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Veröffentlicht am 17.05.2026

Innen wie außen überzeugend

Party of Liars
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„Nur so durch die Seiten geflogen“ ist eine Formulierung, die man viel zu oft über Thriller liest – bei Party of Liars trifft sie allerdings wirklich zu. Das Buch entwickelt schon nach wenigen Kapiteln ...

„Nur so durch die Seiten geflogen“ ist eine Formulierung, die man viel zu oft über Thriller liest – bei Party of Liars trifft sie allerdings wirklich zu. Das Buch entwickelt schon nach wenigen Kapiteln einen starken Sog und zieht einen sofort in seine Dynamik hinein. Vor allem die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man ständig weiterlesen möchte. Dabei lebt die Spannung nicht nur von der Handlung selbst, sondern vor allem von den Perspektivwechseln. Jede Figur bringt neue Verdachtsmomente mit, verändert den Blick auf das Geschehen und sorgt dafür, dass man niemandem wirklich trauen kann.

Genau darin liegt für mich die größte Stärke des Romans: Das Misstrauen wird konsequent aufgebaut und immer wieder neu gelenkt. Kaum glaubt man, eine Figur durchschaut zu haben, tauchen neue Details auf, die alles wieder infrage stellen. Dadurch bleibt die Spannung über das gesamte Buch hinweg konstant hoch.

Besonders herausgestochen hat für mich die Nanny. Sie wirkt von Anfang an seltsam unheimlich, allerdings nicht auf eine offensichtliche oder übertriebene Weise. Eher unterschwellig und melancholisch. Immer wieder spricht sie davon, die Familie beschützen zu wollen oder etwas wiedergutmachen zu müssen, während sie gleichzeitig an diesem Haus festhält, obwohl dort längst etwas nicht stimmt. Ihre Verbindung zum Haus und zu den Ereignissen wirkte nie zufällig. Gerade im Zusammenhang mit dem Tod der Tochter hatte ich ständig das Gefühl, dass mehr hinter ihrer Geschichte steckt, als man zunächst erfährt.

Auch die anderen Figuren bleiben bewusst schwer greifbar. Kim zum Beispiel ist keine sympathische Person, aber gerade deshalb unglaublich glaubwürdig geschrieben. Ihre Eifersucht und ihr ständiger Kontrollverlust machen ihre Kapitel teilweise unangenehm, gleichzeitig aber auch authentisch. Man empfindet beim Lesen gleichzeitig Mitleid und Fremdscham, was ihre Perspektive besonders intensiv macht.

Ähnlich spannend fand ich Mikayla. Ihre Beziehung zu Sophie wirkte oft merkwürdig intensiv, fast so, als würde mehr dahinterstecken als Freundschaft. Gleichzeitig schwang zwischen ihr und Ethan immer wieder eine seltsame Spannung mit. Dass sie später mit Ethan anbändelt, verändert rückblickend viele Szenen und zeigt, wie geschickt der Roman mit Wahrnehmung spielt.

Danis Kapitel mochte ich ebenfalls sehr, weil sich nach und nach bestätigt, dass in diesem Haus tatsächlich Dinge geschehen und sie sich ihre Ängste nicht einfach einbildet.
Dani gehört zu den Figuren, deren Bedeutung sich erst langsam entfaltet.

Der Mittelteil des Buches ist etwas ruhiger als der starke Auftakt, da die Hintergründe der Figuren stärker in den Fokus rücken. Trotzdem verliert die Geschichte nie an Spannung, weil man unbedingt verstehen möchte, was jede einzelne Person verheimlicht. Gerade die Charaktere tragen den Roman auch in den ruhigeren Momenten problemlos weiter.

Im letzten Drittel zieht die Geschichte dann noch einmal deutlich an. Besonders gelungen fand ich, dass lange unklar bleibt, wer überhaupt sterben wird. Diese Unsicherheit hält die Spannung konstant aufrecht und sorgt dafür, dass die Atmosphäre immer bedrückender wird. Die Auflösung selbst hat mir ebenfalls sehr gefallen, weil sie überraschend war, ohne konstruiert zu wirken. Rückblickend ergeben viele kleine Hinweise plötzlich Sinn.

Was ich außerdem hervorheben möchte, ist das Setting. Fast die gesamte Handlung spielt nur in diesem Haus während der Party, und trotzdem entsteht nie das Gefühl von Stillstand. Im Gegenteil: Die räumliche Begrenzung verstärkt die klaustrophobische Atmosphäre enorm und macht das Haus selbst fast zu einer eigenen Figur. Gerade dadurch wirkt der Thriller besonders intensiv und geschlossen.

