Mehr Schatten als Tiefe - Wenn Atmospähre alleine nicht reicht
Beloved Villain – You can't run from meIch habe Beloved Villain mit einer gewissen Neugier begonnen – die düstere Atmosphäre, das geheimnisvolle Setting, Australien und die Andeutung einer komplexen Liebesgeschichte klangen vielversprechend. ...
Ich habe Beloved Villain mit einer gewissen Neugier begonnen – die düstere Atmosphäre, das geheimnisvolle Setting, Australien und die Andeutung einer komplexen Liebesgeschichte klangen vielversprechend. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr wich meine anfängliche Faszination einer gewissen Ernüchterung.
Die Geschichte hat definitiv Spannung und eine gewisse Sogwirkung, das will ich nicht abstreiten. D.C. Odesza versteht es, mit Andeutungen und Cliffhangern zu arbeiten, die einen neugierig machen. Aber genau da liegt für mich auch das Problem: Vieles bleibt vage, die Figuren wirken oft wie Projektionsflächen – geheimnisvoll, aber nicht greifbar. Ich konnte keine echte emotionale Verbindung zu ihnen aufbauen.
Was mich persönlich am meisten gestört hat, war die Kombination aus sehr expliziten erotischen Szenen und einer stellenweise brutalen, fast schon verstörenden Grundstimmung. Die Erotik war für meinen Geschmack zu dominant und hat die eigentliche Handlung oft überlagert. Statt einer tiefgründigen Entwicklung zwischen den Figuren hatte ich das Gefühl, dass Provokation und Reizüberflutung im Vordergrund standen.
Auch die Brutalität – sei es psychisch oder physisch – war mir stellenweise zu viel. Ich verstehe, dass Dark Romance mit Tabus spielt, aber hier fehlte mir die Balance. Es wirkte manchmal eher schockierend als sinnvoll in die Handlung eingebettet.
Der Schreibstil ist flüssig, aber auch sehr inszeniert. Vieles wirkt bewusst dramatisch, fast schon überstilisiert. Wer das mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen – mir persönlich war es zu künstlich und zu wenig authentisch.
Ich persönlich hätte mir mehr emotionale Tiefe, weniger Brutalität und eine subtilere Erzählweise gewünscht. Für mich war es leider kein Highlight – eher ein Buch, das mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat.