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Veröffentlicht am 30.12.2025

Was ist Heimat? Was bedeutet Freiheit?

Trag das Feuer weiter
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Die Autorin entfaltet auch im dritten Teil ihrer Familientrilogie wieder furios das ganze Kaleidoskop der Familie Belhaj, bzw. Daoud mit all ihren Facetten bei den verschiedenen Mitgliedern.

Virtuos wechselt ...

Die Autorin entfaltet auch im dritten Teil ihrer Familientrilogie wieder furios das ganze Kaleidoskop der Familie Belhaj, bzw. Daoud mit all ihren Facetten bei den verschiedenen Mitgliedern.

Virtuos wechselt sie von einem zum anderen und schreibt aus Sicht ihrer Protagonisten meist im auktorialen Erzählstil, aber auch die Ich-Perspektive verwendet sie, z. B. bei Mia und ihrer Mutter.

Durch den rasanten Austausch der handelnden und beschriebenen Personen in allen drei Generationen in den einzelnen Kapiteln und dem Wechsel der Erzählperspektiven und Lebensumstände muss man als Lesender stets am Ball bleiben, um alles aufnehmen und verstehen zu können, zudem die Autorin auch noch Rückblenden einbaut.

Die gesellschaftlichen Unterschiede innerhalb der Kulturen und zwischen den Kulturen schildert sie mit einer Leichtigkeit wie nebenbei, so dass man das Erleben von Mia und Ines im Wechsel dieser und ihre existentiellen Fragen dazu gut nachvollziehen kann. Die Korruption in Marokko, der Mehdi zum Opfer fällt, wird ebenso anschaulich beschrieben wie die menschliche Kälte in der Elite von Europa. Dass Mia lesbisch ist, macht ihr das Leben – gerade in Marokko – auch nicht gerade einfacher.

Ines Traum von der männerlosen Gesellschaft wird am Ende des Buches nach dem Tod von Amine und Mehdi fast Wirklichkeit, denn nun ist nur noch Selim im fernen New York als Mann in der Familie übrig.
Das letzte Kapitel, das in Ich-Perspektive aus Mias Sicht geschrieben ist, lässt mich traurig und nachdenklich zurück, denn es zeigt, dass Mia sich selbst und ihren Platz in dieser Welt noch nicht gefunden hat. Sie nimmt keine Erinnerungsstücke von der Farm ihrer Großeltern mit, möchte sich aber am liebsten in einem Roman vor der Welt verstecken. Dass ihr Vater acht Jahre nach seinem Tod von allen Vorwürfen freigesprochen wird, ist auch kein Trost, denn wem nützt das jetzt noch?

Ein sehr intensives Buch über eine zerrissene Familie, die Halt, Sinn und Heimat für sich sucht und doch an der Wirklichkeit scheitert.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Gefühlswelten beschreiben

Die Welt in mir
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Was Gefühle mit uns machen und wie wir sie erleben, ist nicht leicht in Worte zu fassen, und gerade für Kinder Neuland. Dieses bezaubernde Buch hilft in Wort und Bild dabei, über Empfindungen zu sprechen ...

Was Gefühle mit uns machen und wie wir sie erleben, ist nicht leicht in Worte zu fassen, und gerade für Kinder Neuland. Dieses bezaubernde Buch hilft in Wort und Bild dabei, über Empfindungen zu sprechen und sie zu beschreiben.

Das Kind im Buch beschreibt sein eigenes Inneres mit poetischen Worten. Es schildert die Gefühlsvielfalt in sich selbst, in seinem Herzen und zieht Vergleiche mit der Natur: „An manchen Tagen bin ich schüchtern wie der Sonnenaufgang. Golden schimmernd lugt er hinter den Bergen hervor.“ Oder „An anderen Tagen bin ich voller Freude. Mein Lachen sprudelt über wie der Fluss.“ An keinem Tag ist man oder fühlt sich genauso wie an einem anderen. Ganz verschiedene Empfindungen und Gefühle sind möglich.

Schon der Buchdeckel ist besonders, denn hier wurde ein Herz ausgespart/ausgeschnitten, dass auf ein rotes Herz auf der Seite dahinter blicken lässt. Und so geht es weiter: Auf jeder rechten Seite ist in der gemalten Landschaft ein Bogen ausgespart, der auf die nächsten Seiten hindurchblicken lässt und langsam von Seite zu Seite durch neue Aussparungen erweitert wird, bis man am Ende auf eine sehr bunte Landschaft auf der letzten Seite blickt.

Die Zeichnungen sind bunt, leicht verwaschen und pastellig gehalten und ziehen sich immer über die gesamte Doppelseite hin. Der Text ist stets auf jeder Einzelseite in die Bilder eingefügt. Dabei sind die Gefühle größer als die übrigen Worte und fett gedruckt. Jedes Bild zeigt ein (positives) Gefühl des Kindes, das es gerade benennt, und es selbst ist dabei mitten drin, aber auch noch mehr. So ist z. B. der übersprudelnde Fluss der Freude bevölkert von Wassertieren und Bäume stehen an seinem Ufer.
Die Atmosphäre, die die Illustrationen erzeugen, ist - wie der Text - stets positiv und lädt zum Träumen und Nachdenken ein. Die Lesenden können sich so sofort mit dem angesprochenen Thema identifizieren.

Dazu fordert auch die letzte Doppelseite mit Text und Bild auf: „Auch du trägst eine Welt in dir. Sie ist anders als meine und ebenso besonders. Weißt du, welche Wunder in dir wohnen?“

Ein bezauberndes Bilderbuch mit ganz viel Tiefgang zum Nachdenken über sich selbst!

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Mission Moor

Die Grummelhummel
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Moore sind ganz besondere Naturlandschaften, die es zu schützen gilt, nicht nur für die Tiere und Pflanzen, die dort leben, sondern auch für uns Menschen selbst, denn sie speichern Kohlenstoffdioxid. Die ...

Moore sind ganz besondere Naturlandschaften, die es zu schützen gilt, nicht nur für die Tiere und Pflanzen, die dort leben, sondern auch für uns Menschen selbst, denn sie speichern Kohlenstoffdioxid. Die Grummelhummel möchte jedoch nur ihren Glockenblumennektar haben.

In diesem Bilderbuch geht es augenscheinlich um einige Insekten, eine Spinne und einen Regenwurm, die versuchen, ihre hungrige Freundin, die Hummel, wieder fröhlich zu machen, denn sie ist grummelig, weil sie Hunger hat, aber keine ihrer geliebten Glockenblumen zum Nektartrinken findet.
So überreden sie sie, mit ihnen ins Moor zu kommen, weil es dort (noch) Glockenblumen geben soll. Als sie dort ankommen, ist dem aber nicht so, denn das Moor ist ausgetrocknet. Die Hummel ist nun noch viel „saurer“, außerdem treffen sie eine Moorhexe an ihrem freien Tag, die sie darum zu den Tüpfelfeen schickt. Diese können nur reimen.
In Reimform erklären sie den Tieren, was zu tun ist, damit das Moor wieder feucht wird. Und so machen sich die Tiere wie kleine Gärtner an die Arbeit und zack! geht es dem Moor schnell wieder besser. Die Hummel hat dann auch gleich wieder gute Laune.
Mit dieser meiner Meinung nach sehr chaotischen, an den Haaren herbeigezogenen Geschichte will die Autorin und Illustratorin Kinder auf den Schutz der Moore aufmerksam machen, denn auf den letzten zwei Seiten und dem Einband gibt es dann noch sachliche Informationen zum Thema Moore und was Kinder zu ihrem Schutz tun können.
Die Insekten sind hierbei stark vermenschlicht und auch die Zeichnungen wenig naturgetreu. Das Benutzen von Werkzeug vollendet die Vermenschlichung, so dass sie eher wie Kinder wirken.
Die Illustrationen sind knallig bunt, manche Tiere haben dabei nicht ihre eigentliche Farbe (die Ameise ist blau, die Spinne ist in Pastelltönen gehalten) Mimik und Gestik sind oft im Comicstil, also überzeichnet.
Der erzählende Text auf jeder Seite ist für ein Bilderbuch relativ lang und teilweise schwierig, also eher etwas für geübte LeserInnen.
Ein netter Versuch auf die Klimarelevanz der Moore hinzuweisen, aber es gibt für dieses Thema bestimmt treffendere Bilderbücher!

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Eiskalt und düster

Das Ganymed-Fragment
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Der Ermittler Alan Bishop wird im Jahr 2225 von der Raumstation auf dem Zwergplaneten Ceres zur Mine auf dem Jupitermond Ganymed gerufen, als dort ein Minenarbeiter unter seltsamen Umständen ums Leben ...

