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Lunamonique

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2021

Freundschaft und Zusammenhalt

Vertraute Welt
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„Vertraute Welt“ von Autor Hwang Sok-yong nimmt unsere Wegwerfgesellschaft aufs Korn und legt den Finger tief in die Wunde unserer modernen Welt.

Die „Blumeninsel“ am Rande der südkoreanischen Metropole ...

„Vertraute Welt“ von Autor Hwang Sok-yong nimmt unsere Wegwerfgesellschaft aufs Korn und legt den Finger tief in die Wunde unserer modernen Welt.

Die „Blumeninsel“ am Rande der südkoreanischen Metropole Seoul wird zu Glubschaugs neuem Zuhause. Auf der Mülldeponie herrschen eigene Regeln. Teil seiner Patchworkfamilie wird Glatzfleck. Die beiden freunden sich an und lüften ein Geheimnis.

„Seinen Namen verriet der Junge nie. Schon gar nicht seinen Familiennamen.“ Glubschaugs Geschichte ist voller ungewöhnlicher Spitznamen. Hinter jedem steckt eine passende Erklärung. Vom Berghangslum zur Mülldeponie, Glubschaug ahnt anfangs nicht, wohin es ihn und seine Mutter verschlägt. Die Arbeit auf der Mülldeponie ist alles andere als einfach und ungefährlich, und trotzdem schaffen es die beiden, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Die Themen, Außenseiter, Umweltzerstörung, Wegwerfgesellschaft werden in eine ungewöhnliche Geschichte verpackt, in der unterschwellig immer eine gewisse Hoffnung herrscht. Es geht um eine wachsende Freundschaft, Zusammenhalt und tägliche Herausforderungen. Auf der Suche nach Schätzen im Abfall herrscht eine strenge Hierarchie und Ordnung. Was Andere wegwerfen, kann für die Müllsammler zum Highlight des Tages werden. Glatzfleck erweist sich als pfiffiger als gedacht. Wie alle hat auch er seine Geheimnisse. Bald wird die Mülldeponie auch für Glubschaug zur vertrauten Welt. Zeitweise wirken die Alltagserlebnisse etwas langatmig erzählt. Das ändert sich mit einem schicksalhaften Ereignis. Wendungen und Auflösungen sind gut inszeniert. Von einem auf den anderen Moment wird alles auf den Kopf gestellt. Verzweiflung und kleines Glück liegen dicht beieinander. Zum Nachdenken regen Bemühungen an, die Natur wenigstens schrittweise wieder herzustellen. Ist alles verloren? Nicht, wenn ein Umdenken erfolgt. Das Schicksal mischt die Karten für Glubschaug und Glatzfleck immer wieder neu. Ein Happy End scheint aussichtslos.

Der Titel spielt auf das Leben auf der Mülldeponie an, kann aber auch als Provokation gelten. Wie gehen wir mit der Natur und den Lebewesen am Rande der Gesellschaft um? „Vertraute Welt“ ist eine aufrüttelnde Geschichte und hält uns den Spiegel vor. Wollen wir weiter so machen oder etwas ändern? Es ist die Geschichte zweier Kinder und am Ende die von uns allen.

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Veröffentlicht am 08.10.2021

Beeindruckende Persönlichkeiten

Althea Gibson - Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin
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„Althea Gibson – Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin“ von Reporter, Reise- und Sportjournalist Bruce Schoenfeld dreht die Zeit zurück und gewährt ungewöhnlich umfangreiche Einblicke ...

„Althea Gibson – Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin“ von Reporter, Reise- und Sportjournalist Bruce Schoenfeld dreht die Zeit zurück und gewährt ungewöhnlich umfangreiche Einblicke in die Tennisgeschichte.

„Althea Gibson war die erste Schwarze, die Wimbledon gewann. Doch der Weg dorthin war hart. Aufgrund ihrer Hautfarbe wird die US-Amerikanerin immer wieder diskriminiert und ausgegrenzt, auf dem Platz beschimpft und ausgebuht. Angela Buxton, Engländerin und Enkelin russischer Juden, kämpft aufgrund ihrer Herkunft mit ähnlichen Vorurteilen.“

Der Prolog berührt mit ungewöhnlichen Einblicken und einem Hilferuf. Die einst berühmteste Tennisspielerin Amerikas ist in einer Notlage. Wie konnte es so weit kommen? Autor Bruce Schoenfeld erzählt nicht nur die Geschichte von Althea Gibson, sondern gibt Einblicke in die Karrieren der damaligen Stars, ihrer Stärken und Schwächen. Jeder führt seinen eigenen Kampf, um an die Spitze zu kommen oder dort zu bleiben. Außenseiterinnen wie die Afroamerikanerin Althea Gibson und Jüdin Angela Huxton haben es besonders schwer. In Zeiten der Rassentrennung werden Althea Chancen und Möglichkeiten verbaut. Sie muss sich jeden Schritt hart erkämpfen und immer wieder ihr Talent beweisen. Selbstbewusstsein und Siegeswillen bleiben trotz aller Widerstände ungebrochen. Es ist spannend mitzuerleben, wie sich besonders die Frauen ihren Platz in der Tennisgeschichte erkämpfen. Welche unterschiedlichen Wege sie gehen und wie sie sich sportlich unterscheiden. Vorrangig erzählt das Buch von einer lebenslangen Freundschaft, die erst langsam und mit Umwegen zustande kam. Die Schwarz-Weiß-Fotos zu Beginn jeden Kapitels erzählen von Althea und Angela, aber auch von Konkurrenten, Trainern und Unterstützern. Sie vereinfachen das Eintauchen in eine andere Zeit zusätzlich. Altheas Weg von einer talentierten Athletin zum Tennisstar bewegt genauso wie Angelas Entwicklung und sportliche Steigerung mit Hilfe unkonventioneller, neuer Methoden. „Die Teilnahme farbiger Sportler an nationalen Turnieren ist im Tennis genauso unausweichlich wie im Baseball, im Football und im Boxen, man kann so viel Talent nicht ausschließen. … Ich kenne Miss Gibson nicht persönlich, doch für mich ist sie ein Mensch wie ich und sollte die gleichen Rechte eingeräumt bekommen.“ Zitat Ham Richardson. Es sind die Persönlichkeiten rund um die Tenniswelt, die dieses Buch ausmachen. Was ist aus Althea und Angela geworden? Die Antworten finden sich im letzten Buchdrittel und im Epilog.

Das Cover zieht die Blicke mit einer selbstbewussten Althea Gibson auf sich. Der Titel weckt die Neugierde. „Althea Gibson – Gegen alle Widerstände. Die Geschichte einer vergessenen Heldin“ beeindruckt durch eine sehr umfangreiche Recherche, bietet viel Nähe zur damaligen Tennis-Elite und rückt vergessene Heldinnen neu ins Licht. „Dies ist ihre Geschichte: zwei Frauen, die nicht zuließen, dass Intoleranz, Rassismus und Engstirnigkeit über sie triumphieren. Und ein Denkmal für die einst berühmteste Tennisspielerin der Welt“.

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Eine ungewisse Zukunft

The Upper World – Ein Hauch Zukunft
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„The Upper World – Ein Hauch Zukunft“ ist das Debüt von Autor Femi Fadugba. Femi Fadugba hat einen Master in Quantenphysik von der University of Oxford. Physik beherrscht auch den Roman.

Straßengangs ...

„The Upper World – Ein Hauch Zukunft“ ist das Debüt von Autor Femi Fadugba. Femi Fadugba hat einen Master in Quantenphysik von der University of Oxford. Physik beherrscht auch den Roman.

Straßengangs treiben ihr Unwesen im Süden Londons. Teenager Esso Adenon gerät zwischen die Fronten. Lässt sich die drohende Gefahr abwenden, und gibt es einen Ausweg? Auch seine Freunde müssen um ihr Leben fürchten.