Für mich ein sehr gelungenes Buch, was mich die Zeit hat vergessen lassen.

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 12.03.2026

Suchtpotenzial von der ersten bis zur letzten Seite!

Limerence
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Mit Limerence hat mich H. C. Dolores von der ersten Seite an erwischt – und ehrlich gesagt auch bis zur letzten nicht mehr losgelassen.

Schon nach der Leseprobe war meine Neugier riesig. Ich hatte unzählige ...

Mit Limerence hat mich H. C. Dolores von der ersten Seite an erwischt – und ehrlich gesagt auch bis zur letzten nicht mehr losgelassen.

Schon nach der Leseprobe war meine Neugier riesig. Ich hatte unzählige Theorien im Kopf, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Das Spannende daran: Fast alles kam anders, als ich erwartet hatte – und genau das hat für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht. Normalerweise brauche ich bei Suspense-Romance ein paar Kapitel, um wirklich anzukommen. Hier war ich vom ersten Moment an mittendrin.

Doch kommen wir erst einmal zu den Protagonisten: Adrian ist für mich einer der faszinierendsten Charaktere überhaupt. Seine bedachte Wortwahl, dieser ruhige, beobachtende Blick und vor allem dieses Dunkle in ihm machen ihn unglaublich spannend. Man spürt ständig, dass mehr hinter ihm steckt, als er preisgibt. Und gerade als Adrians Vergangenheit langsam ans Licht kommt, wird deutlich, wie viel Schmerz er mit sich trägt.

Dann ist da Poppy. Sie ist als Hauptfigur einfach großartig geschrieben. Ihr Sarkasmus, ihre Außenseiterrolle, ihre Art, selbst in schwierigen Situationen die Fassung zu bewahren – das alles macht sie unglaublich greifbar. Gleichzeitig schwebt die ganze Zeit dieses Geheimnis über ihr. Man merkt, dass etwas passiert ist, aber nie ganz was genau. Das lässt einen als Leser konsequent neugierig bleiben. Auch Nebenfiguren wie Liz fand ich sehr gelungen.

Doch die Dynamik zwischen Poppy und Adrian ist für mich ganz klar das Herzstück der Geschichte. Die beiden ergänzen sich auf eine Weise, die gleichzeitig faszinierend und beunruhigend ist. Sie verstehen sich, sie ziehen sich an – aber sie bewegen sich auch beide immer wieder an moralischen Grenzen. Es zeigt sich, wie komplex die Figuren sind: Niemand ist wirklich unschuldig, niemand nur gut oder nur böse. Diese moralischen Grauzonen machen für mich einen großen Teil der Faszination aus.

Trotz aller schweren Themen überrascht der Schreibstil immer wieder mit humorvollen Momenten. Mehr als einmal musste ich beim Lesen laut lachen – etwas, das ich in dieser Art von Geschichte nicht unbedingt erwartet hätte. Gleichzeitig entwickelt das Buch ein enormes Suchtpotenzial.

Ein besonders eindrücklicher Moment für mich war die Szene mit Poppys Mutter. Wie sie mit ihr spricht und sie behandelt, tat beim Lesen richtig weh. Umso stärker wirkt Adrians Reaktion darauf. Wie er sich für Poppy einsetzt und sagt, er würde all ihre Bilder kaufen – das war für mich ein absoluter Schlüsselmoment. Spätestens da hatte ich das Gefühl: Diese beiden gehören zusammen.

Ist Limerence Dark Romance? Nicht wirklich.
Ist es eine klassische Liebesgeschichte? Auch nicht.
Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Das Buch bewegt sich irgendwo dazwischen – zwischen Spannung, moralischen Abgründen und einer intensiven, manchmal verstörenden Anziehung zwischen zwei Figuren, die beide ihre eigenen Schatten mitbringen.

Die Geschichte ist roh, emotional und manchmal unbequem. Sie zeigt keine perfekte rosarote Romanze, sondern echte, komplizierte Gefühle. Figuren, die Fehler machen. Entscheidungen, die man im echten Leben vielleicht verurteilen würde. Genau das hat für mich funktioniert.

Für mich war Limerence eine intensive, fesselnde Leseerfahrung, die ich kaum aus der Hand legen konnte. Ich bin unglaublich dankbar, das Buch über diese Leserunde entdeckt zu haben – und lasse Poppy und Adrian nur sehr ungern ziehen. Auch Wochen später denke ich noch an die beiden und bin sicher, die Bücher irgendwann zu re-readen.

