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Veröffentlicht am 26.05.2020

Wow! Einfach nur Wow!

Faded - Dieser eine Moment
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FELICITY & RYDER

Felicity flieht vor ihrer Vergangenheit und zieht mit nichts weiter als ein paar Habseligkeiten und ihrer abgenutzten Gitarre nach Nashville, um dort einen Neuanfang zu wagen. Sie ist ...

FELICITY & RYDER

Felicity flieht vor ihrer Vergangenheit und zieht mit nichts weiter als ein paar Habseligkeiten und ihrer abgenutzten Gitarre nach Nashville, um dort einen Neuanfang zu wagen. Sie ist Songschreiberin, hat aber keinerlei Ambitionen, vor Publikum zu singen oder berühmt zu werden und ist damit eine Seltenheit in der Stadt, die schon so manchen Musiker groß gemacht hat. Felicity ist jung, introvertiert und sucht nach einem Ort, wo sie sich sicher fühlen kann. Doch auch, wenn sie in ihrem neuen Zuhause langsam Anschluss findet und zum ersten Mal Freunde hat, lässt sich der ängstliche Blick über die Schulter nicht abstellen. Als sie Ryder begegnet, will Felicity die Anziehung zuerst nicht wahrhaben. Ein Musiker kommt für sie nicht in Frage, denn dieser Lebensstil erinnert sie zu sehr an ihre schreckliche Kindheit. Doch obwohl sie anfangs versucht, Distanz zu wahren, merkt sie schnell, dass sie sich Ryders Präsenz nicht entziehen kann.

Ryder ist ein talentierter Musiker. Er spielt Gitarre, kann singen und schreibt Songs. Sein großer Traum ist es, einen Plattenvertrag zu bekommen und endlich aus Nashville zu verschwinden. Er will nicht enden, wie viele andere Musiker, die es nie aus den Spelunken der Stadt hinausschaffen. Musik ist seine Leidenschaft, seine treibende Kraft und sein erklärtes Lebensziel. Er würde alles dafür tun und trifft deshalb nicht immer die besten Entscheidungen. Ryder ist leidenschaftlich, sympathisch und charismatisch. Zu Menschen, die nichts mit seiner Musik zu tun haben, hält er Distanz. Er möchte keine Bindungen schaffen, die ihn womöglich von seinem Traum abbringen. Deshalb geht er auch nur lockere Affairen mit Frauen ein. Bis zu dem Moment, als er Felicity sieht. Denn irgendetwas an der jungen Frau rührt an dem dicken Panzer, den der Musiker um sein Herz erbaut hat.

MEINE MEINUNG

Rockstar + Lyx = Highlight.
Diese einfache Gleichung scheint für mich zu funktionieren, denn immer, wenn der Lyx Verlag ein musikthematisches Buch veröffentlicht, bin ich schlichtweg begeistert. Die Geschichte von Ryder und Felicity hat mich sofort angesprochen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen und stellenweise sogar poetisch. Manche Formulieren haben einen metaphorischen Anschlag, wodurch die Erzählweise noch einmal einen ganz besonderen Klang bekommt. Die Songtexte passen ebenfalls perfekt in die Geschichte und werden nahtlos in die Handlung eingefügt, da sowohl Ryder als auch Felicity eigene Songs schreiben.
Wer hier eine Klischee-Rockstar-Romance erwartet, wird überrascht werden. Zwar ist Ryder der Stadtbekannte Playboy-Musiker, der einem One Night Stand bestimmt nicht abgeneigt ist, aber das ist weder Hauptthema des Buches noch vordergründig während der Annäherung zu Felicity. Im Buch geht es wirklich um Musik, den harten Weg zum Ruhm und die Schwierigkeiten, die Bekanntheit und Geld mit sich bringen können.

