Fort Knox und Blue Sky oder die Spinne und der Adler
The Sky Above UsEl Capitan – die gefährlichste Felswand im Yosemite Nationalpark und der angesagte Freeclimber Eric Knox möchte diesen ohne Sicherung erklimmen. Das Angebot von Stokes Productions klingt zu verlockend, ...
El Capitan – die gefährlichste Felswand im Yosemite Nationalpark und der angesagte Freeclimber Eric Knox möchte diesen ohne Sicherung erklimmen. Das Angebot von Stokes Productions klingt zu verlockend, denn irgendwie muss sich dieses Hobby finanzieren. Aber nur unter der Bedingung, dass die naturbegeisterte Sky Lane Regie führt. Für sie ist es ein Sprungbrett für ein Studium an der angesagten Filmschule von LA. Doch für beide bedeutet es nicht nur die große Chance ihres Lebens, Träume verwirklichen und dem Wunsch nach Freiheit nachzugehen, sondern auch emotionales Chaos.
Dieser Debütroman mit einem wunderschönen Cover und dem mehr als passenden Titel hat mich wirklich überrascht. Mit einem gefühlvollen, bildhaften Schreibstil nimmt einen die Autorin mit auf eine wilde Gefühlsachterbahnfahrt. Denn obwohl ich Risikosportarten noch nie etwas abgewinnen konnte und nicht verstehen kann, was einem dieser Adrenalinkick gibt, immer mit einem Bein im Grab, so hat mich diese Geschichte aus der abwechselnden Sicht von Sky und Eric ganz schön überrumpelt.
Je mehr man diese beiden sympathischen und bodenständigen Charaktere kennenlernt, desto mehr erfährt man auch über ihre Hintergründe, ihre Vergangenheit und Erlebnisse und aufgrund dessen, bekommt man plötzlich ein ganz anderes Bild.
Erstaunlich, wie man trotz der vielen Seiten ins Geschehen gerissen wird, die Eindrücke des beeindruckenden Parks wahrnimmt, den Duft, die Natur, aber auch das Leben am Filmset, das Miteinander der Crew, den Nervenkitzel an der Felswand und die wiederholten Versuche, wenn gewisse Abschnitte nicht klappen wollen. Da stockt einem schon mal der Atem, man spürt diese Zerrissenheit zwischen Verständnis und gleichzeitiger Sorge, zumal der Prolog schon einen fiesen Twist ankündigt. Die aufkeimenden Gefühle zwischen beiden machen das Chaos perfekt und rütteln die bislang eh schon angespannten Nerven nochmal ordentlich durch.
Trotz anfänglicher Skepsis aufgrund der Sportart konnte mich das Buch gut unterhalten.
Die Autorin gewährt einen schönen Blick hinter die Kulissen, verpackt mit humorvollen als auch romantischen Einlagen und einer gewissen Dramatik. Immer wieder wird auch die Verbundenheit zur Natur, der Tierwelt und all der Schönheit hervorgehoben, mit ein paar schönen Überraschungen. Ein lesenswerter Roman, bei dem mir aber insgesamt das gewisse Etwas fehlte und mir aufgrund der häuslichen Geschehnisse einfach zu viel hin und her entstand, was zeitweise die aufgekommene Spannung wieder rausnahm und zu einigen Längen führte.
Es hat mich auch etwas verwundert, dass erstaunlich viel Ähnlichkeit mit einem Dokumentationsfilm von National Geographic namens Free Solo besteht, obwohl ich keine Bezugnahme im Buch oder in anderen Quellen finden konnte. Einen Hinweis hätte ich allerdings schon passend gefunden.
3,5 Sterne