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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2022

Eingeschränkt empfehlenswert

Totentanz – 1923 und seine Folgen (ungekürzt)
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Das Cover ist ganz hübsch und passend zum Inhalt gestaltet. Auch die Titelinformationen kommen gut zur Geltung.
Zum Inhalt: Anhand exemplarisch gewählter Biografien, unter anderem denen von Hugo Stinnes ...

Das Cover ist ganz hübsch und passend zum Inhalt gestaltet. Auch die Titelinformationen kommen gut zur Geltung.
Zum Inhalt: Anhand exemplarisch gewählter Biografien, unter anderem denen von Hugo Stinnes und Käthe Kollwitz, verfolgt die Autorin verschiedene politische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklungen des Jahres 1923.
Der Sprecher macht insgesamt einen soliden Job. Mir war die Originalgeschwindigkeit allerdings fast schon etwas zu schnell, was das Mitkommen erschwert hat. Zusätzlich verstärkt wurde dieses Gefühl noch durch die schnell wechselnden Perspektiven, auf die ich später noch einmal zu sprechen kommen werde. Jedenfalls ließ sich das Hörbuch so immer nur in kleinen Dosen mit ausreichend Pausen genießen, um auch Zeit zu haben, das Gehörte zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Der viele Input sorgt insgesamt für anspruchsvolle Unterhaltung, bei der man sich ordentlich konzentrieren muss, um den Faden bei den langen Kapiteln, die sich an den zwölf Monaten des Jahres orientieren, nicht zu verlieren.
Die vier im Klappentext angesprochenen Personen bleiben nicht die Einzigen im Fokus der Erzählung. Für mich wurde durch die ständige Erweiterung des Ensembles immer wieder der Eindruck vermittelt, dass man hier etwas zu viel wollte. Oft bekommt man zwar interessante Details mitgeteilt oder Rückblicke sowie Ausblicke ins Ausland geboten, aber es bleibt durch die Materialfülle eben doch häufig nur bei bruchstückhaften, oberflächlichen Momentaufnahmen. Auch dadurch werden Personen, die sich bereits viel mit der Zeit auseinandergesetzt haben, möglicherweise wenig Neues entdecken können.
Zudem konnte ich nicht aus jeder Perspektive gleich viel mitnehmen. Teilweise wirkten manche Einschübe eher wie unnötiges Füllmaterial. Des Weiteren liegt hier eindeutig auch eher ein Fokus auf der Vermittlung von Gefühlswelten, die Emotionen bei den Hörenden hervorrufen sollen, anstatt schlicht und möglichst objektiv Sachwissen anzubieten. Das führt zu guter Hörbarkeit für Laien, weil das Buch teilweise den Eindruck eines historischen Romans vermittelt. Für mich hatte es aber leider die gegenteilige Wirkung.
Wer weniger Vorwissen hat sowie ein hohes Interesse an Geschichte und vor allem wirtschaftlichen Entwicklungen hegt oder schlicht das Allgemeinwissen aufbessern möchte, könnte dennoch einmal reinhören.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Packendes Hörerlebnis

Troja
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Am Cover gibt es nichts auszusetzen. Es besticht durch seine Schlichtheit sowie seine liebevollen Details und passt super zum Inhalt.
Der Mythos um Troja, einer Geschichte voll Leidenschaft und Leid, Tod ...

