Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
online

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2026

Unaufgeregt, aber schön

Gern gesehene Gäste
0

Unaufgeregt, aber schön

Matteo war schon immer ein Einzelgänger. Sich auf andere Menschen einzulassen fällt ihm schwer; viele gesellschaftliche Konventionen sind ihm ein Rätsel. Doch der Fünfundzwanzigjährige ...

Unaufgeregt, aber schön

Matteo war schon immer ein Einzelgänger. Sich auf andere Menschen einzulassen fällt ihm schwer; viele gesellschaftliche Konventionen sind ihm ein Rätsel. Doch der Fünfundzwanzigjährige ist ganz zufrieden mit seinem Leben als Zimmermann. Als er zusammen mit seinem Kollegen William ein altes Haus im Elsass renoviert, gerät er in den Bann des charismatischen Schriftstellerehepaares Keira und Eric. Trotz des großen Altersunterschieds verstehen sich Keira, Eric und Matteo prächtig. Matteo ist voll Bewunderung für die Arbeit der beiden, für ihre Zuneigung zueinander. In ihrer Nähe fühlt er sich einfach wohl. Als Matteo Eric auf einer Lesereise begleitet, meint er, hinter die Fassade zu blicken. Seine Bewunderung bekommt Risse.

Wie man es von Thommie Bayer gewohnt ist, kommt auch dieses nur 208 Seiten umfassende Buch auf leisen Sohlen daher. Ganz unaufgeregt lässt der Autor uns auf die Leben dreier Menschen blicken, auf ihre Freundschaft, auf die Liebe zur Literatur, zu Tieren und zu anderen Dingen. Vor allem Matteo ist mir dabei sehr ans Herz gewachsen. Dieser junge Mann ist so durchdrungen von Güte, dass es einem ganz warm ums Herz wird. Mir gefiel seine Entwicklung im Verlauf der Handlung sehr gut.

„Gern gesehene Gäste“ ist ein feines Buch, das ich gerne weiterempfehle, auch wenn mir das i-Tüpfelchen zur 5-Sterne-Bewertung fehlte.

★★★★☆

Veröffentlicht am 14.04.2026

Achtung: Trigger!

Die Namen
0

Achtung: Trigger!

1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie ...

Achtung: Trigger!

1987. Gordon schickt seine Frau Cora zum Standesamt, um den Namen ihres neugeborenen Jungen eintragen zu lassen. Nach alter Familientradition soll das Kind wie der Vater heißen, wie der Großvater und all die Männer davor. Doch Cora, die sich schon viel zu lange viel zu viel gefallen lässt, hat einen kurzen rebellischen Moment und wählt einen anderen Namen.

In der Folge spaltet sich die Handlung in drei Stränge, die das Leben der Familie und vor allem das des Jungen beleuchten, wie es hätte verlaufen können, je nachdem ob er nun Bear heißt, was seine neunjährige Schwester Maia sich wünscht, Julian, Coras Favorit, oder eben doch Gordon. Abwechselnd werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der Familie in der Perspektive der verschiedenen Namensträger, Bear, Julian und Gordon. Dabei machen wir immer wieder Sprünge von sieben Jahren. Auf Dauer fand ich das sehr verwirrend. Ich musste mir immer wieder klarmachen, um welchen Namensträger es gerade geht und in welchem Sieben-Jahres-Abschnitt ich mich gerade befinde. Erschwerend wirkt hier, dass andere Charaktere zum Teil auch in allen drei Handlungssträngen vorkommen, sich aber ganz anders verhalten. Es ist verwirrend, wenn in einem Strang eine Figur bereits gestorben ist, im anderen sieben oder vierzehn Jahre später aber noch lebt. Mir schwirrte davon jedenfalls der Kopf.

Die Idee zu Florence Knapps Debütroman ist durchaus gut, aber die Autorin wollte meines Erachtens zu viel hineinpacken, sodass manchem Aspekt leider die Tiefe fehlt. Im Aufbau hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht und vor allem eine deutliche Triggerwarnung, denn was Cora von ihrem Ehemann erleiden muss, ist schier unerträglich, zumal es ausführlich beschrieben wird.