Der Ermittler Alan Bishop wird im Jahr 2225 von der Raumstation auf dem Zwergplaneten Ceres zur Mine auf dem Jupitermond Ganymed gerufen, als dort ein Minenarbeiter unter seltsamen Umständen ums Leben kommt.

Schon bald ist ihm klar, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Mächtige Industriekonzerne sind an dem interessiert, was der Minenarbeiter und seine zwei Kollegen gefunden haben und nicht nur aus diesem Grund werden Bishop bei seinen Ermittlungen viele Steine und Gefahren in den Weg gelegt.
Dieses Buch ist eher ein sehr düsterer Krimi mit allem, was es dabei so braucht: ein abgewrackter, desillusionierter Ermittler, eine sehr trostlose, heruntergekommene, in diesem Fall noch eiskalte Umgebung, hoffnungslose Gestalten, u. v. m., als Sciencefiction, obwohl seine Handlung in der fernen Zukunft im Weltall stattfindet.

Aber hier geht es um noch mehr: Industriespionage, skrupellose Methoden für eigenen Gewinn, Machtintrigen, Verschwörungen, aber auch um persönliches, (gescheitertes,) menschliches Leben und ein moralisches Dilemma. So wirkt das Buch fast schon überfrachtet mit Themen und einer gewissen Brutalität.

In seinem Nachwort schreibt der Autor seine Gedanken zu diesem Buch, u. a. „Alles, was hier erzählt wurde, entspringt einer möglichen Zukunft – aber letztlich auch immer unserer Gegenwart,“ denn „die Einsicht, dass es keine einfachen Lösungen gibt und dass am Ende jeder seinen eigenen Preis zahlen muss“ ist schon jetzt Fakt.

So kann jeder aus diesem Buch, die für ihn passenden Gedanken mitnehmen. „Vielleicht bleibt auch nur das Gefühl, dass hinter jedem wissenschaftlichen Fortschritt, hinter jedem technischen Triumph immer der Mensch steht – mit all seinen Zweifeln, Fehlern und Hoffnungen.“

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Zur Kunst und zum Leben der eigenen Träume anstiften

Urwaldtrip
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Welche Träume hast du? Möchtest du Pilot, Feuerwehrmann, Polizist, Forscher oder Künstler werden? Dieses Buch macht Mut an seinen Träumen festzuhalten und sie zu verwirklichen.
In diesem Bilderbuch aus ...

Welche Träume hast du? Möchtest du Pilot, Feuerwehrmann, Polizist, Forscher oder Künstler werden? Dieses Buch macht Mut an seinen Träumen festzuhalten und sie zu verwirklichen.
In diesem Bilderbuch aus dem Kunstanstifter Verlag malt und schreibt die Autorin und Illustratorin über ihren Freund, der schon von klein an unbedingt Affenforscher werden wollte und dies dann auch wurde.
Sie beschreibt darin aus seinem Erzählen heraus, wie schön der Urwald mit seinen Tieren und Pflanzen ist, aber auch von den Schwierigkeiten, die das Leben als Forscher dort mit sich bringt.
Die Zeichnungen sind bunt und scheinen, als wenn ein älteres Kind sie gemalt hätte. So wirken sie sehr nahbar und nachmalbar, was Kinder bestimmt auf die Idee bringt, dies zu tun. Das Buch ist dick und bietet so sehr viel Anschauungsmaterial und Nachmalideen von Gesichtern, über Tiere und Pflanzen bis hin zu Landschaften. Strich für Strich und Farbe für Farbe kann man beim Ansehen dieses Werkes erkennen, wie so ein Bild entstanden ist und es selbst ausprobieren. Der Text ist dabei wohl extra kurzgehalten, damit die Illustrationen noch mehr wirken können.
Somit sind wir wieder beim Namen des Verlages, in dem dieses Buch veröffentlicht wurde: Kunstanstifter. Ja, das tut dieses Buch bestimmt.
Es bewirkt aber auch noch etwas anderes, nämlich die Sehnsucht, an seinem Traum festzuhalten und ihn trotz Schwierigkeiten auch zu verwirklichen. Darauf verweisen auch die letzten drei Doppelseiten des Werks, auf denen die Autorin auf ihr erträumtes eigenes Abenteuer verweist, das vielleicht bald Wirklichkeit wird.
Dies ist somit ein ganz besonderes Bilderbuch mit sehr viel Potential für seine (kleinen) LeserInnen.

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