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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2023

Innehalten

Elternhaus
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Drei Schwestern - alle haben ihre von klein auf zugewiesene Rollen, die sie auch als Erwachsene beibehalten.
Bis die Eltern alt werden und Sanne, die Älteste und Vernünftige, beschließt, dass die Eltern ...

Drei Schwestern - alle haben ihre von klein auf zugewiesene Rollen, die sie auch als Erwachsene beibehalten.
Bis die Eltern alt werden und Sanne, die Älteste und Vernünftige, beschließt, dass die Eltern in eine altersgerechte Wohnung umziehen müssen.
Ohne die Eltern und Geschwister mit einzubeziehen.
Und plötzlich wackelt alles, auch die bisherigen Rollenzuweisungen.

Das Buch zeigt, was es auslösen kann, wenn das Elternhaus als solider Stützpfeiler im Leben auf einmal nicht mehr vorhanden ist.
Ein beklemmendes Thema, mit dem sich jede und jeder wohl irgendwann einmal auseinandersetzen muss und das ich verdränge, weil es so schwer ist.

Dann die Frage, inwieweit man alte Eltern bevormunden darf? Entscheidungen über ihren Kopf hinweg treffen darf?

Und genauso tiefschichtig: warum werden Rollenzuweisungen auch im Erwachsenenalter beibehalten und was passiert, wenn sie wackeln und einstürzen?

Ein gut ineinandergreifendes Themengerüst, das die Autorin da aufgestellt hat.
Sowohl thematisch als auch erzählerisch hat sie mich da voll abgeholt.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist trotz des Inhalts leicht zu lesen und so schön ausformuliert. Ich habe mich Sanne und Petra sehr nah gefühlt, obwohl sie so unterschiedlich sind.
Lediglich die jüngste Schwester, Gitti, betrachtete ich aus der Distanz, sie hat aber auch kaum Raum eingenommen in der Handlung.

Auch das Ende hat mich überzeugt - gut gelöst.

Veröffentlicht am 27.12.2023

Historischer Krimi im Okkultismus-Milieu

Die geheime Gesellschaft
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Ich bin ja Cover-Käuferin und das hier ist schon wie das des Vorgängerbuchs der Autorin wieder wunder-wunderschön.

Trotzdem werde ich mit der Autorin nicht vollständig warm - das war jetzt das zweite ...

Ich bin ja Cover-Käuferin und das hier ist schon wie das des Vorgängerbuchs der Autorin wieder wunder-wunderschön.

Trotzdem werde ich mit der Autorin nicht vollständig warm - das war jetzt das zweite Buch von ihr, das o.k. war, mich aber nicht umgehauen hat. Ein drittes werde ich wahrscheinlich eher nicht lesen (ich hoffe, ich bleibe standhaft, wenn mit das Cover zu einem neuen Buch im Buchladen zuwinkt).

Die Handlung spielt 1873 in London (und kurz in Paris) und zwar in der Okkultismus-Szene. Es ist wohl in der höheren Gesellschaft angesagt, Séancen abhalten zu lassen. Dazu gibt es sowohl eine bekannte Spiritualistin, aber auch die Herren der feinen Gesellschaft haben einen Geheimbund, die "Séance Society".
Es geht um ungeklärte Todesfälle, die mit Hilfe der Séancen aufgeklärt werden sollen - das ist schon speziell und handlungsbestimmend. Wenn man damit fremdelt, dann findet man die Handlung wahrscheinlich sehr hanebüchend.
Nichtsdestotrotz fand ich das Buch spannend, allerdings nicht durchgehend. Es hat schon viele Wiederholungen, immer die gleichen Muster.
Dazu gibt es eine etwas konstruiert wirkende Love/Erotikstory und leider auch Logikbrüche in der Handlung. Eine maßgebliche Handlung ist völlig unplausibel, aber maßgeblich für die folgenden Geschehnisse, das stört mich einfach.

Unterhaltsam ja, aber auch manchmal zäh und für mich nicht rund.

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Veröffentlicht am 17.12.2023

Kein guter Mann?

Kein guter Mann
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Walter ist Briefträger und legt sich mit jedem an. Seine Arbeitgeberin, die Post, hat die Nase irgendwann gestrichen voll und versetzt ihn in die Christkindfiliale in Engelskirchen. Ausgerechnet! Nachdem ...

Walter ist Briefträger und legt sich mit jedem an. Seine Arbeitgeberin, die Post, hat die Nase irgendwann gestrichen voll und versetzt ihn in die Christkindfiliale in Engelskirchen. Ausgerechnet! Nachdem Walter die ersten Briefe im Namen des Christkinds aufgesetzt hat als Antwort auf Kinderbriefe, muss die neue Chefin einschreiten: das geht ja gar nicht. Walter darf nur noch vorgefertigte Formulare eintüteln...
Ein Brief eines 10-Jährigen Jungens schafft es aber, Walters verhärtetes Herz zu erweichen und er spielt Gott. Was gut gemeint war, entwickelt eine Eigendynamik.

Das Buch ist bittersüß und spielt zur Weihnachtszeit. Das Eingangssetting mit den Kinderbriefen und den Antwortbriefen, die so tun, als ob sie von Gott wären, ist nicht neu, die Entwicklung, die das Buch dann aber nimmt, schon.
Wir erleben in Rückblenden mit, wie Walter wurde, wie er nun ist.
Und erlebend den Walter in der Gegenwart, der so gar nicht ist, wie seine äußere Hülle manchmal vermuten lässt.

Ein wunderschönes Buch, das aber nichts mit einem rührseligen heile-Welt-Weihnachtsgeschichtchen zu tun hat. Tragisch und nichtsdestotrotz passend im Handlungsverlauf bis zum Ende.
Dazu leicht lesbar geschrieben, ich habe die 393 Seiten an einem Abend ausgelesen.

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Veröffentlicht am 14.12.2023

Ein Satz mit X

Mord im Christmas Express
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Nein, leider ist mit der Überschrift nicht X wie X-Mas gemeint.

Auf das Buch habe ich mich sehr gefreut. Ich bin großer Agatha-Christie-Fan und habe mich nach der Buchankündigung "Ein Weihnachtskrimi, ...

Nein, leider ist mit der Überschrift nicht X wie X-Mas gemeint.

Auf das Buch habe ich mich sehr gefreut. Ich bin großer Agatha-Christie-Fan und habe mich nach der Buchankündigung "Ein Weihnachtskrimi, wie Agatha Christie ihn heute schreiben würde: spannend, skurril und absolut zeitgemäß" richtig abgeholt gefühlt. Auch das Cover passt dazu und ist sehr gelungen.

Allerdings glaube ich nicht, dass Agatha Christie heute so schreiben würde. Das Setting war noch entsprechend: ein Zug von Schottland durch die Highlands nach London. Plötzlich eingeschneit. Und dann ein Mord!

Aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Spannend wie angekündig? Leider nicht wirklich, eher das Gegenteil.
Skurril? Nein, auch.
Lediglich absolut zeitgemäß kann ich stehenlassen.
Denn das muss man sagen, es wurde kaum ein Thema unserer Zeit ausgelassen.
Sexuelle Gewalt gegenüber Frauen, Fake-Welt der Influencer, LGBT,...
Manchmal kam es mir so vor, als ob die Autorin eine Liste des Verlags abarbeiten musste und wirklich alle Schlüsselbegriffe einbauen musste.

Es war überhaupt kein klassischer Weihnachtskrimi, den man gemütlich eingemummelt am Sofa mit einem heißen Kakao genießt.
Es wurde für meinen Geschmack viel zu viel hineingepackt und hat mit dem Cover und dem Klappentext einfach falsche Erwartungen bei mir geweckt.
Statt leichter Krimikost waren das richtig schwere Themen, die in so einem Krimirahmen für mich nicht passend waren. Vor allem ohne Triggerwarnung oder Ankündigung der schweren Kost.

Veröffentlicht am 12.12.2023

Candice Fox ist für mich einfach eine sichere Thriller-Bank

Stunde um Stunde
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Die Autorin hat mich mit ihrer Crimson-Lake-Thriller-Serie völlig gefesselt. Dementsprechend habe ich mich sehr gefreut, dass es ein neues Buch von ihr gibt.

Auch hier wieder ein ungewöhnliches Ermittlerteam ...

Die Autorin hat mich mit ihrer Crimson-Lake-Thriller-Serie völlig gefesselt. Dementsprechend habe ich mich sehr gefreut, dass es ein neues Buch von ihr gibt.

Auch hier wieder ein ungewöhnliches Ermittlerteam - wenn auch nicht ganz solche Underdogs wie in Crimson Lake.

Detektive Charlie Hoskins war fünf Jahre undercover in einer brutalen Gang unterwegs und flog auf. An seiner Seite ist Lynette Lamb, endlich Polizeibeamtin und schon wieder entlassen. Anfangs etwas nervig, Typ "ich erkläre dir die Welt" mit viel Erfahrung trifft auf naiven Neuling. Aber geschenkt, hat schon zur Story gepasst.

Sie müssen herausfinden, was mit einem entführten Kind passiert ist, dessen verzweifelte Eltern zu allem bereit sind. Erschwerte Bedingungen, denn die Entführung ist inzwischen ein Cold Case und die Zeit läuft.

Obwohl die Handlung über lange Strecken in einem Labor spielt und damit schon fast kammerspielartige Züge hat und das Australien-Feeling diesmal keine Rolle spielte, hat mich das Buch völlig gefesselt.
Candice Fox hat es einfach drauf!

Aber auch die Frage, wie weit man gehen darf, um sein Liebstes zu schützen - und welche Prioritäten auch seitens der Polizei gesetzt werden, fand ich nicht minder spannend, weil man da auch für sich überlegt und nachdenkt.

Opfer, die zu Tätern werden - moralisch nicht in eine schnelle Schublade einsortierbar.

Ganz kam das Buch nicht an Crimson-Lake heran, da fand ich die Kombination Spannung, Charaktere und Australien einfach genial.
Bester Thriller-Unterhalt hatte ich aber auch mit "Stunde um Stunde".