„Ruhm ist eine Droge, Schätzchen. Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder gesehen, was er anrichten kann. Er ist stärker als Heroin und macht doppelt so süchtig …“ S. 17

Die Annäherung zwischen Ryder und Felicity hat mir richtig gut gefallen! Es war prickelnd, romantisch und süß und passte perfekt zu dem Paar. Felicity ist mit ihren zarten 18 Jahren noch sehr jung, hat keinerlei Erfahrung mit Männern und ist durch ihre Vergangenheit sehr zurückhaltend. Eine schnelle Annäherung wäre also nicht glaubhaft gewesen.
Ich liebe New Adult Romanzen, die mit einer Freundschaft beginnen! Diese langsame Annäherung, das Zurückhalten der wahren Gefühle und die prickelnde Spannung, die man als Leser kaum mehr aushält, treibt meinen Puls vor Aufregung in gefährliche Höhen. Die Spannung zwischen Felicity und Ryder war vom ersten Moment an deutlich spürbar. Ihre zuckersüße introvertierte Art passt perfekt zu seinem extrovertierten Charme. Man wünscht den beiden ein Happy End und dass sich ihre Träume erfüllen – auch wenn man schon sehr früh ahnt, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet. Zum Glück ist inzwischen Band 2 erschienen, sonst müsste ich vor Frust und Trauer heulen. Es sind einige Fragen offen geblieben, die sich hoffentlich in der Fortsetzung beantworten lassen. Ich habe die Hoffnung auf ein Happy End noch nicht aufgegeben.

„Träume sind das einzige, was ich habe. Meine Träume, meine Stimme, und diese beiden Hände, mit denen ich Gitarre spiele. Wenn man mir das nimmt … Habe ich gar nichts.“ S. 152

Das einzige Manko, das ich mit dem Buch habe, ist die doch sehr rasche Meinungsänderung von Felicity. Anfangs behauptet sie hartnäckig, sich nicht für Musiker zu interessieren und will um jeden Preis ein „auffälliges Leben“ vermeiden, doch kaum, dass sie Ryder begegnet, gibt sie nach und lässt sich auf ihn ein. Natürlich kann man argumentieren, dass es nicht leicht ist, diesem charmanten Kerl zu widerstehen, aber gerade wegen ihrer Vergangenheit hätte ich mir bei Felicity mehr Hartnäckigkeit erwartet. Sie ist sehr jung und schwärmt sofort für ihn; er ist charismatisch und will sie unbedingt näher kennenlernen: Eine Kombination, die natürlich zur Annäherung führt und da die Chemie zwischen den beiden einfach stimmt, kann ich über diese kleine Kritik hinwegsehen.

FAZIT

„Faded: Dieser eine Moment“ ist eine wunderschöne Rockstar Romance Geschichte, die viele Klischees auslässt und sich auf die Liebe der Protagonisten zur Musik konzentriert. Es geht um zwei Menschen mit unterschiedlichen Träumen, die jedoch bereit sind, für die Liebe zueinander Opfer zu bringen. Neben dramatischen (aber nicht übertriebenen) Wendungen und einer gefühlvollen Romanze, erzählt das Buch von zwei liebenswerten Charakteren, die für sich alleine schon Stärke zeigen, zusammen aber zu etwas ganz besonderen werden. Für mich ist dieses Buch definitiv ein Highlightschatz, da mich Handlung, Protagonisten, Schreibstil und Spannungsbogen vollständig überzeugen konnten!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2020

Was ist da passiert??

Faded - Wenn alles stillsteht
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FELICITY & RYDER

Im Vergleich zum ersten Band haben beide Protagonisten eine enorme Entwicklung durchgemacht. Felicity ist viel selbstbewusster, mutiger und scheut sich nicht mehr davor, ihr musikalisches ...

