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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2020

Absurder geht´s nicht

Das kann uns keiner nehmen
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Im Krater des Kilimandscharo treffen sich zwei ältere Männer, beide wollten dort alleine die Nacht verbringen - offene Rechnungen mit dem Leben begleichen, ihren unglücklichen Lieben nachtrauern. So ungleich ...

Im Krater des Kilimandscharo treffen sich zwei ältere Männer, beide wollten dort alleine die Nacht verbringen - offene Rechnungen mit dem Leben begleichen, ihren unglücklichen Lieben nachtrauern. So ungleich sie auch sind, ist das der Beginn einer unwahrscheinlichen Freundschaft. Doch der Tod läuft auch mit.

Diese emotionale Männergeschichte ist reizvoll, weil sie autobiographische Anteile hat und Männerthemen selten so berührend aufgearbeitet werden. Eine einfache Schilderung der Entwicklungen hätte deswegen genügt, um die Geschichte gelingen zu lassen. Der Autor hat jedoch einen großen Fokus auf die Sprache gelegt, die sehr auffällig ist und der Erzählung nicht nur gut tut. Es ist schwer das Sprachgewirr zu verstehen, das aus "bayrischem Geschwätz", dem dreisprachigen Pidgin aus suaheli-deutsch-englisch und der ganz gegensätzlich gehobenen deutschen Sprache besteht. Dazwischen werden ganz unvermittelt und scheinbar beliebig Wörter wie "insonderheit", "nachgerade" gestreut und davon gesprochen, dass ihm eine "Toilette avisiert" wurde. So wirkt das Ganze sehr schräg und lässt die Geschichte umso merkwürdiger erscheinen.

Die Geschichte hat für sich schon viele surreale Anteile. Die Charaktere Hans und Tscharli sind mit vielen Eigenheiten ausgestattet, die sich gegenseitig aneinander aufreiben. Bei den Lesenden werden Scham und Ärger erzeugt, besonders wegen dem rassistischen Auftreten Tscharlis. Als die beiden ihre Reise gemeinsam fortsetzen wird es zwischenmenschlich zunehmend merkwürdig. Trotzdem werden beide mit der Zeit sympathisch und ihr Handeln verständlicher. Die eingestreute politische Kritik und geschichtliche Informationen kommen noch hinzu. Alles etwas komplex und nah am absurden. Dagegen ist die Grundgeschichte, dass sich zwei ältere Deutsche im Kilimandscharo in Afrika begegnen, die am Wendepunkt ihres Lebens stehen richtiggehend realistisch.

In drei Erzählstrange geteilt, geht es nach dem ersten Teil im Krater und der gemeinsamen Weiterreise als zweites, dann im dritten Teil um den Rückblick in die Vergangenheit von Hans. Der erste Teil liest sich spröde, der zweite Teil fließt dann besser, zum Ende hin wird das Lesen zunehmend leichter. Der letzte Teil ist es auch, der die Lesenden mit der Geschichte versöhnen kann.

Grundsätzlich eine faszinierende Thematik, die jedoch sprachlich und inhaltlich schräg umgesetzt wurde. Durchaus unterhaltsam, aber schwer lesbar.

Veröffentlicht am 24.02.2020

Ergreifend und schonungslos

Rote Kreuze
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"Das Glück hat immer eine Vergangenheit (...) und jeder Kummer hat eine Zukunft."

Die 90 jährige Tatjana hat Alzheimer, doch es gibt vieles, das sie nicht vergessen kann und möchte. Ihr Leben ist eng ...

"Das Glück hat immer eine Vergangenheit (...) und jeder Kummer hat eine Zukunft."

Die 90 jährige Tatjana hat Alzheimer, doch es gibt vieles, das sie nicht vergessen kann und möchte. Ihr Leben ist eng mit den tragischen Geschehnissen des 20. Jahrhunderts in Russland verknüpft. Gegen das Vergessen drängt sie sich mit ihrer "Biographie der Angst" ihrem neuen Nachbarn Alexander auf. Dieser trägt jedoch selber schwer am Leben.

