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Mila_Milnesium

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Starke Grundidee, leider schwache Umsetzung

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Uketsus „Hen na ie – Das seltsame Haus“ hatte mich anfangs durch die Idee begeistert, dass anhand von Grundrissen dem Geheimnis eines „Seltsamen Hauses“ auf den Grund gegangen werden soll. Die Grundrisse ...

Uketsus „Hen na ie – Das seltsame Haus“ hatte mich anfangs durch die Idee begeistert, dass anhand von Grundrissen dem Geheimnis eines „Seltsamen Hauses“ auf den Grund gegangen werden soll. Die Grundrisse werden dabei nicht nur beschrieben, sondern sind im Buch abgebildet, wie in dem neuen Genre Sketch Crime Mystery üblich. Ich hatte es als eBook zur Verfügung gestellt bekommen und möchte hier, bevor es zum Inhaltlichen kommt, lobend erwähnen, dass die Abbildungen allesamt gut dargestellt wurden (Reader: Adobe Digital Editions), die technische Umsetzung im eBook gut funktionierte.

Leider werden die Grundrisse im Buch dann aber inflationär abgebildet, was irgendwann tatsächlich stört, wenn man wiederholt das Gleiche sieht, aber in der Geschichte kaum vorwärtskommt. Die Protagonisten schießen sich viel zu schnell auf nur eine mögliche Erklärung ein, was zum einen den Spass der Lesenden minimiert, selber ein bisschen zu rätseln und zum anderen sind die Schlussfolgerung sehr, sehr konstruiert und andere Erklärungen werden einfach nicht berücksichtigt oder als „unwahrscheinlich“ abgetan, während ein noch unwahrscheinlicheres Szenario von allen Beteiligten als „einzig mögliche Erklärung“ sofort akzeptiert wird. Im späteren Verlauf der Geschichte wären statt der Grundrisse andere visuelle Darstellungen von Beziehungen von Figuren untereinander hilfreich gewesen, wurden aber nicht genutzt.

Die große Auflösung am Ende lässt nur mit dem Kopf schütteln, selbst wenn man eventuelle kulturelle Unterschiede zwischen einer japanischen und einer deutschen Leserschaft in der Wahrnehmung von Wichtigkeit von bestimmten Umständen gelten lässt. Ich halte das bewusst vage, damit niemand, der vielleicht doch Spass an dem Buch hat, gespoilert wird.

Es tut mir sehr leid, dass ich im Fazit eben nur festhalten kann, dass die Grundidee, den Geheimnissen eines Hauses anhand seines Grundrisses auf den Grund zu gehen, eigentlich grandios ist, aber die Umsetzung leider sehr enttäuschend.

Ich kenne auch den Manga, von dem im Deutschen der abschließende Band noch nicht erschienen ist und da zeichnete sich auch schon ab, dass die Erklärung wild wird und dass Protagonist seine Schlussfolgerungen schnell abschießt, aber das empfand ich in einem Manga nicht als so störend, während im Buch ja eigentlich genügend Raum wäre mehr Kontext zu liefern und die Schlussfolgerungen sich etwas langsam entwickeln zu lassen. Aber das Buch liefert nicht ein I-Tüpfelchen mehr Einblicke in die Gedankenwelt der Figuren als der Manga.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Flotter Auftakt zu einer YA-Reihe mit Luft nach oben

Let's Split Up - Ein verfluchtes Haus. Vier Freunde. Eine verhängnisvolle Entscheidung.
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Bill Wood´s Debütroman „Let´s split up” spielt mit den Tropes (man könnte auch sagen Klischees) des Teenie-Slasher-Genres, weicht aber auch genug davon ab, um nicht komplett vorhersehbar zu sein.

Worum ...

Bill Wood´s Debütroman „Let´s split up” spielt mit den Tropes (man könnte auch sagen Klischees) des Teenie-Slasher-Genres, weicht aber auch genug davon ab, um nicht komplett vorhersehbar zu sein.

