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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2017

Die Lügenprinzessin oder doch nicht wie im Märchen

Wir sehen uns beim Happy End
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„Wenn es eine Sache gab, die Emilia Faust, genannt „Ella“, mit absoluter Sicherheit wusste, dann die, dass eine Geschichte immer nur so gut ist, wie ihr Ende.“

Der Klappentext selber hat nicht sonderlich ...

„Wenn es eine Sache gab, die Emilia Faust, genannt „Ella“, mit absoluter Sicherheit wusste, dann die, dass eine Geschichte immer nur so gut ist, wie ihr Ende.“

Der Klappentext selber hat nicht sonderlich viel über das Buch verraten, daher war ich sehr gespannt, wovon es eigentlich handelt. Es geht in dem Buch um Ella, die erfahren muss, dass ihr Verlobter fremd gegangen ist. Kurzfristig verlässt sie sein Haus, um für einen anderen Mann als Hauswirtschafterin zu arbeiten. Dabei hofft sie immer noch auf ihr eigenes Happy End – und bis dahin schreibt sie weiter fleißig andere Geschichten um, um allen Erzählungen das Happy End zu geben, das sie verdienen.

Bevor ich hier zu viel von der Geschichte verrate, möchte ich mir ein Beispiel an Ella nehmen und das Buch anhand des Endes zu bewerten. Denn jede Geschichte ist ja nur so gut, wie ihr Ende. Lange wusste ich nicht, wohin die Geschichte sich entwickelt. Teilweise lief sie in eine Richtung, nur um dann komplett umzudrehen. Am Ende war ich so hin und her gerissen, dass ich mich nicht über das Ende freuen konnte. Am meisten hat mich an dem Ausgang jedoch Ella gestört.

Einmal in dem Buch heißt es, dass sie eine kindliche Denkweise hat: einen kindlichen Aberglauben, alleine durch die Kraft seiner Gedanken oder mit Hilfe von unsinnigen Ritualen den Lauf des Schicksals beeinflussen zu können. Dem kann ich hundert Prozent zu stimmen. Ich kenne das von mir von früher selber. Wenn man sich wünscht, dass etwas Gutes passiert, wenn man doch nur was anderes geschafft hat. Das war, als ich noch zur Grundschule gegangen bin. In diesem Buch haben wir es jedoch mit einer erwachsenen Frau zu tun. Da würde man doch meinen, dass sie aus diesem Irrglaube herausgewachsen ist. Schlimmer noch, wenn um sie herum etwas nicht so geschieht, wie sie es möchte, so belügt sie ihre Mitmenschen und auch sich selber. Dass dies nicht normal ist, scheint sie auch noch nicht einmal zu merken. So süß dieses Verhalten auch am Anfang klang, so wahnsinnig hat es mich am Ende gemacht.

Die Handlung hat mich auch nicht überzeugt. Teilweise waren die Wendungen so bei den Haaren herbeigezogen, sodass ich mir mehrfach überlegt habe, das Buch abzubrechen. Am Ende kann ich noch nicht einmal sagen, dass ich froh bin, es nicht abgebrochen zu haben.

Normalerweise soll man kein Feedback geben ohne nicht auch etwas Positives zu sagen. Ich könnte hier das wirklich schöne Cover erwähnen, aber dies wäre auch nur nebensächlich. An dem Buchinhalt konnte ich nichts Positives finden. Für mich ist dies wohl leider das enttäuschendste Buch des Jahres.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Die Macht der Worte

Bird and Sword
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„Verschließe deinen Mund der Macht, verfluche nicht, heile nicht, bis die rechte Zeit gekommen ist. Du wirst nicht reden, wirst keine Worte geben, wirst weder Himmel noch Hölle befehlen. Du wirst erblühen ...

„Verschließe deinen Mund der Macht, verfluche nicht, heile nicht, bis die rechte Zeit gekommen ist. Du wirst nicht reden, wirst keine Worte geben, wirst weder Himmel noch Hölle befehlen. Du wirst erblühen und nach Wissen streben. Schweige, Tochter, bleib am Leben.“

Lark kann mit ihren Worten Gegenstände und Tiere beeinflussen. Sie kann Puppen fliegen lassen und Vögel beruhigen – bis ihre Mutter mit ihrem letzten Atemzug ihr zu ihrem eigenen Schutz die Stimme nimmt. Ohne die Fähigkeit lesen oder sprechen zu könne, kann Lark fortan keine Worte mehr formen. Als ein Krieg ausbricht, nimmt der König sie zu sich und macht sie zu einem Spielball. Doch obwohl sie eine Geisel ist, entdeckt Lark, dass vielleicht doch noch Wörter in ihr schlummern.

