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Veröffentlicht am 26.02.2025

Interessante Aufarbeitung Berliner Geschichte

Menschen am Kaiserdamm
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Oliver Ohmann, der Autor des Sachbuches von 'Menschen am Kaiserdamm', widmet der 1906 gebauten Prachtstraße seine Aufmerksamkeit und lässt in den elf ausgewählten Kapiteln Berliner Geschichte aufleben, ...

Oliver Ohmann, der Autor des Sachbuches von 'Menschen am Kaiserdamm', widmet der 1906 gebauten Prachtstraße seine Aufmerksamkeit und lässt in den elf ausgewählten Kapiteln Berliner Geschichte aufleben, zeigt wie sehr er sich diesem Teil der Stadt verbunden fühlt. Zahlreiche schwarz-weiß Fotografien zieren die Seiten des Buches. Sie fangen eine ganz besondere Atmosphäre, den Charme längst vergangener Zeiten ein. Aber auch Judy Winter, eine Berliner Legende, ließ sich in ihrer Küche der Kaiserdamm-Wohnung ablichten und drückt mit herzlichen Worten ihre Liebe zu eben jener Straße aus. Darüber hinaus gibt es Interessantes und Wissenswertes von der Planung bis zur Fertigstellung eben jener Straße zu erfahren. In kleinen humorvoll gestalteten Geschichten werden wir mit den Anwohnern bekannt gemacht, wie den Bürgersleuten, Stars und Sternchen, Intellektuellen, einfachen Arbeitern und noch vielen anderen. Es lohnt sich ein wenig Berliner Luft zu schnuppern.
Eine Empfehlung für alle Liebhaber Berliner Geschichte und Geschichten.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Herausforderungen und deren Wirkungen

Die erste halbe Stunde im Paradies
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Anne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich ...

Anne und ihr Bruder Kai werden sehr frühzeitig, im Kindes- beziehungsweise Jungendalter, mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose ihrer Mutter konfrontiert. Aufopferungsvoll und äußerst fürsorglich kümmern sich beide um die Schwerkranke, deren gesundheitlicher Zustand sich sehr schnell verschlechtert. Mit viel Respekt versuchen sie die Würde der Mutter zu bewahren, stoßen dabei immer wieder an Grenzen, die auch die Mutter zunehmend mental herausfordert, sie zu unkontrollierten Wutausbrüchen verleitet. Mit zunehmendem Alter werden bei den Kindern natürlich verstärkt eigene Interessen und Bedürfnisse wach, die tragischerweise zu ausufernden Konflikten führen.
Janine Adomeit führt uns Leser mit ihrem Roman 'Die erste halbe Stunde im Paradies' in eine Welt der starken Gefühle, die durch Drogen oder emotionale Verweigerung gesteuert werden. Während die vererbte Schuld, eine nicht näher beschriebene Ablehnung der beiden Väter durch die Mutter, eine expressive Notlage zwischen Wunsch und übertragener Pflicht auslöst, nehmen unheilbringende Ereignisse ihren Lauf, deren schmerzliche Aufarbeitung tiefe seelische Wunden hinterlassen. Das kluge Konzept fantastisch gesetzter Rückblenden, die poetischen Einbauten verursachen eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Mich hat die Geschichte mit ihren mannigfaltig ineinander verstrickten Aspekten der tragenden Rolle einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Individuum Mensch, sowohl traurig als auch nachdenklich gestimmt.
Ich möchte sehr gern dieses berührende, intelligente, mutige und anspruchsvolle Buch weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Gesellschaftliche und kontinentale Risse

Der große Riss
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Christina Henríquez nimmt in ihrem Roman 'Der große Riss' gesellschaftliche Strukturen während des Baus vom Panamakanal, der 82 Kilometer langen Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, ...

Christina Henríquez nimmt in ihrem Roman 'Der große Riss' gesellschaftliche Strukturen während des Baus vom Panamakanal, der 82 Kilometer langen Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, genauer unter die Lupe. Präzise Recherchen decken auf, unter welchen Umständen die Menschen das gewaltige Bauwerk erschufen, welches den Kontinent Amerika durchtrennt für die Erschaffung einer kostengünstigen, gefahrenfreien Schifffahrtsroute. Ende des neunzehnten bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts lockten Aktiengesellschaften mit lukrativen Zweijahresarbeitsverträgen, gesundheitlicher Versorgung und freier Kost als auch Logie unzählige Abenteurer aber auch Menschen, die eine Chance sahen ihren Lebensstandard durch die finanziellen Versprechungen zu verbessern. Mit der Befreiung von Panama aus kolumbianischer Abhängigkeit beteiligten sich auch die US-Amerikaner am großen Geschäft.
Die Autorin stellt die sechzehnjährige Ada Burting aus Barbados, den aus der Familientradition abtrünnigen Fischersohn Omar, John Oswald den Arzt, der die Malaria zu bekämpfen versucht, in den Mittelpunkt ihrer Geschichte, die aufzeigt in welchem rassistischen Umfeld sich Siedler und Einheimische begegnen und wie Geld als auch Drogen eine entscheidende Rolle spielen, die die Gemeinschaft streng klassifiziert.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Hoffnung auf einen Menschen, der uns versteht

Für Polina
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Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten ...

Takis Würger präsentiert mit 'Für Polina' eine Geschichte, die zu Herzen geht, die aufwühlt, die gefangen nimmt. Mit anderen Worten hier spielen die Emotionen in den höchsten und gleichzeitig tiefsten Tönen möglicher Empfindungen einen einzigartigen Reigen zu berührenden, lebendig dargestellten Ereignissen. Poetisch angehaucht mit brillanter Treffsicherheit für situative Momente menschlicher Gefühle strickt der Autor Wort für Wort Szenen aus dem Alltag seiner beiden Protagonisten, deren Seelen sich trotz ihrer enormen Unterschiedlichkeit aufs innigste berühren.
Hannes und Polina wachsen gemeinsam, fast wie Geschwister, auf. Ihre alleinerziehenden Mütter und Heinrich, ein eigenwilliger aber gutmütiger Charakter, geben den Kindern, trotz bitterer Armut, ein behütetes mit viel Liebe gestaltetes Heim, verzichten dabei selbst auf so manchen langersehnten Traum. Sie alle geben sich gegenseitig Stütze und Geborgenheit. Hannes ist kein großer Denker. Polina hingegen erfasst die sie umgebenden Welt mit Leichtigkeit. In der Musik kann sich Hannes verlieren, seinen Gefühlen Ausdruck geben und Menschen damit begeistern. Trauer über einen schwerwiegenden Verlust und die große Liebe zu Polina kann er mit eigenen Kompositionen eine Stimme geben, die keines Wortes bedarf. Diese Melodien begleiten ihn auf der Suche nach dem erhofften Glück.
Ein Roman, der nach Hilfe schreit und die Hoffnung hegt, den Menschen zu finden, der das liebende Herz versteht.
Meine Leseempfehlung gebe ich diesem bemerkenswerten Roman sehr gern.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Zerplatzte Lebensträume

Achtzehnter Stock
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Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, ...

Wanda wohnt mit ihrer kleinen Tochter Karlie im achtzehnten Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie wohnt zur Miete, die sie sich mühsam erarbeiten muss und auch nicht immer pünktlich ihrem Onkel, dem Vermieter, zahlen kann. Tristesse und Trostlosigkeit umgibt sie in diesen schimmeligen vier Wänden, die abgeschnitten sind von der bunten Welt da draußen durch ein großes Funkloch. Das ist kein Leben nach ihren Vorstellungen und Wünschen. Wandas Lebenstraum ist die Schauspielerei, obwohl ihr letzter Job in einem Werbefilm Monate her. Völlig unverhofft scheint ihr Traum dann doch in greifbare Nähe zu rücken und ein Angebot für eine Produktion flattert ihr ins Haus. Nun ist ihre ganze Aufmerksamkeit gefordert, stete Erreichbarkeit, keine festen Arbeitszeiten. Für eine alleinerziehende Mutter mit einem kränkelnden Kind keine leichte Aufgabe oder besser gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.
Sara Gmuer spricht in ihren fordernden Roman 'Achtzehnter Stock' ein gesellschaftspolitisches Problem an, welches in der Regel alleinerziehende Mütter betrifft. Der Spagat zwischen Kinderbetreuung, beruflichen Herausforderungen, um den Lebensunterhalt zu sichern und den ganz privaten Wünschen wird zur Zerreisprobe, der die Nerven beansprucht und Gefühle zur Wallung bringt. Die Autorin setzt ein lautes Zeichen für alle die Alleingelassenen, die Teil der Gesellschaft sein möchten, sich ausgeschlossen fühlen durch die Umstände, die ihr Dasein maßgeblich bestimmen.
Ich gebe gern meine Leseempfehlung.

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