Ich war gerade richtig enttäuscht, als das Buch plötzlich vorbei war, denn da hätte ich eindeutig noch viel mehr von lesen können. Was ich hoffentlich in Zukunft auch tun werde, denn zum Glück gibt es ja nicht nur diesen ersten Band.
Hat es mir besser gefallen, als der Film? Vermutlich nicht, und es gab auch durchaus ein paar Momente, die ich ein wenig merkwürdig fand (unter anderem, wie extrem explizit feministisch der Unterton die ganze Zeit ist, was mich einerseits gefreut hat, andererseits kam es mir für die Zeit recht viel vor, gerade angesichts dessen, wie wenig feministisch so viele Figuren außer Enola waren, aber als ich dann drüber nachgedacht habe, hat es auch total viel Sinn ergeben, dass Enola mit der Mutter eben mehr Fokus auf Frauenrechte legt, als andere Personen im Buch. Das ganze hatte leider trotzdem viel einen Vibe von "ich bin nicht wie andere Mädchen", den ich teils etwas abschreckend fand, im großen und ganzen kam es mir aber stimmig vor.
Enola fand ich mit ihren Meinungen und Gedanken und auch Fehlern einen sehr erfrischenden Hauptcharakter, und ich mochte es, dass sie in einigen Punkten eindeutig unterlegen war, während sie in anderen Punkten dann wieder Vorteile gegenüber selbst Sherlock hatte.
Sherlock und Mycroft fand ich nicht sonderlich sympathisch, auch wenn ich in beiden Potenzial sehe (wenn auch mehr in Sherlock), dass sie sich noch ein wenig weiterentwickeln können, und ich hatte auch keineswegs das Gefühl, dass ich sie mögen sollte.
Den Lord hingegen fand ich schon ziemlich sympathisch, und bin im Endeffekt sehr traurig, wie wenig Interaktion es zwischen Enola und ihm gab (was natürlich aber auch der geringen Seitenzahl geschuldet ist.
Die Mutter kommt mir erstaunlich komplex vor al Charakter, dafür dass ich sie gleichzeitig irgendwie auch sehr einseitig finde, und insgesamt hat mir die Komposition von Figuren und Plot einfach gut gefallen.
Auch mag ich, wie zugänglich das Buch und die Geschichte ist. Ich hätte absolut keine Probleme damit, das einem jugendlichen in die Hand zu drücken, und während ich es nicht mit Doyle vergleichen würde, finde ich es eine gut gelungene Fanfiction zu den originalen Büchern/Figuren (absolute als Lob gemeint).