Es fällt mir eh schon immer schwer, nein zu einem neuen Fantasy-Buch zu sagen. Hier konnte und wollte ich es definitiv nicht. Für mich war dies eine ganz neue Art der Geschichte und ein wirklich guter High Fantasy Roman. Hier tauchen keine Vampire, Wehrwölfe, Engel oder Co auf. Bis auf einen einzigen Troll gab es hier – wenn überhaupt - nur neue Wesen. Eigentlich handelt die Geschichte jedoch von Menschen. Manche haben eine Gabe, wie die Macht der Worte, aber der Großteile sind einfache Dorfbewohner. Das mag vielleicht nicht nach der komplexesten Welt klingen, aber diese Konstellation hat mir vollkommen ausgereicht.

Lark ist eine Figur, die mir direkt ans Herz gewachsen ist. Sie wurde ihr Leben lang mehr oder weniger in einem goldenen Käfig eingesperrt. Da sie nicht sprechen kann, unterschätzen viele sie und machen sie unselbständiger, als sie tatsächlich ist. Ihr bester Freund und Vertrauter ist ein Troll, der gleichzeitig eine Art Anstandsdame ist. Bei den beiden fand ich sehr schön beschrieben, wie sie sich dennoch vollkommen selbstverständlich verständigen. Mittels einfacher Worte in Pantomime schaffen sie es Unterhaltungen zu führen.

Sehr wichtig in der Geschichte ist Larks Innenleben. Sie hat eine außergewöhnliche Art und Weise ihre Umwelt sowie ihre Mitmenschen wahrzunehmen. So werden auch kleinere Details und Beobachtungen beschrieben. Bereits nach kurzer Zeit habe ich ihre Handlungen komplett verstanden und hatte das Gefühl sie zu kennen.

Für mich ist eine weitere Besonderheit der Geschichte, dass Lark vollkommen unscheinbar, nicht besonders hübsch und nicht sehr stark ist. Eine Person, die leicht übersehen werden kann und nicht im Rampenlicht steht. Dennoch spielt sie aus der zweiten Reihe heraus in dieser Welt eine große Rolle.

Es war ein wahres Lesevergnügen für mich. Die perfekte Mischung zwischen ruhigen Momenten und großen Schlachten. Ein bildlicher Schreibstil und starke Charaktere - für mich war es einfach ein grandioses Buch.

Veröffentlicht am 17.11.2017

Mit allem, was ich habe – war leider nicht genug

Mit allem, was ich habe
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Irgendwie klang die Idee von einer Liebesgeschichte mit einem Bodyguard ziemlich heiß. Ich habe Morddrohungen, Spannung und etwas Liebe erwartet. Bei dem Klappentext habe ich auch an den Film Bodyguard ...

Irgendwie klang die Idee von einer Liebesgeschichte mit einem Bodyguard ziemlich heiß. Ich habe Morddrohungen, Spannung und etwas Liebe erwartet. Bei dem Klappentext habe ich auch an den Film Bodyguard mit Whitney Houston und Kevin Costner gedacht. Das lag wahrscheinlich nur an dem gleichen Job, dennoch konnte ich nicht aufhören die Geschichten miteinander zu vergleichen. Direkt am Anfang habe ich auch einige Parallelen zwischen dem Film und dem Buch gesehen. Camille möchte eigentlich keinen Bodyguard haben und nimmt die Drohungen gegen sich nicht sonderlich ernst. Von dem ersten Moment an gibt es zwar ein Knistern zwischen ihr und Jake, aber die Abneigung ist zu Beginn deutlich größer.

Am Anfang sind die Drohungen eindeutig nachranging. Es geht viel eher um die Beziehung zwischen Camille und Jake. Entgegen meiner Erwarten ist Camille kein verwöhntes Mädchen, sondern eine selbstbewusste, nach Eigenständigkeit strebende Frau. Sie hat das Gefühl in einem goldenen Käfig groß geworden zu sein und möchte gerne daraus ausbrechen. Jake im Vergleich dazu hat nie einen goldenen Löffel gesehen. Seine Vergangenheit ist von einem Kriegstrauma geprägt. Diesen Gegensatz fand ich sehr interessant.

Es gab jedoch zwei Sachen, die mich hierbei irgendwann gestört haben. Ich weiß, dass in Büchern nicht unbedingt drei Jahre vergehen bis der Mann der Frau die Liebe gesteht und einen Heiratsantrag macht. In Romanen geschieht meist alles schneller und auch nicht unbedingt in der normalen Reihenfolge. Dass es etwas schneller geht, stört mich normalerweise auch nicht, aber hier ist mir der Wandel von Abneigung zu Anziehung viel zu schnell gegangen. Das war mir dann doch etwas zu viel des Gutem.

Außerdem ist mir die Spannung zu kurz gekommen. Wenn ein Vater es als notwendig ansieht einen Bodyguard für seine Tochter zu engagieren, dann ist die Situation ziemlich gefährlich. Dementsprechend hätte ich auch gerne als Leser etwas von der Gefahr gespürt. Den Großteil des Buches haben Jake und Camille und ihre Beziehung eingenommen. Teilweise habe ich sogar vergessen, dass Jake eigentlich ihr Bodyguard ist. Da hat mir definitiv die Spannung und auch die Handlung gefehlt.

Insgesamt kann ich sagen, dass mir die Grundidee richtig gut gefallen hat. Die Umsetzung war leider nicht mein Fall und hätte deutlich besser sein können. Wenn ich noch mal eine Liebesgeschichte mit einem Bodyguard miterleben möchte, dann greife ich lieber wieder nach der DVD.

Veröffentlicht am 12.11.2017

Eine außerordentlich schöne Geschichte - zutiefst berührend

Berühre mich. Nicht.
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Ein Neuanfang muss wahnsinnig schwer sein, vor allem wenn man hierbei in eine komplett andere Stadt zieht und einen die Familie hierbei nicht unterstützt. Sage macht genau diesen Schritt. Sie hat eine ...

Ein Neuanfang muss wahnsinnig schwer sein, vor allem wenn man hierbei in eine komplett andere Stadt zieht und einen die Familie hierbei nicht unterstützt. Sage macht genau diesen Schritt. Sie hat eine schwierige Vergangenheit und möchte zum Studium diese Probleme mit ihrer Heimatstadt hinter sich lassen.

Da sie nicht auf die finanzielle Unterstützung ihrer Familie angewiesen sein möchte, versucht sie die Studiengebühren selber zu bezahlen. Dabei bleibt leider kein Geld für eine Wohnung übrig, sodass sie in ihrem Auto wohnt. Ihr viel größeres Problem ist jedoch ihre Angst vor Männern. Diese geht so weit, dass sie in einem Café lieber ihren Kaffee umwirft, als einem Mann die Hand zu schütteln.

Somit scheint ein Job im Archiv der Bibliothek – weit weg von allen anderen Studenten – perfekt für sie zu sein. Nur doof, dass der Bruder ihrer neu gewonnenen Freundin Luca dort mit ihr gemeinsam arbeiten soll. Aber so angsteinflößend wie er auf den ersten Blick wirkt, scheint er doch nicht zu sein.

Mittlerweile gibt es ziemlich viele College-Liebesromane, aber dieser hat auf mich anders gewirkt. Es geht hier nicht um die normalen Erfahrungen am College, wie erste Liebe, zu viel Lernstoff und Stress in der Clique. Hier stehen Sage Angstzustände und gelegentliche Panikattacken im Mittelpunkt. Ich hatte nie welche, aber sie waren sehr verständlich für mich beschrieben. Ich konnte mit ihr mitfühlen und habe jede kleine Veränderung mit ihr durchlebt. Es ist eine wirklich gefühlvolle Geschichte, die mich sehr berührt hat.

Es ist wohl nachvollziehbar, dass Sage Leben nicht besonders lustig ist. Dennoch sind die positiven Momente nicht zu kurz gekommen. Es ist kein Buch, das einen zum Lachen bringt, aber es geht einem Nahe. Außerdem hat das Buch Luca. Er ist ein so toller Charakter. Jemand, den man gerne als besten Freund oder großer Bruder hat. Ihm sind Bücher häufig lieber als Menschen. Sie sind unkomplizierter und ohne Probleme. Beziehung sind somit auch kein leichtes Thema für ihn.

Alles an dem Buch hat mich begeistert. Ich habe es innerhalb kürzester Zeit durchgelesen und geliebt. Das einzige, das ich nicht gut fand war das Ende. Warum haben die besten Bücher am Ende immer einen Cliffhanger? Das hätte ich wirklich nicht gebraucht und dann muss ich auch noch bis Ende Januar warten bis Teil zwei erscheint. Aber ich werde auf jeden Fall weiterlesen bzw. ich muss unbedingt weiterlesen.

Mir fällt gerade kein Buch ein, mit dem ich „Berühre mich. Nicht.“ vergleichen würde. Es ist aber eine wundervolle, außergewöhnliche und tiefgründige Liebesgeschichte. Eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

Veröffentlicht am 08.11.2017

Wunderschöner Ausflug in die Welt der Cartoons

Be my Girl!
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Auch wenn ich ein großer Fan der Marvel-Verfilmungen bin, habe ich selber nie wirklich Comics gelesen oder Cartoons geschaut. Ich kann jedoch die Faszination hierfür nachempfinden. Als Tochter eines bekannten ...

Auch wenn ich ein großer Fan der Marvel-Verfilmungen bin, habe ich selber nie wirklich Comics gelesen oder Cartoons geschaut. Ich kann jedoch die Faszination hierfür nachempfinden. Als Tochter eines bekannten Cartoon-Zeichners aus Hollywood entführt die Autorin Ruth Clampett den Leser in die Welt der Comics und Cartoons.

Nathan ist ein begnadeter Cartoon-Zeichner und seit dem ersten Tag auf der Arbeit in die Projektmanagerin Brooke verliebt. Als Nerd hat er das Gefühl in einer ganz anderen Liga zu spielen. Für ihn ist Brooke unerreichbar, bis sie sich anfangen kennenzulernen. Es beginnt mit einem täglichen Kaffee von Starbucks bis hieraus eine Vertrauensbasis entsteht. Nur doof, dass Brooke bereits in festen Händen ist.

Für mich war Nathan ein zutiefst liebenswerter Charakter. Er ist vielleicht zu Beginn etwas unsicher und naiv, aber sehr offen und ehrlich. Er weiß, dass er gut zeichnen kann, aber dafür große Defizite in Beziehungsdingen aufweist. So versucht er das Herz von Brooke durch kleine Comic-Zeichnungen auf ihrem täglichen Kaffeebecher zu erobern. Ein Highlight hierbei war für mich, dass diese Zeichnungen zum Teil in dem Buch abgebildet werden. Dabei sind so kreative und schöne Bilder. Es ist genial, wie so wenige Striche so viele Details darstellen können.

Auch Brooke ist eine starke Figur, die bisher sehr auf ihre Karriere konzentriert war. Obwohl sie eine Projektplanerin ist, hat sie dennoch eine kreative Ader und hat viel Verständnis für die Zeichner. Ihre Entwicklung war für mich nicht so greifbar, wie die von Nathan, dennoch ist sie am Ende nicht mehr die gleiche Person, wie zu Beginn der Geschichte war.

Auf mich hat die Darstellung des Alltags eines Zeichners sehr realistisch gewirkt. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die Autorin in dieser Welt groß geworden ist. Ich konnte gut den Prozess von der Idee bis hin zum fertigen Film nachvollziehen. Es sind kleine Informationsbrocken, die der Leser nach und nach präsentiert bekommt, aber einem die Welt noch näherbringen. Für mich war es schön, dass auch alltägliche Dinge und kleinere Details aus dem Arbeitsleben erzählt werden. Dadurch war das Tempo in der Geschichte angenehm ruhig.

Mit über 600 Seiten ist das Buch definitiv keine Kurzgeschichte. Ich habe mich beim Lesen nie gelangweilt, aber in der zweiten Hälfte hatte ich durchaus manches Mal das Gefühl, dass die ein oder andere Szene gekürzt werden könnte. Hundert Seiten weniger hätten der Geschichte auch nicht geschadet.

Von „Be my Girl!“ wurde ich sehr gut unterhalten, habe häufig gelacht und wurde an manchen Stellen sehr berührt. Wer gerne eine schöne Liebesromane liest oder auch ein Fan von Cartoons beziehungsweise Comics ist, der sollte ebenfalls die Geschichte von Nathan und Brooke kennen lernen.