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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2018

Witziger Titel, leidenschaftliche Geschichte

Mit Gobi durch die Wüste - eine wahre Geschichte
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Erzählt wird eine leidenschaftliche Geschichte, die dem Leser die Extremsportart des Ultramarathons nahebringt.
Gobi, der Hund spielt anfangs tatsächlich nur eine untergeordnete Runde, er (bzw. sie) ist ...

Erzählt wird eine leidenschaftliche Geschichte, die dem Leser die Extremsportart des Ultramarathons nahebringt.
Gobi, der Hund spielt anfangs tatsächlich nur eine untergeordnete Runde, er (bzw. sie) ist einfach nur da und ist von Dions Outfit fasziniert. Niemand sonst scheint Interesse an dem Tier zu haben und auch Dion ist anfänglich nur auf den Lauf (eine Siebentage-Tortur durch die Wüste Gobi) fixiert.
Seine Sichtweise ist anders, als die der Hündin, die nicht von seiner Seite weicht und auch sein Nachtlager teilt. Schließlich empfindet Dion so etwas wie Zuneigung.
Die Schwierigkeiten beginnen erst, nachdem er Gobi aus China hinausbringen will, damit sie mit ihm leben kann.

Dion gibt zum Teil tiefe Einblicke in sein Leben. Durch kleine Anekdoten aus seiner Vergangenheit lernt der Leser ihn besser kennen, seine Beweggründe und so verstärkt er die Bindung zwischen dem Leser, seiner eigenen Person und Gobi, so dass sehr starke Emotionen aufgebaut werden.
Es ist ein sehr bewegendes, emotional geschriebenes Buch entstanden, das den Leser mitfühlen lässt.

Tatsächlich habe ich die ganze Aufregung um den Hund gar nicht mitbekommen, aber dazu muss man wohl in England/Schottland gewesen sein, um alles hautnah mit zu erleben. Aber dank youtube kann man viele ergreifende Momente/Interviews nacherleben.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Die verrücktesten Überlebensstrategien der Tierwelt

Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt
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Schon mal von Pseudacteon curvatus gehört? Oder Cymothoa exigua? Oder Ophiocordyceps unilateralis? Nein? Das wundert mich nicht. Vermutlich haben davon die wenigsten gehört oder gelesen, deswegen gibt ...

Schon mal von Pseudacteon curvatus gehört? Oder Cymothoa exigua? Oder Ophiocordyceps unilateralis? Nein? Das wundert mich nicht. Vermutlich haben davon die wenigsten gehört oder gelesen, deswegen gibt es wohl auch keine deutsche Bezeichnung für diese Lebewesen.
Um diese und andere geht es in Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt. Der Untertitel verrät schon mehr: Die verrücktesten Überlebensstrategien der Tierwelt. Und verrückt (und manchmal eklig) geht es in diesem unterhaltsamen, aber auch informativen Buch zu.
Pseudacteon curvatus ist eine Buckelfliegenart, die Ameisen aufschlitzt und ihre Eier unter den Ameisenpanzer legt.
Cymothoa exigua ist eine Meeresassel, das die Zunge von Fischen ersetzt (und wenn Cymothoa den Fisch verlässt, stirbt dieser…)
Ophiocordyceps unilateralis macht aus Ameisen Zombies (und ist eigentlich kein Tier sondern ein Pilz)
Daneben tummeln sich noch zahlreiche andere Überlebenskünstler mit ungewöhnlichen Formen der Fortpflanzung, Aufzucht, Nahrungssuche …
Manches ist eklig, manches unglaublich, aber erstaunlich sind sie alle.

Die Wespe, die sich Raupen als Sklaven hielt ist mehr als eine bloße Faktensammlung. Jedes Tier (und der Pilz) werden mit einer Zeichnung vorgestellt. Es gibt immer ein Problem und die Lösung der entsprechenden Tierart.
Als Beispiel greife ich zurück auf Cymothoa exigua:
Problem: Im offenen Meer herumzudümpeln ist gefährlich.
Die Lösung wurde hier bereits erwähnt …
Matt Simon gelingt es mit seinem humorvollen, manchmal auch flapsigen Schreibstil selbst unappetitliche Dinge unterhaltsam zu präsentieren, ohne dabei zu sehr ins Komödiantische abzudriften.
Man lernt auf spaßige Art viel über die Überlebensstrategien mehr oder weniger unbekannter Tiere und kann damit mit ungewöhnlichem Wissen angeben.
Ein Buch für diejenigen, die mehr über die Welt der Tiere wissen wollen und sich auch für die kleineren Vertreter der Fauna interessieren.

Veröffentlicht am 02.05.2018

Unterhaltsames Wolfsgeplauder

Wolfsküsse
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Elli H. Radinger ist wohl Deutschlands bekannteste Wolfsexpertin. Wolfsküsse erschien bereits 2011 und liegt nun in Neuauflage als Taschenbuch vor.
Darin erzählt Elli, wie sie auf den Wolf gekommen ist ...

Elli H. Radinger ist wohl Deutschlands bekannteste Wolfsexpertin. Wolfsküsse erschien bereits 2011 und liegt nun in Neuauflage als Taschenbuch vor.
Darin erzählt Elli, wie sie auf den Wolf gekommen ist und wie sie die Faszination für diese Tiere nicht loslassen wollte. Es sind aber nicht nur die Wölfe oder sie selbst, die in diesem Buch eine Rolle spielen. Auch ihre Begegnungen mit anderen Wolfsbegeisterten oder Gegnern werden teilweise mit einer gewissen Prise Humor beschrieben.
Frau Radinger ist keine Wissenschaftlerin, aber leidenschaftliche Wolfsliebhaberin. Und das merkt man dem Buch an. Es ist ein sehr persönliches Buch, das die Sicht der Autorin wiedergibt. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung über das Sozialverhalten, viel mehr eine Autobiographie mit Wolf.
Man lernt einige Wolfspersönlichkeiten des Yellowstone Parks kennen und die Reaktion von Wolfsbeobachtern und -liebhabern wenn sie eines dieser Tiere (aus der Ferne) treffen.
Ich mag die Erzählweise von Frau Radinger und auch ihre Emotionalität, wenn es um Wölfe geht. Elli geht an das Thema anders heran als Biologen und das macht die Stärke des Buchs aus.
In Wolfsküsse geht es um Frau Radingers Beziehung zu den Wölfen (auch wenn diese eher einseitig ist), nicht um das Erlangen wissenschaftlicher Kenntnisse (die zwar auch vermittelt werden, aber nur nebenbei). Und natürlich geht es auch nicht darum, wo man am Besten Wölfe küssen kann.

Was man getrost vernachlässigen kann ist der Serviceteil zu Wolfsprojekten und Wolfspatenschaften. Dieser fällt etwas dürftig aus und eine kurze Recherche in den Weiten des WWWs ergibt mehr hilfreiche Tipps als das Buch.

Wer mehr über das Leben der Wölfe des Yellowstone-Parks erfahren will, wird mit diesem Buch keine Freude haben, ebenso diejenigen, die sich mehr Fakten über Canis lupus erhoffen.
Wer wissen will, wie sich die Faszination der Wölfe auf eine einzelne Person auswirkt oder wer mehr über die Arbeit von Wolfsbeobachtern im Yellowstone Park wissen will, dem kann dieses Buch nahe gelegt werden.
Und ja, ein bisschen plaudert Frau Radinger auch. Das merkt man an diversen Wiederholungen, die man sich vielleicht hätte sparen können.
Aber da ich die Erzählweise von Frau Radinger mag (obwohl ich bisher nur zwei Bücher kenne … ein Umstand, der durchaus geändert werden kann), stört mich das nicht. Ein bisschen Geplauder darf auch sein.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Ein Buch für alle Einhornfans

Einhörner für Einsteiger
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Nun ja, ich habe bei der Lektüre nicht herausfinden können, an wen sich dieses Buch richtet. Manchmal war es mir zu erwachsen, dann wieder zu kindisch.
Vielleicht ist es tatsächlich für alle Einhornfans ...

Nun ja, ich habe bei der Lektüre nicht herausfinden können, an wen sich dieses Buch richtet. Manchmal war es mir zu erwachsen, dann wieder zu kindisch.
Vielleicht ist es tatsächlich für alle Einhornfans jeglichen Alters (und Geschlecht?) gedacht. Und mit Einhörner sind jene weißen Tiere mit Regenbogenmähne gemeint (die gerade so in Mode sind).
Das Buch ist eine Art Leitfaden mit allen wichtigen Informationen, die man über Einhörner wissen muss: Angefangen über ihre Ernährung, Aussehen und natürlich wie man sie anlocken kann (was gar nicht so schwer ist, allerdings wird nicht verraten, wie lange das dauert …allerdings habe ich es auch nicht versucht, ich will nicht als merkwürdig gelten …. auch wenn manche behaupten, dass ich das wäre, allerdings nicht auf Einhornart).
Abgerundet wird das Buch mit lustigen Zeichnungen von der Autorin und Rezepten, die zuckersüß sind und nicht nur Einhörnern schmecken.
Auch wenn ich mir bei der Zielgruppe nicht sicher bin, bei einem bin ich mir sicher:
Ernst gemeint ist das Buch nicht (jedenfalls hoffe ich das), aber sehr spaßig.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig und schnell weiß man alles, was man über Einhörner wissen wollte (und noch viel mehr)

Tatsächlich ein Buch für alle Einhornfan.

Veröffentlicht am 20.04.2018

Anspruchsvoll und nur bedingt empfehlenswert

Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte
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Die Essays sind sehr unterschiedlich in ihrer Art, oft philosophisch, manchmal informativ und/oder nachdenklich. Allerdings ist auch die Qualität der Essays nicht vergleichbar und so finden sich in meinen ...

Die Essays sind sehr unterschiedlich in ihrer Art, oft philosophisch, manchmal informativ und/oder nachdenklich. Allerdings ist auch die Qualität der Essays nicht vergleichbar und so finden sich in meinen Augen gute neben weniger guten und mit einigen konnte ich mich nicht anfreunden.
Als Negativbeispiele mögen die Beiträge zu Darwins Schildkröte und der Löwe Cecil gelten.
Durch die Offenlegung der Gedanken Harriets (Darwins Schildkröte) wird mir das Tier zu sehr vermenschlicht und entfremdet sich mir dazu zu sehr. Ich weiß nicht was Schildkröten denken, oder wie sie die Welt wahrnehmen (sicherlich kennen sie die Namen, die ihnen der Mensch gegeben hat nicht). Es mag ein Stilmittel sein, aber es ist eines, das ich nicht nachempfinden kann.
Dem Löwen Cecil wird eine Seite gewidmet, wobei eher sein "Mörder" zu Wort kommt. Um diese Seite verstehen zu können, muss man sich näher mit den Umständen von Cecils Tod auseinandersetzen, auch wenn die Vorkommnisse noch nicht so lange zurück liegen.
Andere Essays haben mir aber durchaus gefallen: Die Geschichte von Dürers Nashorn, Elenas persönliche Erinnerungen an das Einhorn Lancelot (weil das Kindheitserinnerungen weckt. Ich kann mich erinnern, ebenfalls ein Einhorn wie Lancelot gesehen zu haben, aber mir war klar, dass es kein echtes Einhorn war, aber damals gab es hin und wieder diverse Tierfreakshows) oder die Geschichte der Elefanten in Europa.

Elena hat ein anspruchsvolles Buch zusammengestellt, dessen Zugang vielen Lesern vielleicht nicht gelingen wird. Es ist kein Zoologiebuch, keine Kurzgeschichtensammlung und schon gar kein Lexikon.
Mir gelang der Zugang teilweise, denn nur wenige der zusammengestellten Essays haben mich erreicht.
Es ist definitv nicht das beste Buch über Tiere, das ich je gelesen habe (wie es bei Helen McDonald auf dem Klappentext zu lesen ist)

Erwähnenswert ist allerdings die Arbeit der Übersetzerin Beatrice Fassbender, die bestimmt keine leichte Aufgabe vor sich hatte, diese aber erfolgreich meisterte.
Ebenfalls erwähnenswert ist die Bibliografie, die Elena für ihre Essays zu Rate zog. Und zu besseren Verständnis einiger der Essays schadet es nicht, dem einen oder anderen Hinweis nachzugehen.
Ich kann nicht sagen, an wen sich dieses Buch wendet.
Tierfreunde könnten enttäuscht werden, da man anhand des Titels durchaus etwas anderes erwarten könnte: Eine Ar Biografie. Die Darstellung der Tiere ist mehr die der Menschen, die mit ihnen zu tun haben.
Künstlerisch mag "Berühmte Tiere der Menschheitsgeschichte" ein Gewinn sein und vielleicht macht es sich auch gut im Bücherregal, aber nur wenige der Essays sind in meinen Augen wirklich lesenswert.