Romantische Komödie mit ernsten Hintergrundthemen
Say You’ll Remember MeIch habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein ...
Ich habe das Buch mit meinem Buchclub gelesen und muss ehrlich sagen, dass ich vorab sehr skeptisch war (bzw. generell gegenüber romantischen Komödien bin). Daher muss ich sagen, dass es zwar nicht mein Lieblingsbuch wird, mich aber positiv überrascht hat. Ich würde 3,5/5 Sternen geben.
Die Story ist – wie meistens in ähnlichen Büchern – natürlich relativ vorhersehbar und das Ende ist klar. Die Entwicklung der Geschichte, vor allem die Probleme, mit denen sich die Hauptfigur Samantha konfrontiert sieht, war aber sehr gut und nachvollziehbar beschrieben.
Kaum haben sich Samantha und der Tierarzt Xavier in Minnesota kennengelernt, zieht sie auch schon 3000 km weit weg in ihre alte Heimat Kalifornien, um gemeinsam mit ihren zwei Geschwistern, ihrem Vater und ihrer Großmutter ihre demenzkranke Mutter (im anscheinend riesigen Haus der Großmutter, in dem alle zusammenleben) zu pflegen. Die Demenz und die damit einhergehenden Symptome bzw. Verhaltensweisen fand ich gut beschrieben, auch die Familiendynamik und -konflikte haben mir gut gefallen und scheinen realistisch zu sein.
Teilweise konnte ich Handlungen der Familie aber nicht nachvollziehen, bspw. dass sie die Mutter keinesfalls in ein Heim geben, sondern sie zuhause pflegen wollen (löblich), dann aber einen Kredit aufnehmen, um das Haus zu renovieren, während sie die Mutter mit Medikamenten vollpumpen, damit sie mehr schläft (fragwürdig). So hat doch niemand etwas davon. Ein Argument gegen das Heim ist auch, dass es zu teuer wäre – dafür hätte man doch das Geld nehmen können? Eine neue Küche kann man auch später noch kaufen.
Da Xavier seine Praxis nicht einfach zurücklassen kann (um seinen toxischen Eltern zu beweisen, dass er kein Versager ist), versuchen die beiden es nach ein paar gescheiterten Versuchen, sich zu trennen, mit einer Fernbeziehung (weil dies natürlich die unsterbliche große Liebe ist). Auch die Gedanken der beiden (da die Kapitel abwechselnd aus beiden Perspektiven geschrieben sind) fand ich gut und nachvollziehbar beschrieben. Trennen und ein Leben ohne den bzw. die andere:n leben oder zusammenbleiben, aber dafür quasi nonstop arbeiten und nur noch für die wenigen Tage alle paar Monate leben, in denen man sich sieht? Dieses Schwanken zwischen Herz und Kopf kennen bestimmt viele Leser:innen. Hier kann man sich natürlich fragen, wie realistisch es ist, dass die beiden sich nach einem einzigen Date so unsterblich ineinander verliebt haben, dass sie diese ganzen Strapazen auf sich nehmen.
Was mich aber gestört hat war – wie es auch typisch in diesen Büchern ist – dass Xavier einfach ZU perfekt ist. Natürlich wird hier vor allem eine weibliche Fantasie bedient, aber der Mann hat ja wirklich keine einzige Schwäche. Nicht nur ist er optisch (natürlich) über 1,90 groß, durchtrainiert (mit Sixpack, obwohl er quasi nie Sport macht), hat kristallblaue Augen und verstrubbelte (was sonst) blonde Haare – nein, er opfert sich als Tierarzt für seinen eigenen Patienten auf und arbeitet ehrenamtlich im Tiernotdienst.
Er arbeitet 80 Stunden die Woche, um die Flüge zu Samantha zu finanzieren und wenn er da ist, ist er der geduldigste, verständnisvollste und fürsorglichste Mensch der Welt, kümmert sich um alle, denkt an alles, hat für alles eine Lösung. Außer ein paar Augenringen zeigt er keine Anzeichen von Überforderung – das ist doch nicht realistisch, große, unsterbliche Liebe hin oder her.
Abgesehen von seiner Tätigkeit als Tierarzt fand ich den Umgang mit Tieren aber sehr fragwürdig. Zum einen geht er an einer Stelle in den Zoo (gerade Tierärzten sollte klar sein, dass Zoos die letzten Orte sind, an denen es Tieren gut geht), auch sein privater Hund wird nur hin und her geschoben und Samanthas Katze ist die ganze Zeit sich selbst überlassen. Ab und zu wird erwähnt, dass sie sie füttert, ansonsten scheint sie aber viel zu oft weg oder beschäftigt zu sein, um das Tier artgerecht zu halten (Einzelhaltung kann sowieso nicht artgerecht sein). Dass beide Fleisch essen finde ich persönlich vor dem Hintergrund auch inkonsequent.
Das Ende war wie zu erwarten recht kitschig, aber durchaus halbwegs realistisch gelöst. Generell mag ich persönlich den „Die Frau ist ohne den Mann, der sie retten muss, lebensunfähig und mit allem überfordert“-Plot einfach nicht. Natürlich würde sie alles auch ohne ihn schaffen, es braucht keinen Mann, der die Frau in Nöten rettet. Klar ist es schön, Unterstützung zu haben, es war mir am Schluss aber zu pathetisch à la „Wir haben uns schon in einem anderen Leben geliebt“.
Alles in allem aber ein kurzweiliger Roman, der auch ernste Töne hat, wodurch (zumindest Samantha) nahbarer wirkt. Der Schreibstil (bzw. die Übersetzung) hat mir auch gut gefallen. Aber (sorry) die Senf-Posts waren alle absolut nicht witzig (das lag hier wahrscheinlich dann doch an der Übersetzung, vielleicht sind die Originale wirklich funny).