Die Geschichte von der Tatjana erzählt, hat ein ungeheures Gewicht. Ihre Erlebnisse während und nach dem Krieg, die Repressionen gegen die eigene Bevölkerung und der Umgang mit Kriegsgefangenen sind zutiefst erschreckend. Gleichzeitig wird deutlich wie geschichtliche Fakten von Bevölkerungsteilen verharmlost und beschönigt werden. Die kritische und vielstimmige Herangehensweise an diese Thematik ist sehr bereichernd.

Der Autor schafft durch seine nüchterne und distanzierte Erzählung einen Ausgleich zwischen den dramatischen Geschehnissen und dem berührenden Schicksal Tatjanas. Es ist angenehm, dass es emotional nicht so sehr in die Tiefe geht. Das scheint bei dem emotional aufgeladen Thema auch nicht nötig.

Die Erzählung hat einen starken Spannungbogen und wirkt mitreißend. Die Sprache ist besonders durch den schwarzen/schonungslosen Humor gekennzeichnet. Viele Textpassagen sind sehr deutlich und aussagekräftig. So spielen die "roten Kreuze" in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle in der Erzählung. Sie sind mit Bedeutung aufgeladen.

Insgesamt ist das Buch sehr zu empfehlen. Eine starke Thematik, die trotz der Dramatik mit einer gewissen Distanz umgesetzt wurde.

Veröffentlicht am 01.02.2020

Harmonie versus das Böse in der Welt

Die Frauen von Richmond Castle
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Ishbel (Blue) Camberwell lebt gut situiert mit ihrer Familie in einem Stadthaus, im England der 1920er. Ihre Familie hat Krieg und Tod erlebt. An ihrem 21. Geburtstag macht ihr Vater gegen ihren Willen ...

Ishbel (Blue) Camberwell lebt gut situiert mit ihrer Familie in einem Stadthaus, im England der 1920er. Ihre Familie hat Krieg und Tod erlebt. An ihrem 21. Geburtstag macht ihr Vater gegen ihren Willen eine Ankündigung vor allen Geladenen, durch die sie einen Ehemann finden soll. Das wirbelt nicht nur in der Familie viel auf. Und als die Familie die todunglückliche Delphine vor dem Ertrinken rettet und sie vor ihrem gewalttätigen Ehemann schützt, kommt noch so einiges Anderes ins Rollen.

In ihrem Roman beschreibt die Autorin drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise für die Zeit der 1920 stehen und ihren Weg suchen. Alle Drei hadern mit den Konventionen und ihrer Rolle als Frau. So strebt Blue eher nach einer Berufstätigkeit als nach einer Ehe, Delphine erarbeitet sich ein glückliches Leben nach der Flucht aus einer gewalttätigen Ehe und die vorher mittellose Mitch sucht als Stiefmutter ihren Platz in der Familie. Es ist spannend in das Leben der drei starken Frauen Einblick zu bekommen, deren Entwicklung mitzuverfolgen. Ein spannendes Thema mit Vorbildfunktion für heutige Frauen.

In der gesamten Erzählung rückt das Familienleben sehr in den Vordergrund, alle unterstützen sich gegenseitig und "überschlagen" sich in ihrem Liebreiz und ihrem uneigennützigen Einsatz für die Anderen. Es wirkt fast etwas irreal, mit welcher "Inbrunst" sich jede Einzelne für das Wohl der Anderen einsetzt und wie groß die Harmonie untereinander ist. Sogar der Vater wirkt übermäßig in seiner Güte, Nachsicht und Fürsorge. Dagegen steht die böse Umwelt, mit dem gewalttätigen Ehemann Delphines beispielsweise, in krassem Gegensatz. Die Familie wirkt wie unter einer Glasglocke, das gibt der Geschichte etwas märchenhaft, übertrieben Unrealistisches.

Darüber lässt sich jedoch hinweg sehen, da die Erzählung sehr unterhaltsam, leichtgängig und spannend ist. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und umfassend beschrieben. Die Vielfalt der Charaktere macht ebenfalls einen Reiz des Buches aus. Ihre Entwicklungen werden einühlsam mit großer Emotionalität transportiert, sodass darauf bezogen Tiefe entsteht. Die Sprache war gut verständlich, auch wenn die Figuren in den Dialogen etwas gestelzt rüber kommen. Am Ende wird alles gut, anders kann es (das ist von Anfang an klar) gar nicht sein.

Ein Feelgood-Roman mit Tiefgang vor historischem Hintergrund der 20er Jahre in England.

