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Veröffentlicht am 12.03.2026

Suchtpotenzial von der ersten bis zur letzten Seite!

Limerence
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Mit Limerence hat mich H. C. Dolores von der ersten Seite an erwischt – und ehrlich gesagt auch bis zur letzten nicht mehr losgelassen.

Schon nach der Leseprobe war meine Neugier riesig. Ich hatte unzählige ...

Mit Limerence hat mich H. C. Dolores von der ersten Seite an erwischt – und ehrlich gesagt auch bis zur letzten nicht mehr losgelassen.

Schon nach der Leseprobe war meine Neugier riesig. Ich hatte unzählige Theorien im Kopf, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Das Spannende daran: Fast alles kam anders, als ich erwartet hatte – und genau das hat für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht. Normalerweise brauche ich bei Suspense-Romance ein paar Kapitel, um wirklich anzukommen. Hier war ich vom ersten Moment an mittendrin.

Doch kommen wir erst einmal zu den Protagonisten: Adrian ist für mich einer der faszinierendsten Charaktere überhaupt. Seine bedachte Wortwahl, dieser ruhige, beobachtende Blick und vor allem dieses Dunkle in ihm machen ihn unglaublich spannend. Man spürt ständig, dass mehr hinter ihm steckt, als er preisgibt. Und gerade als Adrians Vergangenheit langsam ans Licht kommt, wird deutlich, wie viel Schmerz er mit sich trägt.

Dann ist da Poppy. Sie ist als Hauptfigur einfach großartig geschrieben. Ihr Sarkasmus, ihre Außenseiterrolle, ihre Art, selbst in schwierigen Situationen die Fassung zu bewahren – das alles macht sie unglaublich greifbar. Gleichzeitig schwebt die ganze Zeit dieses Geheimnis über ihr. Man merkt, dass etwas passiert ist, aber nie ganz was genau. Das lässt einen als Leser konsequent neugierig bleiben. Auch Nebenfiguren wie Liz fand ich sehr gelungen.

Doch die Dynamik zwischen Poppy und Adrian ist für mich ganz klar das Herzstück der Geschichte. Die beiden ergänzen sich auf eine Weise, die gleichzeitig faszinierend und beunruhigend ist. Sie verstehen sich, sie ziehen sich an – aber sie bewegen sich auch beide immer wieder an moralischen Grenzen. Es zeigt sich, wie komplex die Figuren sind: Niemand ist wirklich unschuldig, niemand nur gut oder nur böse. Diese moralischen Grauzonen machen für mich einen großen Teil der Faszination aus.

Trotz aller schweren Themen überrascht der Schreibstil immer wieder mit humorvollen Momenten. Mehr als einmal musste ich beim Lesen laut lachen – etwas, das ich in dieser Art von Geschichte nicht unbedingt erwartet hätte. Gleichzeitig entwickelt das Buch ein enormes Suchtpotenzial.

Ein besonders eindrücklicher Moment für mich war die Szene mit Poppys Mutter. Wie sie mit ihr spricht und sie behandelt, tat beim Lesen richtig weh. Umso stärker wirkt Adrians Reaktion darauf. Wie er sich für Poppy einsetzt und sagt, er würde all ihre Bilder kaufen – das war für mich ein absoluter Schlüsselmoment. Spätestens da hatte ich das Gefühl: Diese beiden gehören zusammen.

Ist Limerence Dark Romance? Nicht wirklich.
Ist es eine klassische Liebesgeschichte? Auch nicht.
Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Das Buch bewegt sich irgendwo dazwischen – zwischen Spannung, moralischen Abgründen und einer intensiven, manchmal verstörenden Anziehung zwischen zwei Figuren, die beide ihre eigenen Schatten mitbringen.

Die Geschichte ist roh, emotional und manchmal unbequem. Sie zeigt keine perfekte rosarote Romanze, sondern echte, komplizierte Gefühle. Figuren, die Fehler machen. Entscheidungen, die man im echten Leben vielleicht verurteilen würde. Genau das hat für mich funktioniert.

Für mich war Limerence eine intensive, fesselnde Leseerfahrung, die ich kaum aus der Hand legen konnte. Ich bin unglaublich dankbar, das Buch über diese Leserunde entdeckt zu haben – und lasse Poppy und Adrian nur sehr ungern ziehen. Auch Wochen später denke ich noch an die beiden und bin sicher, die Bücher irgendwann zu re-readen.

