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Veröffentlicht am 12.02.2025

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Unter Grund
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In ihrem Debütroman schreibt die Autorin über eine Jugend auf dem Dorf mit allen Schwierigkeiten, dem Zorn über Dinge, die man nicht ändern kann, und die eigene Familie, die man auch nicht ändern kann.

Franka, ...

In ihrem Debütroman schreibt die Autorin über eine Jugend auf dem Dorf mit allen Schwierigkeiten, dem Zorn über Dinge, die man nicht ändern kann, und die eigene Familie, die man auch nicht ändern kann.

Franka, Ende zwanzig, die mittlerweile als Referendarin in München arbeitet, besucht mit ihrer Klasse und ihrem Ausbildungslehrer die Abschlussplädoyers zum NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht München. Als ein Schüler die Anklagte „Nazischlampe“ nennt, brechen bei Franka alte, lange verschwiegene Erlebnisse ans Licht.

Kurz entschlossen packt sie ihre Sachen und fährt in ihr Heimatdorf, um sich diesen zu stellen, denn sie hat viel zu lange geschwiegen. In Rückblenden zwischen dem aktuellen Geschehen erfahren die Lesenden, dass Franka selbst für kurze Zeit zur rechten Szene ihres Dorfes gehört hat und was in dieser Zeit vorgefallen ist. In der Jetzt-Zeit erfährt sie, dass auch ihre Großmutter zu Hitlers Zeiten überzeugte Anhängerin des Nationalsozialismus war.

Endlich kann Franka diese Geschehnisse erneut durchdenken und bewerten und mit ihrer Tante und Mutter darüber sprechen, auch über die Reaktionen der beiden, als sie von Frankas Ausrichtung erfuhren.

Behutsam erzählt die Autorin von einer Jugend, die belastet war durch den frühen Tod des Vaters, das sich von der Mutter unverstanden und nicht-aufgefangen gefühlte Erleben des Kindes und der harten, von allen im Dorf als „Fuchsin“ gefürchteten Großmutter.

Franka durchlebt ihre Schulzeit als Außenseiterin, die sich bei Patrick und Janna aus der rechten Szene endlich angenommen fühlt, und bei ihren Aktionen erst merkt, wie viel unverarbeitete Wut auf das Leben in ihr steckt. Dabei erschrickt sie auch über sich selbst, über das, wozu sie fähig ist.
Am Ende kann Franka nach den Aussprachen mit ihrer Mutter und Tante wieder in ihr neues Leben in München zurückkehren und will ihr vorheriges Leben nicht länger verschweigen. Sie ist aus dem „Untergrund“ wieder aufgetaucht und sinkt mich mehr unter ihn.

Ein ernsthaftes, feinfühliges Buch zu einem aktuellen Thema – sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Starke Frauengestalt

Die Eigensinnige
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Inhalt:
In ihrem Roman „Die Eigensinnige“ erzählt die Autorin Lucca Müller frei über das Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, angefangen in ihrer Jugend 1847 auf dem Landgut ihrer Eltern ...

Inhalt:
In ihrem Roman „Die Eigensinnige“ erzählt die Autorin Lucca Müller frei über das Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, angefangen in ihrer Jugend 1847 auf dem Landgut ihrer Eltern in Zdislawitz im heutigen Tschechien bis ins Jahr 1884, diesmal mit ihrem Ehemann Moritz auf dem Gut in Zdislawitz, wo sie eine Schule planen, und der Kreis des Buches sich schließt. Im Nachwort ergänzt die Autorin noch Daten bis zu ihrer beider Tod.

Zum Buch:
Mitreißend beschreibt die Autorin das Leben ihrer Protagonistin, die mit „eigensinnig“ für die damalige Zeit sehr gut beschrieben wird. Schon früh weiß Marie, dass sie Schriftstellerin werden, auch wenn das noch in weiter, fast unerreichbarer Ferne liegt, und ihren weitaus älteren Cousin Moritz heiraten möchte, weil dieser ein fortschrittlicheres und verständnisvolleres Wesen an den Tag legt, als viele Männer ihrer Zeit, angefangen bei ihrem Vater.
So lehnt sich Marie gegen ihren Vater und ihre Stiefmutter und somit auch die Konventionen dieser Zeit, nämlich, was eine (adelige) Frau zu tun und zu lassen hat, mit mal mehr, mal weniger Erfolg auf. Ein Leben, das Marie nicht führen möchte, bekommt sie anhand des Lebens ihrer Stiefmutter oder ihrer Tante klar vor Augen geführt, einmal als Ehefrau und einmal als arme (geduldete) Witwe.
Auch ihr Ehemann bleibt ein Kind seiner Zeit. Zu ihrem Leidwesen bekommen sie keine Kinder und treffen auch beide falsche Entscheidungen, unter denen ihre Ehe zwischenzeitlich sehr leidet. Doch ihre Liebe überdauert auch diese und so finden sie wieder zusammen.
Interessant ist außerdem, dass auch andere Frauen in Maries Umgebung das Bedürfnis haben, mehr zu tun, als man ihnen zugesteht und erlaubt, mit denen sie sich anfreundet. So geben diese Gesellschaften in ihren Häusern, zu denen Wissenschaftler und Literaten eingeladen werden. Auf einer dieser Gesellschaften gründen fünf von ihnen einen Verein für Not leidende Frauen.

Fazit:
Die Autorin erhebt beim Erzählen ihrer Geschichte keinen Anspruch auf historische Wahrheit, sondern lässt ihren Roman nur auf dem Leben der Schriftstellerin basieren. Wer eine Biografie erwartet, wird also enttäuscht werden. Wer aber einen mitreißenden Roman mit einer starken Hauptfigur - in der historischen Zeit verankert - mit authentischen, lebendig ausgeführten Nebenfiguren lesen möchte, wird mit diesem Buch bestens bedient.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Ernstes Thema, knuffig erzählt

Josch der Frosch: Abenteuer im Regenwald
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Auf dem Cover lacht die Lesenden gleich ein knuffiger grüner Frosch mit riesigem Kopf und ebenso großen Augen im Kindchenschema mit Tropenhelm auf dem Kopf, auf dem eine damenhafte Stabschrecke sitzt, ...

Auf dem Cover lacht die Lesenden gleich ein knuffiger grüner Frosch mit riesigem Kopf und ebenso großen Augen im Kindchenschema mit Tropenhelm auf dem Kopf, auf dem eine damenhafte Stabschrecke sitzt, an.
Schlägt man das Bilderbuch auf, erscheint auf der Umschlagsdoppelseite vorne und hinten innen ein sehr atmosphärisch gemaltes Bild einer fast leeren Dschungellichtung – ein „Sehnsuchtsbild“.
Das Buch lebt von seinen großen ein- oder zweiseitig gehaltenen Bildern, die in kräftigen, bunten Farben stets eine fröhliche, positive Stimmung vermitteln. Die auftretenden Dschungeltiere – hier aus Südostasien – sind stark vermenschlicht in Mimik, Gestik und ihrem Handeln dargestellt. Zusammen mit Josch, dem Frosch, und Daggi, der Stabschrecke, gelingt es ihnen, die Waldarbeiter und ihre Bagger, die gerade den Wald abholzen, zu vertreiben. Dabei bricht auch noch ein Feuer aus, das die Tiere auf Joschs Geheiß hin löschen, auch um die Menschen zu retten.
Die ganze Geschichte stellt das Problem der Regenwald- und damit Lebensraumvernichtung der dargestellten Tiere in einer Leichtigkeit und Abenteuerlust dar, die dem ernsten Thema nicht angemessen sind, aber bestimmt die angestrebte Zielgruppe der ab 3jährigen abholt. Diese werden bestimmt mit Josch und seinen Freunden mitfiebern und sich über den guten Ausgang freuen.
Auch die Namen der Tiere sind lustig gewählt, wobei dies bestimmt mehr älteren Lesern auffallen wird (der Orang-Utan heißt Olaf Utan, der Komodowaran Babsi). Witzig gemacht ist auch, dass Josch in Babsis Exkremente tritt und sich nicht vorstellen kann, dass ein Tier so große Haufen macht. So hält er sie auch für einen Dinosaurier.
Um das wichtige Thema dennoch angemessen zu würdigen und auf den Ernst der Lage zurückzukommen, ist die letzte Doppelseite der Informationsvermittlung gewidmet. Hier wird kurz erklärt, was der tropische Regenwald und was ein Komodowaran ist, über die gefährliche Abholzung des Regenwaldes gesprochen, die „Biosphäre Potsdam“ vorgestellt, in der Daggi und Josch leben, und schließlich kindgerechte Tipps gegeben, wie wir den tropischen Regenwald schützen können.
So kann dieses Buch bestimmt bei jüngeren Lesenden erstes Kennenlernen und Verständnis für dies schützenswerte Ökosystem anbahnen.

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Veröffentlicht am 13.12.2024

Nostalgisch und anders

Schnee
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Das Wort "Schnee" weckt in vielen Menschen nostalgische Gefühle. Viele haben ihre eigenen Erlebnisse mit Schnee, sei es Rodeln, Skifahren, Schneemannbauen oder Schneeballschlachten. Auch dieses Buch geht ...

Das Wort "Schnee" weckt in vielen Menschen nostalgische Gefühle. Viele haben ihre eigenen Erlebnisse mit Schnee, sei es Rodeln, Skifahren, Schneemannbauen oder Schneeballschlachten. Auch dieses Buch geht von Kindheitserinnerungen mit Schnee aus.

Ein Junge erinnert sich, dass die liebste Jahreszeit seines kleinen Bruders - und wohl auch seine eigene - der Winter war, weil dort Schnee fiel, Schnee, mit dem man so viel machen konnte.

Eines Winters bauten ihre beiden großen Brüder in einer besonders großen Schneewehe eine Höhle. Die beiden kleinen bauten heimlich weiter, bis alles zusammenbrach. Erst waren die Älteren sauer, aber dann bauten sie aus Schneekugeln ein neues Bauwerk, bis der Onkel zeigte, wie man einen Iglu baut.

Danach erzählt die Autorin und Illustratorin weiter von den Schneeerlebnissen der Jungen, bis zum Heimkommen in die Wärme des Hauses.

So weit sieht dies wie eine ganz „normale“ nostalgische Bilderbuchgeschichte aus, doch die Bilder zeigen noch etwas anderes. Die Kinder wirken durch ihre Gesichtszeichnungen – längliche Augen, kleine Nasen – nicht europäisch, manche Illustrationen haben etwas vom Stil der Manga-Comics. So sehen auf einigen Seiten die Schneegebilde wie kleine Lebewesen aus, auf anderen wieder nicht.

Als die Brüder sauer auf die Kleinen sind, erscheinen sie als wütende, fauchende und ihre Krallen ausfahrende Eichhörnchen, die die kleinen Brüder, jetzt ebenfalls als Eichhörnchen, auf der nächsten Doppelseite jagen.

Bevor die KInder nach Hause kommen, gibt es noch einmal eine Doppelseite mit friedlichen Eichhörnchen, die vom ersten Satz des Textes her hier als Tiere sein könnten, durch die weiteren auf dieser Doppelseite aufgeschriebenen Erinnerungen aber auch schon wieder die Geschwister darstellen könnten.

Die meisten Illustrationen sind in Weiß – durch den Schnee – und verwaschenen Grau-Blau-Grün-Tönen gehalten und werden dann durch intensive „Farbkleckse“ wie z. B. die orangefarbenen Eichhörnchen oder die bunt angezogenen Kinder (und Erwachsenen) ergänzt. Nur die letzte Doppelseite, auf der der Heizungskeller mit aller Kleidung zum Trocknen dargestellt wird, fällt aus dieser Reihe heraus. Die einzelnen Details in den Bildern sind immer klar mit schwarzen Strichen umrissen.

So spielt das Buch mit Vertrautem und Unbekanntem, mit der Vorstellung, dass Kinder in einem anderen Land dieselben Erlebnisse mit Schnee haben wie wir hier, und auch mit Realität und Fantastik – eine ganz besondere Erzählweise in einem Bilderbuch.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Traumhaft schön!

Eine Nacht im Ozean
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Was geschieht nachts im, am und auf dem Ozean? Diese Ereignisse zeigt dieses wunderschöne Bilderbuch in beeindruckenden Bildern und kurzen Texten.

Auf Doppelseiten stellt die Autorin und Illustratorin ...

Was geschieht nachts im, am und auf dem Ozean? Diese Ereignisse zeigt dieses wunderschöne Bilderbuch in beeindruckenden Bildern und kurzen Texten.

Auf Doppelseiten stellt die Autorin und Illustratorin farbenstark und traumhaft schön das Leben der Tierwelt abends und in der Nacht am, über und im Ozean dar. Das ganze Buch erstrahlt im Licht der unter- oder aufgehenden Sonne in Gelb- und Orangetönen oder im Licht des Mondes in Weiß bis Dunkelblau. Dazu schreibt sie kurze Sachtexte über die jeweiligen Tiere, die zu sehen sind.

Das Buch ist kaum einem Genre zuzuordnen: Ist es ein Bilderbuch? Ein Sachbuch mit Bildern? Oder doch ein Kunstbuch mit Texten?

Die Lesenden können nicht nur die überwältigend schönen Bilder genießen, sondern sich auch noch Wissen über Meerestiere aneignen. Das geht vom Basstölpel über Lederschildkröten und Delfine bis hin zu den kleinsten Lebewesen, dem Plankton, das so viel Leben im Meer erst ermöglicht, und den größeren, wie dem Walhai, der sich vom Plankton ernährt.

Dazu erfahren die Lesenden auch noch etwas über Kuriositäten, wie die Blase des Papageienfisches, das Treiben der Blaupunktrochen, die Schnelligkeit der Fächerfische und die Fliegenden Fische.

Ein rundherum zu empfehlendes Buch zum Lesen, Lernen und Genießen! Unbedingt ansehen!

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