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Veröffentlicht am 11.09.2025

UrbanFantasy mit LovestoryTouch

When the Moon touches my Soul
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Also … ja, es ist eine Liebesgeschichte. Ja, sie ist durchaus sehr stark präsent, aber … sie ist nicht kitschig und wer kein Freund von Romantasy ist und auch bei kitschigen Liebesgeschichten mit megaextraviel ...

Also … ja, es ist eine Liebesgeschichte. Ja, sie ist durchaus sehr stark präsent, aber … sie ist nicht kitschig und wer kein Freund von Romantasy ist und auch bei kitschigen Liebesgeschichten mit megaextraviel Gesülze schreiend davon läuft, der sollte dem Buch trotzdem eine Chance geben, denn das wird hier nicht geboten. Wie gesagt, ja es ist eine Liebesgeschichte, aber sie ist nicht kitschig und das drum herum lässt das gerne vergessen, denn es gibt mehr als ein Mensch, der einen Werwolf liebt.
Ja, man muss auch sagen, dass die Geschichte in vielen Belangen vorhersehbar ist. Aber man muss auch sagen, dass sich der Stil der Autorin flüssig und angenehm liest und wer hat schon das Rad neu erfunden. Die Charaktere sind sympathisch und die Handlung (und damit meine ich nicht die Liebesgeschichte, in WHEN THE MOON TOUCHES MY SOUL steckt viel mehr) durchaus spannend und mitreißend (und etwas blutig, das muss man mögen, aber hier geht es nicht um Kuschelvampire bzw. Kuschelwerwölfe).
Erzählt wird in der ersten Person aus den wechselnden Perspektiven von Skylar und Ryan. Das Ende lässt allerdings keine Fragen offen und da der zweite Band bereits angekündigt ist, darf man sich fragen wie es weiter geht. Neugierig kann man auch ohne Cliffhanger werden.
WHEN THE MOON TOUCHES MY SOUL ist eine Liebesgeschichte, das heißt es gibt auch Bettszenen (davon mag man halten as man will, ich könnte darauf verzichten), es ist aber auch eine Geschichte über Monster (wenn man Werwölfe und Vampire als solche betrachtet) und das heißt, dass es durchaus oft sehr brutal wird. Wobei man sich dann auch fragen muss … warum eine taffe Sicherheitschefin, die noch dazu ein Werwolf ist, so oft gerettet werden muss …
Man sieht, der Roman hat seine Schwächen, aber für deutsche Urban Fantasy mit Lovestory-Touch (neudeutsch: NEW ADULT SHAPESHIFTER ROMANCE) durchaus unterhaltsam.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2025

Spannender Herbstkrimi

Halloweenkind
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Lars Engels gelingt es gut, eine düstere, herbstliche und halloweenhafte Stimmung zu erzeugen. Nebel, dunkle Nächte, Verkleidungen, Süßes (das Saure geschieht unabhängig davon). Halloween als Setting Setting ...

Lars Engels gelingt es gut, eine düstere, herbstliche und halloweenhafte Stimmung zu erzeugen. Nebel, dunkle Nächte, Verkleidungen, Süßes (das Saure geschieht unabhängig davon). Halloween als Setting Setting bietet nicht nur Kulisse, sondern wird narrative und symbolische Funktion. Die Kapitel sind teilweise nach bekannten Horrorfilmen/büchern benannt (und mehr als einmal, aber nicht ausschließlich, hat Stephen King Pate dafür gestanden, wobei King auch sonst sehr präsent ist, eine kleine Hommage an den Meister des Horrors).
Es gibt mehrere Zeitebenen, wechselnde Perspektiven und gut platzierte Auffälligkeiten, die nach und nach Sinn ergeben. Lars Engels lädt zum Rätseln ein, HALLOWEENKIND bietet mehr als eine Überraschung. Und dem Leser werden nicht gerade wenige Rätsel aufgegeben. Nicht nur durch das schon bei der Erwähnung Schauer erzeugende Halloweenthema sorgt für Spannung.
Neben der Krimihandlung behandelt der Roman Aspekte wie Schuld, Gewissen, Verdrängung, familiäre und soziale Fassaden. Was wissen wir über die Menschen, die uns nahestehen?
Der Stil ist flüssig und gut lesbar, kurzweiliges Lesevergnügen wird geboten. Die Charaktere sind glaubwürdig und durchaus sympathisch, nur LEA, die Protagonistin hat ihre Schwächen (als Figur), über die man hinwegsehen kann, denn auf gewisse Weise wirkt der Roman etwas überfrachtet, so dass man nicht wirklich glauben kann (oder mag), dass es real sein könnte. Aber ... das stört nicht wirklich, wenn man sich darauf einlässt und sich auf Halloween besinnt und sich einfach etwas gruseln möchte (auch wenn HALLOWEENKIND eigentlich kein Horroroman ist).
Da kann man auch die Schwächen Leas ignorieren. Lea wird oft als sympathisch und engagiert beschrieben, aber auch als manchmal übergriffig, impulsiv oder unrealistisch in ihrem Verhalten. Ihre Rolle als Opferhelferin wirkt in manchen Szenen zu stark konstruiert und die Polizei ist allzu gerne bereit ihr Geheimnisse anzuvertrauen (sollte man meines Wissens nicht tun, egal ob es sich um Ehepartner handelt oder nicht) und sie auch ermitteln zu lassen. Das kenne ich nur von Cosy-Krimis und ich hatte nicht den Eindruck, dass es sich bei HALLOWEENKIND um einen solchen handelt. Auch ist sie sehr vielseitig und vereint gleich mehrere Rollen, von der Schriftstellerin/Journalistin, zur Angestellten beim WEISSEN BUND zur Café-Besitzerin ... Aber wenn man darüber hinwegsieht und die eierlegende fliegende Wollmilchsau als solche zur Kenntnis nimmt, dann wird man, wie gesagt, gut unterhalten.
HALLOWEENKIND ist, trotz einer etwas übertriebenden Hauptdarstellerin, ein gelungener Herbst-/Halloween-Krimi. Er verbindet Mystery, Familiendrama und Krimi-Elemente zu einer fesselnden Geschichte, die gerade in dieser Jahreszeit sehr gut funktioniert.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Walther von der Vogelweide in geheimer Mission ... (irgendwie)

Das Lied des Vogelhändlers
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DAS LIED DES VOGELHÄNDLERS ist ein spannender Historienroman, der geschickt zwei Zeitebenen und Erzählstränge nutzt, um seine Protagonisten einzuführen. Lange ist nicht ersichtlich wo die Geschichten zusammenführen, ...

DAS LIED DES VOGELHÄNDLERS ist ein spannender Historienroman, der geschickt zwei Zeitebenen und Erzählstränge nutzt, um seine Protagonisten einzuführen. Lange ist nicht ersichtlich wo die Geschichten zusammenführen, aber sobald Wigbert, der Vogelhändler auf Franziska trifft, werden Fehler der Vergangenheit offenbart und die Handlung nimmt eine schon fast actionreiche Fahrt auf. Und dabei bleibt Dorweiler durchaus realistisch, aber auch modern (in manchen Ansichten seiner Charaktere) und lässt auch den Humor nicht zu kurz kommen (Ich liebe die Szene auf dem Friedhof, als Walther, Wigbert und Franziska … mehr verrate ich nicht, aber die Szene war einfach nur skurril). Aber alles bleibt im Rahmen des authentischen, nichts wirkt übertrieben, selbst die zur Schau gestellte Brutalität, hat für die damalige Zeit durchaus etwas gewöhnliches.
Eine originelle dramaturgische Idee: Jedes Kapitel ist einem bestimmten Vogel gewidmet – der Vogeltitel steht im Kapitelkopf und der Vogel taucht auch im Kapitel auf, wenn auch nicht unbedingt als Vogel, sondern als Metapher oder Beschreibung einer Person, echte Phönix gibt es nicht, auch nicht in diesem Roman.
Der Schreibstil ist flüssig und modern, macht dadurch aber das historisch lebendige Setting besonders nahbar.
Dorweiler gelingt es, historische Fakten mit einer lebendigen Handlung zu verweben. Der deutsche Thronstreit, die Kreuzzüge, der Minnesang – alles wirkt authentisch und doch nie trocken. Die politischen Verwicklungen sind ebenso spannend wie die persönlichen Schicksale. Intrigen, Verrat, Loyalität und Liebe halten die Spannung bis zur letzten Seite hoch. Manches mag vorhersehbar sein, was aber auch nicht anders geht (und ich will nicht spoilern oder ein verräterisches Zitat von mir geben, aber dass ein Charakter nicht unbedingt tot ist, weil es andere behaupten, das kennt man ja schon … und ist auch hier Teil der Geschichte).
DAS LIED DES VOGELHÄNDLERS ist ein gelungener historischer Roman: atmosphärisch dicht, voller lebendiger Charaktere.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Historisch
Veröffentlicht am 03.09.2025

Teure Geistergeschichte

Die Toten von nebenan
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Olivia Monti kombiniert in DIE TOTEN VON NEBENAN eine interessante Ausgangssituation mit beklemmender Atmosphäre. Die ruhige, fast alltägliche Stimmung eskaliert zunehmend, was einen treffenden Kontrast ...

