Profilbild von Lesezauber_Zeilenreise

Lesezauber_Zeilenreise

Lesejury Star
offline

Lesezauber_Zeilenreise ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesezauber_Zeilenreise über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2025

Rätselhafte Morde im Cider-Milieu

Lady Hardcastle und die tödliche Ernte
0

Inhaltsangabe Verlag:
Ein Toter im Apfelhain, ein mysteriöser Orden und ein grausiges Geheimnis – da ist doch etwas faul! Ein neuer Fall für Lady Hardcastle und ihre Zofe Flo
Sommer 1911: Eine sengende ...

Inhaltsangabe Verlag:
Ein Toter im Apfelhain, ein mysteriöser Orden und ein grausiges Geheimnis – da ist doch etwas faul! Ein neuer Fall für Lady Hardcastle und ihre Zofe Flo
Sommer 1911: Eine sengende Hitzewelle erfasst das beschauliche Örtchen Littleton Cotterell und sorgt für eine ungewöhnlich frühe Apfelernte. Die Dorfbewohner sind begeistert – bis einer von ihnen tot in einer Plantage aufgefunden wird, ermordet durch einen Stich ins Herz. Die Amateurdetektivin Lady Hardcastle und ihre treue Zofe Flo haben plötzlich einen saftigen Fall vor sich. Ein zweiter Toter sowie Gerüchte über einen alten Orden und dessen mysteriöse Rituale im Mondschein offenbaren, dass mehr hinter den Todesfällen steckt: ein Geheimnis im Ort, das jemand mit allen Mitteln bewahren möchte.

Meine Inhaltsangabe:
Es ist heiß diesen Sommer in Littelton Cotterell, zu heiß, um irgendwas zu machen und so wollen Lady Hardcastle und Zofe Armstrong einfach mal nichts tun. Blöd nur, dass eines Morgens die Leiche eines Dorfbewohners gefunden wird. Offensichtlich wurde das Mitglied der Weryers (Ciderwächter) erstochen und dann auf seinem verpachteten Grundstück an einen Apfelbaum drapiert. Klar, dass die beiden toughen Damen die Ermittlungen aufnehmen. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine Fremde, die im Pub abgestiegen ist und sich verdächtig verhält, erfahren viel über den Orden der Weryers und trinken das eine oder andere Glas Cider, sondern sie stolpern direkt über die nächste Leiche, ebenfalls ein Mitglied des Weryers-Ordens. Zu verdächtig, um kein Zufall zu sein. Wer ist noch Ordensmitglied und damit offensichtlich in Gefahr? Die Zeit drängt!

Erster Satz: »Als wir am Montag im nachmittäglichen Sonnenschein ins Dorf spazierten, wimmelte es in der Hecke am Wegesrand von Vögeln in allen nur erdenklichen Formen und Farben.«

Mein Eindruck:
Höchst vergnüglich, liebenswert, frech und lebhaft sind die Attribute, die mir spontan zu dem Buch einfallen. Einmal mehr haben mich die Lady und ihre Zofe in ihren überaus humorvollen Bann gezogen, mich mit ihren (schwarz)humorigen, so wunderbar schlagfertigen Dialogen begeistert und mich zum Mitraten animiert. Denn der Fall ist spannend und nicht vorhersehbar, die Mordwaffen außergewöhnlich, der Grund perfide und der Originaltitel (Bis ins Mark verdorben) sehr passend. Ein historischer Cosy Crime, der die Bezeichnung Wohlfühlkrimi absolut verdient. Das Dörfchen, die Apfelplantagen, das Herrenhaus und alles Drumherum habe ich glasklar vor mir gesehen, ebenso wie die Figuren, die mittlerweile einen festen Platz in meinem Herzen haben. Allen voran natürlich die beiden Hauptakteurinnen, die ich heiß und innig liebe! Ihre Beziehung zueinander, die weit über ein normales Herrin-Bedienstete-Verhältnis hinausgeht und voller gegenseitiger freundschaftlicher Zuneigung, Vertrauen und Respekt ist, macht mir jedes Mal ein wohliges Bauchgefühl und lässt mich vor allem auch immer wieder laut auflachen. Die beiden Damen zusammen sind einfach unschlagbar und es ist unglaublich erfrischend mitzuerleben, wie sie in der damaligen männerdominierten Zeit frech und über die Maßen selbstbewusst ihre Frau stehen. Ich liebs liebs liebs!!!! 5/5 Sterne.

Band 9 (Lady Hardcastle und der Tod im Theater) erscheint am 20.08.2025.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.03.2025

Naturerholung und Gartenworkshop, Leiche inklusive

Der Mörder ist selten der Gärtner
0

Inhaltsangabe Verlag:
Landurlaub mit Leiche
Mit Herzblut betreibt Esther Dumanski die Pension »Sonnenblume« in der Nähe des Starnberger Sees. Allerdings liegt die Herberge abgelegen in einem Wald und hat ...

Inhaltsangabe Verlag:
Landurlaub mit Leiche
Mit Herzblut betreibt Esther Dumanski die Pension »Sonnenblume« in der Nähe des Starnberger Sees. Allerdings liegt die Herberge abgelegen in einem Wald und hat alles andere als Seeblick. Als dann noch akute Geldnot bei den Dumanskis Einzug hält, hat die begeisterte Hobby-Gärtnerin Esther die Idee, Landurlaub gepaart mit Gartenkursen anzubieten - als Schnupperkurse für neugierige Städter und Stressabbau für überbeanspruchte Büromenschen. Der Plan scheint aufzugehen: Schon bald tritt die erste Gruppe Garten-Fans ihren Urlaub bei Esther an. Leider dauert es nicht lange, bis die Naturerholung erheblich gestört wird, denn die Truppe findet eine Leiche im benachbarten Wald. Da stellt sich die Frage: Ist der Mörder etwa einer von ihnen?

Meine Inhaltsangabe:
Erster Satz: »Die Luft roch nach Fichtenzweigen und Harz, Finsternis lag über dem Wald wie ein riesiges schwarzes Tuch.«

Esther hat sich ihren Traum erfüllt und eine kleine Pension übernommen. Diese liegt zwar in der Gegend des Starnberger Sees, aber leider nicht am See, sondern abgelegen in einem Waldstück. Die Besucher bleiben aus, an Geld mangelt es und so bietet sie kurzerhand einen Garten-Workshop an, der auch guten Zulauf hat. Esther und ihre Gäste legen also los und gehen schon mal in den Wald für einen kleinen Kräuterkunde-Exkurs. Doch statt Kräutern finden sie die Leiche einer blonden, jungen Frau. Sie holen die Polizei, kehren an den Fundort zurück und: weg ist sie! Sie müssen einiges an Häme über sich ergehen lassen und fühlen sich missverstanden. Bis am nächsten Tag eben diese blonde Leiche, allerdings sehr lebendig, in der Pension eincheckt. Haben Esther und ihre Gartler doch ein Gläschen Sekt zu viel schnabuliert? Doch dann taucht die nächste Leiche auf und bleibt auch tot. Jetzt stellen die Pensionsbewohner Ermittlungen an, Verdächtige gibt es hier und dort und schon sind sie mittendrin, in ihrem eigenen Gartenkrimi auf Leben und Tod.

Mein Eindruck:
Ich mag die Bücher des Autors, der auch unter dem Pseudonym Franz Hafermeyer Krimis schreibt, sehr. Das liegt zum einen an seinem sehr gut zu lesenden Schreibstil und der wie immer enthaltenen ordentlichen Prise Humor, aber auch an den realistisch beschriebenen Polizei- und Tatortbeschreibungen (im echten Leben arbeitet der Autor als Polizeibeamter). Dieser Fall hier hat es in sich, die Tatwaffe ist außergewöhnlich, der Mord brutal und der Weg bis zur Auflösung mit Verdächtigen gespickt, die ich nacheinander verwerfe, wieder hervorhole, wieder verwerfe. Was dann am Ende tatsächlich bei rauskommt ist ein echtes Ding, mehr kann ich leider nicht verraten. Sehr spannend geht es aber zu und ich habe echt mitgefiebert. Neben den ganzen harten Krimisachen lerne ich aber auch viel über das Gärtnern und über (Gift-)Pflanzen und bekomme zudem eine schöne Sightseeing-Tour rund um den Starnberger See. Das alles ist herrlich harmonisch miteinander verwoben und macht im Gesamten einfach irre Spaß. Durchweg supergute Unterhaltung, daher natürlich 5/5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2025

Wer anderen ein Sößchen kocht… muss es vielleicht doch selbst auslöffeln

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Die Erpressung des Soßen-Königs (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 6)
0

Inhaltsangabe Verlag:
Als die 13-jährige Matilda das Musical »Mörderische Ehefrauen« besucht, wird sie Zeugin eines Verbrechens: Eine der Darstellerinnen wird vor aller Augen von der Bühne entführt. Die ...

