat schon der sehr bildhafte Schreibstil gesorgt. Die vielen Rückblicke in die Zeiten vor Dickies und Imeldas Hochzeit sind aufschlussreich und nach und nach entwickelt sich das Große und Ganze. Und das hat es in sich, zumal eine Figur, die im Buch selbst nicht zu Wort kommt, der Dreh- und Angelpunkt von allem ist. Wie Murray die unterschiedlichen Emotionen der Familie ausdrückt, wie er es schafft, dass man sich in alle hineinversetzen kann, egal ob 18jährig und im Umbruch des eigenen Selbst (Cass), 12jährig und pubertär und gleichzeitig sensibel und empathisch oder erwachsen und massiv problembehaftet mit emotionalen Altlasten (Imelda und Dickie), ist schon ein ziemlicher Geniestreich. Doch für meinen Geschmack wurde es zwischendurch ein wenig langatmig und ausufernd (ich sage nur: 703 Seiten). Das Ende kam überraschend und doch auch wieder gar nicht überraschend. Ich kann, ohne zu spoilern, nicht mehr dazu oder zu weiteren Begebenheiten schreiben. Ein ziemlich umfangreiches Werk über eine Familie und deren dramatischem Weg dorthin, wo sie am Ende stehen. Durchaus berührend und fesselnd, ein paar Längen weniger wären schön gewesen. 4/5 Sterne.

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