FELICITY & RYDER

Im Vergleich zum ersten Band haben beide Protagonisten eine enorme Entwicklung durchgemacht. Felicity ist viel selbstbewusster, mutiger und scheut sich nicht mehr davor, ihr musikalisches Talent zu zeigen. Zwar kämpft sie immer noch mit den Dämonen ihrer Vergangenheit, aber sie geht damit inzwischen anders um. Der scheue Blick über die Schulter bezieht sich nun auf Ryder, anstatt auf ihren Vater und das Hauptgefühl ist nun Trauer, anstatt Angst. Felicity trauert um das Leben, das ihr versprochen wurde und um die Liebe, die sie glaubte, gefunden zu haben. Sie hat sich von allen zurückgezogen und versteckt sich nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch vor ihren Freunden.
Auch Ryder hat sich sehr entwickelt. Anstatt verzweifelt dem Ruhm nachzujagen, wie noch im 1. Band, jagt er nun seinen Gefühlen für Felicity nach, die ihn wegen seiner Fehler verlassen hat. Er hat sich von der Band und dem Promileben zurückgezogen und versucht, zu sich selbst zu finden. Von dem charismatischen, extrovertierten Musiker ist nicht viel übrig geblieben. Ryder kämpft ebenfalls gegen seine Dämonen und hängt immer noch sehr an Felicity. Er leidet darunter, dass er nicht weiß, wo sie ist und dass er keine Chance hatte, ihr seine Version der Ereignisse zu erklären.

MEINE MEINUNG

Der Einstieg in das Buch hat mir gut gefallen. Wir starten mit Presseberichten und Artikeln, die sich um das Verschwinden von Wildwood Frontfrau Felicity Wilde drehen. Warum ist sie verschwunden? Wohin ist sie gegangen? Was passiert jetzt mit der Band und der Tournee? Was ist mit Ryder? Fragen, die sich die ganze Welt zu stellen scheint und die niemand beantworten kann. Ryder stürzt in ein Loch und fällt negativ in der Presse auf. Die Fans leiden mit ihm. Und Felicity …? Die bleibt verschwunden.
Die eigentliche Handlung startet zwei Jahre nach den Ereignissen im 1. Band. Die Plattenfirma hat Felicity aufgespürt und droht mit rechtlichen Schritten, wenn sie sich nicht bereiterklärt, die versprochene Tour mit Wildwood durchzuziehen. Felicity weigert sich anfangs vehement dagegen, denn wie soll sie Ryder jemals wieder in die Augen schauen und neben ihm singen? Doch als selbst ihr Anwalt dazu rät, dem Drängen der Plattenfirma nachzugeben, lässt sie sich widerwillig darauf ein. Die restliche Band wird daraufhin informiert, dass die Tour stattfindet und es folgt das (von einigen) lang ersehnte Wiedersehen in Los Angeles.

Das erste Treffen ist eisig und voller unterdrückter Gefühle. Aiden und Linc nehmen es dem Ex-Pärchen übel, dass sie in den letzten Jahren mit schlechten Auftritten und Arrangements um ihre Existenz kämpfen mussten, Ryder kocht vor Wut wegen Felicitys Verschwinden und Felicity ist immer noch tief verletzt wegen Ryders Drogenproblem. Die Dynamik der Band ist verschwunden, die musikalische Harmonie dahin. Doch sobald Ryder und Felicity wieder gemeinsam Musik machen, kommen die alten Gefühle wieder hoch, die keiner der beiden überwunden hat.
Ryder will Felicity zurückgewinnen und versucht alles, um ihre Mauern zu senken. Felicity dagegen will die Tournee einfach hinter sich bringen und dann „in die Freiheit“ verschwinden. Sie möchte dieses Leben – das sie von Anfang an nicht haben wollte – endlich hinter sich lassen.
Funktioniert das?
Natürlich nicht ….

