Starke Grundidee, leider schwache Umsetzung
HEN NA IE - Das seltsame HausUketsus „Hen na ie – Das seltsame Haus“ hatte mich anfangs durch die Idee begeistert, dass anhand von Grundrissen dem Geheimnis eines „Seltsamen Hauses“ auf den Grund gegangen werden soll. Die Grundrisse ...
Uketsus „Hen na ie – Das seltsame Haus“ hatte mich anfangs durch die Idee begeistert, dass anhand von Grundrissen dem Geheimnis eines „Seltsamen Hauses“ auf den Grund gegangen werden soll. Die Grundrisse werden dabei nicht nur beschrieben, sondern sind im Buch abgebildet, wie in dem neuen Genre Sketch Crime Mystery üblich. Ich hatte es als eBook zur Verfügung gestellt bekommen und möchte hier, bevor es zum Inhaltlichen kommt, lobend erwähnen, dass die Abbildungen allesamt gut dargestellt wurden (Reader: Adobe Digital Editions), die technische Umsetzung im eBook gut funktionierte.
Leider werden die Grundrisse im Buch dann aber inflationär abgebildet, was irgendwann tatsächlich stört, wenn man wiederholt das Gleiche sieht, aber in der Geschichte kaum vorwärtskommt. Die Protagonisten schießen sich viel zu schnell auf nur eine mögliche Erklärung ein, was zum einen den Spass der Lesenden minimiert, selber ein bisschen zu rätseln und zum anderen sind die Schlussfolgerung sehr, sehr konstruiert und andere Erklärungen werden einfach nicht berücksichtigt oder als „unwahrscheinlich“ abgetan, während ein noch unwahrscheinlicheres Szenario von allen Beteiligten als „einzig mögliche Erklärung“ sofort akzeptiert wird. Im späteren Verlauf der Geschichte wären statt der Grundrisse andere visuelle Darstellungen von Beziehungen von Figuren untereinander hilfreich gewesen, wurden aber nicht genutzt.
Die große Auflösung am Ende lässt nur mit dem Kopf schütteln, selbst wenn man eventuelle kulturelle Unterschiede zwischen einer japanischen und einer deutschen Leserschaft in der Wahrnehmung von Wichtigkeit von bestimmten Umständen gelten lässt. Ich halte das bewusst vage, damit niemand, der vielleicht doch Spass an dem Buch hat, gespoilert wird.
Es tut mir sehr leid, dass ich im Fazit eben nur festhalten kann, dass die Grundidee, den Geheimnissen eines Hauses anhand seines Grundrisses auf den Grund zu gehen, eigentlich grandios ist, aber die Umsetzung leider sehr enttäuschend.
Ich kenne auch den Manga, von dem im Deutschen der abschließende Band noch nicht erschienen ist und da zeichnete sich auch schon ab, dass die Erklärung wild wird und dass Protagonist seine Schlussfolgerungen schnell abschießt, aber das empfand ich in einem Manga nicht als so störend, während im Buch ja eigentlich genügend Raum wäre mehr Kontext zu liefern und die Schlussfolgerungen sich etwas langsam entwickeln zu lassen. Aber das Buch liefert nicht ein I-Tüpfelchen mehr Einblicke in die Gedankenwelt der Figuren als der Manga.