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Veröffentlicht am 07.12.2019

Wo bekomme ich bitte auch so einen Traummann her?

Chicago Devils - Alles, was zählt
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„Abby Daniels wurde zu der Frau, die ich sein musste. Klug. Unermüdlich. Unpersönlich. Doch als ich mit Luca sprach, habe ich das alte Ich gespürt, das irgendwo in mir verborgen lag und fragte, ob es sicher ...

„Abby Daniels wurde zu der Frau, die ich sein musste. Klug. Unermüdlich. Unpersönlich. Doch als ich mit Luca sprach, habe ich das alte Ich gespürt, das irgendwo in mir verborgen lag und fragte, ob es sicher sei, wieder zum Vorschein zu kommen.“

Bei Büchern wie „Chicago Devils“ muss ich eindeutig gestehen, dass ich hier nicht sonderlich neutral bin. Ich habe schon einiger Liebesgeschichten über Sportler gelesen und muss sagen, dass sie es mir einfach angetan habe. Ich liebe sie und kann nicht genug von ihnen bekommen. Auf mich wirken muskelbepackte Sportler einen Reiz aus und ich mag es, wenn ein Buch von einem starken, erfolgreichen Mann handelt. Das mag ein bisschen oberflächlich klingeln, aber bei diesem Subgenre bin ich es ausnahmsweise.

Davon auszugehen, dass dieser Roman oberflächlich oder einfach gestrickt ist, wäre ein sehr großer Fehler. Er ist definitiv keins von beidem. Luca muss sich nach dem Tod seines Bruders sowie seiner Ehefrau um dessen drei Kinder kümmern. Noch relativ neu in der Vaterrolle hat er zeitweise Zweifel, ob er alles richtig macht, und muss generell schauen, wie er alles unter einem Hut bekommt. Das sind definitiv keine leichten Probleme.

Noch mehr Tiefgang bekommt die Geschichte durch Abby. Sie lernt Luca durch einen One-Night-Stand kennen und ist in keinem Fall auf der Suche nach einer festen Beziehung. Ihr ganzer Fokus liegt auf ihrem Unternehmen und ihren Fitnesszielen. Für mehr gibt es mittlerweile keinen Platz mehr in ihrem Leben - zu tief sind ihre Wunden aus der Vergangenheit. In meinen Augen ist Abby eine der stärksten Buchcharaktere, die ich in letzter Zeit kennengelernt habe.

Besonders gut hat mir bei dem Buch gefallen, dass es eine außerordentlich realistische zeitliche Abfolge hat. Immer wieder gibt es kleine kurze Zeitsprünge von ein paar Wochen oder wenigen Monaten. In meinen Augen ist es immer unplausibel, wenn zwei Menschen von jetzt auf gleich nicht mehr ohne einander leben können. Beziehungen, Vertrauen und Veränderungen brauchen in der Regel Zeit.

In den meisten Bereichen war dies ein perfektes Buch. Einen kleinen Punkt Abzug gebe ich dem Buch, weil es mir zum Ende hin ein kleines bisschen zu viel Drama war. Sowohl Abby als auch Luca haben schon vor Beginn der Geschichte viel schlimmes durchlebt und auch im Verlauf der Geschichte müssen sie einiges einstecken. Ein paar Schicksalsschläge sind da in meinen Augen in Ordnung, aber zum Ende hin waren es mir zu viel.

Alles in allem ist dies ein fantastisches Buch, das mir ein paar wunderschöne und unterhaltsame Lesestunden bereit hat. Den ersten Teil dieser Reihe kenne ich noch nicht, was eine Tatsache ist, die ich in Zukunft beheben werde. Die weiteren Teile möchte ich in jedem Fall auch gerne lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2019

Coole, freche Mails, schlagfertige Dialoge und eine spannende Handlung

Bossy Nights
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Da ich Büroromanzen echt gerne mag, hat mich der Klappentext von „Bossy Nights“ direkt angesprochen. Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie befreiend es sein muss, wenn man gekündigt hat und dann einmal ...

Da ich Büroromanzen echt gerne mag, hat mich der Klappentext von „Bossy Nights“ direkt angesprochen. Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie befreiend es sein muss, wenn man gekündigt hat und dann einmal den Chef alles sagen kann, was man ihm schon immer sagen wollte. Egal ob dies eine Hass-Mail oder wie in diesem Fall ein Liebesgeständnis ist.

Zunächst war ich von den vielen witzigen und frechen Emails zwischen Peyton und Rome begeistert. Es ist hier nicht so, dass sie sich von einem auf den anderen Tag ihre sehnlichsten Wünsche anvertrauen, sondern es entwickelt sich erst nach und nach eine Art Vertrauensbasis zwischen den beiden. Hier mochte ich wie langsam Gefühle entstanden sind.

Außerdem war sehr realistisch wie sich nach und nach die Charaktere entwickelt haben – auch wenn es hier manchmal ein paar kleine Unstimmigkeiten gab. Peyton ist eine schlagfertige sowie selbstbewusste Frau, aber sobald sie ihrem Chef begegnet, weiß sie nicht mehr wo ihr der Kopf steht. Umgekehrt ist Rome jemand der sehr strikt ist und sich immer an alle Vorschriften hält, aber von der ersten Minute an vergisst er alle Regeln sobald er bei Peyton ist.

Die Handlung ist durchweg spannend und ich mochte sehr das Tempo. Zum Ende hin ist es mir jedoch ein kleines bisschen zu schnell geworden. Hier überhäufen sich die Events und hier hätte ich mir manchmal eine kleine Verschnaufpause gewünscht.

Der zweite Teil der Reihe wird von Romes besten Freund Hunter handeln. Aus diesem Teil kenne ich ihn schon und weiß, dass er ein Toller Charakter ist. Jedoch weiß der Leser nach dem Epilog von „Bossy Nights“ schon mehr oder weniger, wie die Fortsetzung ablaufen wird. Sollte ich über das Buch stolpern, dann werde ich es bestimmt lesen, aber ansonsten warte ich nicht extra darauf.

Veröffentlicht am 24.11.2019

Selbst für eine Soap Opera zu unrealistisch

Follow Me Back
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Einen Klappentext wie den von „Follow me Back“ hatte ich bis dato noch nicht gelesen. Ein Geschichte mit einer Hauptperson, die Agoraphobie hat und ziemlich stark auf einen Popstar steht, klang schon sehr ...

Einen Klappentext wie den von „Follow me Back“ hatte ich bis dato noch nicht gelesen. Ein Geschichte mit einer Hauptperson, die Agoraphobie hat und ziemlich stark auf einen Popstar steht, klang schon sehr modern. Social Media bekommen immer mehr Bedeutung, sodass es eigentlich nur schlüssig ist, dass sie auch in Büchern thematisiert werden. Ich selbst bin nicht auf Twitter und Co. unterwegs und kann nur begrenzt den Hype um Followerzahlen und Likes verstehen, was mit ein Grund war das Buch zu lesen. Ich dachte so, dass ich eine unterhaltsamen Blick in die ganze Szene bekomme.

Das Buch startet sehr interessant. Zunächst wird Tessas Agoraphobie sowie ihre Therapiemaßnahmen thematisiert. In den ersten Kapiteln fand ich das sehr spannend und habe mich gefragt, was Tessa passiert ist, dass sie sich nicht mehr traut ihr Zimmer zu verlassen. So tragisch so eine Phobie auch ist, fand ich es irgendwann schade, dass Tessa komplett auf diese Ängste reduziert wird. Neben der Phobie und ihren Crush für den Popstar lernt der Leser wenig über Tessa. Selbst am Ende wusste ich nicht, was sie eigentlich mag oder ausmacht.

Eric als Popstar und männlicher Protagonist ist hier schon etwas facettenreicher. Über ihn erfährt der Leser mehr und kann ihn – soweit das bei seiner Sprunghaftigkeit möglich ist – irgendwann einschätzen. Tatsächlich konnte ich ihn mir jedoch nicht als realen Menschen vorstellen.

Obwohl die Themen zunächst spannend und aktuell klagen, wirkten sie irgendwann abstrus. Die Wendungen in der Geschichte waren einfach nicht realistisch und viel zu viel. Jedes Mal, wenn ich dachte, dass es nicht noch dramatischer kommen konnte, passierte noch etwas, das dem Ganzen die Krone aufsetzte. Natürlich kann das Leben einem auch mal übel mitspielen, aber das war hier zu dick aufgetragen.

In meinen Augen war das Buch eine große Enttäuschung. Das einzig Gute waren die Chats zwischen Tessa und Eric, die sehr amüsant geschrieben waren. Ansonsten konnte ich der Geschichte echt nichts Positives abgewinnen.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Ein Buch, das unter die Haut geht

Sieh mich an
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„Das Leben ist kein Musical, Ava, aber es ist dein Leben. Niemand kann dich für eine Rolle darin besetzen, wenn du es nicht zulässt.“ Er hält meinen Blick fest. „Also, welche Rolle willst du spielen?“

Schaut ...

„Das Leben ist kein Musical, Ava, aber es ist dein Leben. Niemand kann dich für eine Rolle darin besetzen, wenn du es nicht zulässt.“ Er hält meinen Blick fest. „Also, welche Rolle willst du spielen?“

Schaut nicht jeder manches Mal in den Spiegel und ist unzufrieden mit sich? Dann gibt es da einen unschönen Pickel oder eine kleine Unregelmäßigkeit. Doch obwohl es dafür Make-Up gibt, haben wir direkt das Gefühl, dass jedem auffällt, dass irgendetwas im Gesicht nicht stimmt. Aber das Gute ist, dass wir dafür Make-Up haben. In der Regel können wir überdecken, was uns stört und zurück in unseren Normalzustand kommen.

Dieses „Normal“ gibt es für Ava nicht mehr. Mir fehlt die Vorstellung, wie es sein muss, wenn man eines Tages im Krankenhaus aufwacht und Verbrennungen an 60 Prozent des Körpers hat. Ich habe schon davon gehört, dass es Verbrennungen zweiten oder dritten Grades gibt, aber dass es auch tatsächlich Verbrennungen vierten Grades gibt, war mir neu. Hier gibt es kein Überschminken oder Abdecken, hier gibt es kein zurück in die alte Normalität. Hier kann man sich zu hundert Prozent sicher sein, dass andere Menschen die Narben sehen.

Als Jugendlicher ist die Schule nicht immer leicht, aber wenn man mit sich selbst auch nicht im Reinen ist und sich an ganz viele neue Sachen gewöhnen muss, dann ist diese Zeit um ein Vielfaches schlimmer. Avas Geschichte, die in diesem Jugendroman erzählt wird, ist ebenso wie ihr Leben nicht immer schön. Als Überlebende eines Brandes gibt es für sie schlechte und manchmal weniger schlechte Tage. Es wird hier sehr deutlich beschrieben, dass eine solche Katastrophe einen vollständig entgleist und man sich jeden Tag seiner neuen Realität stellen muss. Einer Realität, die so schlimm sein kann, dass man sich noch nicht mal traut, in den Spiegel zu schauen, weil man Sorge hat, das eigene Gesicht nicht wiederzuerkennen.

Die Geschichte ist mir unter die Haut gegangen, weil hier so viele Emotionen vermittelt werden, dass ich mit Ava gelitten habe und Stück für Stück gemerkt habe, wie einzelne Aspekte auch besser werden können. Die Narben können zwar nicht verschwinden, aber der Blick auf sie, kann sich verändern. Narben allein machen die Persönlichkeit nicht aus und jeder trägt schließlich Narben – nur sind manche besser zu sehen.

Neben den Narben und dem Überleben geht es in dem Buch jedoch auch um die Freundschaft, die Familie, die wahren Werte im Leben und die Musik. Es ist somit keineswegs ein deprimierendes Buch, wobei ich fairer Weise auch sagen muss, dass ich an einer Stelle echt mal Tränen in den Augen hatte. Einzelne Szenen sind jedoch auch wirklich witzig, sodass man auch manches Mal über die Geschichte Lachen kann. Ich kann insgesamt versprechen, dass man dieses Buch nicht lesen und dabei nichts empfinden kann. In meinen Augen ist dies ein grandioser, bewegender und sogar inspirierender Roman.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Übung macht den Meister - auch in der Liebe

Kissing Lessons
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Erinnert ihr euch noch an die erste große Liebe, den ersten Kuss und die ersten Erfahrungen, die man mit dem anderen Geschlecht gesammelt hat? An all die Unsicherheiten, weil es unbekanntes Terrain war, ...

Erinnert ihr euch noch an die erste große Liebe, den ersten Kuss und die ersten Erfahrungen, die man mit dem anderen Geschlecht gesammelt hat? An all die Unsicherheiten, weil es unbekanntes Terrain war, man sich nicht doof anstellen und dem anderen gefallen wollte. Nach den ersten Küssen wusste man dann schon besser, was einem gefällt oder auch was man da eigentlich macht. Jetzt stellt euch vor, dass es da keine Lernkurve gibt und man mit Ende zwanzig noch genauso überfordert mit allem ist wie als Teenager. Genauso geht es Stella.

Als Asper-Autistin sind Stella andere Menschen und vor allem auch Männer ein großes Rätsel. Die wenigen Erfahrungen, die sie gemacht hat, waren nicht besonders schön und eigentlich hat sie wenig Lust ihre tägliche Routine zu verändern. Als ein Arbeitskollege ihr sagt, dass Übung den Meister macht, beschließt sie, sich Hilfe zu suchen und Unterricht in Sachen Liebe zu nehmen. Wer wäre dafür besser geeignet als ein professioneller Escort.

Die große Besonderheit bei diesem Buch ist Stella oder viel mehr, dass Stella Asperger-Syndrom hat. Obwohl ich schon viele Liebesromane gelesen habe, habe ich noch kein anderes Buch gesehen, dass diese Entwicklungsstörung thematisiert. Grob kenne ich die Symptone wie die Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation oder eine schwächere soziale Kompetenz, aber ich hatte mir bis dato noch keine Gedanken darüber gemacht, dass dies zu wirklich große Schwierigkeiten, den Partner fürs Leben zu finden, führen kann.

Da die Autorin selber im Rahmen der Recherche zu dem Roman die Diagnose Asperger-Syndrom bekam, beschreibt sie hier authentisch einzelne Situationen oder Missverständnisse, die sich im Alltag ergeben können. Es war faszinierend eine Liebesgeschichte einmal durch eine andere Brille zu sehen. Außerdem wird hier auch sehr schön deutlich, dass ein solches Label einen nicht zu einem schwachen Menschen macht. Stella ist extremst intelligent, eigenständig und wohlhabend. In vielen Bereichen eine Persönlichkeit, die man nur bewundern kann. Das Buch zeigt auch auf, dass manch einer vielleicht selber einmal den Blick auf Menschen mit einer Beeinträchtigung überdenken muss. Nur wegen einer solchen Diagnose ist ein Leben nicht bemitleidenswert oder weniger lebenswert.

Trotz der etwas komplexen Thematik sprudelt die Geschichte aber auch voller positiver Emotionen über. Es gibt hier Romantik, Liebe und Humor. Natürlich gibt es auch etwas Herzschmerz, Verwirrung und kleines bisschen Trauer. Es ist eine gute Mischung aus vielen Gefühlen. Der lockere Schreibstil sorgt zudem dafür, dass die Seiten nur so dahin fliegen und dass ein wahres Kopfkino entsteht. Ich konnte mir hier Stellas Blick auf die Welt gut vorstellen und verstehen, warum es manchmal in der alltäglichen Kommunikation Missverständnisse gibt. Für mich war dies eines der schönsten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Wenn ich nicht irgendwann hätte schlafen müssen, dann hätte ich es bestimmt an einem Abend ausgelesen - so hatte ich es dann erst am nächsten Mittag aus. Wer also eine außergewöhnliche Liebesgeschichte lesen möchte, der sollte unbedingt zu "Kissing Lessons" greifen. Ich hoffe, der Roman verzaubert euch genauso, wie er mich verzaubert hat.