Inhaltsangabe Verlag:
Als die 13-jährige Matilda das Musical »Mörderische Ehefrauen« besucht, wird sie Zeugin eines Verbrechens: Eine der Darstellerinnen wird vor aller Augen von der Bühne entführt. Die Schauspielerin entpuppt sich als Tochter des Millionärs Gisbert König, auch genannt der »Soßen-König«, der mit dem Verkauf von Fertigsoßen reich geworden ist. Kurz darauf taucht ein Erpresserbrief auf und der Soßen-König beauftragt Rory Shy mit dem Fall. Gemeinsam mit Matildas und ihrem hasenfüßigen Cockerspaniel Dr. Herkenrath stürzt sich der berühmte schüchterne Detektiv in die Ermittlung – und muss dieses Mal sogar in einer TV-Kochshow auftreten.

Meine Inhaltsangabe:
Erster Satz: »Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der guten Vorsätze.«
Matilda sieht sich zusammen mit ihrem Nicht-Date Danny (aus Band 3, Das Rätsel um Schloss Eichhorn) das Musical Mörderische Ehefrauen an, als dort mitten in der Vorstellung eine der Schauspielerinnen von der Bühne weg entführt wird. Wie sich herausstellt handelt es sich um die Tochter des wenig sympathischen Soßen-Königs, der kurz darauf eine Lösegeldforderung erhält, worin die Entführer den überaus kostbaren Karfunkel-Rubin im Austausch für die Tochter verlangen. König sieht das gar nicht ein und beauftragt Rory Shy, den Fall zu lösen. Und schon sind er und Matilda wieder am Ermitteln, diesmal also im Schauspieler-, Soßenfabrikanten- und Kochmilieu. Können Rory, Matilda und Cockerspaniel Dr. Herkenrath die Fabrikantentochter aus den Fängen ihrer Entführer befreien?

Mein Eindruck:
So süß, wie Matilda mit Danny die ersten zarten Triebe junger Liebe entdeckt, dies aber vehement abstreitet („Es ist kein Date!“). Mindestens genauso süß wie die Sache mit dem Cello-Problem, welches nicht nur Rory und Matilda, sondern tatsächlich auch mich befallen hat: ich bin auch eine Cello-Heulsuse. Gewohnt witzig, rasant und überaus liebenswert geschrieben, lese ich mich durch nunmehr Band Nr. 6 und kann noch immer nicht genug davon kriegen. Ich liebe alles an dem Buch: die Story, die Figuren, den Humor, das Feeling, den Schreibstil. Schräg, witzig, spannend, warmherzig und einfach nur gut! Wie ein guter, alter klassischer Krimi, nur mit deutlich mehr Witz und damit perfekt geeignet für Kids bzw. Junggebliebene. Wer der Rory Shy-Reihe nichts abgewinnen kann, der hat wohl irgendwo seine Seele verloren. Ich feiere jedes Buch und freue mich jetzt schon auf Band 7, der auch schon bei mir liegt und darauf wartet, verschlungen zu werden. 5/5 Sterne und eine gar nicht schüchterne Empfehlung für alle ab 10 Jahren bis ins hohe Alter. Einfach gut!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2025

Spannungsgeladene Fortsetzung mit liebgewonnenen Figuren

Wishkeeper, Band 2 - Die Reise nach Silversands
0

Inhaltsangabe Verlag:
Unerfüllte Wünsche gehen nicht verloren. Wishkeeper begleiten sie ins verborgene Land Everwish und passen auf sie auf, bis die Menschen sie besonders brauchen. Dann kehren sie auf ...