Und hier kommen wir schon zu den Dingen, die mich an dem Buch massig gestört haben.
Einerseits behauptet Felicity ständig, dass sie dieses Leben nicht will. Schon im 1. Band fühlt sie sich unwohl bei Interviews, ist nervös bei Auftritten und hat kein gutes Wort für das Promileben übrig. Im 2. Band ist es ähnlich, doch da sie sich sehr entwickelt hat, meistert sie die öffentlichen Auftritte viel versierter und ohne Probleme. Trotzdem will sie dieses Leben nicht und spricht ständig davon, dass sie die Tour nur „hinter sich bringen“ will. Doch gleichzeitig werden alle großen Enthüllungen, alle emotionalen Stolpersteine und alle relevanten Ereignisse vor großem Publikum abgehalten. Dafür, dass sie die Aufmerksamkeit angeblich hasst, neigt sie dazu, diese ständig auf sich zu ziehen.
Storytechnisch kam die Fortsetzung auch überhaupt nicht voran. Es wurden so viele Fragen aufgeworfen, die bis zum Ende unbeantwortet blieben: Der Rechtsstreit mit Felicitys Familie, Ryders Kampf gegen die Drogen und die Sache zwischen Aiden und Carly. Mir kam es vor, als wären hier Handlungsstränge gewollt erstellt worden, um Spannung hineinzubringen. Was auch funktioniert hat, aber für mich ist es ein No-Go, solche dann einfach in der Luft stehen zu lassen.
Die Story war platt und es fehlte an Tiefe. Obwohl der Einstieg gut gelungen ist, wurde für mich zu viel Zeit auf Belanglosigkeiten verschwendet und die eigentlich spannenden Themen vernachlässigt. Anstatt sich seitenweise im Kreis zu drehen und Felicitys wankelmütige Gefühle zu beschreiben, hätte ich zum Beispiel gerne gewusst, was da zwischen Aiden und Carly los war. Ich hätte gerne etwas über die zwei Jahre erfahren, in denen sowohl Ryder als auch Felicity einen Wandel durchlaufen haben und ich hätte mir mehr Fokus auf Felicitys Familie gewünscht. Gerade ihre familiären Probleme trugen im 1. Band zu ihrem starken Charakter bei, wurden in der Fortsetzung aber mit wenigen Seiten „abgearbeitet“ – und das nicht gerade spektakulär.

Ryder und Felicity sind für mich nicht mehr die Charaktere, die ich im 1. Band lieben gelernt habe. Ihnen fehlt es hier an Tiefe und Authentizität. Wo im Vorgängerband noch alle Entscheidungen glaubhaft und nachvollziehbar waren, so konnte ich sie hier nicht richtig ernst nehmen. Beide Protagonisten handeln widersprüchlich und sind in ihren Entscheidungen viel zu wankelmütig. Besonders Ryder hat so gar nichts mehr von dem charismatischen, leidenschaftlichen Musiker. Für ihn dreht sich alles nur noch um Felicity und darum, sie irgendwie zurückzubekommen. Musik scheint nebensächlich, die Auftritte nur dafür da, ihr näher zu kommen und die Songtexte als Ersatz für klärende Gespräche. Ich fand das sehr schade, da mir besonders der Fokus auf die Musik im 1. Band gut gefallen hat und die Art, wie sich die Charaktere über ihre Texte näher kamen.

„Ich denke, dass man der Dunkelheit manchmal nur entrinnen kann, indem man ein Licht erstrahlen lässt.“ S. 316

FAZIT

Faded 2 konnte mich leider nicht überzeugen. Die Handlung war unstrukturiert und es fehlte ihr an Tiefe. Den Charakteren fehlt es an Authentizität. Zudem sind beide sprunghaft und handeln widersprüchlich, wodurch man sich die Frage stellt, ob sie überhaupt zusammen passen. Die unbeantworteten Fragen lassen mich frustriert zurück. Schlussendlich hat das Buch das Potential aus dem 1. Band nicht genutzt und viel zu viel Raum für Belanglosigkeiten verwendet.
Schade, aber für mich ein „Naja-Buch“.

Veröffentlicht am 26.05.2020

Hatte leider mehr erwartet ...

Game of Gold
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Eine Hexe heiratet einen Hexenjäger: Eigentlich eine ziemlich coole Idee mit viel Potential. Wenn man sie nur richtig umsetzen würde …
Leider hatte ich schon am Anfang Probleme mit den beiden Hauptprotagonisten ...