Worum es geht: In dem kleinen Nest Sanera steht ein verlassenes Herrenhaus, um das sich einige lokale Legenden ranken. Als zwei junge Menschen auf mysteriöse Weise darin umkommen, wird das Freundes-Trio Cam, Amber und Jonesy von ihrer neuen Mitschülerin Buffy angeregt, sich das Spukhaus selbst einmal genauer anzuschauen. Doch das scheint vielleicht nicht die beste Idee gewesen zu sein…

Was einen erwartet: Der Roman macht keinen Hehl daraus, dass Serien wie Scooby Doo- Where are you und eben diverse Teenie-Slasher- Filme die Hauptinspiration für Setting und Charaktere gewesen sind. Wer damit nichts anfangen kann, wird dann mit der Geschichte vielleicht nicht so viel Spass haben. Zu diesen Serien/Filmen gehört auch ein bestimmter Ablauf der Ereignisse, so dass man nicht auf allzu viele Überraschungen hoffen sollte. Während die erwachsenen Nebenfiguren vergleichsweise blass bis stellenweise unglaubwürdig gestaltet sind, schenkt Bill Wood seinen jugendlichen Hauptfiguren viel Aufmerksamkeit. Cam, Amber und Jonesy sind in ihren Teenie-Ängsten um queere erste Liebe und Platz in der Welt sehr sympathisch gezeichnet und auch die geheimnisvolle Buffy gewinnt schnell die Herzen des Trios.

Die Balance zwischen noch fast kindlichem Detektiv-Roman a la Die drei ??? und blutigem Horror mit zum Teil sehr drastisch beschriebenen Sterbeszenen müsste allerdings noch in weiteren Bänden dieser Reihe etwas verfeinert werden. Je nach Kapitel/Szene hat man das Gefühl zwischen diesen beiden Genres zu springen als eine gelungene Mischung aus den Elementen aus beidem vor sich zu haben.

Fazit: Wie eben Horror-Filme und Teenie- Mystery Serien ist dieser Roman ein Guilty Pleasure: Es macht Spaß ihn zu lesen, er liest sich flott. Tiefe Einsichten oder einen neuen Blick auf das Genre sollte man nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Eigenwilligen Mix aus interessanten Gedankenexperimenten und absurder Action

Die Abschaffung des Todes
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Das Spannende an Romanen von Andreas Eschbach ist neben den interessanten Prämissen ja immer, dass sie sich in völlig unerwartete Richtungen entwickeln.

Bei "Die Abschaffung des Todes" ist es wieder ...

Das Spannende an Romanen von Andreas Eschbach ist neben den interessanten Prämissen ja immer, dass sie sich in völlig unerwartete Richtungen entwickeln.

Bei "Die Abschaffung des Todes" ist es wieder so: James Windover ist Redakteur der objektivsten Zeitung der Welt, die den Vorsatz "sine ira, sine studio" bis zum äußersten verfolgt und nur die Fakten ohne Emotion liefert. Aufgrund seiner fast unbestechlichen Unvoreingenommenheit wird er von einer Abonnentin gebeten, die Versprechen der Firma Youvatar einzuordnen, die nichts Geringeres ankündigt als den Tod abzuschaffen.
Mit seinen Recherchen setzt James Ereignisse in Gang, die zu rasanten Verfolgungsjagden quer durch Europa und dazwischen eingestreuten interessanten Gedankenexperimenten führen.

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, wie eigentlich immer bei Eschbachs "Was wäre, wenn..." Überlegungen. Für mich waren leider die Action-Szenen ein großer Schwachpunkt (fairerweise muss ich sagen, dass ich persönlich kein Action-Thriller Fan bin), da sie die interessanten Dialoge unterbrechen. Die Idee, die Action mit Meta-Humor zu brechen und Protagonist James darauf hinweisen zu lassen, dass dieses oder jenes so absurd sei, dass man es in einem Roman oder Film nicht bringen könnte, ist ein paar Mal witzig, aber dann leider etwas zu oft benutzt.

Ich hätte mir statt der Actionszenen mehr Raum für die Ideen gewünscht. Alleine James' Zeitung, die sich maximaler Objektivität verschrieben hat, wäre eine eigene Geschichte über die Macht der Informationen wert. Oder eben, was die "Abschaffung des Todes" gesellschaftlich bedeuten würde. Oder wie die vorgestellte Methode missbraucht werden kann.