Olivia Monti kombiniert in DIE TOTEN VON NEBENAN eine interessante Ausgangssituation mit beklemmender Atmosphäre. Die ruhige, fast alltägliche Stimmung eskaliert zunehmend, was einen treffenden Kontrast bildet zwischen dem friedlichen Jenseits und den dunklen Absichten des Antagonisten Herr Tobers. Wenn die Charaktere nicht tot wären, könnte man fast von einer normalen Nachbarschaftgeschichte reden, mit den üblichen Animositäten und Gefühlen wie NEID, HASS und natürlich den einem oder anderen Vorurteil. Olivia Monti zeigt, dass es bei den Toten auch nicht anders ist, und regt durch ihre Ansichten (bzw. die der Protagonisten) zum Nachdenken an. Was kommt nach dem Tod? Gibt es ein Jenseits oder vielleicht doch ein Paradies auf Erden, wie auch immer das dann aussehen wird. Neu ist die Idee nicht, findet aber selten Verendung, jedenfalls ist sie mir nicht oft untergekommen (auch wenn ich mich an Ähnliche Szenarien während meiner lange zurückliegenden Rollenspielzeit denke).
Die Handlung ist nicht reißerisch, teilweise sehr langsam und selbst der große Showdown ist als solcher kaum zu erkennen. Die Idee, wie sich die Protagonisten gegen den Antagonisten wehren, kann man als interessant bezeichnen, passt auch zum restlichen Erzählstil, sorgt aber auch für eine gewisse Langatmigkeit. Ich kann nicht sagen, dass die Geschichte spannend ist, sie lebt (mehr oder weniger) von den Bedürfnissen/Wünschen/Ansichten der handelnden Personen, die (mit Ausnahme von Herrn Tober vielleicht ... in gewissem Grade) nicht unbedingt als Gut oder Böse bezeichnet werden können. Menschen wie du und ich, aus dem Leben gegriffen, nur eben tot.
Die Charaktere erscheinen bewusst distanziert – nur mit Nachnamen, was ihre emotionale Wirkung verstärkt, aber auch ihre Fremdheit in der Geistergemeinschaft betont. Ihre Gedanken, Ängste und Zwiespälte bleiben nachvollziehbar und tragen zur düsteren Gesellschaftskritik bei. Leider entsteht auch beim Leser eine gewisse Distanziertheit, die Geschichte wirkt kalt und gefühllos, da man (oder zumindest ich) keinen Bezug zu den Figuren aufbauen kann. Und das war der größte Schwachpunkt ... trotz aller Gesellschaftskritik berührt mich die Geschichte nicht. Mir fehlt der Zugang zu den Charakteren, sie sind mir egal. Es ist wie das reale Leben, irgendwie, meine Nachbarn interessieren mich auch nicht. Und ob es sich um Frau Löffler aus dem Roman oder Frau Müller von nebenan handelt ... man hört sich die Geschichten an, aber das Interesse ist eher gering. Und so würde ich DIE TOTEN VON NEBENAN Freunden von Geistergeschichten nicht empfehlen. Vielleicht mag der Roman aus gesellschaftskritischer Sicht interessant sein und sich auch schnell lesen. Wenn man sich aber nicht daran machen will den Roman (bzw. die Charaktere und ihre Beweggründe) zu analysieren ... gibt es meiner Meinung nach keinen Grund, das Buch zu lesen. Über den erstaunlich hohen Preis werde ich mich nicht weiter äußern (ebook für 22,10 €, gebundenes Buch mit 296 Seiten für 27,10 €)

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Enttäuschend

Die Kaiserin von Galapagos
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Michi Strausfeld ist Literaturwissenschaftlerin, Verlagslektorin, Herausgeberin und war jahrelang (1974 bis 2008) für das spanisch-lateinamerikanische Verlagsprogramm des Suhrkamp Verlages verantwortlich. ...

Michi Strausfeld ist Literaturwissenschaftlerin, Verlagslektorin, Herausgeberin und war jahrelang (1974 bis 2008) für das spanisch-lateinamerikanische Verlagsprogramm des Suhrkamp Verlages verantwortlich. Kein Wunder, dass sie aus lateinamerikanischen Büchern oder deutschen Reiseberichten zitiert. Daneben (oder vielleicht gerade deswegen) ist der Band aber auch eine akribische Auflistung des geschichtlichen Zeitrahmens und der politischen Entwicklung der einzelnen Länder. Aber ... alles doch sehr oberflächlich. Da hätte ich mir tatsächlich einen seitenstarken Wälzer gewünscht, denn eines hat mir das Buch gezeigt: Wie wenig ich eigentlich über den südamerikanischen Kontinent weiß, sofern es seine Geschichte anbelangt. Von daher muss ich dem Buch ankreiden, dass es zu kurz ist, aber Lust auf mehr macht. Egal ob mit oder ohne Beteiligung deutscher Staatsbürger.