Eine Hexe heiratet einen Hexenjäger: Eigentlich eine ziemlich coole Idee mit viel Potential. Wenn man sie nur richtig umsetzen würde …
Leider hatte ich schon am Anfang Probleme mit den beiden Hauptprotagonisten und wurde einfach nicht warm mit ihnen. Lou ist zwar cool und taff, aber sie ist leider auch bockig und vulgär. Mal mochte ich sie, mal ging sie mir auf die Nerven. Bei Reid war es ähnlich, denn für mich schwankt er zwischen dem bibelfesten Langweiler, der nicht von seiner Intoleranz abzubringen ist, und dem verknallten Kerl, der sich gleichzeitig über seine Angebetete ärgert und ihre Nähe sucht. Die beiden passen meiner Meinung nach überhaupt nicht zusammen, was grundsätzlich ja ein toller Konflikt ist, aber eben leider in romantischer Hinsicht schwierig ist. Für mich war die Romanze deshalb unglaubwürdig, denn die Gefühle kamen bei mir nicht an. Hier fehlte mir die Dynamik zwischen den beiden.

Der Schreibstil ist locker und flüssig zu lesen, auch wenn ich finde, dass beim Wordbuilding noch Luft nach oben ist. Manche Formulierungen fand ich ungut gewählt, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Schade fand ich, dass die Magie so wenig erklärt wurde. Man erfährt zwar den Unterschied zwischen den weißen Hexen und den Bluthexen, aber wie genau die Sache mit diesen Goldfäden funktioniert und warum das für jede Hexe anders ist, wurde mir zu wenig erläutert. Ebenso die Sache mit dem Zauber von Lou´s Mutter und die Opferung. Hier hätte ich mir etwas mehr Background gewünscht.
Obwohl ich anfangs schwer in die Handlung hineingefunden habe, trieb mich der hohe Spannungsbogen durch das Buch. Das letzte Drittel flog ich quasi durch die Seiten, was u.a. an den vielen Enthüllungen und den Kämpfen lag. Trotzdem fehlte mir das gewisse Etwas.

FAZIT

Leider hatte ich einige Probleme mit dem Buch. Erstens gefielen mir die Nebencharaktere besser als die Hauptprotagonisten. Meiner Meinung nach haben Coco, Ansel und sogar Jean Luc mehr Tiefe als Lou und Reid. Zweitens wurde mir einfach zu wenig erklärt. In diesem Buch geht es um Magie und ich weiß immer noch nicht, was es mit den goldenen Fäden auf sich hat, die Lou ständig sieht. Zudem fand ich, dass die Geschichte zu wenig Handlung hat. In der ersten Hälfte geht es nur darum, dass Reid alle Hexen für böse hält und Lou nicht auffliegen möchte. Erst in der zweiten Hälfte erkennt man, worauf das Buch hinausläuft. Es wird richtig spannend und endet mit einer neuen Enthüllung, die wohl neugierig auf den zweiten Band machen soll.
Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 13.04.2020

Emma Scott trifft Colleen Hoover

A Wish for Us
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Bonnie Farraday liebt Musik. Nichts kann die junge Frau so sehr begeistern wie Klassik. Sie lebt und atmet Melodien. In ihrem Musikstudium will sie deshalb alles darüber lernen und besser werden. Bonnie ...

Bonnie Farraday liebt Musik. Nichts kann die junge Frau so sehr begeistern wie Klassik. Sie lebt und atmet Melodien. In ihrem Musikstudium will sie deshalb alles darüber lernen und besser werden. Bonnie ist ehrgeizig und eine Kämpferin. Sie liebt ihre Familie und gehört zum Typ „Nice Girl with a Dream“. Bonnie hat nicht viele Freunde und hält diejenigen auf Abstand, die ihr näher kommen wollen. Trotzdem liebt sie mit ganzem Herzen und ist zu jedem nett.

Cromwell Dean ist ein erfolgreicher EDM DJ (elektronische Tanzmusik). Mit seinen Mixes lässt er die Clubs beben und wird von allen aus dieser Szene als musikalischer Gott verehrt. Cromwell ist Synästhetiker und kann Töne sehen, was ihm jedoch nicht nur den Vorteil bringt, ein Musikgenie zu sein. Er fühlt sehr intensiv und kann die Farben nicht ausblenden, weshalb er sich verzweifelt in Taubheit zu flüchten versucht. Diese Flucht macht ihn jedoch kalt und abweisend. Er lässt keine Nähe zu und benimmt sich häufig wie ein Arsch. Erst als er Bonnie trifft und diese ihn wieder an seine alte Sehnsucht erinnert, blättert die kalte Fassade. Denn Cromwell ist eigentlich ein sehr sensibler und hochemotionaler Mensch, für den Musik alles bedeutet.

