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Veröffentlicht am 15.09.2025

Erinnerungen und Gedanken

Spät am Tag
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Die Schriftstellerin Johanne, Anfang 30 und geschieden, mietet sich ein Zimmer am Land, um ungestört schreiben zu können. Bald verliebt sie sich in ihren Vermieter Mikael, in dessen Nachbarschschaft seine ...

Die Schriftstellerin Johanne, Anfang 30 und geschieden, mietet sich ein Zimmer am Land, um ungestört schreiben zu können. Bald verliebt sie sich in ihren Vermieter Mikael, in dessen Nachbarschschaft seine Ex-Frau Sofia sowie seine kleine Tochter Maren wohnen. Daraus ergibt sich ein ungewöhnliches Dreiecks-Verhältnis, denn Sofia kommt oft unangemeldet und stört die Beziehung. Die Leserschaft erfährt dies aus den Gedanken Johannes, die in Ich-Form in den Zeiten herumspringt und uns die Geschichte mosaiksteinartig präsentiert.

Die Autorin verstand es, einprägsame Figuren zu schaffen, die jedoch alle in irgendeiner Weise geheimnisvoll bleiben. Allen voran Johanne, die Erzählerin, die mit sparsam verteilten Emotionen ihr Leben vor uns ausbreitet. Stückchenweise, sie springt in ihren Gedanken vor und zurück, oft sind es nur Erinnerungsfetzen, winzige Erlebnisse, die auf sie einen bleibenden Eindruck gemacht haben. Dann Sofia, die Ex, war für mich fast mehr präsent, als Mikael, der eigentliche Protagonist. Sofia und Johanne umschleichen sich mit katzenartiger Höflichkeit, Sofias Ambitionen und Gefühle bleiben genauso verborgen wie der Grund, weshalb die Ehe gescheitert ist. Mikael, der Dritte im Bunde, weicht oft aus, mag keinen Streit, von ihm hätte ich gern mehr erfahren. Vieles steht nebenbei oder sogar zwischen den Zeilen. Auch die zahlreichen Gedankensprünge machten für mich das Lesen anstrengend.
Schade, aus dem Plot hätte mehr werden können. Ein ruhiges Buch, das sich trotz seiner Kürze nicht einfach schnell weglesen lässt. Bestechend ist die karge und trotzdem beeindruckende Landschaft. Möglicherweise müsste man es mehrmals lesen, um all die Feinheiten erfassen zu können.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Schwer verdaulich zu lesen und unendlich traurig

Das Netzwerk der Kinderschänder
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In diesem Buch schlüsselt der Autor auf, wie viele Netzwerke hinter Kinderpornoringen und Pädophilen-Gruppen stecken, welche gemeinsamen Interessen auf politischer Ebene solche Machenschaften vertuschen ...

In diesem Buch schlüsselt der Autor auf, wie viele Netzwerke hinter Kinderpornoringen und Pädophilen-Gruppen stecken, welche gemeinsamen Interessen auf politischer Ebene solche Machenschaften vertuschen und dafür sorgen, dass die Täter mit vergleichsweise geringen Strafen davonkommen.

Es ist kein Buch, dass ich in einem Rutsch durchlesen konnte, denn es ist schwere Kost, die der Autor hier anbietet. Ein paar der Fakten, die er aufzählt, habe ich selbst erlebt, beispielsweise den jüngsten Fall mit dem Schauspieler, der komplett ohne Strafe davon kam. Ganz klar komme ich zu der Schlussfolgerung, dass die Gesellschaft die Kinder in zwei Klassen teilt: Die Kinder, die in den Wohlstand geboren werden und die mit sämtlichen Privilegien versehen sind, sowie der Rest der Kinder, die in Heimen, Internaten oder bei Eltern/Betreuern aufwachsen, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Diese Kinder sind Freiwild für die weitverzweigten Netzwerke, von denen ich nicht einmal im Ansatz geahnt habe, welche Ausmaße sie haben.
Ein unangenehmes Buch für manche Politiker, viele mittlerweile verstorben, die von Missständen gewusst und trotzdem nichts unternommen haben, wie das Beispiel der Wilhelminen-Kinderheime in Wien zeigt. Selbst nach Aufdeckung der Misshandlungen und Übergriffe gilt das Mitgefühl eher den Tätern als den Opfern. Erschütternd zu lesen und ich frage mich, wie viel taugt eine Gesellschaft, denen die schwächsten Glieder, nämlich unsere Kinder nichts wert sind?
Ich kann das gut recherchierte Sachbuch nur allen wirklich empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Übung macht den Meister - entzückendes Kinderbuch

Flapp lernt fliegen
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Die kleine Fledermaus Flapp hängt kopfüber am Baum und traut sich nicht zu fliegen. Auch seine kleine Freundin, eine Motte versucht ihn zu motivieren, doch die ersten Versuche schlagen fehl. Erst als ein ...

Die kleine Fledermaus Flapp hängt kopfüber am Baum und traut sich nicht zu fliegen. Auch seine kleine Freundin, eine Motte versucht ihn zu motivieren, doch die ersten Versuche schlagen fehl. Erst als ein Wirbelsturm kommt und der kleinen Motte Gefahr droht, wächst Flapp über sich hinaus.