Am Cover gibt es nichts auszusetzen. Es besticht durch seine Schlichtheit sowie seine liebevollen Details und passt super zum Inhalt.
Der Mythos um Troja, einer Geschichte voll Leidenschaft und Leid, Tod und Liebe, Helden, Tapferkeit und Übermut, dürfte vielen ein Begriff sein. Spätestens wenn wohl bekannte Namen wie Paris, Helena und Achilles fallen. Stephen Fry legt hier eine zeitgemäße Neuerzählung vor, die den Kampf der Götter und Menschen erneut lebendig werden lässt.
Der Sprecher macht einen begnadeten Job. Er haucht den Handelnden Leben ein. So macht das Zuhören richtig Spaß und die gelungene Kombination aus dem Sprecher und Frys Erzählstil hat mich erfolgreich fesseln können. Ich wollte einfach immer weiterhören.
Wer andere Werke Frys bereits kennt, wird um seinen einmaligen Humor wissen. Bildgewaltig erweckt der Autor den Mythos um Troja zum Leben, bringt durch seine humorvolle Ader immer wieder etwas Leichtigkeit in den zuweilen sehr grausamen und düsteren Stoff und sorgt so für ein spannendes Blockbuster-Kopfkino.
Man kann den immensen Rechercheaufwand hinter der Neuerzählung nachvollziehen, da Fry mit gut platzierten Kommentaren auch immer wieder gekonnt zum Mitdenken und Bilden einer eigenen Meinung anregt. Nicht zuletzt deshalb ist das Hörbuch allerdings nichts für zwischendurch. Die Flut an Namen und handelnden Personen - Vorwissen zur griechischen Mythologie und antiker Geschichte ist hier eindeutig von Nutzen - kann anfangs durchaus beängstigend wirken. Dank einfacher schriftstellerischer Kniffe wie Wiederholungen gelingt es dennoch, das Wichtige zu behalten und mitzukommen. Wissbegierde ist folglich jedoch sehr von Nutzen.
Sicher wurde der Mythos rund um Troja schon häufig aufgegriffen und erzählt. Warum sollte man ihn also noch einmal hören wollen? Mich hat am meisten überzeugt, wie gut vorstellbar die Handlung wirkte - ganz so, als wäre man mittendrin. Außerdem lädt Fry uns immer wieder zum Hinterfragen der überlieferten Geschehnisse ein und schafft freie Interpretationsräume. Darüber hinaus bietet sein gewählter Handlungsstrang eine Unmenge an Hintergrundinformationen zur griechischen Götter- und Sagenwelt sowie den Protagonisten auf trojanischer und griechischer Seite. Wir verfolgen die Hintergründe der Belagerung Trojas ebenso wie die Kriegshandlungen selbst und bekommen somit eine beeindruckende, in sich stimmige Gesamtkomposition geboten.
Insgesamt wurde ich großartig unterhalten. Fans griechischer Mythologie, lernwillige Geschichtsinteressierte und alle, die auf der Suche nach einem anspruchsvollen Hörbuch sind, sollten hier unbedingt einmal reinhören!

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Blieb hinter den Erwartungen zurück

The Atlas Six
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Das Cover ist wunderschön gestaltet, ein echter Eyecatcher eben. Es passt noch dazu perfekt zum Thema Geheimgesellschaften. Wenn wir schon bei äußerer Gestaltung sind, verdienen auch die grandiosen Illustrationen ...