„Manche betrachteten Synästhesie als eine göttliche Gabe. In mancher Hinsicht stimmte das auch, das konnte ich nicht leugnen. Aber im Hinblick darauf, dass sie meine Gefühle so sehr verstärkte, dass ich sie gar nicht aushalten konnte – was es ein Fluch.“ S. 288


MEINE MEINUNG

Dieses Buch … Leute … Was soll ich nur zu diesem Buch sagen …?
Es hat mein Herz gebrochen, meine Seele verletzt und mich fast zum Weinen gebracht.
Ganz ehrlich: Mir hat es noch nie weniger Freude bereitet, ein Buch zu lesen …

Bitte versteht mich nicht falsch: Das Buch ist großartig was die Ausarbeitung der Charaktere angeht. Cromwell und Bonnie besitzen so viel Tiefe, wie man es nur selten bei fiktiven Figuren erlebt. Die beiden sind vielschichtig wie Zwiebeln und bringen einen ebenso zum Weinen. Die Konflikte, die beide mit sich selbst austragen, sind richtig gut ausgearbeitet und glaubwürdig. Einerseits haben wir da Cromwell, der durch seine Synästhesie viel zu intensiv fühlt und das nicht verarbeiten kann. Er flüchtet mit Alkohol und seinem abweisendem Verhalten in Taubheit und redet sich ein, dass er gar nichts fühlen will. Bonnie wiederum hält die Menschen aus einem ganz anderen Grund auf Abstand, auf den ich hier nicht weiter eingehe, da ich sonst spoilern würde. Aber obwohl beide Protagonisten den Abstand zu anderen bevorzugen, kommen sie sich durch die Musik näher und lernen dabei, dass es okay ist, Gefühle zu haben und auch zu zeigen.

Musik ist ein großes Thema im Buch und eigentlich schwer zu beschreiben. Besonders die Synästhesie, das Sehen von Tönen in unterschiedlichen Farben, ist nicht gerade alltäglich und ein eher unbekanntes Phänomen. Trotzdem hat Tillie Cole es geschafft, Cromwells Gabe fließend in den Text einzufügen. Sie macht das mit so vielen Details, dass ich mich nur staunend verbeugen kann, denn auch hier glaubte ich ihr jedes Wort. Besonders gut haben mir die Szenen gefallen, in denen Cromwell versucht, Bonnie seine Farbenwelt begreiflich zu machen.

Der Schreibstil der Autorin ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Obwohl sie sehr emotionale und feinfühlige Beschreibungen einbaut, kam mir ihre Art des Satzaufbaus etwas stockend vor. Über manche Sätze bin ich richtig darübergestolpert und kam aus dem Lesefluss heraus. Der Spannungsbogen war hoch, was auch ein Grund war, wieso mir das Buch so zusetzte. Die Handlung legt Tiefschlag, auf Tiefschlag, auf Tiefschlag, baut mal einen kleinen Aufwärtsschlenker ein und legt dann den nächsten Tiefschlag. Ich hatte beim Lesen keine Chance, mich von den Geschehnissen zu erholen bzw. diese zu verarbeiten, als schon der nächste Schlag kam. Und obwohl mir die Love Story, die Charaktere und Nebencharaktere wirklich gut gefallen haben, war mir ab der Hälfte alles einfach too much.
Mir ging das ständige Weinen auf die Nerven und dass es immer mehr Hindernisse und Tiefschläge gab. Auch wenn ich sonst sehr für Drama in New Adult bin, war es mir hier einfach zu viel. Die Triggerwarnung am Ende bestätigt das nur. So viel Drama auf einmal muss nicht sein.

„Hindernisse im Leben bringen einen manchmal dazu, die Welt mit anderen Augen zu sehen.“ S. 264


FAZIT

A Wish For Us ist ein hochemotionales Buch mit tiefgründigen Charakteren, die einem das Herz brechen und die Seele durchrütteln. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und der Spannungsbogen hoch. Für mich war die Geschichte leider zu schwermütig und ich wollte die Handlung ab der Hälfte nur noch „hinter mich bringen“, da ich die Hoffnung auf ein Happy End nicht ganz aufgeben konnte. Man muss sich definitiv auf eine harte – aber wunderschöne – Lektüre einstellen, die wenig bis gar nichts von einer süßen und romantischen New Adult Story hat. Ich würde Tillie Cole als eine Mischung aus Emma Scott und Colleen Hoover bezeichnen – also absoluter Taschentuchalarm!

  • Cover
Veröffentlicht am 07.04.2020

Hunger Games trifft Spartacus

Nevernight - Das Spiel
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Wie bereits im ersten Band, so sticht auch in der Fortsetzung der besondere Schreibstil hervor, der einerseits die Gegenwart beschreibt, aber auch auf Ereignisse in der Vergangenheit eingeht. So erleben ...

Wie bereits im ersten Band, so sticht auch in der Fortsetzung der besondere Schreibstil hervor, der einerseits die Gegenwart beschreibt, aber auch auf Ereignisse in der Vergangenheit eingeht. So erleben wir Mia als Auftragsmörderin der Roten Kirche, aber auch als Gladiatii in der Staffel ihrer Domina. Denn Mias Plan, Duomo und Scaeva zu töten sieht vor, ihnen beim Venatus Magni – den Großen Spielen – als Siegerin gegenüberzustehen und sie dort zu töten. Doch anstatt von Leonides gekauft zu werden, den alle für den Favoriten halten, wird Mia von dessen Tochter Leona erworben, die ihrem Vater mit einer eigenen Siegerstaffel Konkurrenz machen möchte. Die Chancen stehen damit schlecht für die rachedürstige Assassine, denn Leona hat noch nicht annähernd genug Siegeskränze gewonnen, um sich für das Venatus Magnis zu qualifizieren. Mia und ihre Gladiatii Genossen müssen nun erst einmal andere Kämpfe gewinnen und überleben, um ihr Haus zu den Spielen zu bringen.


„Sanguii e Gloria! – Blut und Ruhm“ S. 139


Nachdem das Setting im ersten Band ein bisschen an einen Schulalltag denken lässt, so kommen einem im zweiten Band eher Eindrücke á la Hunger Games und Spartacus in den Sinn. Mias Ausbildung in Leonas Staffel gleicht in keinster Weise der feinen und leisen Art zu töten, die ihr in der Roten Kirche beigebracht wurde. Auf dem Sand gibt es keine Tricks und keine Fallen, sondern nur Blut und Ruhm. Es geht um die Unterhaltung der Zuschauer und dafür sollen die Krieger auf spektakuläre Weise fallen. Die Arenen werden dafür mit einer besonderen Technik ausgestattet, die sehr an die Hungerspiele erinnert und den Sand zu phantasievollen Kampfplätzen umgestaltet.
Die Kämpfe und Arenen haben mir sehr gut gefallen und waren richtig kreativ. Es war spannend und pulshochtreibend und ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich beim Lesen die Luft anhielt.

Mia muss sich aber nicht nur auf dem Sand beweisen, sondern auch ihre neuen Ausbilder von sich überzeugen. Zudem hat sie es dieses Mal nicht mit Akolythen zu tun, sondern mit ausgebildeten Gladiatoren. Sie leben zusammen, essen zusammen und kämpfen zusammen. Mia betrachtet die Gruppe bald als Freunde und hadert mit ihren Racheplänen. Das ist auch einer der Grundkonflikte des Buches, denn Mia stellt sich immer öfter die Frage, wie weit sie bereit ist, für ihre Rache zu gehen. Ein weiterer Konflikt ist Ashlinn Järnheim, die Akolythin, die die Rote Kirche verraten und Tric getötet hat. Ich habe anfangs sehr mit mir gekämpft, weil ich Ash den Mord an Tric nicht verzeihen kann und ihr deshalb den Auftritt im Buch nicht gönnte. Meinetwegen konnte das Mädchen in der Hölle schmoren… Aber nach und nach – während sie mit Mia zusammenarbeitete – lernte ich, darüber hinwegzusehen und ich muss zugeben, dass sie gut in die Handlung passt. [Ich hasse sie aber trotzdem und verzeihe ihr nie!]