Die Ausgangssituation mit dem gewalttätigen Ehemann/Vater ist für alle drei Lebensvarianten gleich, und so ist die Stimmung auch in allen drei Handlungssträngen recht düster. Mich hat das zu sehr runtergezogen. Ein bisschen mehr Gutes und Hoffnungsvolles wäre schön gewesen.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 13.04.2026

Unausgegorener Fantasy-Auftakt

The House Witch 1
0

Unausgegorener Fantasy-Auftakt

Ich habe mich von dem tollen Cover und dem interessanten Klappentext, aber auch noch von der Leseprobe blenden lassen. Leider konnte mich das Buch dann nicht begeistern. ...

Unausgegorener Fantasy-Auftakt

Ich habe mich von dem tollen Cover und dem interessanten Klappentext, aber auch noch von der Leseprobe blenden lassen. Leider konnte mich das Buch dann nicht begeistern.

Der junge Finlay Ashowan kommt als neuer Koch an den Königshof. Was niemand erfahren soll: Fin ist eine Hexe. Doch er stellt sich so ungeschickt dabei an, sein Geheimnis zu wahren, dass ganz schnell ganz viele Leute davon wissen. Und es passiert … nichts. In diesem Stil werden Dinge aufgebauscht, ohne dass irgendeine Konsequenz daraus resultiert. Es werden viele, viele Seiten gefüllt, die man besser weggelassen hätte, um eine interessante, straffe Story zu erzählen. So musste ich den roten Faden zwischen all den nebensächlichen Szenen immer wieder von Neuem suchen, was ziemlich ermüdend und ernüchternd war.

Dabei waren die Figuren größtenteils toll und ich wollte gerne an ihrem Schicksal teilhaben, aber die oft ausufernden Beschreibungen und der für mich langweilige und zuweilen holperige Erzählstil verhinderten dies. Manche Sätze wirkten wie von einem Fünftklässler. Etliche Fehler, Ungereimtheiten und pubertärer Humor vermiesten mir das Lesen zusätzlich. Auch die Alkoholexzesse, die die Autorin wohl witzig fand, fanden bei mir keinen Anklang.

Die Idee zu diesem Buch ist klasse, es sind auch durchaus gute Ansätze vorhanden, aber insgesamt ist die Umsetzung doch eher dürftig. Es passiert recht wenig, und am Schluss ist genau ein loser Faden zu Ende geknüpft. Alles andere muss auf die nächsten Bände warten oder versickert vielleicht auch einfach nur im Nirwana. Das fand ich ziemlich enttäuschend.

Es handelt sich bei dieser Reihe um cosy Fantasy. Ich mag cosy, wenn es trotzdem spannend ist und handwerklich gut gemacht. Spannung sucht man bei diesem Buch aber leider vergeblich. Und was das Handwerkliche angeht, ist definitiv noch Luft nach oben.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 08.04.2026

Ein Schloss voller Geheimnisse

Red as Royal Blood
0

Ein Schloss voller Geheimnisse

Ruby kam als elternloses Baby ins Schloss, wo sie von der Köchin aufgezogen wurde. Später muss sie als Dienstmagd arbeiten. Die Höhepunkte ihrer Tage sind die heimlichen ...

Ein Schloss voller Geheimnisse

Ruby kam als elternloses Baby ins Schloss, wo sie von der Köchin aufgezogen wurde. Später muss sie als Dienstmagd arbeiten. Die Höhepunkte ihrer Tage sind die heimlichen Schachspiele mit Prinz Rowan. Doch dann stirbt der König und hat sie in seinem letzten Willen zu seiner Nachfolgerin ernannt. Kein Wunder, dass Ruby von den Kindern des Königs und seiner Witwe angefeindet wird. Sie selbst ist auch gar nicht so glücklich in ihrer neuen Rolle, versucht aber das Beste daraus zu machen. Als ihr klar wird, dass der König starb, sondern ermordet wurde, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Ruby ist eine tolle Protagonistin. Sie ist unheimlich tough, loyal und gütig. Auch Intelligenz wird ihr nachgesagt, wobei ich hier manchmal meine Zweifel bekam, wenn sie mal wieder zu vertrauensselig ist, obwohl sie schon zig Mal gewarnt wurde, dass sie niemandem im Schloss vertrauen darf. Denn fast jeder im Schloss hat ein Geheimnis, fast jeder lügt, und die wenigsten haben irgendwelche Skrupel, wenn es um den eigenen Vorteil geht.

Für mich war fast jeder zu irgendeinem Zeitpunkt mal verdächtig. Doch das Bild wendete sich ständig und schwupps, war der nächste Verdächtige auf dem Plan. Doch nicht nur die Mördersuche war ein ständiges Hin und Her, sondern auch die verschiedenen Romanzen. Es dauerte recht lange, bis sich hier herauskristallisierte, wer mit wem … Das fand ich ganz gut so.

Vieles ist verzwickt und man fragt sich anfangs (oder auch später noch) ungläubig, ob sich das wohl auflösen kann. Aber Elizabeth Hart schafft es, eine zufriedenstellende Lösung zu präsentieren. Am Ende ist alles geklärt.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es ist flott geschrieben und sehr unterhaltsam. Das Erzähltempo ist hoch; da kommt keine Langeweile auf. Es wird nicht groß ausgeschmückt, sondern auf den Punkt erzählt, und zwar aus Rubys Ich-Perspektive. So kann man sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und mit ihr mitfühlen und miträtseln. Einige für die Handlung unwesentliche Logikfehler trüben das Lesevergnügen kaum.

Die Story will einfach unterhalten und für ein paar spannende Lesestunden sorgen. Allzu Tiefgründiges sollte man nicht erwarten. In einem Einzelband mit relativ großer Schrift und 380 Seiten kann man einfach nicht so viel unterbringen. Für Jugendliche ab ca. 14 Jahren und jung gebliebene Erwachsene kann ich das Buch absolut empfehlen.

★★★★☆

Veröffentlicht am 07.04.2026

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Ultramarin
0

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen ...

Beziehungsdrama mit Thrillerelementen

Schon lange ist Lou in Raf verliebt, aber Raf entzieht sich ihm immer wieder. Doch Lou kann einfach nicht von ihm lassen, auch wenn Raf ihm noch so weh tut. Zusammen mit Rafs Schwester Sophie verbringen sie seit Jahren die Sommer miteinander. Doch dieses Mal kommt statt Sophie Nora mit nach Dänemark - eine unbekannte Variable in der Beziehung, die alles durcheinander bringt.

Ann-Christin Kumms Debütroman ist interessant aufgebaut und auch durchaus lesenswert. Die toxische Beziehung zwischen Raf und Lou ist bedrückend. Man will die beiden mal so richtig durchschütteln, damit sie künftig die Finger voneinander lassen. Für meinen Geschmack wurden die Figuren ein bisschen zu schwarz-weiß dargestellt.

Der Schreibstil ist eigentlich sehr ansprechend, teilweise fast poetisch. Aber beim Hörbuch fielen mir sich wiederholende Formulierungen besonders auf: …sagte ich, … sagte Raf, … sagte er. Das mag eventuell als Stilmittel gedacht sein; mich hat es gestört.

Da Lou als Ich-Erzähler von den Ereignissen im Sommer in Dänemark erzählt und auch immer wieder in vergangene Jahre zurückspringt und dabei die Entwicklung der Beziehung zu Raf beleuchtet, hatte ich viel mehr Emotionen erwartet. Die Erzählung ist jedoch eher lakonisch und distanziert.

Das Hörbuch erschien im März 2026 bei Der Audio Verlag. Es ist ungekürzt und hat eine Lauflänge von 6 h 10 min. Gesprochen wird es von Jannik Schümann.

★★★☆☆