(Und ja: Band 2 habe ich inzwischen schon auf Englisch verschlungen.)

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 16.11.2025

Wenn eine Autorin auch ohne Spice Intimität schaffen kann

Happy Ending
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Mit „Happy Ending“ gelingt der Autorin ein gefühlvoller Roman über Neuanfänge, seelische Verletzungen und die stille Hoffnung auf Heilung. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte wirkt, entfaltet ...

Mit „Happy Ending“ gelingt der Autorin ein gefühlvoller Roman über Neuanfänge, seelische Verletzungen und die stille Hoffnung auf Heilung. Was zunächst wie eine klassische Liebesgeschichte wirkt, entfaltet sich als feinfühliges Porträt einer jungen Frau, die versucht, nach einer schmerzhaften Trennung und einer beruflichen Krise wieder zu sich selbst zu finden.

Die 26-jährige Bestsellerautorin Rosie Watkins verlässt nach dem Ende einer toxischen Beziehung ihr glamouröses, aber leeres Leben in New York und flieht nach London. Dort trifft sie auf Tara, Saoirse und Deepti – drei Freundinnen, die sie mit offenen Armen aufnehmen und ihr neuen Halt bieten. Nur Taras Bruder Gamble bleibt skeptisch. Der tätowierte, wortkarge Musiker hält Rosie für oberflächlich – und doch entwickelt sich zwischen den beiden langsam eine unerwartet tiefe Verbindung.

Zugegeben: Der Einstieg ist langatmig. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, Rosies neue Umgebung zu beschreiben, wodurch der Roman zunächst an Schwung verliert. Doch gerade dieses gemächliche Tempo spiegelt Rosies innere Lähmung wider. Erst allmählich gewinnt die Geschichte an Emotionalität, insbesondere durch das vorsichtige Annähern zwischen Rosie und Gamble. Ihre Beziehung lebt weniger von Leidenschaft als von stiller Intimität, von Momenten unausgesprochener Nähe – das macht sie glaubwürdig, auch wenn ihr die große emotionale Wucht fehlt.

Die wahre Stärke des Romans liegt jedoch nicht in der Liebesgeschichte, sondern in der Darstellung von Freundschaft und Verlust. Rosies Clique in London ist lebendig, humorvoll und sympathisch. Ihre gemeinsamen Ausflüge, ihr Zusammenhalt und ihre Gespräche über das Leben verleihen der Geschichte Leichtigkeit und Menschlichkeit. Diese Figuren tragen den Roman – sie machen London zum Schauplatz des Neuanfangs und zugleich zum Symbol für Wärme und Zugehörigkeit.

Besonders berührend sind die Rückblenden, die Rosies Vergangenheit in New York beleuchten. Die Autorin erzählt von einer zerbrochenen Freundschaft mit solch emotionaler Klarheit, dass man unweigerlich mitfühlt. Diese Szenen sind das Herzstück des Romans – hier offenbart sich, wie tief Rosies Schuldgefühle und Selbstzweifel reichen. Der Schmerz über diesen Verlust wirkt echter, bewegender als jede romantische Episode.

Etwas weniger überzeugend ist hingegen die Darstellung von Rosies beruflicher Krise. Ihre Schreibblockade und der Druck des Verlages werden zwar thematisiert, doch ihre Depression oder Angststörung bleiben zu vage. Statt psychologische Tiefe zu entwickeln, verliert sich Rosie in Ausreden und Aufschieberitis. Das macht sie zeitweise anstrengend, obwohl man ahnt, dass ihr Verhalten aus innerer Erschöpfung rührt. Hier hätte die Autorin mutiger in die Dunkelheit ihrer Figur blicken dürfen.

Sprachlich überzeugt „Happy Ending“ dennoch durch Eleganz und Präzision. Der Stil ist klar, fließend und mit poetischen Bildern durchsetzt, die nie ins Kitschige abgleiten. Besonders Londons Atmosphäre – Parks, Bars, regennasse Straßen – ist liebevoll eingefangen.

Am Ende steht kein lautes Happy End, sondern eine stille Erkenntnis: Heilung geschieht langsam, oft im Schatten, manchmal durch Menschen, die man nicht gesucht hat. „Happy Ending“ ist kein perfekter, aber ein ehrlicher Roman. Er lebt von seinen Nebenfiguren, seiner Emotionalität und dem Mut, Traurigkeit nicht zu beschönigen.