Das Cover ist wunderschön gestaltet, ein echter Eyecatcher eben. Es passt noch dazu perfekt zum Thema Geheimgesellschaften. Wenn wir schon bei äußerer Gestaltung sind, verdienen auch die grandiosen Illustrationen der Charaktere eine lobenswerte Erwähnung.
Zum Inhalt: In jedem Jahrzehnt werden sechs Kandidaten mit herausragender magischer Begabung ausgewählt, um in die Alexandrinische Gesellschaft eingeführt zu werden. Doch nur fünf von ihnen werden letztlich aufgenommen. Wer wird die Initiation erleben?
Der Anfang war wahnsinnig stark. Danach hat mir der Schreibstil aber weniger zugesagt. Jeder Kandidat hat eine eigene Erzählperspektive erhalten, was das Lesen kurzweiliger gestaltet. Allerdings sind diese nicht in der Ich-Perspektive verfasst, sodass immer eine gewisse Distanz zu den Protagonisten erhalten blieb. Außerdem gleicht dieses Buch einem einzigen Gedankenexperiment rund um ein moralisches Dilemma. Es geht weit mehr um philosophische Diskussionen als um tatsächliche Handlung und Action. Auch wenn das eigentlich nicht mein Fall ist, hat die Geschichte mich doch in ihren Bann ziehen können, was mir das Lesen der eigentlich über weite Teile trockenen und theoretischen Passagen ungemein erleichtert hat. Echte Spannung kam nur in Wellen und hat sich stets mit zäheren Strecken abgelöst, dadurch wirkte das Buch wie ein Anfängerwerk.
Die Verarbeitung einiger haltloser Stereotypen, die wohl witzig sein sollten, heutzutage aber einfach nur noch ungebildet und lieblos wirken, hat bei mir Kopfschütteln hervorgerufen. Ansonsten haben mir der Humor und die scharfe Zunge im Erzählstil aber ganz gut gefallen. Auch die alles begleitende unheilvolle Atmosphäre konnte mich überzeugen.
Zu den Charakteren: Die Protagonisten wurden kontrovers und moralisch grau angelegt. So viel hat mir gefallen. Da ich mich, wie bereits beim Schreibstil erwähnt, jedoch nicht besonders gut in jemanden hineinversetzen konnte, war mir auch niemand richtig sympathisch. Erstaunlicherweise hat die Autorin es trotzdem geschafft, dass ich mit den Charakteren mitgefiebert habe, weil jede Person eine ganz eigene Anziehungskraft ausstrahlt.
Das vielfach angepriesene wissenschaftliche Magiesystem ist eher pseudowissenschaftlich unterwegs, verkauft sich aber selbst als hochprozentig. Das Magiesystem bleibt zudem vor allem wahnsinnig wage. Wir erfahren nicht viel über dessen Funktionsweise, was möglicherweise seiner Vielfältigkeit geschuldet ist. Wer außerdem Romantik und enemies-to-lovers-Momente erwartet, könnte ebenfalls enttäuscht werden, denn Liebesgeschichten spielten doch eher eine dezente und untergeordnete Rolle.
Für mich hatte The Atlas Six einen soliden Unterhaltungswert. Mehr aber auch nicht. Es gab kaum überraschende Wendungen, die ich vor allem im Ausblick auf den Folgeband erwartet hatte. Meiner Meinung nach wird das Buch seinem internationalen Hype nur bedingt gerecht, deswegen bin ich momentan auch nicht sicher, ob ich die Reihe überhaupt weiterlesen werde.
Wer eine Kombination aus Urban Fantasy und Dark Academia mit Sogwirkung sucht und sich für philosophische Diskussionen begeistern kann, sollte hier einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Süße Lovestory

Das irrationale Vorkommnis der Liebe – Die deutsche Ausgabe von »Love on the Brain«
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Das Cover gefällt mir gut. Die fröhlichen Farben sorgen direkt für gute Laune und passen super zum Genre.
Zum Inhalt: Bee ist Neurowissenschaftlerin und hat den Glauben an die Liebe aufgegeben. Stattdessen ...

