Das Beste kommt zum Schluss
SanditonDie Jane Austen Schmuckausgaben liefen so gut, da dachte sich der Coppenrath Verlag wohl, die Kuh melken wir noch ein bisschen weiter. Und warum auch nicht? Zwar sind manche Romane nie fertiggestellt worden ...
Die Jane Austen Schmuckausgaben liefen so gut, da dachte sich der Coppenrath Verlag wohl, die Kuh melken wir noch ein bisschen weiter. Und warum auch nicht? Zwar sind manche Romane nie fertiggestellt worden oder schlichtweg zu kurz für ein ordentliches Buch, aber deswegen sind sie ja dennoch lesenswert.
In 𝐒𝐚𝐧𝐝𝐢𝐭𝐨𝐧 begleiten wir die Familie Parker und Co. in den gleichnamigen Küstenort, der zum beliebten Kurziel aufsteigen soll. Dabei geht es auch darum die Gunst von Gönnern zu erlangen und den eignen Ambitionen zu folgen.
Es ist eine Schande, dass gerade ein Roman wie Sanditon nicht beendet werden konnte, denn ich habe die Geschichte sehr gern gelesen. Der für Austen typische Humor wird hier besonders deutlich (ich hatte viel Spaß mit den hypochondrischen Geschwistern) und ich hätte einfach gern gewusst wie es weitergeht. Die Autorin Marie Dobbs hat den Roman in Jane Austens Stil wohl ganz würdevoll beendet, aber das Buch gibt es nur noch gebraucht und auch nicht zu häufig.
𝐋𝐚𝐝𝐲 𝐒𝐮𝐬𝐚𝐧 dagegen gilt als abgeschlossen. Es handelt sich um einen Briefroman und die titelgebende Susan hebt sich deutlich von anderen Romanfiguren Austen‘s ab. Sie ist gemein und hinterhältig, aber vielleicht auch deswegen ist die Geschichte ungemein spannend. Man möchte einfach nicht dass sie damit durchkommt. Auch die unterschiedlichen Perspektiven werfen immer wieder ein neues Licht auf die Handlung.
Ebenfalls gut unterhalten konnte 𝐃𝐢𝐞 𝐖𝐚𝐭𝐬𝐨𝐧𝐬, wenn auch nicht so sehr wie die beiden vorherigen Geschichten. Fast ein bisschen wie bei 𝐒𝐭𝐨𝐥𝐳 𝐮𝐧𝐝 𝐕𝐨𝐫𝐮𝐫𝐭𝐞𝐢𝐥 geht es um eine Schar von Schwestern, von denen die jüngste (Emma Watson, haha) allerdings bei einer Tante aufgewachsen ist und ihr Elternhaus erst kennenlernen muss. Dabei wird sie auch von einem nicht so galanten Gentleman umgarnt, der einfach nicht locker lassen will.
Auch dieser Roman endet leider mittendrin.
Das sind die drei „großen“ gebündelten Geschichten, danach folgen die 𝐉𝐮𝐠𝐞𝐧𝐝𝐰𝐞𝐫𝐤𝐞, die in 3 Bücher unterteilt sind, in welchen sie auch ursprünglich erschienen sind.
Jedes Buch ist gut durchmischt von angemessen langen, abgeschlossenen oder offenen Geschichten, weiteren Briefromanen sowie sehr kurzen, rätselhaften Texten, mit denen ich teilweise nicht viel anfangen konnte und die scheinbar von einer sehr jungen Jane geschrieben wurden.
Es geht aber gleich ganz gut los mit einer sehr amüsanten Geschichte, die noch witziger ist als das, was man von Austen schon kennt. Ich würde fast sagen, dass was „Scary Movie“ für „Scream“ ist, trifft auch auf einige der Jugenwerke in Bezug auf die späteren Romanen zu. Ich weiß, was für ein Vergleich. Dieser Humor zieht sich auch durch sämtliche folgende Texte.
Ich konnte manchmal gar nicht glauben, was ich da lese. So viel Parodie in Geschichten aus der Regency Zeit. Da wird selbst über Mord, Selbstmord und Betrug über eine Weise geschrieben, dass man gar nicht anders kann als zu lachen, wenn die dummen, leichtsinnigen Damen von einer Ohnmacht in die nächste fallen.
Was mich wieder mal zu dem Gedanken bringt, ich wäre gut in dieser Zeit aufgehoben gewesen, denn ich bin manchmal ganz genauso wehmütig und hoffnungslos wie die hier beschriebenen Damen. Was aber auch heißt, ich habe mich sehr wohl gefühlt mit diesem Buch, dieser Sammlung von vollendeten und unvollendeten Geschichten.
Ja, ich glaube dies ist insgesamt mein bisher liebstes „Buch“ von Jane Austen, denn ich fand es auch sehr flüssig zu lesen.