Nicht meins
Crown of War and ShadowIch hab „Crown of War and Shadow“ als Rezensionsexemplar gehört, und wenn ich ehrlich bin: Gelesen hätte ich es nicht zu Ende gebracht. Die Grundidee hat mich gepackt. Sorrel, ausgestoßen wegen ihrer Magie, ...
Ich hab „Crown of War and Shadow“ als Rezensionsexemplar gehört, und wenn ich ehrlich bin: Gelesen hätte ich es nicht zu Ende gebracht. Die Grundidee hat mich gepackt. Sorrel, ausgestoßen wegen ihrer Magie, auf der Flucht. Merc, der Söldner mit rauer Schale und einem Schicksal, das größer ist als er selbst. Die zwei Hauptcharaktere haben etwas an sich, das mich festhält. Da ist Potenzial, da ist Spannung, da ist dieses leise Versprechen.
Viola Müller als Sprecherin ist das, was mich dranbehalten hat. Sie haucht Merc diese erschöpfte, abgebrühte Tiefe ein und lässt Sorrel zwischen Trotz und Verletzlichkeit schwanken. Ihre Stimme gibt den langen, schweren Passagen Luft. Ohne sie wäre ich längst ausgestiegen.Und genau da liegt der Haken. Der Stil. Ich habe selten ein Buch gehört, bei dem ich so oft zurückgespult habe, weil ein Satz einfach keinen Sinn ergibt. Wörter fehlen, Nebensätze stapeln sich zu Türmen, die mitten im Nichts enden. Es liest sich, als hätte niemand mehr drübergeschaut. Ob das am Original oder an der Übersetzung liegt, weiß ich nicht. Aber es reißt dich raus. Immer wieder. Statt in der Welt anzukommen, stolperst du über die Sprache.
Das Worldbuilding hätte so viel mehr sein können. Wir bekommen Kälte, Schnee, die Härte des Nordens – bildgewaltig, keine Frage. Aber was den Fluch der Königreiche wirklich ausmacht, was die Magie antreibt, woher Sorrels Gabe kommt… das bleibt schemenhaft. Man wird hineingeworfen und soll schwimmen lernen. Grundsätzlich mag ich das. Hier fehlte mir aber die Struktur, gerade im Mittelteil. Da zieht sich die Geschichte, verliert den Faden und damit auch mich als Hörer.
Zu Sorrel und Merc: Ich mag sie beide. Sorrel ist nicht die klassische Auserwählte, die alles kann. Sie ist stur, misstrauisch, manchmal widersprüchlich. Menschlich. Merc ist kein Held mit sanften Worten. Er ist ein Söldner, der kommandiert, schützt und verletzt.Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich nur sehr zögerlich. Lange bleibt es leise zwischen ihnen, Gespräche sind rar und echte Nähe baut sich kaum auf. Wer auf langsamen Aufbau steht, findet hier viel Raum – wer knisternde Dynamik erwartet, wird sich gedulden müssen.
2,5 Sterne bekommt das Buch, weil die Idee und die Charaktere mich nicht loslassen. Weil Viola Müller so viel rettet. Aber auch, weil ich enttäuscht bin. Da steckt so viel Essenz drin – von Flucht, von Vorurteilen, von einem Fluch, der mehr ist als nur Magie. Doch der Stil erstickt viel davon.
Wenn du auf düstere Nord-Fantasy stehst und Charakteren wie Merc und Sorrel eine Chance geben willst, hör rein. Aber stell dich auf holprige Sätze ein. Für mich bleibt es dabei: Gute Essenz, schwache Umsetzung.