Das Jugendbuch ist in die vier Teile Entfernung, Zeit, Materie und Energie aufgeteilt. Die zwei Handlungsstränge Esso im Jetzt 2020 und Rhia in der Zukunft 2035 werden in der jeweiligen Ich-Perspektive erzählt. Rhia ist auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Eine Begegnung gibt Rätsel auf und schürt Hoffnungen. Essos Abwärtsstrudel lässt sich scheinbar nicht mehr stoppen. Verzweifelt sucht er nach einer Lösung. Das Thema „Zeitreisen“ fließt auf interessante Weise in die Geschichte ein. Hat jeder das Talent, die Obere Welt zu betreten? Was ist mit Essos Vater passiert, und was steckt hinter seinen Notizen? Auszüge gewähren Einblicke in das Leben und Denken von Blaise Adenon. Mit Essos Schwarm Nadia kommt die Liebe ins Spiel. Kann er sie erobern? Essos Umfeld, seine ungewöhnlichen Freunde bringen anfangs eine Prise Humor hinein. Mit Essos zunehmender Misere und schicksalhaften Wendungen ändern sich auch die Perspektiven auf einige Charaktere. Bald entsteht der verzweifelte Wunsch, Geschehnisse rückgängig zu machen. Die Erklärungen rund um Physik nehmen immer mehr Raum ein. Sie wirken teils langatmig. Es geht ums physikalische Verständnis und eine rettende Lösung. Geht Essos Plan auf? Alles steuert auf Eskalationen zu. Die Spannung steigt. Zum Schluss gelingt das Mitfiebern von alleine. Ein Dialog am Ende ist abgefahren. Der Epilog gibt Infos übers Danach und dient als guter Ausklang.

Das kreative, farbintensive Cover passt gut zur Geschichte und stimmt auf chaotische, ungewöhnliche Entwicklungen ein. „The Upper World – Ein Hauch Zukunft“ ist nicht so packend wie erwartet. Die Geschichte wird oft durch das Thema „Physik“ und Entschlüsselungen ausgebremst. Sind Zeitreisen möglich? Für Jugendliche ab 14 Jahren mit genannten Interessen ein sicherlich unterhaltsames Abenteuer.

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Veröffentlicht am 18.09.2021

Mit Verhaltensänderung viel bewirken

Stupid ways to die
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„Stupid ways to die – Mit drei einfachen Schritten länger leben“ von Autor Marco Hahn befasst sich mit gesunder Lebensweise und entscheidenden Tipps zur Veränderung.

„Wenn Du dieses Buch liest, interessierst ...

„Stupid ways to die – Mit drei einfachen Schritten länger leben“ von Autor Marco Hahn befasst sich mit gesunder Lebensweise und entscheidenden Tipps zur Veränderung.

„Wenn Du dieses Buch liest, interessierst Du Dich für Deine Gesundheit. Es gibt nichts Wertvolleres. Bist Du gesund, hast Du Kraft. Hast Du Kraft, bist Du stark. Bist Du stark, kannst Du anderen helfen. Hilfst Du anderen bist Du glücklich.“

Der Prolog mit persönlichen Ansprache hat Humor, aber auch Nachdenkliches parat. Das Thema „Ablenkung“ wird auf interessante Weise angesprochen. Was kostet uns Lebenszeit? Was lässt sich mit langfristiger Umstellung verbessern? Das Buch ist in drei Bereiche eingeteilt und beleuchtet unsere Fehler im Umgang mit Zucker, Aluminium und Wasser. Basierend auf wissenschaftlicher Forschung, Studien, Untersuchungen und Erkenntnissen treten unangenehme Wahrheiten zu tage und wird uns der Spiegel vorgehalten. Für Unterhaltung und Humor im Kampf gegen schlechte Gewohnheiten sorgen die Karikaturen von Ralph Handmann. Ironie inklusive. Zusammenhänge werden anschaulich erklärt. Manchmal wirkt die Wissensvermittlung etwas langatmig wie beim Schlussthema Wasser. Gelungen sind Perspektiven und Vielfalt. „Zucker – Killing me softly“ befasst sich unter anderem mit trojanischem Zucker und hat Vorschläge parat, wie man seine Ernährung ändern kann. Erschreckend sind die krankmachenden Auswirkungen von einer zu zuckerreichen Ernährung. Eine einfache Regel bringt die Wende. Lassen wir uns zu sehr von Werbung, Umfeld und Co manipulieren? Das Buch regt in allen drei Bereichen zum Nachdenken an. Auch unser Umgang mit Aluminium ist zu sorglos. Interessant, wo uns Problem Nr. 2 überall begegnet. Wer setzt sich schon mit den Folgen der Aluminiumgewinnung auseinander? Auch hier wird der Finger in die Wunde gelegt. Im Alltag lassen sich die Weichen für eine gesündere Zukunft stellen, die weltweite Auswirkungen haben kann, z.B. um endlich die Regenwaldzerstörung zu stoppen und für den entscheidenden Wandel zu sorgen. Viele Themen, eine Botschaft. Jeder Einzelne kann für sich und andere etwas bewirken. Zusammen werden daraus riesengroße Schritte.

Der Titel „Stupid ways to die – Mit drei einfachen Schritten länger leben“ provoziert, weckt die Neugierde und steigert die Erwartungen. Das Cover ist schlicht, aber treffend und hat Witz. Wer schadet sich schon wissentlich gerne selbst? Gerne hätte das Buch noch mehr Themen und Seiten haben können. Das Lektorat ist zu kurz gekommen. Beim Thema „Wasser“ nimmt das Fachliche zu viel Raum ein und der lockere Erzählstil wird etwas vernachlässigt. Insgesamt ein interessantes Buch mit gutem Denkanstößen und Aufrüttelpotenzial.

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Veröffentlicht am 14.09.2021

Der Weg zum Traumberuf

Nachtschicht in Neukölln
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In „Nachtschicht in Neukölln - Eine Polizistin erzählt“ gewährt Polizeioberkommissarin Lana Atakisieva interessante Einblicke in ihre Arbeit als Streifenpolizistin in Berlin-Neukölln.

„Seit ich auf dem ...

In „Nachtschicht in Neukölln - Eine Polizistin erzählt“ gewährt Polizeioberkommissarin Lana Atakisieva interessante Einblicke in ihre Arbeit als Streifenpolizistin in Berlin-Neukölln.

„Seit ich auf dem Abschnitt im Funkwageneinsatzdienst tätig bin, muss ich mich auf der Straße durchsetzen, und das hat mich verändert. Ich habe zu einem Selbstbewusstsein gefunden, das ich früher nicht hatte.“

Der Prolog katapultiert den Leser mitten ins Einsatzgeschehen. Feingefühl ist in einer speziellen Situation gefragt. Mit Widerstand und Eskalation ist zu rechnen. Das eingespielte, verlässliche Team bietet Schutz und Sicherheit. Lage einschätzen, und wie fällt die Entscheidung aus? Nur ein Fall von vielen, der zeigt was Polizisten leisten müssen. Sehr gelungen und abwechslungsreich ist der Wechsel zwischen Polizeiarbeit und Werdegang. Lana beweist einen unbändigen Willen, sich ihre Träume zu erfüllen. Sie hat mit Mobbing und Vorurteilen zu kämpfen. Die Ich-Perspektive lässt viel Nähe zur Hauptfigur zu. Unterschiedliche Kulturen und Lebensformen treffen aufeinander. Der Wunsch nach einem eigenständigen, freien Leben wird übermächtig. Das Band zur Familie reißt nicht ab, sondern erneuert sich über die Jahre. Wandel und Veränderung, bis Sprachtalent Lana an ihrem Wunschziel ankommt, muss sie einige Hürden bewältigen. Die kurzen Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Sowohl in der persönlichen Geschichte als auch in der Polizeiarbeit werden einige interessante Themen angeschnitten. Das Polizeiteam um Lana wirkt sehr sympathisch. Mehr als einmal geht der Einsatz über die Vorschriften hinaus. Hilfsbereitschaft und Mitgefühl zeigen sich in kniffeligen und scheinbar belanglosen Fällen. Manchmal ist es so einfach, jemanden zum Lächeln zu bringen. Der Epilog hat zusätzliche Infos parat und bildet einen gelungenen Abschluss.

Das Cover zieht mit der sympathisch-taffen Polizeioberkommissarin die Blicke aufs Buch. Der Titel weckt zusätzlich die Neugierde. „Nachtschicht in Neukölln – Eine Polizistin erzählt“ spricht ein vielfältiges Publikum an und macht Mut, an sich selbst zu glauben und unbeirrt seinen Weg zu gehen. Wird es eine Fortsetzung geben? Lanas oft ungewöhnliche Begegnungen und Berlin-Neukölln bieten viel Potential.

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