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Veröffentlicht am 11.11.2019

Ungewöhnlich, skurril und bissig

Letzte Rettung: Paris
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Frances und ihr Sohn Malcom Price leben mit ihrem Kater Kleiner Frank in New York ein luxuriöses Leben. Das Erbe des verstorbenen Mannes ist bald verprasst und deswegen "flieht" Frances mit ihrem Sohn ...

Frances und ihr Sohn Malcom Price leben mit ihrem Kater Kleiner Frank in New York ein luxuriöses Leben. Das Erbe des verstorbenen Mannes ist bald verprasst und deswegen "flieht" Frances mit ihrem Sohn und dem Kater, den sie für die Inkarnation ihres toten Mannes hält nach Paris. Eine seltsame Reise beginnt.

Die Geschichte ist durchweg komisch, nicht witzig oder lustig, eher sonderbar. Dies liegt vor allem an den skurrilen Charakteren, davon einer merkwürdiger als der andere. Keine der Personen ist besonders sympathisch, eher spröde und komisch. Doch das macht nichts. Zudem werden es immer mehr von ihnen und untereinander entsteht ein Wirrwarr an Interessen, Bedürfnissen und Vorbehalten. Die Unterhaltungen und die Dynamiken untereinander sind äußerst skurril und unterhaltsam, passen nicht immer zueinander. Dies scheint gewollt.
Ich konnte der kuriosen Ansammlung an seltsamen Menschen viel abgewinnen. Die vielfältigen und seltsamen Charakterzüge, so abgedreht sie auch sind, haben einen hohen Unterhaltungswert und die grundlegenden Bedürfnisse werden offen gelegt. Der Autor befasst sich intensiv mit den Charakteren, entblößt diese und setzt sie in Beziehung zueinander.

Das Geschehen entwickelt sich äußerst kurios. Die Handlung ist stark überspitzt und spielt mit dem Irrealen. Zeitweise ist die Entwicklung sehr real, fast schon tragisch. Die Wendungen kommen unerwartet, passen gut in diese absurde Geschichte. Hinzu kommt ein schwarzer Humor, der der Geschichte noch mehr Charme gibt, jedoch auch abschrecken kann. Das derbe, heftige und spröde vieler Situationen gefällt vermutlich nicht Jedem, mir jedoch sehr.

Die Geschichte lässt sich, anders als erwartet, sehr angenehm lesen und fließt zügig dahin. Zwischendurch gibt es ein paar Höhepunkte, die ungewöhnliche Wendungen mit sich bringen und die Charaktere in Entwicklungen zwingen.

Eine bissig und skurrile Charakterstudie, äußerst unterhaltsam.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Enttäuschende Fortsetzung

Wer im Himmel auf dich wartet
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Mitch Albom hat in diesem Roman die Geschichte aus "die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen" fortgesetzt. Begeistert von seinen bisherigen Romanen, bin ich enttäuscht darüber wie sehr dieser Roman ...

Mitch Albom hat in diesem Roman die Geschichte aus "die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen" fortgesetzt. Begeistert von seinen bisherigen Romanen, bin ich enttäuscht darüber wie sehr dieser Roman dem Vorgänger gleicht. Annies Geschichte, mit der das andere Buch endete, wird hier weiter erzählt. Auch sie hat viele offene Lebensthemen und bekommt im Himmel die Gelegenheit sich mit diesen auszusöhnen.

Besonders an Alboms Romanen ist die einfühlsame Auseinandersetzung mit dem Thema Tod. Dieses spirituelle Thema hat viele berührende Aspekte die Albom interessant umsetzt. Dabei beschreibt er ein tröstliches Bild von "Himmel" und lässt zu, das alles einen Sinn bekommt. Tod und Sterben werden mit hoffnungsvollen Bildern verbunden. Jedes Leben bietet Chancen und Herausforderungen. Dies ist auch in diesem Roman so, der nicht voraussetzt, den Vorgänger gelesen zu haben.

Trotzdem erscheint mir eine Fortsetzung des Vorgängers - vorallem schematisch gleich erzählt - nicht nötig. Aus meiner Sicht war der Vorgänger aussagekräftig genug und hatte ein reizvolles offene Ende.

Unabhängig davon ist dieser Roman empfehlenswert, nur genügt es eins von beiden Büchern gelesen zu haben.