Ich durfte den Roman im Rahmen einer Leserunde der Lesejury zusammen mit anderen lesen und fand den Austausch spannend. Und da punktet "Die Abschaffung des Todes": Wenn man es mit Freunden und Familie liest, regt es spannende Diskussionen an und bringt einen auch dazu, über die Dinge zu sprechen, die man gerne ausblendet (z.B. Patientenverfügung).

Fazit: "Die Abschaffung des Todes" wird nicht mein neuer Lieblingsroman von Andreas Eschbach (da stehen unangefochten "Herr aller Dinge" und "Ausgebrannt"), aber die unterwegs beim Lesen aufgenommenen Themen und Ideen waren das Lesen wert und ich freue mich dann schon auf die nächste Gedankenreise.

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Veröffentlicht am 17.04.2024

Wissenschaft ist eine Art zu denken! Mit Ada kannst Du sie erlernen!

Die Forscherbande: Experimentieren und Entdecken mit Ada Twist
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Der leider verstorbene US-Astronom und Wissenschaftsvermitttler Carl Sagan, hätte sich über Ada und ihre Abenteuer sicher sehr gefreut, denn sein Motto war: „Science is more a way of thinking than a body ...

Der leider verstorbene US-Astronom und Wissenschaftsvermitttler Carl Sagan, hätte sich über Ada und ihre Abenteuer sicher sehr gefreut, denn sein Motto war: „Science is more a way of thinking than a body of knowledge.“ („Wissenschaft ist eher eine Art zu denken als eine reine Ansammlung von Wissen.“)

„Experimentieren und Entdecken mit Ada Twist“ von Andrea Beaty und David Roberts aus der Reihe „Die Forscherbande“ kommt tatsächlich mit einem Twist: Statt wie in den meisten Experimentierbüchern für Kinder gibt es bei Ada nur wenig vorgefertigte Versuche nach dem Schema „Mache A, dann passiert B.“ Stattdessen wird sehr anschaulich (und auch durchaus für Erwachsene erhellend) die wissenschaftliche Methode vorgestellt, der Unterschied zwischen Fakten, Behauptungen und Meinungen erklärt und viel zum Selberforschen angeregt, ohne allzu viel vorzugeben.

Mit Ada ist eine quirlige, liebenswerte Identifikationsfigur gelungen, deren Forschungsabenteuer („Was ist dieser fürchterliche Gestank?“) wir in einer kleinen Geschichte verfolgen und dabei zusammen mit ihr die Wissenschaft als Prozess die Welt zu verstehen kennenlernen. Dabei bleibt sie, wenn auch wahnsinnig neugierig und aufgeweckt, ein ganz normales Kind, dem beim Forschen auch mal ganz gehörige Schnitzer unterlaufen, die auch dazu gehören. Da das Bild, was Forschende ausmacht, immer noch stark durch die Darstellung in Filmen, Serien und anderen Medien verzerrt bzw. eingeengt wird, ist auch die Übersicht, was alles erforscht werden kann und wie divers Forschende sein können, sehr wichtig und hier wunderbar gelungen.

Fazit: Das Buch wird ab 8 Jahren empfohlen. Da es den Kindern auch schwierige Inhalte zutraut, die vielleicht nicht alle sofort verstehen, wäre es gut, wenn Erwachsene und Kinder da Buch gemeinsam lesen (Erwachsene werden auch ihren Spass und einige Aha!-Momente haben). Ich habe das Buch schon ein paar Familien mit ihren Adas empfohlen und positive Rückmeldungen erhalten. Insgesamt ist die Herangehensweise, statt einzelne Phänomene in kleinen Experimenten nachzustellen, die Wissenschaft als Methode vorzustellen erfrischend anders.





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Veröffentlicht am 15.01.2024

Bittersüßer Roadtrip mit Hund und Schnecke in eine ungewisse Zukunft…

Endling
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In dieser nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Tragikomödie macht sich Biologin Zoe zusammen mit ihrer kleinen Schwester Hannah und ihrer an Angststörungen leidenden Tante Auguste auf, die verschollene ...

In dieser nicht in allzu ferner Zukunft angesiedelten Tragikomödie macht sich Biologin Zoe zusammen mit ihrer kleinen Schwester Hannah und ihrer an Angststörungen leidenden Tante Auguste auf, die verschollene Freundin der Tante aufzuspüren und macht dabei eine buchstäblich fantastische Entdeckung.