„Als Bibliothekar hat man das Problem, dass es ein paar Lektionen gibt, die man nicht aus Büchern lernen kann. Und als Assassine hat man das Problem, dass es ein paar Geheimnisse gibt, die man nicht lösen kann, indem man wild auf sie einsticht.“ S. 124


Charakterlich hat sich Mia sehr entwickelt. Sie wirkt noch kälter und härter als im ersten Teil, noch furchtloser, jetzt, da zwei Begleiter in ihrem Schatten leben, die sich von ihrer Angst ernähren.
Mias Zwiespalt mit ihrer Rache macht sie zu einem äußerst facettenreichen Charakter. Einerseits wird sie vom Erzähler als eiskalte Mörderin beschrieben, was auch passt, denn wenn es um ihre Rache geht, kennt Mia keine Gnade. Die treibt sie an und mit dieser rechtfertigt sie alle (Fehl-) Entscheidungen. Gleichzeitig verspürt sie jedoch Mitleid, Empathie und Zuneigung. Sie fühlt sich mit den anderen Gladiatoren verbunden, missbilligt die Sklaverei und zögert bei dem Gedanken, Unschuldige zu töten. Letzteres war ja auch der Grund, warum sie die Abschlussprüfung der Roten Kirche nicht bestanden hat. Mias moralische Grundhaltung ist somit schwierig einzuschätzen und Jay Kristoff schafft es immer wieder, dass der Leser an ihr zweifelt.

Ein Highlight für mich waren die Schattenbegleiter. Nach dem Tod von Lord Cassius hat sich Eclipse an Mia gebunden, was dem eigensinnigen Herrn Freundlich natürlich überhaupt nicht passt. Die beiden Schattenwesen sind wahrlich wie Hund (naja Wolf) und Katz. Sie streiten sich die ganze Zeit und haben kein nettes Wort füreinander übrig. Ich fand die beiden zum Schreien komisch und konnte oft nur noch die Augen verdrehen, weil sie sich wie Kinder angegangen sind.

Was mich etwas gestört hat, war der bereits erwähnte Erzählstil bzw. der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wo dieser für mich im ersten Band noch Sinn ergab und Mias Kindheitstrauma aufarbeitete, so sehe ich in der Fortsetzung keinen triftigen Grund, warum die Handlung nicht chronologisch erzählt wurde. Ich hatte ständig das Gefühl, aus den Szenen gerissen zu werden, was meiner Meinung nach nicht nötig war, da die Ereignisse höchsten ein paar Monate umfassen. Doch trotz dieses kleinen Mankos überzeugt der Spannungsbogen des Buches, der mit den letzten Seiten noch einmal richtig an Fahrt aufgenommen hat.


„Die Angst ist ein Feigling.“ S 171


FAZIT

Nevernight: Das Spiel versucht einerseits die Handlung aus dem ersten Band aufzugreifen, fügt mit den Gladiatorenkämpfen aber auch einen völlig neuen Handlungsstrang dazu. Mia ist nun keine stille Assassine mehr, sondern kämpft in lauten Arenen um Blut und Ruhm. Ihre Rache treibt sie weiterhin an, doch es wird immer deutlicher, dass sie ein Gewissen besitzt – mag sie es auch noch so sehr leugnen. Der Schreibstil ist gewohnt ironisch und anspruchsvoll, was mir dieses Mal besser gefallen hat als noch im ersten Teil. Wahrscheinlich habe ich mich inzwischen daran gewöhnt. Für mich ist das Buch definitiv ein Lieblingsbuch und übertrifft seinen Vorgänger!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere