Perfekte Schachpartie
BlindspielDer Finne Max Seeck ist einer der Autoren, denen ich blind vertraue. Sein tempo- und actionreiches „Blindspiel“, das ich soeben beendet habe, hat mich sofort gepackt und mich bis zum Schluss nicht mehr ...
Der Finne Max Seeck ist einer der Autoren, denen ich blind vertraue. Sein tempo- und actionreiches „Blindspiel“, das ich soeben beendet habe, hat mich sofort gepackt und mich bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Es ist der Auftaktband einer neuen Thriller-Reihe um den Profiler Milo Perho, der zusammen mit der Kripo Helsinki ermittelt.
Der letzte Diebstahl seines Lebens endet für den jungen Alexander Ewans tödlich. Bald danach ist es eine junge Frau, die in Folie eingewickelt, vollständig mit weißer Farbe überzogen, tot aufgefunden wird. Eine schwarze Schachfigur wird tief in ihrer Speiseröhre entdeckt, wenig später dann wiederholt sich diese grausame Inszenierung – die Leiche ist diesmal komplett in schwarze Farbe getaucht, die auch hier platzierte Schachfigur weiß. Ein Serientäter scheint hier am Werk zu sein. Und da kommt Milo Perho ins Spiel, der mit der Kripo Helsinki zusammenarbeitet. An vorderster Front sind dies Minka Laine, die Kriminalhauptkommissarin und der Kriminalhauptkommissar Kalle Avist.
Die Schachnotation, die Milo anonym erreicht, lässt vermuten, dass sie sich bereits in einem tödlichen Spiel befinden.
Der noch unbekannte Gegenspieler hat die „Eröffnung“ perfekt inszeniert. Milo entsinnt sich eines versierten Schachspielers, den er schon lange aus seinem Leben verbannt hat. Welch Konzept steckt dahinter? Welche Schachpartie wird hier nachgestellt? Das „Mittelspiel“ lässt an professionelle Schachspieler und deren legendäre Schachpartien denken, um dann im „Endspiel“ den bis dahin unentdeckten Täter zu entlarven. Bis es allerdings so weit ist, steht ihnen ein langer, sowohl für den Profiler als auch für die Ermittler, gefährlicher Weg bevor.
Von den Protagonisten, allen voran Milo, erfahren wir viel Privates. Er driftet immer wieder in seine eigene, ziemlich düstere Welt, ab. Er ist einer der besten seines Faches, war ursprünglich undercover für die Polizei unterwegs, wird jetzt bei Bedarf hinzugezogen, ist mit einer Ärztin verheiratet und betreibt eine Galerie. Auch von Minka Laine und Kalle Avist erfahren wir von ihrem Privatleben mehr, was gerade hier vonnöten ist, die Grenzen zwischen beruflichem und privatem verschwimmen zusehends.
Das Blindspiel wird aus verschiedenen Blickwinkeln durchleuchtet, vielfach aus Milos Perspektive. Es sind relativ kurze Kapitel, dazwischen sind es Rückblenden, die in die Vergangenheit führen.
So düster und bedrückend der Thriller auch ist, so sehr hat er es mir angetan. Er hat mich vom ersten bis zum letzten Zug gefesselt, obwohl ich mich mit dem Schachspiel an sich nie auseinandergesetzt habe. Umso mehr sind es die raffinierten Züge, die Max Seeck meisterhaft in Szene gesetzt hat. Die Spannung steigert sich kontinuierlich und lässt bis zum Spielende nie nach. Die Reihe werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen und – da dieser erste Band Ende Juni 2025 erschienen ist – erhoffe ich mir, fast ein Jahr später, alsbald Band zwei.