Dieser eine Satz, der die Handlung möglichst spoilerfrei zusammenfassen soll, gibt nicht annährend die Schwere der Themen wieder, mit denen Jasmin Schreiber ihre Lesenden konfrontiert: Noch nicht einmal 20 Jahre in der Zukunft sind Arten wie das Rotkehlchen ausgerottet und täglich folgen weitere (so hütet Auguste das letzte Exemplar der Spezies Weinbergschnecke Helix pomatia, der titelgebende Endling), Deutschland hat sich in einen faschistoiden Staat zurückentwickelt, der die Frauenrechte um mehr als 50 Jahre (von heute gesehen) zurückgedreht hat, Menschen mit Migrationshintergrund diskriminiert (leider kein Zukunftsthema) und eine Pandemie die nächste jagt. Zusätzlich zu diesen globalen Problemen hat jede der Protagonistinnen ihr eigenes Trauma zu verarbeiten, das durch den Verlust des Vaters bzw. des Bruders in einer der unzähligen Pandemien ausgelöst wurde: Auguste schließt die Welt aus und zieht sich wie ihr Schützling in ein Schneckenhaus zurück, das sie akribisch keimfrei hält, Zoe stürzt sich in ihre Arbeit als Dokumentarin des Artenschwundes und Hannah navigiert als alleingelassenes Nesthäkchen gefährlich am Rande des Alkoholismus, hat sie sich diesen doch als (fragwürdigen) Bewältigungsmechanismus bei ihrer Mutter abgeguckt.

Wie schon bei ihren Vorgängerromanen „Marianengraben“ und „Der Mauersegler“ oder dem sehr persönlichen Sachbuch „Abschied von Hermine“ gelingt es Jasmin Schreiber diese sehr traurigen Themen mit einer überraschenden Leichtigkeit zu erzählen. Sie findet in aller Trauer immer Situationen, die mit etwas Abstand (für uns als Lesende sofort, für die Protagonisten hoffentlich mit der Zeit) auch eine gewisse Komik beinhalten und arbeitet sie heraus. Wenn Angstpatientin und Keimphobikerin Auguste sich zum Beispiel endlich ins Auto wagt und dann auf der Reise mit dem Konzept „Raststättenklo“ konfrontiert wird.

Für eine reine „Roadtrip“- Erzählung werden dem Reiseantritt und den einzelnen Etappen sehr viel Platz eingeräumt, unterwegs wird ein Mysterium aufgebaut, das nach einer zufriedenstellenden Auflösung am Ende der Reise verlangt…und hier liegt für mich persönlich leider der Schwachpunkt der Geschichte: Die ganze Auflösung um Sophies Verschwinden ließ zumindest mich ratlos zurück, dafür dass die Geschichte viel Zeit in den Aufbau und die Reise gesteckt hat, fühlte sich für mich persönlich der Schluss leider etwas überhastet an. Ich bleibe aber neugierig, ob „Endling“ nicht vielleicht der Auftakt zu einer weiteren Geschichte sein könnte, zumal weitere Teilnehmende der Leserunde der Bastei Lesejury, an der ich teilnehmen durfte, bemerkt hatten, dass Figuren aus „Marianengraben“ und „Der Mauersegler“ auftauchen, alle drei Romane im „gleichen Universum“ spielen (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir das beim ersten Lesen nicht aufgefallen war, vielen lieben Dank an meine Mitlesenden!). Kurze Anmerkung: Die Romane bauen nicht aufeinander auf und können vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden, es ist nur ein kleiner Benefit für jene, die alle drei gelesen haben.

Fazit: „Endling“ ist eine literarische Aufarbeitung der akuten Probleme unserer Zeit, entsprechend sollte man keinen Feel good- Roman erwarten, auch wenn sich oft tragikomische Szenen ergeben, die dem Ganzen zwischendurch die Schwere nehmen. Wie man das Ende empfindet, ist sicher sehr Geschmacksache und von Erwartungen abhängig, aber da wie bei allem Roadtrip-Geschichten der Weg als eigentliches Ziel zählt, ist „Endling“ eine weitere bittersüße Perle in Jasmin Schreibers unbedingt lesenswerter Bibliographie.

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