Ein entzückendes Kinderbuch, meine Enkelkinder waren begeistert und ich habe es bereits zig mal vorgelesen. Besonders toll fanden sie die Illustrationen, bunt und großflächig, genau richtig für Kinder. Es gefiel allen meinen fünfen gut, Alter von 2 ½ bis 7 Jahren. Zwischendurch wird es richtiggehend spannend, als Flapp und die Motte durch einen Wirbelsturm in der Luft herumgewirbelt werden. Meine Enkelkinder haben den Atem angehalten, ob wohl noch Rettung möglich ist. Eine süße Geschichte für die Kleinen, die ich gern weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Zeitreiseroman um eine große Liebe

Sag niemals Lebewohl
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Amanda gerät durch ein Portal ins Jahr 1724 und wird mit der Frau von Admiral Alexander Montgomery, Rebecca, verwechselt, der sie täuschend ähnlich sieht. Fast nahtlos nimmt sie deren Platz ein, obwohl ...

Amanda gerät durch ein Portal ins Jahr 1724 und wird mit der Frau von Admiral Alexander Montgomery, Rebecca, verwechselt, der sie täuschend ähnlich sieht. Fast nahtlos nimmt sie deren Platz ein, obwohl sie charakterlich komplett anders ist, wird von Alexander und dessen 6jähriger Tochter Callie akzeptiert. Doch Alexander ist ein Spion und als er auffliegt, möchte er flüchten und seine Familie mitnehmen. Kurz bevor sie das rettende Schiff erreichen, werden sie von Entführern erwischt und Amanda und Callie können sich in die Gegenwart retten. Sie hofft, dass Alex nachkommt – als sie erfährt, dass Alex angeblich im 18. Jahrhundert hingerichtet wurde, verliert sie den Mut und bei der schweren Geburt ihres Sohnes erleidet sie eine Amnesie.

Zeitreiseromane haben für mich ein besonderes Flair, weil das Zurechtfinden in einer anderen Zeit enorm spannend ist. Leider ist bei diesem Roman der Funke nicht übergesprungen. Bereits der Prolog, aus der Sicht der kleinen Callie war für mich extrem anstrengend zu lesen. Die Verwirrung hielt an, so sehr ich auch versucht habe, der Handlung zu folgen. Es waren für mich aneinandergereihte Szenen, in denen oft Unwichtiges lang ausgebreitet wurde, während wichtige Informationen auf der Strecke blieben. Die Kapitel im 18. Jahrhundert waren die besten, wie Amanda sich dort als Rebecca einfügt, leider sind sie rar gesät und ich hätte gern mehr gewusst. Alexander findet sich außerordentlich rasch in der Gegenwart zurecht, es bleibt außen vor, wie er ankommt und wie er sich seine neue Identität einrichtet. Das Buch beschäftigt sich hauptsächlich mit Amandas Amnesie und wie Alexander versucht, ihr die Erinnerung zurückzugeben. Diese Passagen sind einfühlsam und sensibel beschrieben, man spürt die Gefühle der beiden zueinander. Um die Protagonisten herum sind zahlreiche Nebenpersonen, doch ich konnte zu keiner von ihnen eine Bindung aufbauen. Es bleiben viele Fragen offen, beispielsweise hätte ich gern gewusst, wie nun das Zeitreiseportal funktioniert oder wie Amandas ursprünglicher Verfolger ums Leben gekommen ist.
Mein Fazit: Der Roman war leider nicht meins, das bedeutet aber nicht, dass andere ihn trotzdem toll finden können. Ich bedanke mich ganz herzlich für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Wenn man dem Leben einen Schubs gibt

So weit die Liebe uns trägt (Liebesroman)
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Lana lebt ihr Leben schaumgebremst und wohlorganisiert in einem kleinen Ort gegenüber der Loreley. Mit Gelassenheit erträgt sie ihren cholerischen Chef in dem Cafè, in dem sie arbeitet, bis eines Tages ...

Lana lebt ihr Leben schaumgebremst und wohlorganisiert in einem kleinen Ort gegenüber der Loreley. Mit Gelassenheit erträgt sie ihren cholerischen Chef in dem Cafè, in dem sie arbeitet, bis eines Tages Anton in ihr Leben tritt. Er möchte einen Trip in einem ungebauten alten Van unternehmen und bietet ihr an, sie mitzunehmen. Erst zögert sie, doch als ihr Chef sie erneut schlecht behandelt, kündigt sie spontan. Der Roadtrip mit Anton schenkt ihr zunächst Freiheit und Frieden, bis etwas Unglaubliches ans Tageslicht kommt ...

Mit Lana wurde ich sofort warm, konnte ihre Gefühle und Ängste deutlich spüren. Ihr Zurückgesetzt-Fühlen, weil der Vater sie mit acht verlassen hat, prägt ihr Leben und ihre Entscheidungen. Die Autorin hat einen bildhaften emotional hochwertigen Schreibstil, der mich tief in die Handlung eintauchen ließ. Die Nebenfiguren wie Lanas Mutter und ihre Freundin Moni runden die Story ab, doch im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten. Auch Anton hat ein Päckchen zu tragen, hier finde ich es schade, dass seine Geschichte nur kurz angerissen und nicht vertieft wird. Ihm hätte ich eine Aussprache mit den Eltern gewünscht. Es wird ausschließlich aus der Sicht von Lana in Ich-Form erzählt, daher bleibt der Focus auf ihr. Die Annäherung zwischen den beiden, Lanas langsames Öffnen für die Welt und der Start für einen Neubeginn – all das hat die Autorin flüssig und nachvollziehbar beschrieben. Ein wunderschönes Wohlfühlbuch, das ich sehr gern weiterempfehle.

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