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Veröffentlicht am 06.03.2025

Lesenswerter Einblick in die Gedankenwelt und das Leben von Phil Dick

Ich lebe und ihr seid tot
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Wer war Phil Dick?
Philip K. Dick, der oft auch unter Psydonymen veröffentlichte, war ein bekannte US-amerikanischer Science Fiction Autor, der immense viele Romane und Erzählungen veröffentlicht hat.
Du ...

Wer war Phil Dick?
Philip K. Dick, der oft auch unter Psydonymen veröffentlichte, war ein bekannte US-amerikanischer Science Fiction Autor, der immense viele Romane und Erzählungen veröffentlicht hat.
Du bist mit seinem Werk bestimmt auch schon in Berührung gekommen, zumindest wenn du die Filme „Blade Runner“ oder „Total Recall“ kennst, die auf Geschichten von ihm basieren. Auch der Mega Blockbuster „Matrix“ und seine Prequels basiert auf seinen Ideen.
Phil Dick kann als einer der großen Ideengeber für futuristische und philosophische Film-und Fernsehproduktionen gesehen werden.

Wer aber war Phil Dick wirklich? Woher bezog er seine Ideen, wie hat er gelebt und wie sah seine Glaubenswelt aus?

Der französische Journalist und Schriftsteller Emmanuel Carrère, den ich seit seiner Gerichtsreportage „V13 - Die Terroranschläge von Paris“ sehr bewundere, hat über diesen Menschen und sein Umfeld ein Buch geschrieben, das er selbst als Romanbiografie definiert. Ich persönlich finde, das Buch hat mehr einen Sachbuchcharakter, auch wenn Carrère einzelne Passagen aus Dicks Leben und Werken mit fiktionaler Freiheit erzählt.
Das Krasse ist, dass das Buch in Frankreich bereits 1993 erschien und jetzt nach 32 Jahren (!!!) ins Deutsche übersetzt wurde. Das spricht für eine ungebrochen Faszination und einem Interessse an Phil Dick und seinen Fantasiewelten. Aber auch für die Kunst und das Talent von Carrère, denn beim Lesen dieser zeitlosen Biografie macht das Erscheinungsjahr keinen Unterschied.

Carrère erzählt Dicks Leben chronologisch und beginnt mit seinem ersten einschneidenden und prägenden Ereignis nach seiner Geburt. Und das ist der Tod seiner nur wenige Monate alten Zwillingsschwester Jane unter tragischen Umständen. Dick wird Zeit seines Lebens von einer Art Parallelexistenz besessen sein, vom Glauben an eine Art gespiegelten Leben, das in den Erzählungen vom Tod seiner Schwester seinen Anfang nahm.


Dick wächst in Berkeley, damals die rote Hauptstadt der USA und in einem von marxistischem Dialekt geprägten Umfeld, obwohl er als junger Erwachsener als Reaktionär gilt. 1952 veröffentlicht er seine erste Erzählung.

Anfang der 60er entdeckt er die Pforten der Wahrnehmung.
Es ist die Zeit der Bewusstseinserweiterung, die Ära von Huxley, LSD und Meskalin.

„Lovecraft hatte gewarnt: Wenn wir alles wüssten, würden wir vor Entsetzen wahnsinnig werden.“



In den Werken von Phil Dick, der manchmal als Drogen-Autor beschrieben wurde, geht es viel um das Erkennen der „echten“ Wirklichkeit, sie sind demaskierend und desillusionierend und in der Handlungsführung mit komplexen und spannenden Aufbau.

Dick wurde viel von den spirituellen Strömungen seiner Zeit geprägt, so befragte er zeitweise regelmäßig das I Ging, nicht nur für sein eigenes Leben sondern auch für die Weiterführung der Handlung in seinen Romanen.

Oft habe ich mich beim Lesen gefragt, wie wohl die Entwicklungen unserer heutigen Zeit gerade im Bereich Künstliches Bewusstsein und Intelligenz auf Phil Dick gewirkt hätten. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass die Übersetzerin Claudia Hamm in einer Anmerkung von 2025 kurz darauf eingeht.

Sie erwähnt auch, dass in Übereinstimmung mit Carrère einige Kürzungen vorgenommen wurden, was ich sehr begrüße, denn ich kann ich nicht leugnen, dass das immer noch 360 Seiten umfassende Buch für mich einige Längen aufwies und das Lesen einige Zeit in Anspruch nahm.