Das Cover gefällt mir gut. Die fröhlichen Farben sorgen direkt für gute Laune und passen super zum Genre.
Zum Inhalt: Bee ist Neurowissenschaftlerin und hat den Glauben an die Liebe aufgegeben. Stattdessen orientiert sie sich bei all ihren Entscheidungen an ihrem großen Vorbild: Marie Curie. Als sie die Co-Leitung eines Projekts angeboten bekommt, sieht sie das als Möglichkeit, neuen Schwung in ihre stagnierende Karriere zu bringen. Wäre da nicht der zweite Projektleiter, Levi Ward, Bees langjähriger Erzfeind. Oder etwa doch nicht?
Ali Hazelwoods Schreibstil konnte mich erneut voll überzeugen. Die Geschichte ließ sich flüssig lesen und hat mich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitgenommen - vor allem aber hat sie mich immer wieder zum Lachen gebracht.
Der wohl größte Pluspunkt ist die erneut wahnsinnig gut gelungene Darstellung der akademischen Welt und der Herausforderungen, die hier einerseits mit wissenschaftlicher Projektarbeit im Allgemeinen, andererseits aber auch mit den Schwierigkeiten für Forscherinnen und soziale Randgruppen im Speziellen einhergehen. Wer aus dem Wissenschaftsbereich kommt, wird sich sofort verstanden fühlen.
Die Protagonisten und Nebencharaktere sind allesamt sympathisch und liebevoll ausgearbeitet. Levi hat definitiv Bookboyfriend-Potenzial, wohingegen Bees ausdruckstarke Gefühle mich regelrecht mitgerissen haben - auch wenn ich angesichts ihrer Sturheit so manches Mal die Augen verdrehen musste. Ein besonders niedlicher Extra lässt außerdem das Herz jedes Katzenmenschen höherschlagen.
An manchen Stellen war mir fast schon etwas zu viel Kitsch vorhanden. Zudem waren einige Wendungen in der Geschichte schon sehr vorhersehbar, weshalb ich leider nicht dauerhaft das Gefühl verspürt habe, unbedingt zum Buch greifen und weiterlesen zu müssen. Trotzdem wurde ich insgesamt gut unterhalten und würde jederzeit mehr von der Autorin lesen, die mittlerweile in den Kreis meiner Lieblingsschriftstellerinnen aufgestiegen ist.
Wer ein absolutes Wohlfühlbuch mit einer guten Prise Humor, ordentlich Drama und Abenteuer rund um einen enemies-to-lovers-Handlungsstrang sucht, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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Veröffentlicht am 08.09.2022

Kurzweiliges Krimivergnügen

Die rätselhaften Honjin-Morde
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Das wundervoll gestaltete Cover hat mich sofort angesprochen. Es ist ein echter Eyecatcher und passt perfekt zum Krimigenre.
Zum Inhalt: Japan im Winter 1937: Bei einer Hochzeit der Ichiyanagis kommt es ...

Das wundervoll gestaltete Cover hat mich sofort angesprochen. Es ist ein echter Eyecatcher und passt perfekt zum Krimigenre.
Zum Inhalt: Japan im Winter 1937: Bei einer Hochzeit der Ichiyanagis kommt es zu einem Mord. Das frisch verheiratete Paar starb in einem verschlossenen Raum. Kann der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi das Rätsel lösen?
Der Schreibstil erschien mir zu Beginn etwas extravagant und monologisierend steif, weshalb es mir anfangs etwas schwerfiel, in die Geschichte zu kommen. Zudem wurde mein Lesefluss immer mal wieder unterbrochen, weil ich das netterweise angefügte Glossar rund um die japanische Kultur zurate ziehen musste. Das hat sich glücklicherweise aber bald gelegt und danach hat es mich förmlich in den Fingern gejuckt, einfach immer weiter zu lesen. Aufgrund seiner Kürze eignet sich der Krimi sehr gut, um an einem ungemütlichen Herbstnachmittag verschlungen zu werden.
Der klassische Whodunnit-Krimi spielt gekonnt mit dem Leser bzw. der Leserin. Der Schreibstil hat mich an eine Vorlesung zur Analyse und Rekonstruktion eines echten Kriminalfalls erinnert, weshalb sich das Buch hervorragend zum Miträtseln eignet.
Richtig gut gefallen haben mir auch die vielen Verweise auf andere Werke der internationalen klassischen Krimiliteratur. Ein Buch über Bücher lässt wohl das Herz jeder Leseratte höherschlagen.
Der gelungen umgesetzte Spannungsbogen konnte mich fesseln. Mit dem ermittelnden Privatdetektiv hat der Autor zudem eine unglaublich sympathische und überaus intelligente Figur geschaffen, von der ich gerne mehr lesen würde. Der Fall erhält schlussendlich eine überzeugende Auflösung, die keine Fragen offenlässt. Mir hat der Krimi daher insgesamt richtig gut gefallen.
Wer spannende klassische Krimis nach Sherlock Holmes-Art mag, sollte hier unbedingt einmal reinlesen.

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