(Und ja: Band 2 habe ich inzwischen schon auf Englisch verschlungen.)

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Wenn eine Autorin auch ohne Spice Intimität schaffen kann

Happy Ending
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Mit „Happy Ending“ gelingt der Autorin ein gefühlvoller Roman über Neuanfänge, seelische Verletzungen und die stille Hoffnung auf Heilung. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte wirkt, entfaltet ...

Mit „Happy Ending“ gelingt der Autorin ein gefühlvoller Roman über Neuanfänge, seelische Verletzungen und die stille Hoffnung auf Heilung. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte wirkt, entfaltet sich als feinfühliges Porträt einer jungen Frau, die versucht, nach einer schmerzhaften Trennung und einer beruflichen Krise wieder zu sich selbst zu finden.

Die 26-jährige Bestsellerautorin Rosie Watkins verlässt nach dem Ende einer toxischen Beziehung ihr glamouröses, aber leeres Leben in New York und flieht nach London. Dort trifft sie auf Tara, Saoirse und Deepti – drei Freundinnen, die sie mit offenen Armen aufnehmen und ihr neuen Halt bieten. Nur Taras Bruder Gamble bleibt skeptisch. Der tätowierte, wortkarge Musiker hält Rosie für oberflächlich – und doch entwickelt sich zwischen den beiden langsam eine unerwartet tiefe Verbindung.

Zugegeben: Der Einstieg ist langatmig. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, Rosies neue Umgebung zu beschreiben, wodurch der Roman zunächst an Schwung verliert. Doch gerade dieses gemächliche Tempo spiegelt Rosies innere Lähmung wider. Erst allmählich gewinnt die Geschichte an Emotionalität, insbesondere durch das vorsichtige Annähern zwischen Rosie und Gamble. Ihre Beziehung lebt weniger von Leidenschaft als von stiller Intimität, von Momenten unausgesprochener Nähe – das macht sie glaubwürdig, auch wenn ihr die große emotionale Wucht fehlt.

Die wahre Stärke des Romans liegt jedoch nicht in der Liebesgeschichte, sondern in der Darstellung von Freundschaft und Verlust. Rosies Clique in London ist lebendig, humorvoll und sympathisch. Ihre gemeinsamen Ausflüge, ihr Zusammenhalt und ihre Gespräche über das Leben verleihen der Geschichte Leichtigkeit und Menschlichkeit. Diese Figuren tragen den Roman – sie machen London zum Schauplatz des Neuanfangs und zugleich zum Symbol für Wärme und Zugehörigkeit.

Besonders berührend sind die Rückblenden, die Rosies Vergangenheit in New York beleuchten. Die Autorin erzählt von einer zerbrochenen Freundschaft mit solch emotionaler Klarheit, dass man unweigerlich mitfühlt. Diese Szenen sind das Herzstück des Romans – hier offenbart sich, wie tief Rosies Schuldgefühle und Selbstzweifel reichen. Der Schmerz über diesen Verlust wirkt echter, bewegender als jede romantische Episode.

Etwas weniger überzeugend ist hingegen die Darstellung von Rosies beruflicher Krise. Ihre Schreibblockade und der Druck des Verlages werden zwar thematisiert, doch ihre Depression oder Angststörung bleiben zu vage. Statt psychologische Tiefe zu entwickeln, verliert sich Rosie in Ausreden und Aufschieberitis. Das macht sie zeitweise anstrengend, obwohl man ahnt, dass ihr Verhalten aus innerer Erschöpfung rührt. Hier hätte die Autorin mutiger in die Dunkelheit ihrer Figur blicken dürfen.

Sprachlich überzeugt „Happy Ending“ dennoch durch Eleganz und Präzision. Der Stil ist klar, fließend und mit poetischen Bildern durchsetzt, die nie ins Kitschige abgleiten. Besonders Londons Atmosphäre – Parks, Bars, regennasse Straßen – ist liebevoll eingefangen.

Am Ende steht kein lautes Happy End, sondern eine stille Erkenntnis: Heilung geschieht langsam, oft im Schatten, manchmal durch Menschen, die man nicht gesucht hat. „Happy Ending“ ist kein perfekter, aber ein ehrlicher Roman. Er lebt von seinen Nebenfiguren, seiner Emotionalität und dem Mut, Traurigkeit nicht zu beschönigen.

Fazit: Eine berührende Geschichte über Freundschaft, Schuld und den Mut zum Neuanfang – feinfühlig erzählt, sprachlich stark und mit einem Ende, das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 26.04.2025

Wer wir sind, wenn niemand zusieht

Before we were innocent
6

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde ...

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde bereut.

Like what?! Diese Story liest sich besser als jeder Thriller, den ich vor Jahren verschlungen habe. Aber alles zu seiner Zeit. Ihr fragt euch sicher, worum es überhaupt geht.

Bess lebt seit dem Tod ihrer Freundin Evangeline völlig abgeschieden in einem kleinen Örtchen namens San Jacinto Mountains inmitten einer Wüstenlandschaft. Sie hat es satt, sich ihrer Vergangenheit stellen zu müssen, welche medial komplett ausgeschlachtet wurde. Nach vielen Jahren des Alleinseins klingelt plötzlich Joni, ebenfalls Teil der 3er-Freundschaft, an der Tür und bittet sie um einen Gefallen. Jahrelang nicht mehr gesehen, reißt die Begegnung der einstigen Freundinnen alte Wunden auf und Bess fragt sich, was genau eigentlich damals alles passiert ist, was die Freundschaft derartig zerstören konnte.

Ich kann an dieser Stelle mit meinen Lobeshymnen fortfahren. Für mich war es ein rundum gelungenes Buch. Wir haben sehr starke Charaktere, wir haben ein super ansprechendes Setting mit wechselnden Orten aufgrund der Zeitsprünge, und wir haben eine fesselnde Story, die zwiebelartig entschält wird und somit Stück für Stück für die nötige Spannung sorgt.
Mit jedem Kapitel erfahren wir mehr, doch nur so viel, wie es für den Moment nötig ist. Genügend Spielraum also, um selbst "aktiv" zu werden und sich das Geschehene auf unterschiedliche Arten und Weisen vorzustellen. Das mochte ich besonders.

In der gesamten Geschichte dominiert der Charakter von Bess. Diese ist in der Ich-Perspektive geschrieben, wir erhalten also intensive Eindrücke ihrer Gefühlswelt. Trotzdem werden die Nebencharaktere derart detailliert beschrieben, dass auch sie eine gute Figur von der Autorin erhalten und uns auch deren Beweggründe nachhaltig interessieren. Allen voran Joni.
Egoistisch, direkt, mit Hang zur Wut. Das beschreibt sie wohl ganz gut. Dagegen agiert Bess unsicher, ängstlich und will bloß keine Veränderungen zulassen. In der Mitte von ihnen Evangeline: in sich gekehrt, kontrollsüchtig und aufbrausend. Eine absolute Todeskombi, wenn ihr mich fragt.
So kommt es wohl, wie es kommen muss. Doch lest bitte selbst!

Ella Berman ist auf jeden Fall eine talentierte Autorin, die mich mit diesem Buch auf ihre Seite ziehen konnte. Das Thema Freundschaft wird hier auf eine sehr ehrliche, schmerzhafte Art dargestellt, wie sie in ihren Jugendjahren wohl häufiger vorkommt. Ich erinnere mich an viele Situationen aus der Vergangenheit und glaube wirklich, dass man mit zarten 16 Jahren noch so viel aufgebrachter, leidenschaftlicher und manchmal auch im Kopf-Aus-Modus handelt.

Mein Highlight der Story: Joni's Artikel ab Seite 425.

Ich werde gerne an diese Geschichte zurückdenken und ziehe daraus den Schluss, dass Fehler machen zum Menschsein dazugehört.

"Es fühlt sich so an, als würde ich um jemanden trauern, den ich nie kennenlernen dufte."

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Allison Saft kann also doch Romantik!

A Fragile Enchantment
4

Nach „A Dark and Drowning Tide“ war ich mir nicht sicher, ob sie es schafft, Spannung und Gefühl richtig herüberzubringen - aber! Ich wurde eines besseren belehrt!

Mit „A fragile Enchantment“ aus dem ...

Nach „A Dark and Drowning Tide“ war ich mir nicht sicher, ob sie es schafft, Spannung und Gefühl richtig herüberzubringen - aber! Ich wurde eines besseren belehrt!

Mit „A fragile Enchantment“ aus dem LYX Verlag bin ich dieses Risiko erneut eingegangen. Warum? Weil ich Fantasy liebe! Weil ich Fantasy in Verbindung mit Historie liebe und weil Allison einzigartige Charaktere mit hohem Wiedererkennungswert schafft, auf die ich nur ungerne verzichten mag.

Doch kommen wir zunächst zu der Geschichte: Niamh Ó Conchobhair wird als Iverin in den königlichen Palast Avalands eingeladen, um mithilfe ihrer Gabe die Garderobe des frisch Verlobten Prinzens Kit Carmine und seiner angehenden Braut Rosa zu entwerfen. Sie kann dabei besondere Empfindungen in die Kleidungen verweben und so außergewöhnliche Gefühle in den Trägern hervorlocken. Doch als sie auf Kit trifft, der sie mit seiner forschen und sturen Art fast in den Wahnsinn treibt, beginnt sie ihn besser kennenzulernen und echtes Mitgefühl für ihn und seine Situation zu entwickeln. Die Zwei kommen sich näher, doch das hat seinen Preis...

Als ich in das Buch eintauchte, befand ich mich schlagartig in Avaland. Allisons Beschreibungen rund um den Palast waren so detaillreich und farbenfroh, dass ich nicht anders konnte, als mich dort umzuschauen. Manchmal war es, als könnte ich den Räumen die verschiedenen Gerüche und Emotionen wahrnehmen. Das hat mir ganz besonders gefallen.

Auch die Charaktere haben sich in mein Herz geschlichen. Niamh ist so ein freundliches, zartes Wesen, dass man sie sofort lieb haben muss und mit ihrem Schicksal mitfiebert. Selbst mit Kit freundete ich mich mit der Zeit an. Ich mochte diese Mauer, die er aufgebaut hatte, denn seine Vergangenheit war alles andere als märchenhaft. Er war sehr authentisch in seiner Art und machte eine großartige Entwicklung im Buch durch. Und nicht zu vergessen die verschiedenen Nebencharaktere. Sinclair und Rosa haben meine Lesezeit enorm versüßt. Jeder von ihnen wurde mit seinen Eigenarten von Allison herausgearbeitet, sodass man innerhalb eines Dialoges sofort wusste, wer gerade spricht.
Ganz besonders hervorheben möchte ich Rosa. Ein Zitat von ihr hat mich tief berührt: "Glück ist eine einfache Sache. Wenn man sein Los im Leben akzeptiert, gibt es weder niederschmetternde Tiefpunkte noch Höhenflüge."
Ich liebe diese Stärke - selbst, wenn es tief in ihrem Inneren anders aussah. Diese Charaktere sind es, die in mir etwas bewegen.

Die Handlung ging in einem angenehmen Tempo voran, die verschiedenen Szenen waren dynamisch und vorantreibend. Der Konflikt zwischen Iverland und Avaland war allgegenwärtig und hat auch zur Dramatik zwischen der Verbindung Niamhs und Kits beigetragen. An dieser Stelle war ich, wie auch schon bei "A Dark and Drowning Tide", großer Fan der Märchen, die über die Jahre hinweg erzählt wurden und so das Volk der beiden Ländern den Lesern ein Stück weit näherbringt.

Endlich gab es Romantik, Spannung und einen winzigen Anteil von Spice. Das hätte tatsächlich mehr sein dürfen, aber ihr kennt mich. Ich bin was das angeht ein bisschen over the top. Für das Buch hat es ganz genau so, wie es war, hervorragend gepasst. Zaghaft, romantisch mit erinnerungswürdigen Zaubereien, die mich gestaunt haben lassen.
Das Meer aus Blumen (im Schlusspart zur Hochzeit) war zu schön!

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Fantasy-Buch, welches ich vor allem der jüngeren Generation ans Herz legen kann.

"Es gibt keine Garantie im Leben, Niamh. Wir alle sterben. Sie und ich, wir sind beide im Begriff zu sterben, aber wir sind auch am Leben. Liebe macht das Leben lebenswert. Liebe treibt uns an. Das ist Ihr Vermächtnis, Niamh. Es besteht darin, dass Sie die Menschen in ihrer Nähe lieben, und nicht darin, wie viel Sie für sie opfern."

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Conny ist der Abspann vom Film und Rosa sitzt noch da!

Nowhere Heart Land
5

Als ich das Buch gelesen habe, war ich wieder Anfang 20, hatte furchtbaren Liebeskummer und lief mit meinen abgewetzten Chucks durch Berlin.

So oder so ähnlich fühlte ich mich bei dem Buch „Nowhere Heart ...

Als ich das Buch gelesen habe, war ich wieder Anfang 20, hatte furchtbaren Liebeskummer und lief mit meinen abgewetzten Chucks durch Berlin.

So oder so ähnlich fühlte ich mich bei dem Buch „Nowhere Heart Land“, bei dem sich alles um die Protagonistin Rosa dreht, die ins ländliche Deutschland zurückkehrt, um das Haus ihrer dementen Oma zu verkaufen.
Eigentlich lebt sie im rasanten London, versucht dort das bisher Erlebte hinter sich zu lassen und sich einer erfolgreichen Zukunft zu nähern.
Als sie jedoch ihrem Arbeitskollegen die Nase bricht, ändert sich der Plan und Rosa wird zurück in die Vergangenheit katapultiert.

Es war ein wilder Ritt, das muss ich zugeben. Die Geschichte erfordert Energie. Es gibt unendlich viele Zeitsprünge, Gedankenabbrüche und Sätze, die sich im Sande verlaufen.
Die Grundstimmung ist dabei düster, hoffnungslos und das Leben von Rosa scheint ihr selbst zu entgleiten.
Seit dem Tod ihrer Mutter, die nur „Conny“ genannt wird, verharrt Rosa an einer Stelle. Anstatt nach vorne zu schauen und die Erlebnisse professionell aufzuarbeiten, schwelgt sie in Erinnerungen der vergangenen Jahre.
Oft erfahren wir hier von ihrer Zeit im Internat, welche der Protagonistin, ihren Freundinnen, aber auch Conny viel abverlangt hat. Das Leben zwischen Nonnen, Regeln und Verboten ist im Teenageralter alles andere als attraktiv. Vor allem Conny hat hier in ihrer Jugend viel rebelliert und hatte große Schwierigkeiten mit der Schwangerschaft und Geburt von Rosa.
Und gerade das ist es, was im Buch (und in Rosas Kopf) viele Fragen aufwirft.

Rosa's Erinnerungen sind vage, verschwommen, meist kann sie ihnen selbst nicht trauen. So passiert es, dass sie ihrer besten Freundin einen so gravierenden Vorwurf macht, dass diese ihr die Freundschaft kündigt.
Dieser Umstand gepaart mit dem Tod von Conny lässt Rosa nicht los. Sie setzt alles daran, Informationen zu bekommen, um ihren eigenen Gedanken wieder Glauben schenken zu können und den Kontakt zu Leni herzustellen.
Mithilfe von Begegnungen in Form von Lehrern, alten Bekannten und schlussendlich auch ihrer Freundin Leni, können wir immerhin erahnen, was sich am Nützenberg abgespielt haben könnte. Eine Garantie erhalten wir nicht.

Rosa ist ein schwieriger Charakter. Dennoch konnte sie mich fesseln. Ich habe ihr jede Verzweiflung, jeden Kummer, jeden Schmerz geglaubt. Diese innere Zerrissenheit wurde perfekt auf den Schreibstil adaptiert. Daher war ich großer Fan dieser aufkommenden Poesie und diesen häufigen Sprüngen zwischen den Wörtern und Gedanken.
Ja, es war oft eintönig, gar langweilig, doch was soll auch groß passieren, wenn man dem Vergangenen nachhängt?
Das hat dieses Buch ausgemacht, es passte perfekt. Dass wir nach und nach mit Rosa gemeinsam erfahren, was sie zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist: Einsam, verloren und in einer Zeitschleife gefangen. Immer in Verbindung mit einer bitteren Melancholie.

Ich mochte die wenigen Dialoge sehr. Davon hätte es gerne mehr geben können. Ich habe regelrecht darauf hingefiebert, dass Rosa und Leni miteinander sprechen. Aber auch Herr Pfeiffer, Herr Vogt, das Gespräch mit dem Pfleger über die Demenz der Oma - das waren meine persönlichen Schlüsselmomente, die der Geschichte gut getan und sie vorangetrieben haben.

Hier und da gibt es meiner Meinung nach Verbesserungsansätze. Damit meine ich ganz besonders den Schlusspart. Ich finde es gelungen, dass auch hier noch Fragen offen bleiben (denn das ist der Sinn der Geschichte), doch hätte ich mir noch einen kleinen Zeitsprung in die Zukunft gewünscht.

Alles in allem bin ich sehr glücklich, dieses Buch gelesen haben zu dürfen. Meinen Geschmack hat es absolut getroffen. Ab der zweiten Hälfte konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen.

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