Dennoch war „Ich lebe und ihr seid tot“ für mich eine sehr bereichernde und informative Lektüre war, die mir gut gefallen hat. Carrère gibt mit Phil Dicks Biografie nicht nur Einblicke in eine spannende Zeit in den USA, als vieles im Umbruch war, sondern auch in eine Gedankenwelt, die sowohl visionär als auch verwirrt war.

Oder um es mit Phil Dicks Worten zu sagen:
„Es ist manchmal eine angemessene Reaktion auf die Realität, verrückt zu werden.“

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Rätselhaft, fesselnd und ein bißchen speziell

Hier bleiben können wir auch nicht
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Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Maren Wurster gefreut. Ihr voriger Roman „Eine beiläufige Entscheidung“ hatte mir ziemlich gut gefallen und eine gewisse Erwartungshaltung geweckt.
Nun, ihr ...

Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Maren Wurster gefreut. Ihr voriger Roman „Eine beiläufige Entscheidung“ hatte mir ziemlich gut gefallen und eine gewisse Erwartungshaltung geweckt.
Nun, ihr neuer Roman ist …anders.

Ich mochte ihn aber genauso gerne und ich habe viel über ihn nachgedacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass er vielleicht kontrovers aufgenommen wird und zwiespältige Meinungen hervorruft.

Wurster hat ihren Roman in einem andeutungsweise dystopischen Setting angelegt, das mich sofort an die Zeiten der Corona Pandemie denken lässt und an die staatlichen Einschränkungen, die mit ihr verbunden waren. Eine kurze Recherche ergibt, dass Wurster und ihre engsten Angehörigen ungeimpft geblieben sind und sehr unter den daraus folgenden Einschränkungen und Repressalien gelitten haben. Diese Erfahrungen scheinen in ihren neuen Roman eingeflossen zu sein.

Denn ihre Ich-Erzählerin Gesa hatte sich im staatlichen System der Städte der Zukunft, das seine Bürgerinnen mit einem Chip überwacht, schon länger nicht mehr wohl gefühlt. Ihr Freund Tom, der Vater von Marie, ist einige Monate vorher plötzlich und sehr überraschend aus unklaren Gründen gestorben.

„Ich dachte viel an ihn, aber traurig konnte ich nicht sein. Denn ich hatte mir seinen Tod gewünscht.“

Auf der Suche nach einem alternativen Leben für sich und ihre kleine Tochter Marie, kauft sie nach Toms Tod ein sehr abgelegenes altes Haus auf dem Land. Dort zieht sie mit ihrer Tochter ein.

Doch auch in dem neuen Umfeld, in der ländlichen Abgeschiedenheit, fühlt sich Gesa nicht angekommen. Sie wird von mysteriösen Vergiftungserscheinungen geplagt, fühlt sich oft unwohl und krank.
In der Nähe ihres Hauses trifft sie auf eine Landkommune mit Aussteiger
innen, die dort ihren Traum von einem freieren und alternativen Leben verwirklichen wollen.
Gesa und ihre Tochter freunden sich mit ihnen an und verbringen immer mehr Zeit mit der Gruppe.
Können Mutter und Tochter dort die Gemeinschaft und das Zuhause finden, nach dem sie sich so sehr sehnen?

Wurster beschäftigt sich in ihrem Roman viel mit Lebensmodellen und mit dem Wunsch nach der richtigen Lebensform. Kann es die in der Gruppe überhaupt geben und welchen Preis muss jeder dafür zahlen?
Wieviel individuelle Freiheit ist überhaupt möglich, wenn Menschen gemeinsam leben und entscheiden?
Das sind sehr aktuelle Fragen, die nicht nur während der Corona Pandemie sehr relevant waren, sondern auch generell immer wieder in verschiedenen Kontexten in Frage gestellt werden und diskutiert werden sollten.

Ich mochte den Roman auch deshalb, weil er meiner Meinung nach, sehr spannend und ansprechend erzählt ist, auch wenn er vielleicht nicht die emotionale Dichte besitzt, die mir in „Eine beiläufige Entscheidung“ so gut gefallen hat.

Dafür überrascht er mich mit einem kurzem dritten Teil, der noch mal ein komplett neues und anderes Licht auf die Geschichte wirft.
Auch die großen Leerstellen und das Nicht -Auserzählte haben mir persönlich sehr gut gefallen, könnten aber für andere Leser*innen vielleicht zu wenig konkret wirken.

Ich würde „Hier bleiben können wir auch nicht“ mit den Adjektiven sehr rätselhaft, fesselnd und ein bißchen speziell zusammenfassen. Für mich ein sehr gelungener und lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Das Portrait einer Beziehung am breaking point - einfühlsam und lesenswert

Zehn Bilder einer Liebe
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Es gibt Bücher, da finde ich das Cover so ansprechend, dass ich sie unbedingt lesen will. Das Cover von „Zehn Bilder einer Liebe“ ist so eines. Es zeigt zwei verschlungene Menschen und es ist nicht klar ...

Es gibt Bücher, da finde ich das Cover so ansprechend, dass ich sie unbedingt lesen will. Das Cover von „Zehn Bilder einer Liebe“ ist so eines. Es zeigt zwei verschlungene Menschen und es ist nicht klar erkennbar, ob sie gerade kämpfen oder sich umarmen. In Verbindung mit dem Titel ist das für mich eine vielversprechende Kombination.

Und Hannes Köhler lässt in seinem vierten Roman sein Liebespaar David und Luisa eine massive Krise durchlaufen, so dass beide nicht mehr wissen, ob sie sich noch lieben, oder schon gegeneinander kämpfen. Oder beides.

David und Luisa werden ein Liebespaar, als beide schon Beziehungen hinter sich haben und die etwas ältere Luisa hat bereits eine Tochter.
In 10 Bildern oder Kapiteln erzählt Köhler die Geschichte der beiden, beginnend von ihrer allerersten Begegnung und ihrer Vergangenheit und kommt dabei immer wieder auf ihren aktuellen großen Tiefpunkt zurück.

Der stellt sich ein, als in David der Wunsch nach einem eigenen gemeinsamen Kind mit Luisa aufkommt. Er hat Angst sich mit ihrer Tochter Ronya zu sehr zu verbinden und sie nach einer möglichen Trennung komplett zu verlieren. Im Laufe des Romans merkt er allerdings, dass diese Distanz zu Ronya im täglichen Zusammenleben nicht aufrecht zu erhalten ist.
Auch Luisa ist bereit für ein gemeinsames Kind mit David, wenn auch vielleicht nicht genauso begeistert. Doch der Kinderwunsch der beiden erfüllt sich nicht ohne Weiteres.

Die missglückten Versuche in der Kinderwunschklinik und der unerfüllte Kinderwunsch stürzen David in eine schwere Krise und erschüttern sein Selbstverständnis und die Beziehung.

Mir gefällt es sehr gut, wie sensibel Köhler mit diesem emotionalen Thema umgeht und den Kinderwunsch nicht zum alleinigen Grund für die Probleme von David und Luisa macht.
Denn hinter dem Kinderwunsch stecken eine ganze Reihe von komplexen und zum Teil nicht eingestandener Wünsche und tief verankerte Glaubenssätze über Familie. Köhler legt diese Verbindungen offen und hat mit Davids und Luisa zwei wunderbare vielschichtige Protagonist*innen geschaffen, deren Liebe und Persönlichkeit authentisch und nahbar ist.

Durch den Kinderwunsch des Paares materialisieren sich auch ihre alte Rollenbilder, die oft immer noch in auch in die moderne Beziehungen von David und Luisa einwirken.


“All diese Modernis, dachte sie, die sich Feministen nannten, von Equal Pay und gleichberechtigter Partnerschaft quatschten, zeigten ihr wahres Gesicht, wenn die Kinder mit unerbittlicher Härte das Dasein forderten, einen Körper, auf den sie rotzen, kotzen und scheißen konnten.”

Ebenfalls sehr gelungen finde ich wie „Zehn Bilder einer Liebe“ hinterfragt, was Familie jenseits von Trauschein heute eigentlich bedeuten kann und verhandelt ihren eigentlichen Wesenskern.

“Sie hasste das Wort Familie. Familie war Zwang, war Blut und Genetik, war Schweigen, schlecht versteckte Abneigung. Aber das, dieser Mischmasch aus ihnen dreien, das war etwas, für das ihr ein besseres Wort fehlte, etwas, auf das sie das alte, verfluchte Wort vorsichtig setzen konnte, ohne dass es sich nach Ersticken anfühlte. Einzeln sein und doch etwas Gemeinsames.
Aber weil man es wollte, nicht weil man musste.”

Hannes Köhler schreibt sowohl aus Davids als auch aus Luisas Perspektive und ich finde beide Gedankenwelten gleichermaßen gelungen und nachvollziehbar. Er zeigt in den zehn Bildern nur einen Ausschnitt ihrer gemeinsamen Geschichte und ich hätte die Geschichte des Paares gerne noch ein bißchen weiter in die Zukunft verfolgt.

Aber der Schlusspunkt ist gleichzeitig auch perfekt gesetzt, weil er so meiner eigenen Phantasie überlässt, wie es mit den beiden weitergeht. Und das warme Gefühl mit dem ich den Roman nach dem Beenden weglege, lässt in mir keinen Zweifel an meiner persönlichen Zukunftsversion für die beiden.

Das Cover versprach einen wunderbaren Roman und hat mich nicht getäuscht. Zehn Bilder einer Liebe hat mir sehr gut gefallen und sorgt dafür, dass ich den Schriftsteller Hannes Köhler auf meiner Watchlist behalten werde.

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Zu vielversprechender Klappentext: das war kein Roman für mich

Drei Wochen im August
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Okay, ich mache es gleich kurz und schmerzhaft: Der Roman war für mich ein Flop.

Leider.
Ich muss wirklich sagen, dass mich bis zum Schluss durch die über 300 Seiten gequält habe, in der Hoffnung, ich ...

Okay, ich mache es gleich kurz und schmerzhaft: Der Roman war für mich ein Flop.

Leider.
Ich muss wirklich sagen, dass mich bis zum Schluss durch die über 300 Seiten gequält habe, in der Hoffnung, ich könnte noch irgendwas aus dem Buch mitnehmen, aber das ist mir einfach nicht gelungen.
Ich bin wahrscheinlich auch mit komplett falschen Erwartungen in den Roman gestartet, woran der Klappentext schuld ist, der mir eine Art psychologischen Spannungsroman verspricht. Von inneren und äußeren Bedrohungen ist die Rede. Es soll sogar ein Mädchen verschwinden.
Ich verstehe warum der Klappentext so formuliert ist, schließlich soll sich der Roman verkaufen, er verfälscht aber die Gewichtung der tatsächlich beschriebenen Themen.

Nina Bußmann platziert die Handlung ihres vierten Roman in ein äußerst atmosphärisches und interessantes Setting: wir befinden uns in einem abgelegenen Ferienhaus in Frankreich. Es ist August und es ist heiß, die Waldbrände lodern bereits in einiger Entfernung. Elena macht dort mit ihren beiden Kindern Linn und Rinus Urlaub. Mit dabei sind auch eine Feundin der Teenagertocher Linn und Elenas Freundin Eve.

Freundin?
Eve ist …ja was eigentlich? Tagesmutter, Haushälterin, früher hätte man sie vielleicht als Gesellschafterin bezeichnet. Fakt ist, sie wird von Elena bezahlt. Auch den längeren gemeinsamen Urlaub verbringt Eve mit der Familie nicht aus Freude an der gemeinsamen Zeit, sondern sie wird für ihren Aufenthalt in dem Ferienhaus in Frankreich bezahlt.

Geld, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse sind ein wichtiger Aspekt in Bußmanns Roman, den sie immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen aufgreift. Dabei spielt nicht nur das wirtschaftliche Machtgefälle eine Rolle, sondern auch die Macht, die Attraktivität und sexuelle Anziehung verleihen können.

Bußmann schreibt im Wechsel aus Elenas und Eves Perspektive, doch mir fällt es zum Teil schwer, die beiden Frauen zu unterscheiden. Ihre Rollen, die sie in der Kleinfamilie übernehmen, verschwimmen.

Auch die Rolle des mutmaßlichen Hausfaktotums Ilyas ist nicht ganz klar. Später kommen noch weitere Akteure mit unklarem Handlungsauftrag hinzu. Klar ist dagegen, der Druck auf die beiden Protagonistinnen und ihre Kinder wächst. Symbolisch für die inneren Spannungen rückt auch die Bedrohung von außen immer näher. Die Feuer sind nicht mehr kontrollierbar, genauso wenig die Teenager*innen in ihrer Unberechenbarkeit. Ebenso wird allmählich klar wie es um Elenas Ehe wirklich steht.

Das wäre alles eigentlich schon ziemlich interessant, ist aber für meinen vielleicht etwas schlichten Geschmack viel zu langweilig ausgearbeitet.
Außerdem kann ich die Handlungsmotivation der Figuren kaum nachvollziehen, sondern nur beobachten, anstatt sie zu verstehen.

Meine mangelnde Begeisterung für den neuen Roman von Nina Bußmann muss ich auch hier wieder alleine auf meine individuelles Unvermögen, die Qualität ihres Schreibens zu erkennen und zu würdigen, schieben. Bußmann ist eine mehrfach preisgekrönte und mit renommierten Stipendien ausgezeichnete Schriftstellerin. S.icher wird ihr neuer Roman in den Feuilletons umfangreich und weitaus fachkundiger besprochen werden.

Für mich persönlich war das aber leider eine überaus zähe und langweilige Lektüre, bei der ich abschließend fast froh war, sie beendet zu haben um mich wieder anderen Büchern zu widmen.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Spannender, literarischer Abenteuerroman

Irrfahrt
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Toine Heijmans hat mich mit seinem Bergsteigerroman „Der unendliche Gipfel“, der 2023 auf deutsch beim mairisch Verlag erschienen ist, wirklich sehr begeistert. Jetzt hat der Hamburger Independent Verlag ...

Toine Heijmans hat mich mit seinem Bergsteigerroman „Der unendliche Gipfel“, der 2023 auf deutsch beim mairisch Verlag erschienen ist, wirklich sehr begeistert. Jetzt hat der Hamburger Independent Verlag nachgelegt und legt Heijmans bereits 2011 erschienenen Seglerroman „Irrfahrt“ neu auf.

Der schmale Roman wurde mehrfach preisgekrönt und verfilmt. Kein Wunder, es ist wieder ein literarischer Abenteuerroman Par Excellence, der sich nicht nur unglaublich spannend liest, sondern gleichzeitig große Fragen verhandelt.

In „Irrfahrt“ ist ein Vater mit seiner kleinen Tochter auf einem Segeltörn. Als Abschluss einer längeren Solo Fahrt möchte der Vater noch 2 Tage mit seiner Tochter an Bord verbringen und eine kleine gefahrlose Überfahrt von Dänemark bis in die Niederlande machen. Er möchte die Exklusivzeit mit seiner Tochter nutzen um ihr eine Welt jenseits des Einflusskreises der Mutter zu zeigen. Seine Gedanken kreisen viel um (in meinen Augen) stereotype Vorstellungen von Vaterschaft und Mutterschaft. Er möchte für seine Tochter das sein, was er unter einem „echten Vater“ versteht.

Zu Hause ist seine Frau die Hauptbezugsperson für seine Tochter und er möchte mit der gemeinsamen Segelzeit die Bindung stärken.

Beruflich steckt er in einer Sinnkrise, da er nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen kann, weshalb er sich eine längere Auszeit für den Segeltrip nahm.

Doch ihm unterläuft während des Segelns ein Fehler, der weitreichende Folgen hat und plötzlich alles in Frage stellt…

„Ich muss mich zusammenreißen. Die Verzweiflung überwinden. Nicht herumstümpern. Ihnen zeigen, wer ich bin: ein Vater.“

Der Titel „Irrfahrt“ ist perfekt gewählt, bezieht er sich doch nicht nur auf die Ereignisse während des Segeltörns, sondern auch auf die kleineren und größeren Irrfahrten im Leben, auf denen wir uns alle manchmal befinden.
Und manchmal ist dauert die Irrfahrt vielleicht schon länger an…

Während sich der Vater auf seiner eigenen Irrfahrt auf dem Segelboot befindet, verschwimmt seine Grenze zwischen Wahn und Realität. Auch als Leserin verliere ich den festen Boden unter den Füßen und die Angst, die Heijmans Erzähler beschreibt, erfasst auch mich und zwingt mich dazu, die zweiten Hälfte des Romans ohne Abzusetzen fertig zu lesen.

Wie auch bei „Der unendliche Gipfel“ versteht es Heijmans zweifellos mich an die Seiten zu fesseln. Sein Thema in „Irrfahrt“ ist Elternschaft, im speziellen Vaterschaft, die meiner Meinung nach in seiner scharfen Abgrenzung zur Mutterschaft, aber in ein zu enges und stereotypes Bild gepresst wird. Hier öffnet Heijmans die Tür zur Ambivalenz der Geschlechterrollen in meinen Augen nicht genug.

Deswegen bleibt „Der unendliche Gipfel“ weiterhin mein Highlight des Autoren, auch wenn die weitaus schmälere „Irrfahrt“ ebenfalls ein spannendes literarischer Abenteuerroman war, den ich Liebhaber
innen des Genres auf jeden Fall weiterempfehle!

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