Fazit: Eine berührende Geschichte über Freundschaft, Schuld und den Mut zum Neuanfang – feinfühlig erzählt, sprachlich stark und mit einem Ende, das lange nachhallt.

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  • Gefühl
Veröffentlicht am 26.04.2025

Wer wir sind, wenn niemand zusieht

Before we were innocent
6

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde ...

Mit dem Roman "before we were innocent" von Ella Berman habe ich mich seit Ewigkeiten an eine Geschichte ohne Lovestory, dafür mit einem rätselhaften Tod, gewagt.
Spoiler: Ich habe es zu keiner Sekunde bereut.

Like what?! Diese Story liest sich besser als jeder Thriller, den ich vor Jahren verschlungen habe. Aber alles zu seiner Zeit. Ihr fragt euch sicher, worum es überhaupt geht.

Bess lebt seit dem Tod ihrer Freundin Evangeline völlig abgeschieden in einem kleinen Örtchen namens San Jacinto Mountains inmitten einer Wüstenlandschaft. Sie hat es satt, sich ihrer Vergangenheit stellen zu müssen, welche medial komplett ausgeschlachtet wurde. Nach vielen Jahren des Alleinseins klingelt plötzlich Joni, ebenfalls Teil der 3er-Freundschaft, an der Tür und bittet sie um einen Gefallen. Jahrelang nicht mehr gesehen, reißt die Begegnung der einstigen Freundinnen alte Wunden auf und Bess fragt sich, was genau eigentlich damals alles passiert ist, was die Freundschaft derartig zerstören konnte.

Ich kann an dieser Stelle mit meinen Lobeshymnen fortfahren. Für mich war es ein rundum gelungenes Buch. Wir haben sehr starke Charaktere, wir haben ein super ansprechendes Setting mit wechselnden Orten aufgrund der Zeitsprünge, und wir haben eine fesselnde Story, die zwiebelartig entschält wird und somit Stück für Stück für die nötige Spannung sorgt.
Mit jedem Kapitel erfahren wir mehr, doch nur so viel, wie es für den Moment nötig ist. Genügend Spielraum also, um selbst "aktiv" zu werden und sich das Geschehene auf unterschiedliche Arten und Weisen vorzustellen. Das mochte ich besonders.

In der gesamten Geschichte dominiert der Charakter von Bess. Diese ist in der Ich-Perspektive geschrieben, wir erhalten also intensive Eindrücke ihrer Gefühlswelt. Trotzdem werden die Nebencharaktere derart detailliert beschrieben, dass auch sie eine gute Figur von der Autorin erhalten und uns auch deren Beweggründe nachhaltig interessieren. Allen voran Joni.
Egoistisch, direkt, mit Hang zur Wut. Das beschreibt sie wohl ganz gut. Dagegen agiert Bess unsicher, ängstlich und will bloß keine Veränderungen zulassen. In der Mitte von ihnen Evangeline: in sich gekehrt, kontrollsüchtig und aufbrausend. Eine absolute Todeskombi, wenn ihr mich fragt.
So kommt es wohl, wie es kommen muss. Doch lest bitte selbst!

Ella Berman ist auf jeden Fall eine talentierte Autorin, die mich mit diesem Buch auf ihre Seite ziehen konnte. Das Thema Freundschaft wird hier auf eine sehr ehrliche, schmerzhafte Art dargestellt, wie sie in ihren Jugendjahren wohl häufiger vorkommt. Ich erinnere mich an viele Situationen aus der Vergangenheit und glaube wirklich, dass man mit zarten 16 Jahren noch so viel aufgebrachter, leidenschaftlicher und manchmal auch im Kopf-Aus-Modus handelt.

Mein Highlight der Story: Joni's Artikel ab Seite 425.

Ich werde gerne an diese Geschichte zurückdenken und ziehe daraus den Schluss, dass Fehler machen zum Menschsein dazugehört.

"Es fühlt sich so an, als würde ich um jemanden trauern, den ich nie kennenlernen dufte."

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Allison Saft kann also doch Romantik!

A Fragile Enchantment
4

Nach „A Dark and Drowning Tide“ war ich mir nicht sicher, ob sie es schafft, Spannung und Gefühl richtig herüberzubringen - aber! Ich wurde eines besseren belehrt!

Mit „A fragile Enchantment“ aus dem ...

Nach „A Dark and Drowning Tide“ war ich mir nicht sicher, ob sie es schafft, Spannung und Gefühl richtig herüberzubringen - aber! Ich wurde eines besseren belehrt!

Mit „A fragile Enchantment“ aus dem LYX Verlag bin ich dieses Risiko erneut eingegangen. Warum? Weil ich Fantasy liebe! Weil ich Fantasy in Verbindung mit Historie liebe und weil Allison einzigartige Charaktere mit hohem Wiedererkennungswert schafft, auf die ich nur ungerne verzichten mag.

Doch kommen wir zunächst zu der Geschichte: Niamh Ó Conchobhair wird als Iverin in den königlichen Palast Avalands eingeladen, um mithilfe ihrer Gabe die Garderobe des frisch Verlobten Prinzens Kit Carmine und seiner angehenden Braut Rosa zu entwerfen. Sie kann dabei besondere Empfindungen in die Kleidungen verweben und so außergewöhnliche Gefühle in den Trägern hervorlocken. Doch als sie auf Kit trifft, der sie mit seiner forschen und sturen Art fast in den Wahnsinn treibt, beginnt sie ihn besser kennenzulernen und echtes Mitgefühl für ihn und seine Situation zu entwickeln. Die Zwei kommen sich näher, doch das hat seinen Preis...

Als ich in das Buch eintauchte, befand ich mich schlagartig in Avaland. Allisons Beschreibungen rund um den Palast waren so detaillreich und farbenfroh, dass ich nicht anders konnte, als mich dort umzuschauen. Manchmal war es, als könnte ich den Räumen die verschiedenen Gerüche und Emotionen wahrnehmen. Das hat mir ganz besonders gefallen.

Auch die Charaktere haben sich in mein Herz geschlichen. Niamh ist so ein freundliches, zartes Wesen, dass man sie sofort lieb haben muss und mit ihrem Schicksal mitfiebert. Selbst mit Kit freundete ich mich mit der Zeit an. Ich mochte diese Mauer, die er aufgebaut hatte, denn seine Vergangenheit war alles andere als märchenhaft. Er war sehr authentisch in seiner Art und machte eine großartige Entwicklung im Buch durch. Und nicht zu vergessen die verschiedenen Nebencharaktere. Sinclair und Rosa haben meine Lesezeit enorm versüßt. Jeder von ihnen wurde mit seinen Eigenarten von Allison herausgearbeitet, sodass man innerhalb eines Dialoges sofort wusste, wer gerade spricht.
Ganz besonders hervorheben möchte ich Rosa. Ein Zitat von ihr hat mich tief berührt: "Glück ist eine einfache Sache. Wenn man sein Los im Leben akzeptiert, gibt es weder niederschmetternde Tiefpunkte noch Höhenflüge."
Ich liebe diese Stärke - selbst, wenn es tief in ihrem Inneren anders aussah. Diese Charaktere sind es, die in mir etwas bewegen.

Die Handlung ging in einem angenehmen Tempo voran, die verschiedenen Szenen waren dynamisch und vorantreibend. Der Konflikt zwischen Iverland und Avaland war allgegenwärtig und hat auch zur Dramatik zwischen der Verbindung Niamhs und Kits beigetragen. An dieser Stelle war ich, wie auch schon bei "A Dark and Drowning Tide", großer Fan der Märchen, die über die Jahre hinweg erzählt wurden und so das Volk der beiden Ländern den Lesern ein Stück weit näherbringt.

Endlich gab es Romantik, Spannung und einen winzigen Anteil von Spice. Das hätte tatsächlich mehr sein dürfen, aber ihr kennt mich. Ich bin was das angeht ein bisschen over the top. Für das Buch hat es ganz genau so, wie es war, hervorragend gepasst. Zaghaft, romantisch mit erinnerungswürdigen Zaubereien, die mich gestaunt haben lassen.
Das Meer aus Blumen (im Schlusspart zur Hochzeit) war zu schön!

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Fantasy-Buch, welches ich vor allem der jüngeren Generation ans Herz legen kann.

"Es gibt keine Garantie im Leben, Niamh. Wir alle sterben. Sie und ich, wir sind beide im Begriff zu sterben, aber wir sind auch am Leben. Liebe macht das Leben lebenswert. Liebe treibt uns an. Das ist Ihr Vermächtnis, Niamh. Es besteht darin, dass Sie die Menschen in ihrer Nähe lieben, und nicht darin, wie viel Sie für sie opfern."

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