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Veröffentlicht am 09.11.2025

Rasante und gesellschaftskritische Unterhaltung

Die Unbußfertigen
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Nach dem Beenden von „Die Unbußfertigen“ habe ich noch Fragen. Viele Fragen.
Warum haben alle Figuren so geredet, als äßen sie feministische Instagram Kacheln zum Frühstück? Warum gelangen in dem Roman ...

Nach dem Beenden von „Die Unbußfertigen“ habe ich noch Fragen. Viele Fragen.
Warum haben alle Figuren so geredet, als äßen sie feministische Instagram Kacheln zum Frühstück? Warum gelangen in dem Roman die meisten Figuren durch ein intensives Gespräch so schnell zur Katharsis, während du dir im wirklichen Leben den Mund fusselig reden kannst?
Warum bin ich mit den Dialogen des Romans derart unzufrieden und hatte doch ziemlichen Spaß dabei?

Aber von vorne: nach dem Sachbuch „Migrantenmutti“, das ich supergenial fand, legt Elina Penner jetzt mit „Die Unbußfertigen“ ihren zweiten Roman vor.
Penners Vorliebe für Reality TV Shows kennen ich schon von ihren Texten auf ihrem Blog „Hauptstadtmutti“ und ihrem Instagram Account. Auch in „Migrantenmutti“ erzählt sie äußerst unterhaltsam von ihrer Liebe zu „Frauentausch“.

Jetzt ist ein ganzer Roman daraus geworden, denn in einer (nicht so weit enfernten) weitergedachten Zukunft treffen sich zehn verschieden Menschen, auf dem Weg in abgelegenes Herrenhaus. Sie alle haben keine Ahnung was sie dort erwartet, sie folgen den Einladung eines neuen und erfolgreichen Social Media Kanals, auf dem sie alle den höchsten Rank belegen.
Die zehn Menschen sind zehn Internet Steretype, die wir alle kennen: die sexy Fitfluencerin, die Momfluencerin, der Lovescammer, der gemeine Kommentator, der gnadenlose Rezensionenschreiber, um nur ein paar zu nennen.
Natürlich ahnt die aufmerksame Leserin, dass es sich bei den Figuren um Kanditatinnnen für ein neues Realtity TV Format handelt und so ist es auch. Bis es die Kandidatinnen allerdings selbst herausfinden, braucht es allerdings eine Weile.
Jeder der Kandidatinnen hat ein dirty, little secret und es dauert nicht lange, bis diese an Tageslicht kommen. Ziel der Show ist es nämlich, wie der Titel des Romans es bereits nahelegt, dass die Kandidat*innen ihre Sünden bereuen.

Penner würzt das ganze ausgiebig mit Anspielungen auf diverse popkulturelle Trends und TV Shows, von denen mir sicherlich viele entgehen. Denn bis auf die Kolumnen im Stern von Anja Rützel (und natürlich denen von Elina Penner selbst) habe ich mit Reality TV eher weniger Berührungspunkte.
Das macht aber gar nichts, der Roman ist rasant erzählt und macht mir Spaß, dringt bei mir aber auf Grund der konstruierten Dialoge und der oben erwähnten bleibenden Fragen nicht wirklich in tiefere Bewusstseinsschichten vor.

Wenn du also Unterhaltung suchst, könnte Penners neuer Roman was für dich sein. Wenn du allerdings nach bitterbösen und feministischen gesellschaftlicher Abrechnung in Form von einer geschriebenen Reality TV Show sucht, dann verweise ich dich lieber auf „Hotel Love“ von Petra Piuk.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Ein Must Read für Fans von gruseligen und literarischen Stories

Grelles Licht für darke Leute
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Seit ich den Roman „Unser Teil der Nacht“ von Mariana Enriquez gelesen hatte, der mich wirklich sehr gefesselt und begeistert hatte, bin ich auf neues Material der argentinischen Schriftstellerin gespannt.
Natürlich ...

Seit ich den Roman „Unser Teil der Nacht“ von Mariana Enriquez gelesen hatte, der mich wirklich sehr gefesselt und begeistert hatte, bin ich auf neues Material der argentinischen Schriftstellerin gespannt.
Natürlich hatte ich auf einen neuen Roman gehofft, aber ihre neuen Stories wollte ich selbstverständlich auch lesen.

In dem Band „Grelles Lichte für darke Leute“ (was ist das für ein cooler Titel bitte?) findest du 12 ziemlich spannende und gruselige Geschichten, die jetzt genau perfekt zur Spooky Season passen.
Und wenn ich sage gruselig, dann meine ich hier wirklich gruselig und das nicht nur im metaphorischen und subtilen Sinn. Enriquez verwendet, wie in „Unser Teil der Nacht“ l, phantastische und übersinnliche Horrorelemente, die ich fast schon als klassisch bezeichnen möchte.
Vor allem sichtbare und unsichtbare Geister finden sich fast in jeder Geschichte. Wenn ich jetzt interpretieren würde, würde ich sagen, dass Enriquez die Geister sich als Stellvertreter*innen unserer Ängste manifestieren lässt. Es sind in ihren Stories immer Frauen und queere Menschen, die diesen Bedrohungen und dem Horror ausgesetzt sind und aus deren Perspektive erzählt wird.

Aber du musst eigentlich gar nicht so viel zwischen den Zeilen lesen. Mir machen die Geschichten auch ohne Tiefenanalyse ihrer Aussage im wahrsten Sinne unheimlich viel Spaß. Besonders gefiel mir wegen seiner poetischen Qualität „Die Vögel der Nacht“, das mit dem Vorsatz „Unter dem Einfluss von Mildred Burton“ gelabelt ist und tatsächlich mit seinen surrealen Bildern an die WerkeWErke der argentinischen Künstlerin erinnert.
Aber auch der handfestere und robuste Grusel in den Geschichten wie „Der Friedhof der Kühlschränke“ oder „Schwarze Augen“ liefern, gefällt mir einfach sehr.

Und trotz des handfesten Grusels schreibt Enriquez immer mit literarischem Niveau, was ihre Texte, wie ich finde, so besonders macht.

„Ich weiß, was er fühlte. Ich stieg nicht aus, weil ich es auch fühlte. Genau so stellte ich mir Strahlung vor. Leise und krebserregend, alles im Inneren zerstörend, die Vibrationen unhörbar für einen Menschen.“

Von den Sammlungen aus Erzählungen und Stories ist „Grelles Licht für darke Leute“ für mich ganz vorne mit dabei und wenn du gruseligen Kurzgeschichten nicht abgeneigt bist, dann sind die Stories von Enriquez fast ein Must Read für dich.

Trotzdem hoffe ich natürlich, dass Mariana Enriquez als nächstes vielleicht einen Roman veröffentlichen wird, der dann auch ins Deutsche übersetzt wird.

Vielen lieben Dank an die @sfischerverlage für das gewünschte Rezensionsexemplar! Danke und viel Erfolg an @marianaenriquez für die deutsche Ausgabe ihrer Stories.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Als Spannungsroman nicht ganz überzeugend

Bärenzähne
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Ich lese unglaublich gerne amerikanische Literatur und zwar auch solche, die ich als archaische Geschichten bezeichnen würde. Also Geschichten, die sich um den Kampf ums Überleben drehen und um Rache, ...

Ich lese unglaublich gerne amerikanische Literatur und zwar auch solche, die ich als archaische Geschichten bezeichnen würde. Also Geschichten, die sich um den Kampf ums Überleben drehen und um Rache, Liebe und Gewalt.
Callan Wink erzählt mit seinem zweiten Roman jetzt so eine Geschichte.

Die beiden Brüder Thad und Hazen wachsen alleine mit ihrem Vater in einer kleinen, abgelegenen Hütte in Montana auf, ganz in der Nähe des Yellowstone National Parks.
Zusammen mit ihrem Vater leben die beiden erwachsenen Brüder vom Holzfällen, Gelegenheitsarbeiten in der nächsten Kleinstadt oder vom Wildern.
Doch mittlerweile ist der Vater tot, und die Brüder sind auf sich allein gestellt. Die Hütte verfällt zusehends und bräuchte dringend ein neues Dach, die Rechnungen stapeln sich und das Geld ist knapp.
Während Thad der realistischere, intelligentere und pragmatischere der beiden Brüder ist, ist Hazen verspielt und kindlich und verlässt sich ganz auf seinen älteren Bruder.
Thad ist es auch, dem klar wird, dass sie, um an Geld zu kommen, zu illegalen Mitteln greifen müssen, die über das Wildern hinausgehen.
Er hat einen gefährlichen Plan, bei dem die beiden Brüder eng zusammenarbeiten müssen und sie brauchen eine gute Portion Glück, damit er aufgeht.

Okay, das tut er nicht, sondern geht ganz gewaltig schief. Das ist ein dieser Stelle jetzt kein großer Spoiler, denn auch wenn diese Kurzbeschreibung jetzt ganz nach einem Spannungsroman klingt, ist er das nicht unbedingt. Markus Hockenbrink von des Magazins Galore sieht den Roman „Zwischen Thriller und schleichendem Gesellschaftskommentar“, wobei ich ihn selbst mehr beim Gesellschaftskommentar sehe. Ich finde, für einen Thriller baut Wink den Spannungsbogen zu inkonsistent auf, was für einen Gesellschaftsroman allerdings kein Widerspruch ist.

Wink zeigt zwei Brüder, die im heutigen Amerika nicht nur wortwörtlich, sondern auch im übertragenen Sinn am Rand der Gesellschaft leben. Ohne Anschluss an Bildung und somit an Arbeitsplätze in der Stadt, sind sie in ihrem infrastrukturell schwachen Umfeld gezwungen, sich auf unkonventionellen Weg um sich selbst zu kümmern.
Sie haben zwar von ihrem Vater gelernt, in der Wildnis zu überleben, aber nicht die Vortellungskraft, dass auch ein ganz anderes Leben möglich sein könnte. Ein starker Kontrast dazu ist Sacajawea, die Mutter der beiden Brüder, die es schon früh in der enge der Hütte und der weite der Wildnis nicht mehr ausgehalten hatte und sie bei ihrem Vater zurückgelassen hatte. Im Laufe der Handlung taucht sie wieder auf und wir erfahren mehr über ihre Geschichte.

“Reines Chaos, doch hin und wieder treffen zwei Splitter aufeinander, die zusammenbleiben, und wenn das unendlich oft passiert, meinst du nicht auch, dass irgendwann wieder alles perfekt und rund sein kann?”


Als amerikanischer Gesellschaftsroman hat „Bärenzähne“ für mich gut funktioniert, aber wie Wink die Spannungselemente und die actionlastigeren Anteile miteinander verbunden hat, hat mir nicht so gut gefallen. Hier hätte es mir einfach besser gefallen, wenn sich die Spannung im Laufe des Romans gesteigert und wenn der Höhepunkt erst wesentlich später angesetzt worden wäre.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ehrlich, zart und traurig

Zwischen uns liegt August
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„Ich wünsche mir, dass du keine Mutter bist, sondern eine Frau, die ihr Leben in Deutschland nach eigenen Wünschen gestaltet.“

Während der deutsche Schriftsteller und politische Aktivist Fikri Anıl Altıntaş ...

„Ich wünsche mir, dass du keine Mutter bist, sondern eine Frau, die ihr Leben in Deutschland nach eigenen Wünschen gestaltet.“

Während der deutsche Schriftsteller und politische Aktivist Fikri Anıl Altıntaş in seinem Debütroman „Und morgen wächst ein Birnbaum“ hauptsächlich die Beziehung seines autofiktionalen Erzählers zu seinem Vater analysiert, stellt er in seinem zweiten, ebenfalls autofiktionalen Roman ganz die Mutter des Erzählers in den Fokus.

Nach dem emotionalen „Autobiografie meines Körpers“ von Lize Spit ist „Zwischen und liegt August“ gleich der zweite Roman innerhalb kurzer Zeit, den ich lese, in dem das Sterben einer krebskranken Mutter begleitet wird.

Denn die Mutter von Altıntaş‘ Erzähler hat Krebs, und sie wird daran sterben. Die Rahmenhandlung des Romans beschreibt einen Tag in stündlicher Genauigkeit, an dem abends das Geburtstagsfest für die Mutter mit der Familie stattfinden soll. Alle wissen, dass es vermutlich ihr letztes Fest werden wird, dementsprechend belastet sind die Vorbereitungen auf das Essen.

Der Erzähler, der schon lange von zu Hause ausgezogen ist, und für den die Liebe und Fürsorger seiner Mutter immer selbstverständlich war, versucht zu begreifen, wer er ohne sie sein wird.

„Ich kämpfe wieder mit den Tränen und du mit dem unerschütterlichen Grundsatz der Zuversicht, den du uns über all die Jahre vorgelebt hast. Deine Stärke durchdrang das Haus; in Dunkelheit warst du die, ohne die wir nicht schlafen konnten. Wir akzeptierten deine Schlaflosigkeit ohne Schuld.“

Zwischen die detaillierten Beschreibungen der Vorbereitungen für das Essen, setzt Altıntaş eine zweite Erzählebene aus dem Jahr 1973. Hier lerne ich Mürüvet und ihre Freundin Efsun kennen, zwei junge Frauen, die in Aydin in der Türkei Pläne für ihrer Zukunft schmieden. Mürüvet, die Frau, die später die Mutter des Erzählers werden wird, erfährt allerdings von ihrem Vater, dass er sie und ihre Mutter bald mit nach Deutschland nehmen will, wo er schon länger als Gastarbeiter arbeitet. Pläne, die Mürüvet auf jeden Fall verhindern will, denn sie sieht ihre Zukunft in der Türkei, die kurz vor politischen Umbrüchen steht.

Die junge und tatkräftige Frau von 1973 steht im starken Kontrast zu der erschöpften und krebskranken Frau, die später das sterbende Herz einer angeschlagenen Familie in Deutschland sein wird.
Aus Altıntaş‘ Text geht deutlich hervor, wie sehr die Jahre der Aufopferung für die Familie, das Aufgeben ihrer eigenen Träume und Persönlichkeit, aber auch die andauernde Ablehnungen als Nicht-Deutsche sie aufgezehrt und verändert haben.
Dabei sieht der Erzähler sich selbst mit in der Schuld, er verspürt Reue über versäumte und ungenutzte Gelegenheiten seine Liebe zu zeigen.

„Wenn ich mir eine Sache wünschen kann, dann ist es Aussprache. Dass jeder einmal aussprechen kann, wie sehr er dich liebt und wo er sich gewünscht hätte, Liebe nachzuholen.“

In „Zwischen uns liegt August“ haben mir besonders die Passagen aus der Ich-Perspektive des Erzähler gefallen und wie er die Mechanismen und Strukturen in seiner Familie beschreibt. Auch in der Darstellung der Mutter-Sohn Beziehung finde ich viel Zärtlichkeit, die mich rührt. Die fiktiven Passagen, die die junge Mürüvet beschrieben, finde ich insofern interessant, als dass sie eine enge Freundinnenschaft beschreiben und einen Ausschnitt aus dem Stimmungsbild der damaligen Türkei zeigen. Die junge Mürüvet selbst bleibt für mich (vielleicht notwendigerweise) aber hinter dem Stereotyp einer lebhaften jungen Frau, die gern Westmusik hört, verborgen.

„Zwischen uns liegt August“ reiht sich für mich in eine Reihe großartiger Bücher ein, die sich teilweise oder ganz mit den Thema Postmigration beschäftigen. Bücher wie „Geliebte Mutter – Canım Annem“ von Çiğdem Akyol, „A wie Ada“ von Dilek Güngör, „Vatermal“ von Necati Öziri oder auch „Kartonwand“ von Fatih Çevikkollu und „Unser Deutschlandmärchen“ von Dinçer Güçyeter, die ich alle uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Ein ungewöhnlich erzählter Roman mit einer liebenswerten Protagonistin aber mit einigen Längen

Was ich dir erzählen möchte oder Lebensweisheiten für ein kleines Alien
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„Es läuft folgendermaßen. Du wirst nicht normal sein.
Aliens können nicht normal sein. Du wirst jedoch normal genug sein. Und damit meine ich, dass du gerade so viel Normalität besitzen wirst, um normal ...

„Es läuft folgendermaßen. Du wirst nicht normal sein.
Aliens können nicht normal sein. Du wirst jedoch normal genug sein. Und damit meine ich, dass du gerade so viel Normalität besitzen wirst, um normal zu erscheinen, ohne tatsächlich normal zu sein.“

„Lebensweisheiten für ein kleines Alien“ heißt der Unt Jo a ertitel des Debütromans von Alice Franklin, und er beschreibt sehr gut die Form, in der der Roman durchgängig verfasst ist. Die Lebensweisheiten sind durchgängig in der zweiten Person Singular formuliert und adressieren mit ihrem „Du“ ein besonderes kleines Mädchen.

Ein Mädchen, das sich alles andere als normal fühlt, sondern wie ein Alien, das unerkannt unter den Menschen auf der Erde lebt. Sich normal unter den b Menschen zu bewegen, die Schule zu besuchen, eine Unterhaltung zu führen, oder Freund*innen zu haben sind für sie nur schwer zu bewerkstelligen. Es fällt ihr schwer zwischenmenschliche Botschaften zu entschlüsseln oder zu interpretieren und stößt deshalb oft auf Unverständnis.
Außerdem beschäftigt sich das Mädchen am liebsten mit ihren eigenen Interessen: Sie liebt Sprache und Bücher und hofft, wenn sie sich mehr damit auseinandersetzt, die anderen Menschen irgendwann besser zu verstehen.
Als sie von dem alten, rätselhaften Voynich Manuskript erfährt, das noch kein Mensch entschlüsseln oder übersetzen konnte, ist sie elektrisiert. Vielleicht wurde das Manuskript von jemanden erstellt, der ebenfalls fremd ist auf der Erde und seine eigene Sprache besitzt?
Das Mädchen möchte mehr über das rätselhafte Manuskript erfahren, während in ihrem Leben und in ihrer Familie so einiges nicht wirklich gut läuft…

Als ich in der Kurzbeschreibung des Romans las, dass darin das Voynich Manuskript vorkommt, wusste ich, dass ich das Buch lesen will. Denn natürlich bin ich, wie so viele andere, schon lange von dem rätselhaften Text fasziniert. Leider nimmt das Manuskript in dem Roman nicht so viel Raum ein, wie ich mir das erhofft hatte. Es ist vielmehr die sehr einfühlsam und sensibel erzählte Geschichte eines Mädchens, das es auf Grund seiner (vermutlichen) Neurodivergenz schwer hat, den Zugang zu unserer Gesellschaft zu finden und in Verbindung zu anderen Menschen zu treten. Es ist wunderbar zu lesen, wie es ihr trotzdem gelingt. Und Franklin gelingt es mit ihrer ungewöhnlichen Erzählform, die Gedankenwelt ihrer kleinen Protagonistin nachfühlbar zu machen.
Allerdings muss ich leider sagen, dass mir der Prolog und der Epilog am besten gefallen haben und ich den Hauptteil doch etwas zu langatmig und somit ein bißchen langweilig fand.

Dennoch habe ich „Was ich dir erzählen möchte“ einen sehr schönen Roman mit einer ganz besonderen Erzählweise und einer liebenswerten Hauptfigur gelesen, mit der sich vielleicht gerade unter Büchermenschen einige verbunden fühlen könnten.

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