Inhaltsangabe Verlag:
Unerfüllte Wünsche gehen nicht verloren. Wishkeeper begleiten sie ins verborgene Land Everwish und passen auf sie auf, bis die Menschen sie besonders brauchen. Dann kehren sie auf wundersame Weise zu ihnen zurück.
Lexi und Milo wollen unbedingt wieder nach Everwish, denn dort wartet eine weitere Aufgabe auf sie: Die beiden Wishkeeper sollten die Crimsons, kleine, verkuschelte Wunschwesen, aus der Stadt Silversands in ihre Heimat Flavia bringen. Als der Crimson Hope und zwei seiner Gefährten in die Fänge des gefährlichen Horroxers Tremoris geraten, müssen sich die Wishkeeper auf eine abenteuerliche Reise in die unwirtlichste und zugleich schönste Region von ganz Everwish begeben – in die Eiswelt von Eterna.

Meine Inhaltsangabe:
Lexi, Milo und Talon freuen sich darauf, wieder zurück nach Everwish zu gehen, um die Crimsons endlich in ihre Heimat Flavia zu bringen, nachdem sie nach dem letzten Abenteuer in Silversands gestrandet sind. Um durch das Portal zu gelangen, müssen die Kids Inklinge finden, wesengewordene Kinderwünsche. Diese finden sie auch, allerdings sind alle Inklinge grau, statt wie bisher bunt. Sie begleiten sie nach Everwish, wo sich die grauen Wünsche in Wesen verwandeln, die irgendwie nicht richtig sind. Lexi, Milo und Talon befürchten Schlimmes und einen Hinterhalt von Bösewicht Tremoris. Und tatsächlich: die Eiswelt von Eterna ist in allergrößter Gefahr, Wunschwesen verschwinden und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Können die Kids zusammen mit den Wunschwesen Everwish retten?

Mein Eindruck:
Nahtlos schließt sich die Geschichte an Band 1 an und ich bin nahezu sofort wieder voll dabei und mittendrin und habe mich gefreut, wieder auf alte Bekannte zu treffen. Diesmal wird etwas weniger Zeit mit Beschreibungen der Fantasiewelt verbracht, sondern die Story ist im Fokus. Und die hat es echt in sich und entwickelt sich von einer bunten Fantasiegeschichte bald zu einem sehr spannenden Abenteuer, in dem es richtig actiongeladen zugeht und bei dem ich das eine oder andere Mal den Atem angehalten habe. Auch waren die privaten Probleme der Kids immer mal wieder Thema (Lexis Mutter und ihre Depression, Milos erfolgsorientierter Vater, dem der Beruf mehr bedeutet, als die Familie und Talon, dessen Eltern mehr unterwegs, als für ihn da sind), was der Story ein Stückweit Tiefgang bringt. Neben all dem gibt es aber auch viel zu Lachen und mir gefällt diese Mischung sehr gut. Der lebendige, bildhafte Schreibstil macht es mir leicht, mich voll in die Geschichte zu vertiefen, die s/w-Illustrationen tragen ihres dazu bei. Womit ich schon bei der Optik bin, dich mich mal wieder völlig begeistert! Das Buch (Cover, Rücken, Buchschnitt) ist wieder so zauberhaft gestaltet, dass es eine Freude ist, es in Händen zu halten und zu betrachten. Nun heißt es warten auf Band 3, welches ich schon allein wegen des fiesen Cliffhangers am Ende des Buchs sehr herbeisehne. Ein fantasievoller, sehr spannender Lesegenuss und mir allemal 5/5 Sterne wert. Wer nun neugierig ist: bitte mit Teil 1 beginnen, da die Bände aufeinander aufbauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2025

Literarisches Glanzstück: Gesellschaftsroman, Thriller, Familiensaga – alles in einem und so fesselnd!

Der Gott des Waldes
0

Inhaltsangabe Verlag:
Manche sagen, es sei tragisch, was den Van Laars widerfahren ist.
Manche sagen, die Familie habe es verdient. Sie hätten sich nicht einmal bei den Suchern bedankt, die fünf Nächte ...

Inhaltsangabe Verlag:
Manche sagen, es sei tragisch, was den Van Laars widerfahren ist.
Manche sagen, die Familie habe es verdient. Sie hätten sich nicht einmal bei den Suchern bedankt, die fünf Nächte lang im eiskalten Wind ausharrten, um ihren vermissten Sohn zu finden.
Manche sagen, es habe einen Grund gegeben, warum die Familie so lange brauchte, um Hilfe zu rufen. Dass sie wussten, was mit dem Jungen geschehen war.
Jetzt, vierzehn Jahre später, ist die Tochter der Van Laars in derselben Wildnis wie ihr Bruder verschwunden.
Manche sagen, es gebe keine Verbindung zwischen den beiden Fällen.
Manche sagen, so etwas könne kein Zufall sein.

Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird. Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene «Schlitzer» mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst?
Mit scharfem Blick führt Liz Moore in ihrem neuen packenden Roman an die Abgründe von sozialer Ungleichheit, Wohlstandsverwahrlosung und Machtmissbrauch, lässt aber auch den Kampf um weibliche Selbstbestimmung und den großen Wert von Freundschaft hochleben. Mit «Der Gott des Waldes» hat sie nicht nur einen brillanten Thriller, sondern auch einen fulminanten Gesellschaftsroman geschrieben.

Meine Inhaltsangabe:
Adirondacks, Nordamerika, 1975: Barbara Van Laar verschwindet spurlos aus dem Sommercamp. Dieses Camp sowie die umliegenden Wälder und Ländereien gehören Barbaras Familie, den sehr reichen und gesellschaftlich weit oben stehenden Bankiers Van Laar. Für die 26-jährige Judyta, frisch gebackene State Trooper Investigatorin, ist das ihr erster Fall, in dem sie mitermitteln darf. Bald stellt sich heraus, dass vor 14 Jahren Barbaras Bruder Bear genau hier auch verschwunden ist. Er wurde nie gefunden, verdächtigt wurde damals ein Mann aus dem Ort sowie der berüchtigte „Schlitzer“, der damals inhaftiert wurde, kürzlich aber aus dem Gefängnis fliehen konnte. Der Fall Bear wurde recht bald als gelöst abgelegt. Doch kann es Zufall sein, dass sich alles wiederholt? Judyta hat so ihre Zweifel, rennt aber bei den Ermittlungen immer wieder gegen Mauern: entweder weil die reichen Van Laars sie von oben herab behandeln und schlicht schweigen, oder weil sie eben eine Frau ist, die von manchen Kollegen nicht ernstgenommen wird. Sie lässt sich nicht unterkriegen und nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen und offenbart schockierende Abgründe.

Mein Eindruck:
Ich liebe es, wie Liz Moore die damalige Zeit (wir bewegen uns in Sprüngen in den 1950er Jahren, 1961, 1973 und 1975) bildhaft zum Leben erweckt und nachvollziehbar aufzeigt, wie damals die Stellung der Frauen war, die entweder als schmückendes, aber eher wertloses Beiwerk, Mittel zum Zweck, Gebrauchsgegenstand angesehen wurden, bestenfalls belächelt und nicht für ernst genommen, schlimmstenfalls regelrecht unterdrückt und missbraucht. Erzählt wird die Story wechselweise von verschiedenen Figuren (Camp-Betreuerin Louise, Bears und Barbaras Mutter Alice, Barbaras Camp-Freundin Tracy und State Trooper Judyta, ganz selten und kurz vom „Schlitzer“ Jacob) und man erfährt durch Rückblicke und die aktuellen Ermittlungen immer mehr vom Ganzen, was unheimlich fesselnd ist. Die Kapitel sind kurz und ich konnte gar nicht anders, als immer noch ein Kapitel und noch eins zu lesen. Dabei durchlief ich verschiedene Gefühlsstadien: entsetzt, wütend, verachtend, traurig, berührt, erfreut, u.s.w., die ganze Palette also. Die ganze Zeit hatte ich alles wie einen Film vor meinem geistigen Auge, da der Schreibstil so sehr bildhaft und sicherlich auch die Übersetzung perfekt gelungen ist. Natürlich habe ich meine eigenen Schlüsse gezogen, wieder verworfen und wieder neu zusammengebastelt. Auf das, was dann tatsächlich herauskam, war ich jedoch nicht gefasst und es hat mich in zweierlei Weise sehr berührt. Ein Gesellschaftsroman mit Krimi- und Thrilleranteilen, gleichzeitig eine Familiensaga, ein Buch über Liebe in all ihren Facetten, über Macht und über so viel mehr. Mehr kann ich nicht dazu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Nur eins: lest dieses Buch! Das sind knapp 600 Seiten, die mich von Anfang bis Ende völlig in ihren Bann gezogen haben und ich hätte gerne noch viel länger weitergelesen. Einfach toll! 5/5 Sterne und für mich schon jetzt ein Jahreshighlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere