Profilbild von Lrvtcb

Lrvtcb

Lesejury Star
offline

Lrvtcb ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lrvtcb über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2020

Ein netter Gruß aus der Unterwelt

Midnight Chronicles - Schattenblick
0

Schon vor einem Jahr habe ich von Laura Kneidls und Bianca Iosivonis Schreibprojekt gehört. Schon damals hat es mich fasziniert, dass zwei Autorinnen eine ganze Buchreihe zusammen planen und je abwechselnd ...

Schon vor einem Jahr habe ich von Laura Kneidls und Bianca Iosivonis Schreibprojekt gehört. Schon damals hat es mich fasziniert, dass zwei Autorinnen eine ganze Buchreihe zusammen planen und je abwechselnd einen Band schreiben wollen. Ich konnte mir nicht so ganz vorstellen, wie sie es schaffen wollen gemeinsam die Charaktere, die Welt und auch die Handlung so zu entwickeln, dass es keine Stilbrüche gibt, wenn jeweils die andere die Geschichte weiterschreibt. Bei dem ersten Teil kann ich zunächst nur sagen, dass es ein sehr stimmiges Konzept ist. Wie gut die beiden Autorinnen zusammenarbeiten können, wird sich dann vor allem in den weiteren Teilen zeigen.

Ohne viele Erklärungen wird der Leser in die Handlung geworfen und muss einige Informationen einfach so hinnehmen. Erst nach und nach werden diese Zusammenhänge erklärt. Es hat mich jedoch gefreut, dass alle Zusammenhänge erklärt werden und beinahe alle Fragen beantwortet werden. Ein paar Geheimnisse gibt es allerdings noch, sodass es mit Sicherheit auch noch spannend bleibt die weiteren Teile zu lesen.

Die Grundidee, dass es eine Welt gibt, in der Menschen vor Dämonen, Vampiren und Geistern beschützt werden müssen, ist nicht neu. Ich habe hier zum Teil gelesen, dass die Reihe auch mit der Fernsehserie „Supernatural“ verglichen wird, aber da ich diese Serie nicht kenne, kann ich dies nicht beurteilen. Mich hat der Aufbau eher an die „Chroniken der Unterwelt“ erinnert. Da der Verlauf der Handlung jedoch anderes ist, hat es mich nicht sonderlich gestört.

Roxy muss nach einem Fehler 449 entflohene Seelen in ebenso vielen Tagen in die Unterwelt zurückschicken. Ich war mir hier nicht sicher, ob das nicht eine recht eintönige Handlung werden würde, die quasi nur aus Exorzismus und kleinen Kämpfen besteht. Tatsächlich ist die Handlung jedoch viel größer als nur die einfache Jagd nach den entflohenen Seelen, das hat mich positiv überrascht und so gibt es auch ein schönes Rahmenkonzept für die weitere Reihe.

Bei den Charakteren hat mir gut gefallen, dass sie ziemlich realitätsnah erschaffen worden. Mir ist Roxy mit ihrer Schwäche für Fast Food und Süßigkeiten ans Herz gewachsen. Obwohl sie eine Jägerin ist und eine gute Kondition braucht, mag sie Sport nicht sonderlich. Das ist vielleicht nicht die beste Kombination, aber macht sie in meinen Augen sehr menschlich.

Was ich jedoch bei dem Buch etwas vermisst habe, ist irgendetwas außergewöhnliches. Viele Bücher der Autorinnen sind so genial wegen den tiefgründigen Emotionen oder auch wegen einem sehr starken Spannungsbogen. Hier haben ich beides etwas vermisst. Die Handlung ist gut, aber nicht übermäßig fesselnd. Er gibt zwar ein paar Gefühle, aber auch nicht besonders viele. In meinen Augen ist somit diese Geschichte nett zu lesen, aber auch kein Bestseller. Hier habe ich schon von beiden Autorinnen bessere Urban Fantasy Romane gelesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2020

Manchmal muss man erst eine andere Geschichte erzählen, bevor man die Eigene erzählen kann

Never Doubt
0

„Dich spielen zu sehen war, als würde man durch eine Tür in eine andere Welt sehen. Einen Ort, wo außergewöhnliche Dinge passieren. Ich konnte weg von hier, weil ich dich gesehen habe. Anstatt dir also ...

„Dich spielen zu sehen war, als würde man durch eine Tür in eine andere Welt sehen. Einen Ort, wo außergewöhnliche Dinge passieren. Ich konnte weg von hier, weil ich dich gesehen habe. Anstatt dir also einfach ein Kompliment zu machen, will ich dir dafür danke, dass du mich für eine Weile an einen anderen Wort transportiert hast. Ich hab’s echt gebraucht.“

Emma Scott hat mich schon mehrfach mit ihren sehr emotionsgeladenen Geschichte und ihren unvorhergesehenen Wendungen überzeugt. Bei diesem Buch hatte ich mich nach dem Klappentext darauf einstellt, dass ich eine Hauptperson, Willow, kennenlerne, die eine tragische Vergangenheit hat und durch das Theater eine Stimme erhalten möchte. Ich hätte damit gerechnet, dass erst recht spät herauskommt, was eigentlich mit Willow geschehen ist, aber dem ist hier nicht so.

Im Gegensatz zu anderen Büchern erfährt der Leser direkt am Anfang, was Willow widerfahren ist. Bereits die Widmung des Buches deutet darauf hin, dass der Leser mit der #metoo-Bewegung in Berührung gerät. Wem dieser Hinweis nicht reicht, der erfährt direkt im ersten Kapitel, dass Willow vergewaltigt wurde und seitdem Schwierigkeiten hat sich anderen zu öffnen. Das hat mich sehr verwundert und so habe ich mich lange gefragt, ob die Handlung nicht zu geradlinig verlaufen würde.

Dadurch, dass Willows Vergangenheit kein Geheimnis ist und sie so erst einmal keine zu großen Probleme hat, haben mir hier etwas die Emotionen gefehlt. Ich hatte einige Schwierigkeiten mich in Willow hineinzuversetzen und in die Geschichte einzutauchen. Das hat sich verändert, als Willow anfängt Theater zu spielen. Die Darstellung des Dramas und wie hier die Parallelen gezogen werden, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch die einzelnen Auszüge aus Hamlet, die hier zitiert werden, mochte ich und sie haben auch in keinem Fall überhandgenommen. Im Gegenteil, sie haben mir sehr viel Vorfreude bereitet das Drama über den dänischen König und seine Ophelia einmal selbst zu lesen.

Schön war außerdem, wie Willow später mit den Folgen der Vergewaltigung umgeht. Ich finde es hier fortschrittlich, dass sie nicht den Fehler bei sich selbst sucht oder hinterfragt, was sie an dem Abend getragen hat. Solche Fragen werden viel zu häufig gestellt und es sollte eigentlich keinen Unterschied machen. Wenn eine Frau nicht ausdrücklich „ja“ sagt, dann darf sich hier keiner irgendwas nehmen oder einfordern. So ein Umgang mit dieser Thematik sollte es viel häufiger geben.

In meinen Augen wäre es für die Entwicklung der Geschichte gut gewesen, wenn Willows Geheimnis länger geheim geblieben wäre. Auch hätte ihr Sicht noch emotionaler sein können, aber ansonsten hat mich auch dieses Buch von Emma Scott wieder überzeugt. Ich mochte diese tiefgründige Liebesgeschichte und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2020

Wenn man keine große Erwartungen hat und von einem Jahreshighlight überrascht wird

Celestial City - Akademie der Engel
0

Wie leider so häufig ist der Klappentext zu „Celestial City“ nicht sonderlich aussagekräftig. Ich hatte Lust noch einmal ein Urban Fantasyroman zu lese und dachte mir mehr oder weniger nur, warum nicht ...

Wie leider so häufig ist der Klappentext zu „Celestial City“ nicht sonderlich aussagekräftig. Ich hatte Lust noch einmal ein Urban Fantasyroman zu lese und dachte mir mehr oder weniger nur, warum nicht dieser. Wirkliche Erwartungen hatte ich nicht an dieses Buch und habe nur auf eine nette Lektüre gehofft. Ich bin sehr selten so positiv von einem Buch überrascht worden. Von der ersten Seite an war diese Geschichte spannend sowie äußerst fesselnd. Innerhalb eines Tages hatte ich es beendet.

Der Leser taucht ein in eine Welt, in der es Engel und Dämonen gibt. Mit der Volljährigkeit wird jeder Jugendlicher einem Test unterzogen, zu welcher Gruppe er gehört und welche Ausbildung er beginnen darf. Obwohl Brielle einem Dämon versprochen ist und pechschwarze Flügel hat, darf sie an der Akademie der Engel ihre Ausbildung beginnen. Als Außenseiterin ist dies ein härteres Leben als gedacht. Vor allem als immer wieder Attentate geschehen und Brielle immer wieder zwischen die Fronten von Hell und Dunkel gerät.

Bei dem Buch hat mir besonders gut gefallen, dass der Leser direkt in die Geschichte eintaucht. Von dem ersten Kapitel an ist die Handlung spannend und ich wollte immer wissen, wie es weiter geht. Für mich war die Handlung nicht vorhersehbar und ich bin ein paar Mal sehr überrascht worden. Es ist immer wieder schön, wenn der Aufbau eines Buches nicht zu gradlinig ist.

Außerdem bin ich ein großer Fan von Brielle geworden. Sie ist ein schlüssiger Charakter, der trotzdem interessant ist. Sie ist aufopferungsvoll, realistisch, taff und auch lustig. Alles schöne, abwechslungsreiche Eigenschaften. Abgerundet wird dies durch ein paar Schwächen, die Brielle realistisch wirken lassen. Neben ihr gibt es eine Hand voll Nebenfiguren, die ebenso stark skizziert werden. Besonders Brielles beste Freundin ist mir ans Herz gewachsen. Ihre offene, draufgängerische Art hat die Geschichte aufgelockert. Von ihrer Sorte sollte es in jedem Fall mehr Menschen geben.

Mein Loblied auf dieses Buch könnte ich noch lange fortsetzen. Es ist genial geschrieben, außergewöhnlich und ein wahrer Pageturner. Ich freue mich tierisch, dass es noch mindestens drei weitere Teile dieser Reihe geben wird und ich wünsche mir ganz dolle, dass die anderen Bände genauso gut sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.08.2020

Wenn ein ganzes Buch wie ein einziger Prolog wirkt

Dreams of Yesterday
0

„Wir leben in Containern. Billig, schmutzig und grau. Und wir hatten keine Gärten. Verdammt noch mal, ich hatte sogar so weit gehen müssen, meinen eigenen Garten auf diesem nasskalten, rostigen Dach dort ...

„Wir leben in Containern. Billig, schmutzig und grau. Und wir hatten keine Gärten. Verdammt noch mal, ich hatte sogar so weit gehen müssen, meinen eigenen Garten auf diesem nasskalten, rostigen Dach dort oben anzulegen, um meine Sehnsucht nach einen bisschen Natur zu befriedigen. Um ein bisschen Grün zu sehen und Farben. Und in diesem billig hochgezogenen Bau zu leben bedeutete einen immerwährenden Kampf gegen Schimmel und andere Widrigkeiten.“

Der Klappentext bewirbt ein wunderschönes Buch über Träume, Hoffnungen und das Streben nach einem besseren Leben. Diese Geschichte hätte ich sehr gerne gelesen und sie hätte mir bestimmt auch echt gut gefallen. Diese Geschichte verbirgt sich allerdings nicht zwischen den Buchrücken von „Dreams of Yesterday“. Sie handelt nicht von zwei Jugendlichen, die gemeinsam planen ein Unternehmen in New York zu gründen. Evelyn hat auch keine traurige Vergangenheit, die sie nicht hinter sich lassen kann. Ich weiß nicht, wer diesen Klappentext geschrieben hat oder was diese Person dazu bewegt hat, diese Informationen in die Zusammenfassung zu schreiben, weil sie einfach nicht in dem Buch vorkommen.

Das Buch erzählt Dylans und Evelyns Geschichte, die sich in der Schule kennenlernen und direkt einen Draht zueinander haben. Es ist Liebe auf den ersten Blick und gemeinsam erleben sie viele ihrer ersten Male zusammen. Sie leben in einem Viertel, das nur als sozialer Brennpunkt beschrieben werden kann, und an manchen Tagen droht die Gewalt, die Betonbunker und die Eintönigkeit sie zu erdrücken.

Die Beschreibung des Wohnviertels und all der Probleme, die damit einher gehen, fand ich sehr gut skizziert. Es gibt wenige Geschichten, die in einer so herunter gekommenen Gegend spielen und die so ein ehrliches Bild der Unterschicht abgeben. Dafür gibt es von mir in jedem Fall einen Bonuspunkt. Den zweiten Stern gibt es für den Schreibstil. Dylan liebt Parfüms und Gerüche. Die Autorin schafft es immer wieder diese Gerüche mit in die Geschichte einzubinden und grandios zu beschreiben. Es gibt auch nicht viele Bücher, die den Geruchssinn so stark mit einbeziehen.

Bis auf diese Aspekte gab es echt wenig, was ich an dem Buch mochte. Die Charaktere sind viel zu flach beschrieben und auch die Beziehung wird mir zu schnell sowie zu naiv beschrieben. Ich konnte hier keine Emotionen spüren oder nachvollziehen, was die beiden aneinander finden. Für einen Liebesroman war das etwas zu dünn.

Neben den fehlenden Emotionen hat auch die Handlung gefehlt. Wenn ich überlege, welche Informationen alles schon in dem Klappentext stehen, dann gibt es darüber hinaus wenig andere Aspekte. Die Handlung hätte man in jedem Fall einer Seite zusammenfassen können. Gerade als ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte langsam Fahrt aufnimmt, war schon die letzte Seite erreicht. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Auftakt. Da die Handlung erst mit Teil zwei richtig beginnt, hätte man dieses Buch auch einfach als Prolog schreiben können.

Wahrscheinlich wird die Fortsetzung deutlich interessanter, aber mir ist wohl die Lust an dieser Geschichte vergangen. Mit Dylan und Evelyn habe ich abgeschlossen und brauche keinen weiteren Teil mehr lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2020

Immer nur dieser Fluch?

Cursed Love
0

„So wie ich auf dem Steg die Balance verloren hatte, verloren meine Gefühle sie nun ebenfalls. Etwas in mir kippte, und dieser kurze Augenblick wurde zu einem dieser seltenen Momente, in denen man alles ...

„So wie ich auf dem Steg die Balance verloren hatte, verloren meine Gefühle sie nun ebenfalls. Etwas in mir kippte, und dieser kurze Augenblick wurde zu einem dieser seltenen Momente, in denen man alles gleichzeitig spürte. Das Glück und die Furcht und jede Emotion dazwischen. Man lebte für diese Momente.“

In den letzten Jahren bin ich immer wieder über Bücher von Tanja Voosen gestoßen. Sie haben immer wie wunderschöne, emotionale Sommerromane gewirkt. Dieses Buch klang auch so, was der Grund war, dass ich es gerne lesen wollte. Der Klappentext erwähnt schon, dass der dieses Buch jedoch keine normale Liebesgeschichte ist, da sie von einem Fluch handelt und damit einige magische Aspekte enthält.

Besonders gut hat mir die Sprache gefallen. Die Autoren hat eine Begabung dafür Gefühle zu beschreiben und Bilder im Kopf zu zeichnen. Der Stil hat dafür gesorgt, dass der Einstieg in das Buch sehr leicht fällt. Die Insel wird traumhaft beschrieben und macht direkt Lust auf Strand sowie Sommerurlaub. Ich würde nun auch direkt einen Erdbeershake nehmen und mich an die Klippe setzen, um nach Walen Ausschau zu halten.

Zunächst wird dem Leser Mia vorgestellt, die sich gerade von ihrem Freund getrennt hat und erst noch ihr gebrochenes Herz flicken muss. Am Anfang ist dies so ziemlich alles, was man über Mia erfährt. Mit ein bisschen Durchhaltevermögen kommen noch mehr Details und Eigenschaften ans Licht, aber insgesamt ist Mia kein Charakter, der besonders komplex skizziert ist.

Weniger schön ist auch die Entwicklung der Handlung. Der idyllische Einstieg wird schon bald durch den Mythos des Darca-Fluches überschattet. Danach nimmt dieser Fluch sehr viel Raum in der Geschichte ein. Ich meine damit richtig viel Raum. So viel Raum, dass quasi kein anderer Inhalt mehr Platz in der Geschichte findet. Dies ist zulasten einer Charakterentwicklung oder von Emotionen.

Es war eine kurzweilige Geschichte, die in jedem Fall wunderschön geschrieben ist, aber es gibt in meinen Augen deutlich komplexere Jugendromane. Als Sommerlektüre würde ich eher ein anderes Buch empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere